Frankfurt a.M.

Raus in den Taunus: Wanderung auf den Großen Feldberg und zum Altkönig

Frankfurt hat die Skyline, aber der Taunus hat die Aussicht. Wer dem Trubel der Zeil entkommen will, schnürt die Stiefel und nimmt die U-Bahn Richtung Hohemark. Es wartet eine Wanderung, die ordentlich in die Waden geht, dafür aber mit dem besten Blick auf das Rhein-Main-Gebiet belohnt.

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Zwischenablage

Die Reise beginnt meistens an der Endstation der U3 in Oberursel-Hohemark. Hier spuckt die Bahn im Zehn-Minuten-Takt Wanderlustige aus, die sich erst einmal am Kiosk orientieren. Es riecht nach feuchter Erde und dem ersten Kaffee des Tages. Viele stürmen sofort los, doch ein kurzer Blick auf die Wanderkarte am Parkplatz lohnt sich, um nicht direkt im dichten Wegenetz des Naturparks hängen zu bleiben. Der Taunus ist hier kein einsames Gebirge, sondern eher das verlängerte Wohnzimmer der Frankfurter. Das merkt man vor allem an sonnigen Sonntagen, wenn die Mountainbiker mit ihren knallbunten Trikots wie kleine Farbtupfer an einem vorbeischießen. Man folgt zunächst dem gelben Balken oder den Markierungen des Taunusklubs. Der Aufstieg beginnt moderat, fast schon gemütlich. Der Boden ist hier oft mit einer dicken Schicht aus Buchenlaub bedeckt, die jeden Schritt dämpft. Es knackt hin und wieder unter den Sohlen, und wer genau hinhört, vernimmt das Klopfen eines Spechtes, das im dichten Forst hallt. Die Luft wird merklich kühler, je höher man kommt. Es ist diese typische Taunus-Frische, die einen die Abgase der Stadt schnell vergessen lässt.

Kurz & Kompakt
  • Anreise & Start: Mit der U3 von der Frankfurter Hauptwache bis zur Endstation Oberursel-Hohemark fahren. Dort starten die meisten Wanderwege direkt am großen Parkplatz gegenüber der Taunus-Informationsstelle.
  • Ausrüstung: Unbedingt knöchelhohe Wanderschuhe mit Profilsohle tragen, da der Altkönig-Gipfel sehr steinig und wurzelig ist. Eine windfeste Jacke einpacken, da auf den Gipfeln oft ein sehr starker und kühler Wind weht.
  • Verpflegung: Der Fuchstanz ist der ideale Ort für eine Pause auf halber Strecke; es gibt dort zwei Waldgaststätten mit herzhafter regionaler Küche. Alternativ bietet der Kiosk auf dem Feldbergplateau schnelle Snacks und Getränke an.

Die Mystik des Altkönigs

Bevor es zum Hauptgipfel geht, steht der Altkönig auf dem Programm. Er ist mit 798 Metern zwar nur die Nummer drei im Taunus, aber für viele Einheimische der eigentliche Star. Der Weg dorthin führt über schmalere Pfade, die teilweise recht steinig sind. Man muss schon aufpassen, wo man hintritt, damit man nicht umknickt. Das Besondere am Altkönig ist seine Geschichte. Oben angekommen, stolpert man förmlich über die Überreste zweier monumentaler Ringwälle aus der Keltenzeit. Diese riesigen Steinwälle wirken auch nach über zweitausend Jahren noch beeindruckend, obwohl sie heute eher wie lose Geröllhaufen aussehen. Es hat etwas beinahe Ehrfürchtiges, auf diesen alten Steinen zu sitzen und sich vorzustellen, wie hier einst Menschen gelebt haben, während man heute auf die glitzernden Glasfassaden der Bankentürme in der Ferne schaut. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Am Altkönig weht fast immer eine steife Brise. Die kargen Quarzitfelsen bieten ideale Plätze für eine erste Rast. Es ist hier oben deutlich ruhiger als auf dem Feldberg, weil keine Straße zum Gipfel führt. Man muss sich diesen Ausblick ehrlich erarbeiten. Der Blick schweift über die Kronberger Burg bis hinunter in die Wetterau. Manchmal, wenn die Fernsicht besonders gut ist, erkennt man im Süden sogar die Umrisse des Odenwalds.

Der Marsch durch das Fuchstanz-Idyll

Vom Altkönig aus geht es erst einmal wieder bergab. Der Abstieg ist kurz, aber knackig, bis man am Fuchstanz ankommt. Dieser Ort ist eine echte Institution im Taunus. Es handelt sich um eine Waldkreuzung mit zwei Gaststätten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Hier mischen sich Wanderer, Trailrunner und Familien mit Hunden. Es herrscht ein reges Treiben, fast wie auf einem Marktplatz, nur eben mitten im Wald. Der Duft von Erbsensuppe und frisch gebackenem Kuchen liegt in der Luft. Viele Wanderer machen hier den Fehler und bleiben zu lange sitzen. Ein kühles Radler oder eine Apfelsaftschorle sind zwar verlockend, aber der steilste Teil der Wanderung steht noch bevor. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass man am Fuchstanz kurz innehält, vielleicht ein paar Worte mit Fremden wechselt, die gerade aus der entgegengesetzten Richtung kommen, und dann den nächsten Anstieg in Angriff nimmt. Der Wald wird hier etwas lichter, und man bekommt immer wieder kleine Durchblicke auf das Ziel des Tages: den Großen Feldberg mit seinem markanten Fernmeldeturm.

Gipfelsturm auf den Großen Feldberg

Der finale Aufstieg zum Feldberggipfel zieht sich. Der Weg führt stetig bergauf, mal über breite Forstwege, mal über wurzelige Pfade. Die Beine fangen langsam an zu brennen, aber die Vorfreude auf das Gipfelplateau hält einen am Laufen. Mit 881 Metern ist der Große Feldberg die höchste Erhebung des Schiefergebirges. Oben angekommen, verändert sich die Atmosphäre schlagartig. Während man im Wald meist für sich war, trifft man auf dem Plateau auf Ausflugstouristen, Motorradfahrer und Familien, die mit dem Auto hochgefahren sind. Das mag den Puristen stören, aber das Panorama entschädigt für fast alles. Der riesige rote Fernmeldeturm ragt wie ein Zeigefinger in den Himmel. Er ist schon aus vielen Kilometern Entfernung zu sehen und dient als Navigationshilfe für die gesamte Region. Man kann auf der weiten Grasfläche des Gipfels herumlaufen und in alle Himmelsrichtungen blicken. Im Norden erstreckt sich das Hintertaunus-Bergland, im Süden liegt einem die gesamte Rhein-Main-Ebene zu Füßen. Die Skyline von Frankfurt wirkt von hier oben fast wie eine Spielzeugstadt. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich das Band des Mains durch die Landschaft schlingert. Bei gutem Wetter sieht man die Flugzeuge im Minutentakt am Frankfurter Flughafen starten und landen, während man selbst in der relativen Stille des Hochtaunus steht.

Kultur und Kuriositäten am Wegesrand

Auf dem Feldbergplateau gibt es mehr zu entdecken als nur Aussicht. Da wäre zum einen der Brunhildisfelsen, eine markante Quarzitformation am Nordrand des Gipfels. Die Sage besagt, dass Brunhild hier einst im Schlaf gelegen habe. Heute klettern meistens Kinder auf den Steinen herum. Ein weiteres Highlight ist die Falknerei. Wer Glück hat, kann eine Flugschau beobachten, bei der Bussarde und Falken ihre Kreise ziehen. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, diese Vögel so nah zu erleben. Der Wind pfeift hier oben oft so stark, dass man sein eigenes Wort kaum versteht. Das gehört zum Feldberg-Erlebnis einfach dazu. Wer Hunger hat, steuert das Feldberghaus an oder holt sich eine Wurst am Kiosk. Es schmeckt alles ein bisschen besser, wenn man es sich erwandert hat. Man sollte auch einen Blick auf das historische Senckenberg-Observatorium werfen, das hier oben meteorologische und seismische Daten sammelt. Der Taunus ist nämlich gar nicht so ruhig, wie er scheint; hin und wieder beben hier die Schichten im Untergrund ganz leicht.

Der Rückweg: Knieschonend ins Tal

Nach einer ausgiebigen Pause beginnt der Abstieg. Es gibt verschiedene Varianten, um wieder zum Ausgangspunkt zu kommen. Eine schöne Route führt über den Sandplacken. Der Weg ist sanfter als der Aufstieg und führt durch dichte Fichtenwälder. Die Geräuschkulisse ändert sich wieder; das Rauschen des Windes in den Baumwipfeln wird zum ständigen Begleiter. Hin und wieder quert ein kleiner Bachlauf den Weg, dessen Plätschern beruhigend wirkt. Unterwegs stößt man vielleicht auf den Limes, den alten römischen Grenzwall. An manchen Stellen ist er noch als kleiner Graben oder Wall erkennbar. Es ist schon verrückt, wie viel Geschichte in diesem Mittelgebirge steckt. Man läuft über Wege, die schon die Römer und später die Ritter der Burg Kronberg genutzt haben. Die Knie fangen beim langen Bergablaufen irgendwann an zu meckern, aber das ist normal. Man kann den Rückweg auch abkürzen und vom Gipfel aus den Bus nehmen, der einen direkt zurück zur Hohemark bringt. Aber wer die volle Erfahrung will, geht zu Fuß. Die letzten Kilometer durch das obere Urselbachtal sind besonders friedlich. Das Tal ist tief eingeschnitten, und der Wald wirkt hier fast urwaldähnlich mit seinen umgestürzten Stämmen und dem vielen Moos.

Einkehrmöglichkeiten und Taunus-Kulinarik

Essen spielt im Taunus eine große Rolle. Wer nicht nur sein mitgebrachtes Butterbrot essen will, hat die Qual der Wahl. Neben dem Fuchstanz und dem Feldberghaus gibt es noch das Wanderheim am Sandplacken. Überall stehen Klassiker auf der Karte: Handkäs mit Musik, Frankfurter Grüne Soße (saisonal) oder ein deftiger Linseneintopf. Dazu trinkt man natürlich Apfelwein, den man hier meistens pur oder als Schorle serviert bekommt. Der herbe Geschmack ist nach einer langen Wanderung unglaublich erfrischend. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass man sich im Gasthaus zu anderen Wanderern an den Tisch setzt, wenn es voll ist. So entstehen oft die besten Gespräche über Ausrüstung, die besten Pfade oder das Wetter, das im Taunus extrem wechselhaft sein kann. Die Atmosphäre ist bodenständig und herzlich. Man merkt, dass die Wirtsleute hier an das raue Klima gewöhnt sind und einen nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen.

Praktisches für die Tour

Ein paar handfeste Tipps müssen sein. Das Wetter auf dem Feldberg ist oft fünf bis sieben Grad kälter als in Frankfurt. Eine Windjacke gehört also auch im Sommer in den Rucksack. Wer im Winter kommt, sollte mit Schnee rechnen, während in der Stadt nur grauer Schneematsch liegt. Dann verwandelt sich der Taunus in ein Winterwunderland, und man sieht überall Schlittenfahrer. Festes Schuhwerk ist für den Altkönig-Abschnitt Pflicht, da die Felsen bei Nässe verdammt rutschig werden können. Die Beschilderung ist im Großen und Ganzen sehr gut, aber eine Wanderkarte oder eine entsprechende App auf dem Handy schaden nie, besonders wenn man mal einen der kleineren Nebenpfade ausprobieren möchte. Es ist auch ratsam, unter der Woche zu wandern, wenn man die Ruhe sucht. Am Wochenende ist die Hohemark ein Ameisenhaufen. Aber egal wann man kommt, der Taunus enttäuscht selten. Es ist diese Mischung aus körperlicher Anstrengung, historischem Boden und der weiten Sicht, die diese Wanderung zu einem echten Klassiker macht. Wenn man am Ende des Tages wieder in der U-Bahn sitzt und die Beine schwer werden, weiß man, was man getan hat. Man riecht nach Wald und Freiheit, während man langsam wieder in das Häusermeer von Frankfurt eintaucht.

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