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Mercedes-Benz vs. Porsche: Welches Museum passt zu welchem Reisetyp?

Hier stehen sich zwei Giganten gegenüber, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Wer wenig Zeit hat, muss sich entscheiden: Tradition im Turm oder Speed im schwebenden Monolithen.

Stuttgart  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

In Stuttgart gehört der Geruch von Schmieröl und der Anblick von glänzendem Lack zum guten Ton. Die Stadt ist tief verwurzelt in ihrer industriellen Identität, was man spätestens dann merkt, wenn man die S-Bahn verlässt. Es gibt diese zwei Pole, um die sich hier alles dreht. Auf der einen Seite steht das Mercedes-Benz Museum in Bad Cannstatt, ein gewaltiger Bau, der wie eine DNA-Spirale aus dem Boden schießt. Auf der anderen Seite, in Zuffenhausen, thront das Porsche Museum, das eher wie ein gelandetes Ufo wirkt, das nur auf drei Stützen balanciert. Wenn du dich fragst, welcher Ort besser zu deinem Trip passt, kommt es ganz darauf an, wie du Geschichte konsumierst. Willst du die große Erzählung der Menschheit oder den fokussierten Adrenalinkick auf vier Rädern?

Man muss kein Mechaniker sein, um zu verstehen, dass diese beiden Häuser völlig verschiedene Philosophien verfolgen. Das Mercedes-Benz Museum ist ein Epos. Es ist lang, es ist detailliert und es ist verdammt groß. Porsche hingegen ist ein Sprint. Kurz, knackig und sehr fokussiert auf das Wesentliche. Das Ländle zeigt sich hier von seiner besten Seite, ordentlich, durchdacht und mit einer ordentlichen Portion Stolz auf das heilix Blechle, wie man hier im Schwäbischen so schön sagt.

Kurz & Kompakt
  • Kombi-Tipp: Wer beide Museen sehen will, sollte gegen Vorlage der Eintrittskarte des einen Museums nach einem Rabatt beim anderen fragen, was meistens den Preis um 25 Prozent senkt.
  • Anreise-Info: Das Mercedes-Benz Museum ist am besten über die S-Bahn Station Neckarpark (S1) erreichbar, während das Porsche Museum eine eigene Station namens Neuwirtshaus/Porscheplatz (S6) besitzt.
  • Zeitmanagement: Plane für Mercedes-Benz mindestens drei bis vier Stunden ein, da die neun Ebenen sehr umfangreich sind, während Porsche meist in zwei Stunden gut zu bewältigen ist.
  • Montagsruhe: Beachte unbedingt, dass beide Museen montags geschlossen haben, was eine typische Falle für Kurzentschlossene am Wochenanfang ist.

Der Gigant in Bad Cannstatt: Mercedes-Benz

Sobald du das Gebäude betrittst, wirst du erst einmal nach oben katapultiert. Die Aufzüge sehen aus wie futuristische Kapseln und während der Fahrt nach oben hörst du das Wiehern von Pferden. Das ist kein Zufall, denn die Reise beginnt ganz oben im neunten Stock bei den Anfängen der Mobilität, als alles noch nach Heu und Leder roch. Von dort aus läufst du in einer sanften Abwärtsspirale durch die Jahrzehnte. Das Tolle an diesem Museum ist, dass es nicht nur Autos zeigt. Es verknüpft die Erfindung des Automobils mit der Weltgeschichte. Du siehst den ersten Benzin-Patent-Motorwagen von 1886 und direkt daneben erfährst du, was damals politisch und gesellschaftlich los war. Das macht die Sache auch für Leute spannend, die sonst mit Zylinderköpfen wenig am Hut haben.

Die Architektur von UNStudio ist wirklich ein Ding für sich. Es gibt keine rechten Winkel, alles fließt ineinander über. Manchmal verliert man fast die Orientierung, aber das gehört zum Konzept. Du wanderst durch die Mythos-Räume, die chronologisch geordnet sind, und kannst zwischendurch in die Collections-Säle abbiegen. Dort stehen dann die eher praktischen Dinge, also Feuerwehrwagen, Busse oder das berühmte Papamobil. Besonders beeindruckend ist der Raum der Silberpfeile. Die Akustik dort ist so eingestellt, dass man das Dröhnen der Motoren fast im Magen spürt, obwohl die Motoren natürlich aus sind. Es ist ein Ort für Leute, die sich Zeit nehmen wollen. Man kann hier locker vier Stunden verbringen und hat am Ende immer noch das Gefühl, etwas übersehen zu haben.

Der weiße Riese von Zuffenhausen: Porsche

Ganz anders fühlt sich der Besuch bei Porsche an. Hier fährst du mit einer endlos langen Rolltreppe direkt in einen strahlend weißen, lichtdurchfluteten Raum. Es wirkt alles sehr klinisch, fast wie in einem Operationssaal, aber auf eine gute, sehr moderne Art. Während Mercedes die Breite der Geschichte feiert, geht es bei Porsche um die Tiefe der Technik und den Mythos 911. Es ist ein Museum für Individualisten. Der Bau selbst ist ein statisches Wunderwerk, weil dieser riesige Klotz nur auf drei Betonsäulen ruht. Wenn du darunter stehst, fragst du dich unweigerlich, warum das Ganze nicht einfach umkippt.

Im Inneren herrscht eine ganz andere Dynamik. Die Autos stehen oft frei im Raum, du kannst nah ran, die Linienführung studieren und die Perfektion der Oberflächen bewundern. Es gibt keine feste Route. Du kannst kreuz und quer laufen, was dem Freiheitsdrang der Marke sehr entspricht. Ein echtes Highlight ist die gläserne Werkstatt im Erdgeschoss. Wenn du Glück hast, siehst du dort Mechaniker, die gerade an einem historischen Rennwagen schrauben. Da riecht es dann auch wirklich nach Werkstatt und Arbeit, was einen schönen Kontrast zur fast schon sterilen Ausstellung oben bildet. Porsche ist der perfekte Ort für einen Besuch, wenn du etwa zwei Stunden Zeit hast und einfach nur schöne, schnelle Autos in einer spektakulären Umgebung sehen willst.

Welcher Typ bist du?

Spannend ist dabei die Frage, welcher Reisetyp du eigentlich bist. Wenn du mit der Familie unterwegs bist und Kinder dabei hast, ist Mercedes-Benz oft die bessere Wahl. Es gibt dort einfach mehr zu entdecken, mehr Geschichten und die Inszenierung ist etwas spielerischer. Die Kleinen finden die großen Busse und die glänzenden Rennwagen toll, während die Erwachsenen die zeithistorischen Einordnungen lesen können. Mercedes ist der Bildungsroman unter den Museen. Es ist solide, umfassend und lässt keine Fragen offen.

Bist du hingegen als Ästhet oder Technik-Fanatiker in der Stadt, dann führt kein Weg an Porsche vorbei. Dort geht es weniger um das Drumherum, sondern um das Objekt an sich. Die Klarheit der Linien und die Fokussierung auf den Rennsport sind dort der Taktgeber. Es ist ein bisschen so wie der Unterschied zwischen einem opulenten Fünf-Gänge-Menü und einem perfekt gegrillten Steak. Beides hat seine Berechtigung, aber die Stimmung ist eine völlig andere. Manche Leute sagen, Porsche sei kühler, aber ich finde, es ist eher eine konzentrierte Leidenschaft, die dort spürbar wird.

Praktisches und Kulinarik am Wegesrand

Man darf den Hunger nicht vergessen, denn Museumsluft macht bekanntlich Appetit. Bei Mercedes gibt es im Untergeschoss ein klassisches Restaurant und ein Café. Das ist alles sehr ordentlich, schmeckt gut und bietet für jeden etwas. Aber wenn du wirklich etwas Besonderes willst, musst du bei Porsche vorbeischauen. Das Restaurant Christophorus ist zwar im oberen Preissegment angesiedelt, aber die Qualität ist herausragend. Wer es bodenständiger mag, findet in Zuffenhausen aber auch das Boxenstopp-Bistro. Dort gibt es ehrliche Kost ohne viel Schnickschnack.

Die Erreichbarkeit ist bei beiden Museen hervorragend, was man von einem Verkehrsknotenpunkt wie Stuttgart auch erwarten darf. Zur Mercedes-Welt fährst du mit der S1 bis zur Haltestelle Neckarpark. Von dort ist es ein kleiner Fußmarsch an den Werkshallen vorbei, was schon mal die richtige Stimmung erzeugt. Zu Porsche kommst du mit der S6, Haltestelle Neuwirtshaus/Porscheplatz. Die Bahn hält quasi direkt vor der Tür. Ein kleiner Tipp am Rande: Wenn du beide Museen am selben Tag besuchen willst, was sportlich ist, aber machbar, dann behalte dein Ticket. Oft gibt es Rabatte für das jeweils andere Museum, wenn du die Eintrittskarte vorzeigst. Das spart ein paar Euro für das nächste Viertele Wein in der Innenstadt.

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