Köln

Weihnachtszauber am Dom & Co.: Die schönsten Weihnachtsmärkte der Stadt

Vergiss die Diät und zieh die dicke Jacke an: Wenn der Kölner Dom im Lichtermeer versinkt und es an jeder Ecke nach Reibekuchen duftet, hat der Winterblues keine Chance. Ein Streifzug durch eine Stadt, die Weihnachten nicht nur feiert, sondern lebt – laut, herzlich und mit ordentlich Schuss.

Köln  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Man kommt an ihm nicht vorbei, selbst wenn man es wollte. Sobald man aus dem Hauptbahnhof stolpert, steht man praktisch schon mitten im Geschehen. Der Markt am Dom ist das Aushängeschild der Stadt, gewaltig in seinen Ausmaßen und meistens so voll, dass man die eigene Tasse Glühwein kaum zum Mund führen kann, ohne den Nachbarn anzustupsen. Über allem thront die gotische Kathedrale, dunkel und massiv, während unten im "Sternenzelt" tausende LEDs versuchen, gegen die winterliche Dunkelheit anzuleuchten. Das Herzstück ist zweifellos die Tanne in der Mitte. Sie ist jedes Jahr gigantisch, eine echte Naturschönheit aus der Eifel oder dem Sauerland, die mit rotem Schmuck und Lichtern so beladen wird, dass man das Grün der Nadeln kaum noch sieht. Darunter befindet sich die Bühne.

Hier treten Chöre auf, lokale Musiker, manchmal singt das ganze Publikum mit. Wer kölsche Mundart mag, wird hier fündig, denn die Playlist besteht nicht nur aus "Last Christmas", sondern oft aus lokalpatriotischem Liedgut. Die Buden selbst sind rot, einheitlich gestaltet und ziehen sich wie ein Labyrinth über den Roncalliplatz. Das Angebot ist klassisch. Holzschnitzereien, mundgeblasene Kugeln, Kerzen. Dazwischen immer wieder Fressbuden. Der Geruch ist eine Mischung aus gebrannten Mandeln und Bratwurst, die hier oft als halber Meter im Brötchen verkauft wird. Einheimische meiden den Platz oft am Wochenende, weil das Gedränge dann absurde Ausmaße annimmt. Wer aber unter der Woche am frühen Nachmittag kommt, hat Platz zum Atmen. Interessant ist der Blick nach oben: Wenn die Sonne untergeht und der Dom angestrahlt wird, entsteht eine fast unwirkliche Kulisse, die jeden Kitschvorwurf sofort entkräftet.

Kurz & Kompakt
  • Fortbewegung: Der "Weihnachtsmarkt-Express" (Bimmelbahn) pendelt im 15-Minuten-Takt zwischen den vier großen Märkten (Dom, Alter Markt, Schokoladenmuseum, Neumarkt). Ein Rundfahrt-Ticket lohnt sich für müde Beine.
  • Das Tassen-Gesetz: Auf fast allen Märkten wird Pfand (ca. 2,50 € bis 3,00 €) auf die Keramiktassen erhoben. Wichtig: Oft gibt es dazu eine Pfandmarke (Chip) aus Plastik. Ohne Chip gibt es kein Geld zurück!
  • Öffnungszeiten & Planung: Die meisten Märkte öffnen Ende November und schließen am 23. Dezember. Ausnahme: "Heinzels Wintermärchen" (Altstadt) und der Hafenmarkt lassen die Stände (oder Teile davon) oft bis Anfang Januar stehen. Unter der Woche vor 16 Uhr ist es am leersten.

Heinzelmännchen und Kufenspaß in der Altstadt

Nur ein paar Gehminuten weiter südlich, über das Kopfsteinpflaster der Altstadtgassen hinweg, ändert sich die Atmosphäre. Hier regieren die Heinzelmännchen. Laut Sage haben diese kleinen Wichte früher nachts die Arbeit der faulen Kölner erledigt, bis sie vertrieben wurden. Auf dem Alter Markt und dem Heumarkt sind sie als Figuren allgegenwärtig. Dieser Markt, "Heinzels Wintermärchen" genannt, ist thematisch in Zünfte unterteilt. Es gibt eine Naschgasse, eine Handwerkergasse und so weiter. Das hilft bei der Orientierung, wenn man nach dem dritten Glühwein den Überblick verliert. Die Buden sind rustikaler, oft mit Holzverkleidungen, die an alte Fachwerkhäuser erinnern sollen.

Auf dem Heumarkt wartet die eigentliche Attraktion, die diesen Markt von den anderen abhebt. Eine riesige Eisbahn zieht sich fast über den gesamten Platz, inklusive Brücken und Kurven. Es ist keine einfache rechteckige Fläche, sondern eher eine Eislauflandschaft. Wer keine eigenen Schlittschuhe hat, leiht sich welche. Das Eisstockschießen nebenan ist beliebt bei Firmengruppen, die hier ihre Weihnachtsfeiern mit etwas Wettbewerb würzen. Akustisch mischt sich hier das Kratzen der Kufen mit dem Stimmengewirr. Kulinarisch sollte man nach den "Rievkooche" Ausschau halten, den Kartoffelpuffern. In Köln isst man sie traditionell mit Apfelmus, manchmal aber auch mit Rübenkraut oder Lachs. Fettig, heiß und genau das Richtige bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Sterne gucken auf dem Neumarkt

Weiter westlich, mitten im Einkaufstrubel der Schildergasse, liegt der Neumarkt. Der "Markt der Engel" setzt auf eine andere Optik. Statt rustikalem Holz dominiert hier die Farbe Weiß. Hunderte, wenn nicht tausende Sterne hängen in den alten Bäumen, die den Platz säumen. Bei Dunkelheit wirkt das tatsächlich zauberhaft, fast schwebend. Engel laufen in Kostümen herum, streuen Glitzerstaub oder lassen sich für Fotos ablichten. Das Publikum ist hier oft gemischter, viele Shopper machen hier kurz Pause, die Tüten voller Geschenke neben sich abgestellt.

Die Tassen hier sind begehrte Sammlerstücke, jedes Jahr mit einem neuen Engelmotiv. Man sieht oft Leute, die ihre klebrigen Tassen in Papiertüten stecken, um das Pfandgeld zu sparen und das Souvenir mit nach Hause zu nehmen. Das kulinarische Angebot ist solide, aber die Stimmung ist etwas urbaner, hektischer vielleicht, weil die Straßenbahnen der KVB direkt am Rand des Marktes vorbeirumpeln. Trotzdem hat dieser Ort eine gewisse Eleganz, die den anderen Märkten manchmal fehlt. Es ist weniger "Hüttenzauber" und mehr städtischer Lichterglanz.

Maritimes Flair am Schokoladenmuseum

Wer genug von Tannenbäumen und Engeln hat, läuft zum Rhein. Am Schokoladenmuseum findet der Hafen-Weihnachtsmarkt statt. Hier riecht es manchmal tatsächlich nach Fluss, nach feuchtem Wasser und Diesel von den vorbeifahrenden Frachtschiffen. Das Thema wird konsequent durchgezogen. Die Stände sind weiße Pagodenzelte, die an Segel erinnern sollen. Das Personal trägt oft Matrosenmützen. Statt nur Bratwurst gibt es hier Flammlachs, der am offenen Feuer gegart wird, und Fischbrötchen. Der Winzer-Glühwein wird hier oft besonders gelobt, er schmeckt weniger nach Zuckerwasser und mehr nach Traube.

Ein Highlight ist das Riesenrad. Es ist nicht gigantisch hoch, aber der Blick über den Rhein, auf den Dom und die beleuchtete Severinsbrücke lohnt sich allemal. Der Boden ist hier gepflastert, keine matschigen Wiesen, was bei Regenwetter ein Segen ist. Ab und zu laufen "Rheinpiraten" herum und bespaßen die Kinder. Es ist luftiger hier, der Wind pfeift manchmal ordentlich durch die Zeltgassen, also Mütze nicht vergessen. Man steht hier gerne mit dem Rücken zum Zelt und dem Gesicht zum Wasser, die warme Tasse in beiden Händen, und schaut den Schiffen zu, die im Dunkeln den Rhein hinaufschieben.

Der hippe Treffpunkt: Stadtgarten

Weg von den Touristenströmen, hinein ins Belgische Viertel. Der Weihnachtsmarkt im Stadtgarten ist der Liebling der Einheimischen, der jungen Eltern und der Studenten. Hier sucht man vergeblich nach blinkenden Plastik-Rentieren. Der Markt liegt unter alten Bäumen am Rande des Parks. Die Beleuchtung ist dezenter, Lichterketten hängen locker in den Ästen. Das Angebot an den Ständen ist deutlich individueller. Hier findet man Designschmuck, handgenähte Kinderkleidung oder Gin aus lokaler Produktion. Nichts, was in Massenproduktion in Asien vom Band gefallen ist.

Die Atmosphäre ist entspannter, weniger "Durchgangsverkehr". Man trifft sich hier gezielt. Auf der Bühne spielen Jazzbands oder Singer-Songwriter, keine Blasmusik. Das Essen geht ebenfalls andere Wege: Bio-Burger, vegane Eintöpfe, Crepes mit Ziegenkäse. Natürlich gibt es auch Glühwein, aber oft aus Winzerbeständen und in guter Qualität. Wer das echte, moderne Köln spüren will, ist hier richtig. Es ist der Ort, an dem man nach der Arbeit noch auf ein Getränk vorbeikommt und dann doch drei Stunden bleibt, weil man zufällig Freunde getroffen hat. Manchmal muss man am Eingang kurz warten, da der Zugang reguliert wird, wenn es zu voll wird, was der Stimmung drinnen aber guttut.

Bunt und schrill: Christmas Avenue

Köln wäre nicht Köln ohne die Christmas Avenue. In der "Bermuda-Dreieck" genannten Gegend rund um die Schaafenstraße leuchtet alles in Pink und Lila. Es ist der LGBTQ+-Weihnachtsmarkt der Stadt, aber längst nicht nur für die Community ein Anlaufpunkt. Hier ist alles ein bisschen lauter, bunter und glitzernder. Die Buden sind knallig dekoriert, aus den Boxen wummert Schlager oder Pop-Remixe von Weihnachtsklassikern. Die Stimmung ist ausgelassen, fast wie auf einer Straßenparty, nur eben mit heißen Getränken.

Es gibt hier den wohl kitschigsten Weihnachtsschmuck der Stadt zu kaufen, oft mit einem Augenzwinkern. "Penis-Plätzchen" oder Engel in Drag sind keine Seltenheit. Jeder ist willkommen, die Toleranz ist greifbar. Es ist der perfekte Ort, um schlechte Laune sofort zu vertreiben. Man lacht viel, man kommt schnell ins Gespräch, die typische rheinische Offenheit wird hier zelebriert. Ein "Bützchen", also ein kleines Wangenküsschen, wird hier schneller verteilt als anderswo. Wer Besinnlichkeit sucht, ist hier falsch. Wer feiern will, genau richtig.

Praktisches und das Sache mit dem Pfand

Eine Besonderheit, die Besucher oft verwirrt, ist das Pfandsystem. Jede Tasse kostet extra, meistens zwischen zwei und drei Euro. Man bekommt dafür eine kleine Plastikmarke. Wer die Tasse zurückgibt, muss die Marke vorzeigen, sonst ist das Geld futsch. Das führt oft zu wildem Suchen in Manteltaschen. Aber die Tassen sind eben auch beliebte Souvenirs. Wer mehrere Märkte an einem Tag schaffen will, sollte den "Weihnachtsmarkt-Express" nutzen. Diese kleine Bimmelbahn verbindet die großen Märkte (Dom, Alter Markt, Hafen, Neumarkt) miteinander. Das sieht zwar touristisch aus, schont aber die Füße ungemein, denn die Wege ziehen sich. Autofahren in der Innenstadt ist während der Adventszeit übrigens eine Form von Masochismus. Die Parkhäuser sind voll, die Straßen verstopft. Besser ist es, das Auto an einem Park-and-Ride-Platz am Stadtrand stehen zu lassen und mit der Straßenbahn reinzufahren. Das spart Nerven, die man später im Gedränge am Glühweinstand noch brauchen wird.

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