Köln

Leihräder und E-Scooter: Die Regeln, die Anbieter und wie du nicht im Rhein landest

Kölns Straßen sind ein Flickenteppich aus Kopfsteinpflaster, nagelneuen Radspuren und engen Gassen. Wer hier mit Leihrad oder E-Scooter vorankommen will, braucht starke Nerven und die richtige App. Dieser Guide bewahrt dich vor Bußgeldern und unfreiwilligen Bädern im Rhein.

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Zwischenablage

Wer am Hauptbahnhof aus dem Zug fällt, stolpert praktisch sofort über sie. Sie stehen in Rudeln an Ecken, liegen einsam auf Gehwegen oder blockieren, im schlimmsten Fall, den Eingang zur nächsten Bäckerei. E-Scooter und Leihräder haben das Stadtbild von Köln so gründlich umgekrempelt wie kaum eine andere Neuerung der letzten Jahre. Für den Besucher sind sie Segen und Fluch zugleich. Man ist schnell am Rhein, schnell im Belgischen Viertel, aber man ist auch schnell arm, wenn man das Kleingedruckte ignoriert. Die Domstadt bietet eine Topografie, die eigentlich perfekt für Zweiräder ist. Es ist flach. Überwiegend jedenfalls. Doch der Teufel steckt im Detail, genauer gesagt im Kopfsteinpflaster der Altstadt und den manchmal undurchsichtigen Parkverbotszonen. Wer sich hier einfach draufstellt und losbrettert, lernt die kölsche Toleranz schnell von ihrer beendeten Seite kennen.

Kurz & Kompakt
  • Die Anbieter: Für E-Scooter dominieren Tier, Voi, Lime und Bolt das Straßenbild. Bei Leihrädern ist das „KVB-Rad“ (betrieben von Nextbike) der unangefochtene Platzhirsch und ideal für längere Strecken.
  • Kosten-Check: Scooter verlangen meist ca. 1 € Entsperrgebühr plus 20–29 Cent pro Minute. Das KVB-Rad ist oft günstiger, besonders für Inhaber eines VRS-Tickets. Tipp: In den Apps nach Tages-Paketen suchen!
  • Gefahrenzone Schiene: Köln ist eine Straßenbahn-Stadt. Die Schienen der KVB sind die größte Sturzursache für Zweiräder. Regel: Niemals spitz einfädeln, immer im stumpfen Winkel (möglichst 90 Grad) kreuzen.
  • Die Park-Falle: Rund um den Dom, am Rheinufer und in vielen Parks herrscht striktes Parkverbot. Die Miete lässt sich dort technisch nicht beenden – plane deinen Abstellort also vor der Ankunft.

Die Platzhirsche: Wer verleiht was?

Der Markt ist in ständiger Bewegung, doch einige Konstanten haben sich herausgebildet. Da wäre zunächst das KVB-Rad. Es ist das Schwergewicht unter den Leihrädern, und das ist wörtlich zu nehmen. Diese Räder sind Panzer. Sie werden in Kooperation mit Nextbike betrieben und sind überall in der Stadt zu finden, oft an festen Stationen oder in definierten Zonen. Der Vorteil liegt auf der Hand. Sie sind robust. Ein KVB-Rad fährt auch dann noch geradeaus, wenn man über die schlimmsten Schlaglöcher in Ehrenfeld rumpelt. Zudem ist der Tarif für Inhaber eines VRS-Tickets unschlagbar günstig, oft sind die ersten 30 Minuten inklusive. Das macht sie zum Favoriten für Pendler und Sparfüchse, die nicht zwingend elektrischen Rückenwind brauchen.

Auf der elektrischen Seite kämpfen die üblichen Verdächtigen um die Gunst der Touristen und faulen Fußgänger. Lime, Tier, Bolt und Voi sind die Namen, die man auf den bunten Rollern liest. Die Flotten unterscheiden sich technisch kaum noch. Alle haben mittlerweile Blinker (bitte benutzen!), alle haben eine Federung, die ihren Namen mal mehr, mal weniger verdient. Preislich tun sie sich wenig. Es gibt meist eine Entsperrgebühr plus einen Minutenpreis. Das läppert sich. Eine zwanzigminütige Fahrt vom Dom zum Chlodwigplatz kann teurer werden als ein Kölsch in der Altstadtkneipe. Wer viel fahren will, sollte in den Apps unbedingt nach Tages- oder Wochenpässen suchen. Manchmal spart man schon ab der dritten Fahrt. Die Apps sind der Schlüssel zu allem. Ohne Smartphone, Kreditkarte oder PayPal bewegt sich hier kein Rad keinen Millimeter.

Regeln sind nicht nur Empfehlungen

In Köln nimmt man vieles locker. "Et kütt wie et kütt", sagt der Kölner. Das gilt aber explizit nicht für die Straßenverkehrsordnung, zumindest nicht, wenn das Ordnungsamt oder die Polizei hinschaut. Und die schauen hin. E-Scooter sind Kraftfahrzeuge. Das vergessen viele, wenn sie nach dem dritten Besuch im Brauhaus auf den Roller steigen. Die Promillegrenze liegt bei 0,5 für eine Ordnungswidrigkeit, aber schon ab 0,3 Promille kann es bei Ausfallerscheinungen strafrechtlich relevant werden. Wer den Führerschein besitzt, riskiert ihn hier genauso wie im Auto. Absolut tabu ist der Gehweg. Das Fahren auf dem Bürgersteig kostet, wenn man erwischt wird. Und die Kölner Fußgänger sind nicht zimperlich, wenn es darum geht, Falschfahrer lautstark darauf hinzuweisen. Nutzung von Radwegen ist Pflicht, gibt es keine, muss auf die Straße ausgewichen werden.

Ein weiteres Phänomen ist das Tandemfahren. Es sieht romantisch aus, wenn Pärchen sich eng umschlungen auf einem Roller durch die Südstadt bewegen. Es ist aber verboten und gefährlich. Die Dinger sind für das Gewicht und die Balance von einer Person ausgelegt. Die Polizei zieht solche Duos gerne aus dem Verkehr. 10 Euro Verwarnungsgeld sind da noch das kleinste Übel, wenn man bedenkt, wie instabil das Fahrverhalten wird. Helmpflicht besteht zwar nicht, aber angesichts des Kölner Verkehrs und der Straßenbahnschienen, die tückische Fallen sind, ist ein Kopfschutz die beste Lebensversicherung, die man haben kann.

Die rote Zone und das Rhein-Problem

Kommen wir zum heikelsten Punkt. Dem Rhein. Er übt eine magische Anziehungskraft aus, leider auch auf alkoholisierte Scooter-Nutzer, die in der Vergangenheit dazu neigten, die Geräte im Fluss zu entsorgen. Das ist nicht nur eine ökologische Sauerei, sondern hat dazu geführt, dass die Anbieter reagiert haben. Entlang des Rheinufers, besonders an der Promenade in der Altstadt und in Deutz, gelten strikte Parkverbotszonen. Wer versucht, seine Miete dort zu beenden, wird scheitern. Die App lässt es nicht zu. Die Gebührenuhr tickt gnadenlos weiter, bis man den Roller in eine erlaubte Zone zurückschiebt. Das kann nervig sein, wenn man nur schnell ein Foto vom Dom machen will und dann merkt, dass man erst dreihundert Meter landeinwärts laufen muss, um das Gerät loszuwerden.

Noch drastischer sind die Fahrverbotszonen. In einigen Bereichen, etwa in Fußgängerzonen rund um die Hohe Straße oder Schildergasse und in bestimmten Parks, drosseln die Scooter automatisch die Geschwindigkeit auf Schritttempo oder bleiben ganz stehen. Das fühlt sich an, als würde man gegen eine unsichtbare Gummiwand fahren. Es ist frustrierend, aber notwendig, um das Chaos in den Griff zu bekommen. Achte also genau auf die Karte in der App. Rote Flächen bedeuten: Hier bist du falsch. Graue Flächen bedeuten oft: Hier darfst du fahren, aber nicht parken.

Wo es sich gut rollt – und wo nicht

Köln hat in den letzten Jahren viel für die Fahrradinfrastruktur getan, aber es bleibt Stückwerk. Positiv hervorzuheben sind die Ringe. Auf den Kölner Ringen wurden Fahrspuren für Autos zugunsten breiter Radwege gestrichen. Hier kann man entspannt und sicher fahren, vorbei an den großen Kinos und Bars. Das ist ein echtes Aha-Erlebnis im Vergleich zu früher. Schwieriger wird es in den engen "Veedeln" (Stadtvierteln) wie Ehrenfeld oder der Südstadt. Hier teilt man sich die oft engen Straßen mit Autos, Lieferwagen und der KVB. Vorsicht ist bei den Schienen geboten. Einmal im spitzen Winkel reingeraten, liegt man schneller auf der Nase, als man "Alaaf" rufen kann.

Die Brückenquerung ist ein Kapitel für sich. Die Hohenzollernbrücke ist das Postkartenmotiv schlechthin. Aber versuche bloß nicht, dort am Samstagnachmittag mit dem Rad rüberzufahren. Es ist ein Slalomlauf um Touristen, Liebesschlösser-Fotografen und Junggesellenabschiede. Nimm lieber die Deutzer Brücke oder die Zoobrücke. Dort ist mehr Platz und der Ausblick auf das Panorama der Altstadt ist von der "Schäl Sick" (der rechten Rheinseite) ohnehin besser. Apropos Schäl Sick: Auch hier gibt es schöne Strecken entlang des Rheins, die oft weniger überlaufen sind als das linke Ufer.

Von Kosten und Klüngel

Die Preisgestaltung ist dynamisch. Oft ändert sich der Minutenpreis je nach Tageszeit oder Nachfrage. Ein kurzer Check in verschiedenen Apps lohnt sich immer, wenn man mehrere installiert hat. Manchmal bietet Bolt eine Aktion, während Lime gerade teuer ist. Das KVB-Rad ist, wie erwähnt, die budgetfreundliche Konstante. Es hat aber einen Haken: Man muss es an Stationen oder im definierten Kerngebiet abgeben, sonst wird ein Aufpreis fällig. Die Flexibilität der E-Scooter, die man theoretisch fast überall abstellen kann (außer in den roten Zonen), lässt man sich gut bezahlen. Eine Stunde Rollerfahren kostet schnell so viel wie ein Tagesticket der KVB.

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