Köln

Köln von oben: Die 7 besten Aussichtsplattformen (und nur eine davon ist der Dom!)

Oft hilft ein Perspektivwechsel und der Schritt in die Vertikale, um den wahren Charme der Rheinmetropole zu begreifen. Hier geht es hoch hinaus.

Köln  |  Highlights & Stadtviertel
Lesezeit: ca. 9 Min.
Kommentare
Teilen
Facebook
Pocket
E-Mail
0
Kommentare
Facebook
Pocket
E-Mail
Zwischenablage

Köln liegt in einer Bucht, der Kölner Bucht eben, was geografisch bedeutet: Es ist flach hier. Richtig flach. Berge sucht man vergeblich, Hügel sind meistens menschengemacht oder Müllhalden aus der Nachkriegszeit. Das hat den Vorteil, dass man nicht besonders hoch klettern muss, um weit zu sehen. Aber es hat den Nachteil, dass man genau wissen muss, auf welches Dach man steigen soll. Denn nicht jede Erhöhung lohnt den Aufwand.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass man die Stadt am besten versteht, wenn man mitten in ihr steht. Unten, auf der Hohe Straße oder am Alter Markt, sieht man vor lauter Häuserfassaden und Brauhaus-Schirmen oft kaum den Himmel. Oben aber, da sortiert sich das Chaos. Da sieht man, wie sich der Rhein wie eine graue Schlange durch das Stadtgewebe drückt und wie die Veedel, die Stadtviertel, ineinandergreifen. Wir schauen uns sieben Orte an, die diesen Überblick verschaffen. Manche kosten Eintritt, manche kosten Schweiß, und einer kostet vielleicht ein bisschen Überwindung.

Kurz & Kompakt
  • Kölner Dom: Turmbesteigung kostet Eintritt. Öffnungszeiten variieren je nach Jahreszeit. Wichtig: Kein Aufzug, keine Toiletten oben. Gutes Schuhwerk ist Pflicht.
  • KölnTriangle: Eintritt kostenpflichtig (derzeit ca. 5 Euro). Die Glaswände spiegeln; Kameraobjektiv direkt auf das Glas aufsetzen für bessere Bilder.
  • Bar Botanik & Monkey Bar: Eintritt frei, aber Verzehr wird erwartet. Abends kann es voll werden, Reservierung oder frühes Kommen empfohlen. Dresscode: Smart Casual schadet nicht.

Der Klassiker mit dem Herzinfarkt-Risiko: Der Kölner Dom

Wir kommen nicht drumherum. Wer über Aussicht spricht, muss den Südturm erwähnen, auch wenn es wehtut. Wörtlich. Der Aufstieg zur Plattform des Kölner Doms ist kein Spaziergang, er ist eine Prüfung. Es gibt keinen Aufzug für Besucher. Das ist die erste harte Wahrheit. Die zweite ist: Es sind 533 Stufen. Man beginnt den Aufstieg oft frohen Mutes, vorbei an der Domschatzkammer, hinein in das enge, steinerne Treppenhaus. Die Wendeltreppe scheint kein Ende zu nehmen. Man hört das Keuchen der Leute über einem und das Fluchen der Leute unter einem. Die Luft wird mit jedem Meter dünner und, wenn wir ehrlich sind, oft auch etwas stickiger.

Irgendwann, wenn die Oberschenkel brennen wie Feuer, erreicht man den Glockenstuhl. Der Dicke Pitter, die Petersglocke, hängt hier. Wenn man Pech hat oder das Timing schlecht war, schlägt sie gerade. Dann vibriert der ganze Körper. Weiter oben schließlich tritt man ins Freie, oder zumindest fast. Ein massives Gitter trennt den Besucher vom Abgrund. Der Blick ist phänomenal, keine Frage. Man sieht das Siebengebirge bei gutem Wetter, man sieht die winzigen Menschen auf der Domplatte, die wie Ameisen wirken. Das Problem an dieser Aussicht ist jedoch ein logisches: Man sieht von hier oben alles, nur nicht den Dom selbst. Man steht ja drauf. Wer also das Wahrzeichen auf seinem Foto haben will, ist hier ironischerweise am falschen Ort. Trotzdem gehört es dazu. Einmal im Leben muss man da hoch, allein um danach beim Kölsch prahlen zu können.

Die Postkarte in Echt: KölnTriangle

Auf der anderen Seite des Rheins, in Deutz, steht der Gegenentwurf zur gotischen Mühe. Der LVR-Turm, besser bekannt als KölnTriangle, ist modern, verglast und vor allem: Er hat einen Aufzug. Man zahlt unten seinen Obolus, lässt sich die Tasche kontrollieren wie am Flughafen und surrt dann in wenigen Sekunden auf über 100 Meter Höhe. Oben angekommen, bläst einem der Wind oft ordentlich um die Ohren, aber die Aussichtsplattform ist rundum verglast. Das ist gut für die Sicherheit, aber manchmal tückisch für Fotografen, die mit Spiegelungen zu kämpfen haben. Ein Polfilter hilft.

Der Blick von hier ist der, den jeder kennt, der schon mal "Tagesschau" geschaut hat. Der Dom liegt einem direkt gegenüber, majestätisch, fast zum Greifen nah. Dahinter die Altstadt, Groß St. Martin, die Brücken. Besonders am späten Nachmittag, wenn die Sonne im Westen hinter der Stadt versinkt und die Kathedrale als schwarze Silhouette gegen den brennenden Himmel steht, ist dieser Ort unschlagbar. Es ist sauberer hier, steriler als auf dem Domturm, aber dafür sieht man das Wahrzeichen in seiner vollen Wucht. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie irrsinnig groß diese Kirche im Vergleich zu den umliegenden Häusern eigentlich ist.

Industrieromantik und Verkehrsrauschen: Die Severinsbrücke

Man muss nicht immer Hunderte von Metern hoch hinaus, manchmal reicht eine Brücke. Die Severinsbrücke ist nicht die schönste Brücke Kölns, das wäre wohl die Hohenzollernbrücke oder die Mülheimer Brücke, aber sie bietet eine der spannendsten Perspektiven. Man läuft auf dem Fußgängerweg, die Autos rasen neben einem vorbei, die Straßenbahn der Linie 3 und 4 lässt den Boden unter den Füßen erzittern. Es ist laut, es riecht nach Abgasen und Flusswasser.

Aber wenn man in der Mitte steht, hat man den Rheinauhafen perfekt im Blick. Die drei Kranhäuser, die wie Tetris-Steine am Wasser stehen, wirken von hier aus fast futuristisch. Der Blick nach Norden zeigt den Dom und die Altstadt, aber aus einer Distanz, die die Stadt arbeitsamer wirken lässt. Hier sieht man Lastkähne, die gegen die Strömung kämpfen. Man sieht die Südstadt. Es ist ein rauer, ehrlicherer Blick auf Köln. Kein Eintritt, keine Öffnungszeiten, nur Wind und das Rauschen der Stadt. Besonders nachts, wenn die Lichter des Rheinauhafens sich im schwarzen Wasser spiegeln, hat dieser Ort eine ganz eigene Magie.

Das grüne Dach: Der Herkulesberg

Er heißt Berg, ist aber eigentlich ein Trümmerhaufen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wusste man nicht wohin mit dem Schutt der zerstörten Stadt, also schüttete man ihn auf und pflanzte Bäume darüber. Der Herkulesberg liegt im inneren Grüngürtel, nahe dem Mediapark. Man spaziert hier durch den Wald, riecht feuchtes Laub und Erde, und plötzlich öffnet sich der Blick über eine Fußgängerbrücke aus blauen Stahlträgern. Man steht etwa 25 Meter über dem Straßenniveau.

Der Blick ist ungewöhnlich. Man schaut direkt auf den Fernsehturm Colonius, der wie eine Nadel in den Himmel sticht, und auf die modernen Fassaden des Mediaparks. Der Dom spitzt nur im Hintergrund hervor. Es ist der grünste Ausblick der Liste. Man hört zwar das Rauschen der Stadtautobahn, die sich unten durchfrisst, aber oben ist man entrückt. Es ist ein Ort, an dem man gut nachdenken kann. Hier oben wird einem bewusst, wie sehr Köln eine Stadt ist, die aus der Zerstörung neu gewachsen ist. Unter den Füßen liegen die Reste des alten Kölns, vor den Augen das neue.

Beton-Charme mit Domblick: Parkhaus Galeria (P2)

Klingt erst mal wenig einladend, oder? Ein Parkhaus. Beton, Ölflecken, der Geruch von Gummiabrieb. Aber das Parkhaus B (manchmal als P2 ausgeschildert) am Galeria Kaufhof an der Hohe Straße ist ein offenes Geheimnis unter Lokalpatrioten und Fotografen. Man fährt mit dem Fahrstuhl ganz nach oben auf das offene Deck. Es gibt kein Café, keine Bank, nur parkende Autos und eine niedrige Mauer.

Der Witz an der Sache ist die Nähe. Man steht quasi Schulter an Schulter mit den Domtürmen. Keine andere Plattform bringt einen so nah an die Dachlandschaft der Kathedrale heran, ohne dass man auf ihr steht. Man sieht die Details der Strebebögen, die Wasserspeier, die Verfärbungen im Stein. Der Kontrast könnte härter nicht sein: Hier das funktionale, hässliche Parkdeck der Konsumgesellschaft, dort das filigrane Meisterwerk der Gotik. Für ein schnelles Foto während des Einkaufsbummels ist das der perfekte Stopp. Und es kostet nichts, außer man parkt dort tatsächlich.

360 Grad im Wasserturm: Bar Botanik

Lange Zeit war das Hotel im Wasserturm eher eine trutzige Festung, in die man sich kaum hineintraute. Das hat sich geändert. Der alte Wasserturm in der Kaygasse, ein massiver Zylinder aus Backstein, beherbergt ganz oben, im 11. Stock, eine Bar. Früher war das klassisch und gediegen, heute nennt es sich "Bar Botanik" und ist voller Pflanzen, Glas und buntem Mobiliar. Man muss kein Hotelgast sein, um mit dem Aufzug hochzufahren.

Das Besondere hier ist die Rundumsicht. Da der Turm zylindrisch ist und die Terrasse einmal fast komplett herumführt, hat man wirklich 360 Grad Köln. Man sieht in die Hinterhöfe des Griechenmarkts, rüber zur Eifel, und natürlich zum Dom. Es ist eine der wenigen Stellen, von denen aus man versteht, wie dicht bebaut diese Stadt eigentlich ist. Man schaut auf ein Meer aus grauen, roten und schwarzen Dächern, unterbrochen von Kirchturmspitzen. Mit einem Cocktail in der Hand fühlt sich die Stadt plötzlich sehr weltläufig an, fast ein bisschen mondän, was für Kölner Verhältnisse ja eher untypisch ist.

Retro-Futurismus im Friesenviertel: 25hours Hotel The Circle

Zum Schluss noch ein Ort für Design-Liebhaber. Das Gerling-Quartier war früher der Sitz eines Versicherungskonzerns, eine Art verbotene Stadt im Friesenviertel, monumental und einschüchternd. Heute ist es zugänglich, und im Rundbau sitzt das 25hours Hotel. Im 8. Stock gibt es das "Monkey Bar"-Konzept und ein Restaurant namens NENI. Die Terrasse hier ist nicht die höchste der Stadt, aber die Architektur rahmt den Blick auf eine Weise ein, die einzigartig ist.

Man blickt direkt auf die Kuppel von St. Gereon, eine der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns. Das Dekagon der Kirche sieht von oben aus wie ein gelandetes Ufo aus der Antike. Der Kontrast zwischen der 50er-Jahre-Architektur des Hotels, die an James Bond erinnert, und der uralten Kirche ist spannend. Hier oben ist das Publikum meist jünger, die Musik lauter. Man sitzt nicht andächtig da und staunt, man ist Teil der Szenerie. Der Blick geht weit über das Belgische Viertel bis zum Fernsehturm. Es ist der ideale Ort, um zu sehen, wie sich Köln ständig neu erfindet, ohne das Alte ganz abzureißen.

Schreibe einen Kommentar
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu schreiben.
 
Du 

Bisher keine Kommentare
Entdecke mehr:
Nach oben scrollen