Die Hohensyburg ist kein gewöhnlicher Hügel, sondern ein geschichtsträchtiger Ort, der sich tief in das Bewusstsein der Dortmunder eingegraben hat. Wenn man oben ankommt, riecht es oft nach feuchtem Wald und dem leicht modrigen Duft von altem Sandstein. Es ist ein Ort, an dem die Zeit scheinbar in verschiedenen Schichten übereinander liegt. Zuerst stolpert man fast zwangsläufig über die Überreste der Sigiburg. Das war mal eine sächsische Volksburg, die Karl der Große im Jahr 772 höchstpersönlich eingenommen hat. Man muss sich das mal vorstellen: Hier oben wurde europäische Geschichte geschrieben, während heute Leute mit E-Bikes und Eiswaffeln vorbeiziehen. Die Wallanlagen sind teilweise noch erkennbar, wenn man ein Auge für die Erhebungen im Gelände hat. Es ist ein bisschen so, als würde man in einem riesigen, offenen Geschichtsbuch blättern, bei dem ein paar Seiten fehlen.
Geht man ein paar Schritte weiter, steht man vor der Ruine der mittelalterlichen Burg aus dem 12. Jahrhundert. Die Mauern aus Ruhrsandstein haben diesen typischen, warmen Farbton, der besonders in der Abendsonne fast golden leuchtet. Die Syburg war einst Sitz der Herren von Syberg, bevor sie im Laufe der Jahrhunderte verfiel. Heute dienen die Mauerreste vor allem als Fotokulisse oder als Rückzugsort für Dohlen, die in den Ritzen nisten. Es ist herrlich unaufgeregt hier. Keine Absperrgitter, die jeden Zentimeter sichern, sondern Geschichte zum Anfassen. Man kann sich einfach auf einen Stein setzen, die Augen schließen und versuchen, das Klirren von Rüstungen zu hören, auch wenn meistens nur das ferne Rauschen der Autobahn A1 herüberweht. Das ist eben das Ruhrgebiet: Die Idylle ist nie ganz ohne die Industrie zu haben.
Kurz & Kompakt - Anfahrt & Parken: Die Anreise erfolgt meist über die A1 oder A45. Große Parkflächen sind direkt am Casino und unterhalb des Denkmals vorhanden, am Wochenende sind diese jedoch schnell belegt und teils kostenpflichtig.
- Aussichtspunkte: Die beste Fernsicht bietet die Terrasse am Kaiser-Wilhelm-Denkmal oder die Spitze des Vincketums. Von dort blickt man direkt auf den Zusammenfluss von Ruhr und Lenne sowie den Hengsteysee.
- Gastronomie: Das Angebot reicht vom Kiosk mit Pommes und Eis bis zur gehobenen Sterneküche im "Palmgarden" innerhalb der Spielbank. Für Wanderer empfiehlt sich das traditionsreiche Haus Syburg direkt an den Wanderwegen.
- Wandertipps: Der Rundweg um die Syburg lässt sich perfekt mit einer Umrundung des Hengsteysees kombinieren (ca. 6,5 km). Trittsicherheit ist auf den steilen Waldpfaden zwischen Plateau und Seeufer erforderlich.
Denkmäler und monumentale Ansichten
Ein echtes Schwergewicht auf dem Plateau ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Es wirkt fast ein bisschen aus der Zeit gefallen mit seiner wuchtigen Architektur. Erbaut wurde es Ende des 19. Jahrhunderts, um dem Preußenkönig zu huldigen. Ursprünglich war es noch viel prunkvoller mit einem Reiterstandbild und mehreren Nebenfiguren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es etwas schlichter umgestaltet, aber die Dimensionen sind immer noch beeindruckend. Wenn man davor steht, fühlt man sich klein, was wohl auch der Plan der damaligen Architekten war. Interessant ist der Kontrast zwischen der kühlen Schwere des Steins und dem weiten, freien Blick, der sich direkt dahinter eröffnet. Viele Dortmunder kommen am Wochenende hierher, lehnen sich gegen die Balustrade und starren einfach nur in die Ferne. Das ist so eine Art lokales Ritual.
Nicht weit davon entfernt ragt der Vincketurm in den Himmel. Er wurde zu Ehren von Ludwig von Vincke errichtet, dem ersten Oberpräsidenten Westfalens. Der Turm ist ein achteckiger Bau, der auf dem höchsten Punkt des Berges steht. Falls man Glück hat und der Turm geöffnet ist, sollte man die Stufen nach oben nehmen. Die Treppe ist eng und es riecht nach altem Staub, aber die Mühe lohnt sich. Von oben sieht man nicht nur das Ruhrtal, sondern bei klarer Sicht bis weit ins Sauerland hinein. Es ist dieser Moment, in dem man begreift, warum die Gegend hier unten als das grüne Herz der Region gilt. Man sieht den Hengsteysee glitzern und das Koepchenwerk am gegenüberliegenden Ufer, ein altes Pumpspeicherkraftwerk, das wie eine Kathedrale der Industriekultur aussieht. Da kriegt man direkt feuchte Augen, weil dat einfach so schön ist.
Das Spiel mit dem Glück und dem Zufall
Völlig anders ist die Stimmung ein paar hundert Meter weiter. Die Spielbank Hohensyburg ist ein massiver Klotz aus Glas und Beton, der so gar nicht zur Burgromantik passen will. Aber genau das macht den Reiz aus. Es ist eine der größten und umsatzstärksten Spielbanken Deutschlands. Hier fahren dann plötzlich die dicken Schlitten vor. Es duftet nach teurem Parfüm und der Hoffnung auf das schnelle Geld. Im Inneren herrscht diese gedämpfte, fast andächtige Atmosphäre, die man nur in Casinos findet. Das leise Surren der Spielautomaten mischt sich mit dem trockenen Klicken der Jetons an den Roulettetischen. Man muss kein Zocker sein, um die Faszination zu verstehen. Es ist ein Ort der Inszenierung. Wer sich mal richtig in Schale werfen will, ist hier goldrichtig, auch wenn die Kleiderordnung heute nicht mehr ganz so streng ist wie früher.
Kulinarisch hat die Spielbank ebenfalls einiges zu bieten. Das Restaurant "Palmgarden" wurde bereits mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Es ist schon ein kurioses Erlebnis: Draußen spazieren Familien mit schlammigen Wanderschuhen an den Ruinen vorbei, während drinnen Hummer auf feinstem Porzellan serviert wird. Diese Gleichzeitigkeit von völlig verschiedenen Lebenswelten ist typisch für Dortmund. Es gibt hier keinen Dünkel. Die Syburg gehört allen, egal ob sie einen Fünfer auf Rot setzen oder nur eine Thermoskanne mit Kaffee dabeihaben. Manchmal sieht man Leute, die nach einer verlorenen Runde im Casino etwas bedröppelt über den Parkplatz schleichen, aber meistens überwiegt die gute Laune der Ausflügler.
Natur pur zwischen den Flüssen
Wer genug von Steinen und Jetons hat, sollte sich den Wanderwegen widmen. Die Hohensyburg ist ein idealer Startpunkt für Touren rund um das Ardeygebirge. Besonders der Abstieg zum Hengsteysee hat es in sich. Der Weg ist steil und bei feuchtem Wetter eine recht rutschige Angelegenheit. Man läuft durch dichten Laubwald, in dem das Licht im Sommer nur spärlich durch die Blätter dringt. Überall raschelt es im Unterholz. Wenn man unten am See ankommt, ist die Perspektive eine völlig andere. Man schaut zu den steilen Sandsteinfelsen hoch, auf denen man eben noch stand. Der Hengsteysee selbst ist ein Stausee der Ruhr und ein beliebtes Revier für Ruderer und Stand-up-Paddler. Es gibt dort auch ein schönes Freibad, das im Sommer völlig überlaufen ist, aber einen unschlagbaren Blick auf die Syburg bietet.
Ein kleiner Geheimtipp ist der Besuch des Märchenwaldes, der sich etwas versteckt unterhalb der Ruinen befindet. Das ist zwar eher etwas für Familien mit kleinen Kindern, hat aber einen herrlich nostalgischen, fast schon skurrilen Charme. Die Figuren wirken manchmal ein bisschen mitgenommen, aber gerade das macht es sympathisch. Es ist ein Kontrastprogramm zur durchgestylten Welt der Spielbank. Überhaupt ist das gesamte Areal ein Eldorado für Leute, die gerne draußen sind. Im Frühling blühen die Wildkräuter und im Herbst verwandelt sich der Wald in ein buntes Farbenmeer. Man kann hier wunderbar die Seele baumeln lassen und den Kopf freikriegen, während unter einem das geschäftige Treiben des Reviers weitergeht. Die Syburg ist eben der Ort, an dem Dortmund tief durchatmet.
Praktisches für den Ausflug
Anreise-technisch ist die Hohensyburg eigentlich am besten mit dem Auto zu erreichen. Es gibt zwar Busverbindungen von Dortmund-Hörde aus, aber die takten am Wochenende nicht immer ideal. Parkplätze sind reichlich vorhanden, kosten aber an den Hauptpunkten oft Gebühren. Wer gut zu Fuß ist, kann auch von Hagen-Vorhalle aus hochlaufen, was eine ordentliche sportliche Leistung darstellt. Man sollte unbedingt festes Schuhwerk tragen, da die Wege rund um die Burgruine oft uneben sind. Für den kleinen Hunger gibt es oben mehrere Kioske und Cafés. Die Currywurst gehört hier fast schon zum Pflichtprogramm, auch wenn sie preislich manchmal einen "Aussichtszuschlag" hat. Aber egal, der Blick über das Ruhrtal entschädigt für fast alles.
Am besten kommt man unter der Woche hierher, wenn man die Ruhe sucht. Am Wochenende, besonders bei strahlendem Sonnenschein, wird es voll. Dann schieben sich die Menschenmassen über die Wege und die Suche nach einer freien Bank wird zur Herausforderung. Aber selbst dann findet man immer noch ein ruhiges Plätzchen, wenn man bereit ist, ein paar Meter abseits der Hauptwege in den Wald einzutauchen. Es ist dieser Mix aus Geschichte, Kitsch, Natur und Glücksspiel, der die Hohensyburg so einzigartig macht. Man kommt als Tourist und geht als jemand, der ein Stück Dortmunder Lebensgefühl eingeatmet hat. Und wenn man beim Abstieg noch einmal zurückschaut und sieht, wie die Burg im Abendlicht verschwindet, weiß man genau: Dat hat sich gelohnt.