Stuttgart

V8 Hotel & Co.: Übernachten im Auto-Themenzimmer – Ein Traum für Petrolheads

In der Motorworld Böblingen parken Gäste nicht nur ihren Wagen, sie schlafen direkt darin. Die V8 Hotels verwandeln alte Karosserien in Ruhestätten für Autofans. Wer hier eincheckt, tauscht Standard-Interieur gegen echtes Werkstatt-Flair.

Stuttgart  |  Infos & Wissenswertes
Lesezeit: ca. 8 Min.
Kommentare
Teilen
Facebook
Pocket
E-Mail
0
Kommentare
Facebook
Pocket
E-Mail
Zwischenablage

Man riecht es eigentlich sofort, wenn man das Gelände der Motorworld in Böblingen betritt. Es ist diese ganz spezifische Mischung aus poliertem Chrom, altem Leder und einem Hauch von Reifenabrieb, die in der Luft hängt. Für manche ist das nur dicke Luft, für andere ist es das Parfüm der großen weiten Welt. Auf dem ehemaligen Landesflughafen Württemberg hat sich ein Biotop für Autonarrische entwickelt, das weit über die Grenzen des Ländles hinaus bekannt ist. Hier stehen nicht einfach nur Autos rum, hier werden sie zelebriert. Das Herzstück für Übernachtungsgäste sind die beiden Häuser des V8 Hotels. Das klassische V8 Hotel Classic im denkmalgeschützten Flughafengebäude und der moderne Neubau direkt gegenüber bieten Zimmer an, die so gar nichts mit der sterilen Atmosphäre großer Hotelketten zu tun haben.

Es ist schon ein uriges Gefühl, wenn man durch die Flure schlendert und an Türen vorbeikommt, hinter denen sich keine einfachen Betten, sondern ganze automobile Welten verbergen. Die sogenannten Themenzimmer sind der eigentliche Clou der Anlage. Da hat man nicht einfach nur ein Bild von einem Porsche an die Wand genagelt. Nein, da wurde ein halber Cadillac zur Bettstelle umfunktioniert oder eine ganze Hebebühne in das Zimmer integriert. Wer in der Suite im Turm übernachtet, blickt aus den Fenstern über das gesamte Areal und fühlt sich ein bisschen wie der Fluglotse der PS-Träume. Es ist diese Liebe zum Detail, die den Aufenthalt hier ausmacht. Überall finden sich kleine Gadgets, die man erst auf den zweiten Blick entdeckt, wie etwa Scheinwerfer, die als Nachttischlampen dienen.

Spannend ist dabei vor allem die Verbindung zwischen der historischen Architektur und der modernen Nutzung. Das alte Terminalgebäude atmet noch den Geist der 1920er und 30er Jahre. Wenn man über die knarzenden Dielen geht, meint man fast, das ferne Brummen einer Propellermaschine zu hören. Stuttgart und die nähere Umgebung sind ja ohnehin die Wiege des Automobils, aber hier in Böblingen wird diese Geschichte greifbar und bewohnbar gemacht. Es ist kein steriles Museum, in dem man nichts anfassen darf. Es ist ein lebendiger Ort, an dem geschraubt, gehandelt und eben auch geschlafen wird. Das Publikum ist bunt gemischt: Da trifft der betuchte Sammler im Maßanzug auf den Schrauber mit öligem Blaumann, und beide nicken sich beim Frühstück respektvoll zu.

Kurz & Kompakt
  • Übernachtung: Die V8 Hotels bieten insgesamt 34 Themenzimmer (im Classic und Superior Haus), die von "Waschanlage" über "Werkstatt" bis "PanAm" reichen. Die Betten sind aus echten Fahrzeugteilen gefertigt und bieten trotzdem modernen Schlafkomfort.
  • Lage & Umfeld: Das Hotel ist Teil der Motorworld Region Stuttgart in Böblingen. Auf dem Gelände finden sich Oldtimer-Handel, Werkstätten, Boutiquen und gläserne Garagen sowie kostenfrei zugängliche Ausstellungsflächen für historische Fahrzeuge.
  • Gastronomie: Mehrere Restaurants direkt auf dem Areal decken das Spektrum von amerikanischen Burgern im "Tower 66" bis hin zu italienischer Küche im "Targa Florio" ab, oft mit Blick auf die ausgestellten Klassiker.
  • Erreichbarkeit: Perfekte Anbindung über die A81 oder per S-Bahn (Haltestelle Böblingen) von Stuttgart aus. Die Museen von Mercedes-Benz und Porsche sind in etwa 20 bis 30 Minuten mit dem Auto erreichbar.

Vom Cadillac bis zur Waschanlage: Zimmer mit Charakter

Die Auswahl des richtigen Zimmers gleicht einer kleinen Weltreise durch die Epochen des Fahrzeugbaus. Wer es eher amerikanisch mag, landet vielleicht im Zimmer mit dem Thema Route 66. Da schläft man in einem Bett, das aus dem Heck eines alten Schlitten gefertigt wurde, inklusive Heckflossen und Rücklichtern, die man abends als Leselicht nutzen kann. Es ist ein bisschen kitschig, ja, aber auf eine so konsequente Weise, dass es schon wieder cool ist. Die Farben sind kräftig, oft in Rot oder hellem Blau gehalten, eben genau so, wie man sich einen Diner in den USA der 50er Jahre vorstellt. Es ist eine Art Zeitreise, bei der man morgens aufwacht und kurz vergisst, dass man sich eigentlich im schwäbischen Speckgürtel befindet.

Ein echter Hingucker ist das Zimmer mit dem Thema Waschanlage. Wer hätte gedacht, dass man sich in einer Umgebung wohlfühlen kann, die normalerweise mit nassen Bürsten und Schaum assoziiert wird? Hier hängen riesige, weiche Waschbürsten von der Decke, die natürlich keine Funktion haben, außer dem Raum eine völlig verrückte Optik zu verleihen. Das Bett steht mittendrin, und man fühlt sich fast ein bisschen so, als würde man gerade das volle Programm inklusive Heißwachs und Unterbodenwäsche genießen. Solche Einfälle sind es, die das V8 Hotel von anderen Themenhotels abheben. Es wirkt nicht billig zusammengezimmert, sondern wie eine handfeste Hommage an den Alltag rund um das Auto.

Für die eher klassisch orientierten Gäste gibt es Räume, die sich mit der Geschichte des Motorsports oder der lokalen Industrie beschäftigen. Da findet man dann Werkbänke als Schreibtische oder Schränke, die wie Spinde aus einer alten Fabrikhalle aussehen. Überhaupt spielt das Thema Materialität eine große Rolle. Viel Metall, viel sichtbarer Beton und eben immer wieder Leder. Die Zimmer im Neubau, dem V8 Hotel Superior, sind etwas cleaner und moderner gestaltet, behalten aber durch großformatige Wandgrafiken und spezielle Designelemente den Bezug zum Thema bei. Es ist dieser Mix aus Loft-Atmosphäre und Benzin-Romantik, der die Übernachtung zu einem Erlebnis macht, das man so schnell nicht vergisst. Man muss kein Experte für Nockenwellen sein, um das zu genießen, aber es schadet definitiv nicht.

Die Motorworld als riesiger Abenteuerspielplatz

Wenn man das Hotelzimmer verlässt, steht man mitten im Geschehen. Die Motorworld ist kein geschlossener Komplex nur für Hotelgäste, sondern ein öffentlicher Raum, der täglich hunderte Besucher anzieht. In den großen Hallen, die früher als Hangars dienten, stehen heute hunderte von Fahrzeugen. Das Spektrum reicht vom rostigen Scheunenfund bis zum glitzernden Supersportwagen, der mehr kostet als ein ordentliches Einfamilienhaus. Das Schöne daran ist, dass man hier ganz ungezwungen flanieren kann. Es gibt keine Absperrbänder oder grimmigen Aufseher, die einen verscheuchen, wenn man mal etwas näher an einen alten Jaguar oder einen seltenen Lamborghini herantritt.

In den gläsernen Boxen können Sammler ihre Schätze unterstellen. Das ist wie ein riesiges Aquarium für Autos. Man kann stundenlang an diesen Boxen vorbeilaufen und Details studieren, die man sonst nur aus Hochglanzmagazinen kennt. Zwischendurch hört man immer mal wieder das tiefe Grollen eines Motors, wenn jemand sein Schätzchen für eine Ausfahrt aus der Halle fährt. Dieser Sound hallt in den hohen Räumen wunderbar nach und sorgt für Gänsehaut bei jedem, der auch nur ein bisschen was für Technik übrig hat. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, ein Sehen und Gesehenwerden, ohne dabei übermäßig prätentiös zu wirken. Hier in der Region gehört das Auto einfach zum guten Ton, es ist Teil der Identität.

Kulinarisch ist man auf dem Gelände ebenfalls gut versorgt. Es gibt verschiedene Restaurants, die thematisch natürlich auch wunderbar ins Konzept passen. Im Tower 66 gibt es Burger und Steaks in einer Atmosphäre, die an ein amerikanisches Steakhouse erinnert. Wer es etwas feiner mag, geht ins Restaurant Targa Florio, das nach dem berühmten Langstreckenrennen auf Sizilien benannt ist. Dort sitzt man zwischen automobilen Kunstwerken und genießt gehobene Küche. Es ist schon ein spezielles Erlebnis, bei einem Glas Wein auf einen alten Rennwagen zu blicken, während draußen die Sonne über dem Flugfeld untergeht. Diese Dichte an Eindrücken macht die Motorworld zu einem Ort, an dem man gut und gerne einen ganzen Tag verbringen kann, ohne dass Langeweile aufkommt.

Strategisch günstig: Zwischen Stuttgart und dem Schwarzwald

Die Lage in Böblingen ist für Reisende ideal, die nicht nur das Hotel sehen wollen. Mit der S-Bahn ist man in einer knappen halben Stunde mitten in der Stuttgarter City. Wer also die großen Museen von Mercedes-Benz und Porsche besuchen möchte, hat hier eine perfekte Basis. Stuttgart selbst ist ja topografisch eine Herausforderung mit seinen vielen Kessellagen und Stäffele, aber Böblingen ist da deutlich entspannter. Von hier aus ist man auch ruckzuck im Schwarzwald. Eine Fahrt über die kurvigen Landstraßen in Richtung Bad Wildbad oder Freudenstadt ist für jeden Autofahrer ein Genuss. Man merkt schnell, dass die Region hier nicht nur Autos baut, sondern sie auch leidenschaftlich gerne bewegt.

Wer nach einem langen Tag voller Motorengeräusche etwas Ruhe sucht, findet auf dem Gelände des Hotels auch einen Wellnessbereich. Der ist zwar nicht riesig, aber fein gemacht. Von der Sauna aus hat man oft einen Blick über die Dächer der Motorworld. Es ist dieser Kontrast zwischen der harten Technik der Autos und der Entspannung im Spa, der den Aufenthalt abrundet. Man kommt runter, lässt die Eindrücke Revue passieren und freut sich vielleicht schon auf das Frühstück am nächsten Morgen, das im V8 Hotel ebenfalls sehr ordentlich ausfällt. Da gibt es keine abgezählten Scheiben Käse, sondern ein Buffet, das Kraft für den nächsten Roadtrip gibt.

Ein kleiner Tipp am Rande: Wer wirklich das volle Programm will, sollte schauen, ob während des Aufenthalts eines der vielen Treffen stattfindet. Oft organisieren Markenclubs oder Interessengemeinschaften hier ihre Ausfahrten. Dann füllt sich der Außenbereich mit dutzenden von Porsches, Ferraris oder auch alten VW-Bussen. Das ist dann wie eine kostenlose Autoshow unter freiem Himmel. Die Besitzer sind meistens sehr auskunftsbereit und freuen sich, wenn man ein bisschen Fachsimpelt. Da erfährt man dann Details über Vergaser oder seltene Lackierungen, die in keinem Handbuch stehen. Es ist dieses Gemeinschaftsgefühl, das den Ort so besonders macht. Man ist unter Gleichgesinnten, egal ob man nun im Zelt oder in der Suite übernachtet.

Schreibe einen Kommentar
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu schreiben.
 
Du 

Bisher keine Kommentare
Entdecke mehr:
Nach oben scrollen