Düsseldorf

Öffis meistern: Ein Guide durch das Netz von Rheinbahn, S-Bahn und U-Bahn

Zwischen High-Tech-Tunneln und ratternden Oldtimer-Bahnen liegt die ganze Seele der Stadt. Schnall dich an für eine Fahrt durch den VRR-Dschungel, bei der die Endstation oft erst der Anfang ist.

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Zwischenablage

Das Pflaster der Altstadt mag zwar charmant aussehen, doch nach drei Kilometern verfluchen die Füße jede einzelne Kopfsteinmücke. Hier kommt die Rheinbahn ins Spiel. Die rot-weißen Wagen sind das Blut in den Adern der Landeshauptstadt. Wer am Hauptbahnhof aus dem Zug stolpert, wird erst einmal von der schieren Wucht der unterirdischen Verteilerebene erschlagen. Es riecht nach einer Mischung aus billigem Backwerk, feuchtem Beton und dem metallischen Abrieb der Bremsen. Die Orientierung fällt schwer, wenn man nicht weiß, dass die Stadt im Grunde zwei Ebenen hat: oben die Straßenbahnen, die sich ratternd durch den Verkehr quälen, und unten die U-Bahnen, die mit einem dumpfen Grollen unter den Luxusmeilen der Königsallee hindurchschießen. Es ist ein System, das auf Pünktlichkeit hofft, aber oft an der Realität des Berufsverkehrs scheitert.

Interessant ist die Aufteilung der Linien. Die U-Bahnen werden hier oft mit einem U vor der Nummer abgekürzt, was logisch klingt, aber in Düsseldorf eine Besonderheit hat. Viele dieser Bahnen verwandeln sich am Stadtrand wie von Zauberhand in ganz gewöhnliche Straßenbahnen. Plötzlich fährt man nicht mehr durch dunkle Tunnel, sondern an Vorgärten in Oberkassel oder Wersten vorbei. Das quietschen der Räder in den engen Kurven gehört zum Soundtrack der Stadt. Wer sich in die U75 setzt, erlebt eine Reise durch die sozialen Schichten. Von den schicken Fassaden linksrheinisch bis zu den industriellen Überbleibseln in Eller ist alles dabei. Man sitzt neben dem Banker im maßgeschneiderten Anzug und der Oma, die ihre Einkäufe vom Carlsplatz nach Hause hievt. Das ist das wahre Düsseldorf, fernab der Hochglanzmagazine.

Kurz & Kompakt
  • Ticket-Tipp: Wer flexibel bleiben will, nutzt die eezy-App. Man checkt beim Einsteigen ein und beim Aussteigen aus. Abgerechnet wird per Luftlinie. Das spart das Rätselraten bei den Preisstufen und schont den Geldbeutel bei kurzen Hüpfern.
  • Verbindungsknoten: Die Station Heinrich-Heine-Allee ist das Tor zur Altstadt. Hier kreuzen sich fast alle wichtigen U-Bahn-Linien. Wer hier rauskommt, steht direkt im Getümmel zwischen Shoppingmeile und Kneipenviertel.
  • Fahrrad-Mitnahme: In der S-Bahn und den U-Bahnen ist die Mitnahme von Rädern erlaubt, aber zu Stoßzeiten ein echter Kampf. Man braucht ein Zusatzticket. Wer sein Rad liebt, schiebt es lieber durch die Rushhour, statt böse Blicke der Mitpendler zu riskieren.

Die S-Bahn als launisches Bindeglied

Wenn die Rheinbahn das Herz ist, dann ist die S-Bahn das Nervensystem, das manchmal einen ordentlichen Kurzschluss hat. Die Deutsche Bahn betreibt diese Züge, und jeder Pendler kann Lieder von Verspätungen und ausgefallenen Klimaanlagen singen. Trotzdem ist die S-Bahn unverzichtbar, um die Außenbezirke oder Nachbarstädte wie Neuss und Ratingen zu erreichen. Die Stationen liegen oft etwas versteckt. Der S-Bahnhof Wehrhahn etwa ist eine unterirdische Kathedrale aus bunten Kacheln, während andere Haltepunkte eher an die Kulisse eines Krimis aus den Siebzigern erinnern. Es ist ein rauerer Charme. Hier wird nicht flaniert, hier wird gerannt, um den Anschluss noch zu erwischen. Die S11 ist der Klassiker für alle, die zum Flughafen müssen. Sie rumpelt zuverlässig unzuverlässig durch die Stadtlandschaft.

Besonders zur Rushhour wird es kuschelig. Man lernt die Deo-Marken seiner Mitmenschen unfreiwillig gut kennen. Doch wer den Blick aus dem Fenster wagt, sieht die andere Seite der Stadt. Die S-Bahnen fahren oft auf Hochtrassen. Man blickt in Hinterhöfe, sieht Graffiti-Kunstwerke an alten Brandmauern und bekommt ein Gefühl für die Dichte dieses Ballungsraums. Es ist eine Perspektive, die man aus dem Auto nie hätte. Wer Glück hat, erwischt einen der moderneren Wagen mit funktionierenden Anzeigen. Wer Pech hat, starrt auf einen schwarzen Monitor und muss den undeutlichen Durchsagen des Lokführers lauschen, die meistens klingen, als würde jemand in eine leere Blechdose sprechen. Aber hey, das gehört zum Abenteuer dazu. Wer "Düsseldorfer Schlick" in den Adern hat, nimmt das mit einem Achselzucken hin.

Fahrscheine und die Tücken des Tarifs

Ein Ticket zu kaufen, erfordert in Düsseldorf fast schon ein abgeschlossenes Studium. Wir befinden uns im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, kurz VRR. Das bedeutet, man kann mit einem Ticket alles nutzen, solange man sich in der richtigen Preisstufe bewegt. Für die Innenstadt reicht meist die Kurzstrecke oder die Preisstufe A. Aber wehe, man will nach Kaiserswerth oder gar nach Benrath. Dann fängt das große Rechnen an. Die Automaten an den Haltestellen sind meistens geduldig, die Schlange hinter einem eher weniger. Es gibt diese typischen Momente, in denen der Automat die zerknitterte Fünf-Euro-Note zum zehnten Mal ausspuckt, während die Bahn gerade in den Bahnhof einfährt. Panik kommt auf. In solchen Momenten hilft nur die App, die meistens schneller ist, sofern das Netz im Tunnel nicht gerade den Geist aufgibt.

Ein echter Geheimtipp für Gruppen ist das Tagesticket. Man zahlt einmal und kann den Rest des Tages kreuz und quer durch die Zonen juckeln. Wer schwarzfährt, riskiert nicht nur ein saftiges Bußgeld, sondern auch die Begegnung mit den Kontrolleuren, die oft in zivil unterwegs sind und erst kurz vor dem Anhalten ihre Ausweise zücken. Das sorgt regelmäßig für betretenes Schweigen im Waggon. Man sollte auch wissen, dass man in den Bussen vorne einsteigen und das Ticket vorzeigen muss. In den Bahnen hingegen ist das egal. Dieses kleine Detail entlarvt Touristen sofort. Wer lässig durch die Mitteltür in den Bus schlüpfen will, wird oft vom Fahrer durch das Mikrofon zurückgepfiffen. Peinlich ist gar kein Ausdruck dafür. Also lieber kurz nicken und das Ticket vorzeigen, dann läuft die Fuhre.

Die Wehrhahn-Linie als unterirdische Galerie

Düsseldorf wäre nicht die Stadt der Kunst, wenn sie nicht sogar ihre U-Bahn-Stationen in Museen verwandelt hätte. Die Wehrhahn-Linie ist das Prunkstück des hiesigen Nahverkehrs. Sechs Stationen wurden von Künstlern gestaltet, und jede sieht anders aus. Am Kirchplatz fühlt man sich wie in einem geometrischen Traum, während die Station Schadowstraße mit riesigen interaktiven Bildschirmen aufwartet. Es ist sauber, es ist hell und es riecht tatsächlich weniger nach Urin als an anderen Bahnhöfen. Man merkt, dass hier Geld in die Hand genommen wurde, um dem typischen U-Bahn-Muff entgegenzuwirken. Die Züge gleiten fast lautlos über die Schienen. Es ist fast schon meditativ, wenn man nicht gerade zur Weihnachtszeit unterwegs ist, wenn die Massen mit Einkaufstüten bewaffnet die Gänge verstopfen.

Besonders beeindruckend ist die Station Pempelforter Straße. Die Linienführung an den Wänden spielt mit der Wahrnehmung und lässt den Raum fast unendlich wirken. Hier sieht man oft Menschen, die eigentlich gar nicht wegfahren wollen, sondern nur Fotos für ihre sozialen Netzwerke machen. Es ist Architektur, die man anfassen kann. Die Bahnen selbst sind modern, mit viel Glas und hellem Kunststoff. Man fühlt sich ein bisschen wie in der Zukunft, bis man an der Oberfläche wieder von einer verspäteten Straßenbahn der Linie 707 begrüßt wird, die einen zurück in die harte Realität des Düsseldorfer Alltags holt. Aber genau diese Kontraste machen den Reiz aus. Von der High-End-U-Bahn direkt in die ratternde Nostalgie-Tram.

Die Straßenbahn: Romantik auf Schienen

Wenn es nicht schnell gehen muss, ist die Straßenbahn die beste Wahl. Die Linien 701 bis 709 schlängeln sich oberirdisch durch die Viertel. Man sieht das Leben an sich vorbeiziehen. Die Cafés in Unterbilk, die kleinen Läden in Flingern oder das geschäftige Treiben rund um den Jan-Wellem-Platz. Die alten Bahnen haben noch dieses typische Schaukeln. Man wird sanft hin- und hergeworfen, während der Fahrer ab und zu die Glocke betätigt, um unvorsichtige Radfahrer oder Fußgänger zu warnen. Dieses "Pling-Pling" ist das Signal für: Achtung, hier kommt Tradition auf Stahlschienen. Es ist die entschleunigte Art der Fortbewegung, sofern man nicht im Stau auf der Berliner Allee stecken bleibt. Denn das ist das Schicksal der Straßenbahn: Sie teilt sich den Platz mit Autos, und in Düsseldorf gibt es viele Autos.

Ein besonderes Erlebnis ist die Fahrt über die Oberkasseler Brücke. Wenn die Bahn den Rhein überquert und man den Blick auf die Skyline mit dem Rheinturm und den Gehry-Bauten hat, vergisst man kurz den Stress des Tages. Besonders bei Sonnenuntergang glitzert der Fluss, und die Stadt sieht aus wie auf einer Postkarte. Das ist der Moment, in dem man versteht, warum die Düsseldorfer so stolz auf ihre Stadt am Strom sind. Man sitzt in der 705 und fühlt sich wie ein König für den Preis eines Einzeltickets. Wer Hunger hat, steigt am Spichernplatz aus und sucht sich eine Bude für eine Currywurst. Die Bahnen bringen einen überall hin, man muss nur genug Zeit einplanen und sich auf das Tempo der Stadt einlassen. Es ist ein ständiges Stop-and-go, ein Rhythmus aus Quietschen und Anfahren.

Nachtexpress und die späten Stunden

Was passiert, wenn die Lichter in den Büros ausgehen und die Altstadt zum Leben erwacht? Dann schlägt die Stunde der Nachtexpresse. In Düsseldorf fahren die Bahnen am Wochenende fast die ganze Nacht durch. Das ist Segen und Fluch zugleich. Einerseits kommt man immer nach Hause, andererseits sind die Bahnen um drei Uhr morgens ein ganz eigenes Biotop. Es riecht nach Altbier, Döner und schlechten Entscheidungen. Die Stimmung schwankt zwischen ausgelassener Fröhlichkeit und aggressiver Müdigkeit. Die Fahrer brauchen in diesen Nächten Nerven aus Drahtseilen. Man sieht Junggesellenabschiede, die laut grölend ihre Lieder singen, und einsame Seelen, die am Fenster lehnen und den Lichtern der Stadt nachschauen. Es ist eine ehrliche, ungeschönte Atmosphäre.

Die Station Heinrich-Heine-Allee wird nachts zum Dreh- und Angelpunkt. Hier treffen sich alle Linien, und die Menschenmassen schieben sich über die Rolltreppen. Es ist laut, es ist hektisch, aber es funktioniert irgendwie. Man sollte jedoch aufpassen, in welche Bahn man steigt. Wer zu tief ins Glas geschaut hat, landet schnell in Rath statt in Benrath, und dann wird der Heimweg lang und teuer. Ein kurzer Blick auf die Anzeige lohnt sich immer, auch wenn der Kopf schwankt. Die Nachtexpresse sind der Garant dafür, dass die Party in der "längsten Theke der Welt" kein jähes Ende finden muss. Man schwankt zur Haltestelle, lässt sich in die Sitze fallen und genießt die Fahrt durch das schlafende Düsseldorf. Es ist die Zeit, in der die Stadt kurz durchatmet, bevor am frühen Morgen die ersten Pendler wieder die Bahnhöfe stürmen.

Praktisches und Kurioses am Rande

Ein paar Dinge sollte man als Fahrgast in Düsseldorf wissen, um nicht völlig als Neuling aufzufallen. Erstens: Die Türen öffnen sich in den alten Bahnen oft nur durch einen kräftigen Druck auf den Knopf oder sogar durch einen beherzten Zug am Griff. Wer wartet, dass die Technik alles von selbst erledigt, fährt unfreiwillig bis zur Endstation weiter. Zweitens: Es gibt in Düsseldorf die "K-Bahn". Das ist die Linie U76, die bis nach Krefeld durchfährt. Früher gab es dort sogar Speisewagen mit echtem Porzellan und Kaffee. Heute ist es eine normale U-Bahn, aber der Name hält sich hartnäckig in den Köpfen der älteren Generation. Es ist eine der längsten Straßenbahnverbindungen der Welt, wenn man es genau nimmt. Eine kleine Weltreise für ein paar Euro.

Drittens: Achte auf die "Bütchen". Das sind die kleinen Kioske an vielen Haltestellen. Sie sind das soziale Schmiermittel der Stadt. Hier kauft man sich noch schnell eine Zeitung oder ein Wasser, bevor man in den Untergrund abtaucht. Die Kioskbesitzer kennen oft die Fahrpläne besser als die digitale Anzeige. Ein kurzes "Kommt die 709 noch?" wird meistens mit einem knappen, aber präzisen "In zwei Minuten, Jung" beantwortet. Das ist die rheinische Direktheit, die man lieben muss. Und zum Schluss: Hab keine Angst vor dem Umsteigen am Hauptbahnhof. Es sieht schlimmer aus, als es ist. Folge einfach den blauen Schildern für die S-Bahn oder den roten für die Rheinbahn. Irgendwann kommt man immer an, und wenn nicht, landet man in einer Kneipe. Und das ist in Düsseldorf wahrlich kein schlechtes Schicksal.

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