Köln

Claudius Therme: Schweben in Sole und heißer Aufguss mit Domblick

Zwischen römischen Säulen und heißem Heilwasser schwitzt du hier den Alltagsstress einfach weg. Ein Ort, an dem die Stadt draußen bleibt und die Erholung das Kommando übernimmt.

Köln  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Es gibt Tage in Köln, an denen einem der Trubel rund um die Hohe Straße einfach zu viel wird. Wenn die Straßenbahnen quietschen und die Touristenmassen den Domplatz verstopfen, liegt die Rettung oft näher, als man denkt. Sie liegt allerdings auf der Seite des Rheins, die der echte Kölner gerne mal als "falsch" bezeichnet. Auf der sogenannten Schäl Sick, im Stadtteil Deutz, versteckt sich am Rand des weitläufigen Rheinballs die Claudius Therme. Schon der Weg dorthin durch den Park lässt den Puls ein wenig sinken. Man sieht Jogger, die ihre Runden drehen, und Familien, die Drachen steigen lassen. Das Gebäude selbst duckt sich unter alten Bäumen weg und fällt kaum auf, obwohl es architektonisch durchaus etwas hermacht. Es orientiert sich an den antiken Vorbildern der römischen Badekultur, was in einer Stadt wie Köln, die auf römischen Fundamenten steht, natürlich Sinn ergibt. Aber erwartete keine verstaubten Ruinen. Hier trifft 90er-Jahre-Architektur auf zeitlose Wellness-Ansprüche.

Wer durch die Drehtür geht, lässt den grauen Stadtalltag draußen. Der Geruch ist das Erste, was einen empfängt. Eine Mischung aus feuchter Wärme, Eukalyptus und einem Hauch von Chlor, der aber nicht in der Nase beißt. An der Kasse bekommt man sein Chip-Armband. Das ist deine Währung für die nächsten Stunden. Bargeld brauchst du hier drinnen nicht, was die Sache ungemein entspannt. Die Umkleiden sind funktional, manchmal etwas eng, wenn gerade ein ganzer Schwung Besucher gleichzeitig ankommt. Aber sobald du in Badehose oder Badeanzug steckst und die Treppe zum Hauptbad hinaufsteigst, ist das vergessen. Vor dir öffnet sich eine große Halle, getragen von Säulen und überspannt von Bögen, in deren Mitte das Hauptbecken dampft.

Kurz & Kompakt
  • Anreise mit Stil: Statt mit dem Bus im Stau zu stehen, nimm die Kölner Seilbahn über den Rhein (saisonabhängig). Der Fußweg von der Station durch den Rheinpark stimmt perfekt auf die Auszeit ein.
  • Beste Zeit: Vermeide verregnete Sonntage im Winter, wenn halb Köln in die Sauna flüchtet. Dienstag- oder Mittwochabend ist oft deutlich entspannter und atmosphärischer.
  • Schweben & Lauschen: Verpasse auf keinen Fall das Solebecken mit der Unterwassermusik – ein fast psychedelisches Erlebnis der Schwerelosigkeit.
  • Rosarium: Für die ganz Zarten gibt es das Rosarium im Saunabereich, eine sanfte Biosauna mit Rosenduft und Rosenquarz, die nicht so gnadenlos heiß ist wie die finnischen Kollegen.

Eintauchen in staatlich anerkanntes Heilwasser

Das Wasser ist der eigentliche Star hier. Es kommt aus einer natürlichen Thermal-Mineralquelle und trägt das Prädikat "staatlich anerkanntes Heilwasser". Das klingt furchtbar bürokratisch, fühlt sich aber auf der Haut ziemlich gut an. Wenn du dich ins Hauptbecken gleiten lässt, merkst du sofort die Wärme. Das Wasser hat hier meist angenehme 33 bis 37 Grad. Es ist also keine sportliche Abkühlung, sondern eher wie eine warme Decke, die man sich überzieht. Man treibt so dahin. Nackenschwälle massieren die verspannten Muskeln, die vom ständigen Sitzen am Schreibtisch hart geworden sind. Es blubbert an allen Ecken und Enden. Sprudelliegen sind heiß begehrt. Man muss manchmal ein wenig taktieren und warten, bis einer der Plätze frei wird. Aber Hektik ist hier fehl am Platz. Man wartet einfach, lässt den Blick schweifen und beobachtet die Lichtspiele an der Decke.

Ein besonderes Highlight ist das Eisenbecken. Das Wasser dort ist rötlich-braun gefärbt und riecht leicht metallisch. Es soll gut für die Gelenke sein. Manche Leute schwören darauf, andere finden die Farbe gewöhnungsbedürftig. Probier es aus. Danach fühlt sich die Haut jedenfalls interessant an, irgendwie belebt. Wer es noch intensiver mag, geht ins Schwebebecken. Hier ist die Salzkonzentration so hoch, dass du ohne Zutun an der Oberfläche treibst. Es ist ein bisschen wie Totes Meer im Rheinland. Man liegt da, die Ohren unter Wasser, und hört: Musik. Unterwassermusik, um genau zu sein. Sphärische Klänge, die nur hörbar sind, wenn der Kopf eingetaucht ist. Das hat etwas fast Meditatives. Man verliert komplett das Gefühl für Raum und Zeit.

Raus an die frische Luft

Der Außenbereich des Badebereichs ist ebenfalls einen Abstecher wert, selbst im Winter. Oder gerade dann. Es hat schon was, wenn der Kopf in der kalten Luft ist und der restliche Körper im warmen Wasser steckt. Der Strömungskanal zieht dich mit sanfter Gewalt im Kreis. Man muss gar nichts tun, außer sich treiben zu lassen. Von hier aus hast du einen Blick in den Rheinpark. Manchmal sieht man die Kabinen der Kölner Seilbahn über die Baumwipfel gleiten. Ein surreales Bild: Menschen, die in kleinen Gondeln über den Rhein schweben, während man selbst im warmen Wasser dümpelt. Abends wird das Ganze noch stimmungsvoller. Wenn es dunkel wird, wird das Außenbecken beleuchtet, und der Dampf steigt in dichten Schwaden auf. Das hat fast etwas Mystisches.

Das Sauna-Dorf: Schwitzen für Fortgeschrittene

Für viele Kölner ist der Badebereich aber nur das Vorspiel. Das eigentliche Herzstück der Claudius Therme ist die Saunalandschaft. Und hier wird es ernst. Textilfrei ist hier Pflicht, wie es in Deutschland üblich ist. Wer damit fremdelt, wird sich vielleicht erst überwinden müssen, aber die Atmosphäre ist absolut respektvoll und unaufgeregt. Niemand ist hier, um zu schauen, alle wollen nur ihre Ruhe. Der Innenbereich der Sauna wirkt ein wenig verwinkelt. Es gibt Dampfbäder, ein Kräuterdampfbad und diverse Saunen mit unterschiedlichen Temperaturen. Besonders schön ist das Serailbad, wo man sich mit Pflegepackungen einreiben kann. Das macht eine Haut so weich wie einen Babypopo.

Wirklich spannend wird es aber, wenn du den Bademantel schnappst und in den Saunagarten gehst. Hier haben die Betreiber ein kleines Dorf aus Holzhütten in die Parklandschaft gesetzt. Die Kelosauna zum Beispiel ist aus massiven Stämmen der Kelo-Kiefer gebaut. Das Holz riecht unglaublich intensiv, urig und erdig. Hier finden oft die großen Aufgüsse statt. Und wenn wir von Aufgüssen reden, dann meinen wir nicht einfach nur Wasser auf heiße Steine kippen. Die Saunameister zelebrieren das hier regelrecht. Es wird gewedelt, getanzt und mit ätherischen Ölen hantiert, dass es eine Freude ist. Oder eine Qual, je nachdem, wie hitzeempfindlich du bist. Wenn der Saunameister mit dem Handtuch die heiße Luft von der Decke direkt in dein Gesicht schlägt, weißt du, dass du lebst.

Die Banja und der sibirische Hauch

Ein Unikat ist die russische Banja. Wer es rustikal mag, ist hier richtig. In der Banja herrschen andere Gesetze als in der finnischen Sauna. Die Luftfeuchtigkeit ist höher, die Hitze fühlt sich anders an, drückender. Das Highlight ist das Wenik-Ritual. Dabei wird man (oder man sich selbst) mit eingeweichten Birkenzweigen abgeschlagen. Das klingt brutaler, als es ist. Durch das Schlagen wird die Durchblutung massiv angeregt, und der Duft der Birkenblätter füllt den ganzen Raum. Es ist ein Geruch nach Wald, nach Natur und nach Sommerregen, selbst wenn es draußen schneit. Danach ist eine Abkühlung Pflicht. Und zwar richtig. Nicht nur lauwarm duschen, sondern ab ins Tauchbecken oder unter den Eimer mit Eiswasser. Der Schockmoment, wenn das kalte Wasser auf die erhitzte Haut trifft, setzt Endorphine frei, die für Stunden anhalten. Man fühlt sich danach wie neu geboren, hellwach und tiefenentspannt zugleich.

Es gibt auch eine Erdwallsauna, die halb in den Boden eingelassen ist. Dort prasselt ein Kaminfeuer. Das Licht ist schummrig, nur das Knacken des Holzes durchbricht die Stille. Es ist der perfekte Ort, um komplett abzuschalten. Hier wird oft geschwiegen, und das ist auch gut so. Man starrt in die Flammen und vergisst, dass man eigentlich noch einkaufen muss oder dass die Miete fällig ist. In solchen Momenten ist die Claudius Therme mehr als nur ein Schwimmbad. Sie ist ein Zufluchtsort.

Gastronomie und Kleinigkeiten

Schwitzen macht hungrig. Das ist eine biologische Tatsache. Zum Glück gibt es Gastronomiebereiche, die mehr bieten als die übliche Schwimmbad-Pommes (obwohl die auch manchmal sein muss). Das Restaurant "Eau de Cologne" versucht den Spagat zwischen leichter Wellness-Küche und deftigen Snacks. Die Salate sind frisch, die Säfte schmecken nicht nach Tetrapack. Man sitzt im Bademantel da, liest vielleicht ein Buch oder eine Zeitschrift und genießt die Pause zwischen den Saunagängen. Die Preise sind nicht gerade günstig, das muss man ehrlich sagen. Ein Tag in der Therme inklusive Essen geht ins Geld. Aber man gönnt sich das ja nicht jeden Tag.

Was vielleicht noch wichtig ist: Die Therme ist kein Geheimtipp mehr. An Wochenenden, besonders im Winter, kann es voll werden. Richtig voll. Dann ist der Kampf um die Liegen im Ruhebereich eröffnet. Es herrscht zwar offiziell das Verbot, Liegen mit Handtüchern zu reservieren, aber wir sind hier in Deutschland. Das Handtuch ist das Hoheitszeichen des Badegastes. Die Mitarbeiter räumen zwar ab und zu ab, aber es bleibt ein kleines Ärgernis. Wer kann, kommt unter der Woche. Am besten vormittags. Dann hat man die Becken und Saunen fast für sich allein und kann die Architektur und die Ruhe wirklich genießen.

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