Köln

Weltreise in Riehl: Warum der Kölner Zoo (und das Aquarium) einen ganzen Tag wert ist

Hier gibt es nasse Füße im Hippodom, Sandstürme bei den Elefanten und eine Zeitreise ins Jahr 1860. Ein Tag in Riehl ist wie Urlaub für den Kopf, wenn man sich darauf einlässt.

Köln  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Manch einer denkt beim Kölner Zoo zuerst an Kindergeburtstage oder schnatternde Schulklassen. Das ist nicht ganz falsch. Aber wer den Zoo im Stadtteil Riehl darauf reduziert, verpasst die eigentliche Substanz dieser Institution. Es ist einer der ältesten Tiergärten Deutschlands, gegründet 1860. Das spürt man. Zwischen den modernen Anlagen blitzt immer wieder die Architektur des 19. Jahrhunderts durch. Backsteinbauten, die eher an Museen erinnern, stehen neben Hochsicherheitsanlagen für Großkatzen. Das Gelände ist weitläufig. Es liegt im Norden der Stadt, direkt am Rhein, und bildet zusammen mit der Flora ein grünes Band, das den Lärm der Inneren Kanalstraße fast vergessen lässt.

Du solltest früh kommen. Nicht nur, weil die Parkplätze unter der Zoobrücke schnell voll sind und die Schlange an der Kasse lang werden kann. Sondern weil die Tiere morgens eine ganz andere Dynamik haben. Wenn die Pfleger das Futter verteilen, ist Bewegung in den Gehegen. Mittags, wenn die Sonne auf den Pelz brennt, liegen viele Bewohner nur faul in der Ecke. Das ist natürlich, aber für den Beobachter nur mäßig spannend. Nimm dir Zeit. Wer durchrennt, sieht nur Zäune. Wer stehen bleibt, sieht Verhalten.

Kurz & Kompakt
  • Tickets & Einlass: Das Ticket gilt fast immer als Kombikarte für Zoo und Aquarium. Am besten online kaufen, um die Warteschlangen an sonnigen Wochenenden zu umgehen. Wiedereintritt ist mit Handstempel möglich.
  • Anreise: Parken ist teuer und stressig (Parkhaus Zoo). Besser: KVB-Linie 18 bis "Zoo/Flora" oder im Sommer mit der Seilbahn vom Rheinpark aus über den Fluss einschweben.
  • Fütterungszeiten: Am Eingang den Plan abfotografieren. Besonders die Seelöwen-Fütterung und das Training bei den Elefanten sind sehenswert, aber dann ist es dort auch voll.
  • Hunde: Leider nein. Hunde dürfen nicht in den Zoo, um die Zootiere nicht zu stressen (Ausnahme: Assistenzhunde).

Der Elefantenpark: Sandkasten für Riesen

Gleich am Eingang, wenn man den modernen Haupteingang passiert hat, steht man vor dem Elefantenpark. Das Ding ist riesig. Zwei Hektar groß. Es ist keine betonierte Fläche mehr wie früher, sondern eine Landschaft. Roter Sand, Felsen, Wasserbecken. Hier lebt eine Matriarchinnen-Herde Asiatischer Elefanten. Dazu kommen meist ein oder zwei Bullen, die separat gehalten werden können, aber oft mit der Gruppe interagieren.

Faszinierend ist hier nicht nur die schiere Masse der grauen Riesen. Es ist die Ruhe. Man kann sich auf die Holztribüne setzen und einfach nur gucken. Die Tiere wühlen im Sand, bewerfen sich damit oder baden. Es gibt keinen direkten Kontakt mehr zwischen Pflegern und Elefanten, das nennt sich "Protected Contact". Alles läuft über Belohnung und Barrieren. Das ist sicherer für die Menschen und entspannter für die Tiere. Wenn du Glück hast, siehst du das Training. Da muss dann ein Fuß durch ein Gitterloch gestreckt werden, damit der Pfleger ihn untersuchen kann. Medizinische Vorsorge ohne Zwang. Der sandige Boden ist übrigens gut für die Füße der Dickhäuter. Beton macht Gelenke kaputt, Sand federt.

Feuchtgebiete und Unterwasserballett im Hippodom

Ein Stück weiter, vorbei an den Flamingos, wartet der Hippodom. Schon beim Eintreten schlägt dir die Luftfeuchtigkeit ins Gesicht. Brillenträger haben hier erstmal Nebel vor den Augen. Es riecht erdig, ein bisschen moosig, vielleicht auch ein wenig streng nach Tier. Das muss so sein. Der Hippodom ist eine Nachbildung einer afrikanischen Flusslandschaft. Der eigentliche Star sind die Flusspferde. An Land wirken die Kolosse oft behäbig und schläfrig. Sie liegen aufeinander gestapelt wie nasse Sandsäcke.

Aber geh die Rampe runter. Dort ist eine riesige Glasscheibe. Unter Wasser verwandeln sich die Tonnen an Lebendgewicht in elegante Tänzer. Sie stoßen sich leichtfüßig vom Boden ab, "galoppieren" durch das Becken. Fische umschwimmen sie, als wären sie Felsen. Das Licht bricht sich im trüben Wasser. Das hat etwas fast Meditatives. Oben in den Bäumen sitzen Bienenfresser und andere Vögel, manchmal fliegt einer knapp über deinen Kopf. Pass auf, wo du hintrittst. Manchmal kreuzt ein Vogel den Weg. Auch Nilkrokodile sind hier untergebracht, sicher hinter Glas, aber nah genug, um die Zahnreihen zu zählen. Ein Simulator für eine afrikanische Flussfahrt, nur ohne Mückenstiche.

Historische Architektur und der Dschungel im Denkmal

Was den Kölner Zoo von vielen anderen unterscheidet, ist die Bausubstanz. Das alte Elefantenhaus im maurischen Stil ist ein Architekturjuwel. Es wird heute nicht mehr für Elefanten genutzt, das wäre viel zu eng. Aber es steht noch da, als Zeuge einer Zeit, in der Zoos eher Menagerien waren, um Exotik zur Schau zu stellen. Heute ist es oft Veranstaltungsort. Ein weiteres Beispiel für den Wandel ist das Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus. Früher war es das "Affenhaus". Geflieste Käfige, Gitter, Hallencharakter. Schrecklich nach heutigen Maßstäben.

Vor einigen Jahren wurde es kernsaniert. Die historische Hülle blieb, das Innere wurde entkernt. Jetzt ist es ein begehbarer Dschungel für Südamerika-Bewohner. Brüllaffen turnen über dir in den Seilen. Es gibt kaum Barrieren zwischen den Besuchern und den kleineren Affen oder Vögeln. Faultiere hängen irgendwo im Geäst – man muss sie suchen, sie bewegen sich ja kaum. Sakis und Krallenaffen huschen vorbei. Hier muss man leise sein. Wer laut ist, verscheucht die Tiere. Wer still steht, wird vielleicht neugierig beäugt. Es ist warm, es ist grün, und es zeigt, wie man Denkmalschutz und moderne Tierhaltung unter einen Hut bekommt. Manchmal tropft es von oben. Ob das Kondenswasser oder etwas anderes ist, will man nicht immer so genau wissen.

Hennes und die bergische Heimat: Der Clemenshof

Mitten im Zoo, gar nicht weit von den exotischen Giraffen, liegt ein Bauernhof. Fachwerk, rote Geranien, Misthaufen. Der Clemenshof. Hier zeigt der Zoo heimische Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Das klingt erstmal weniger spektakulär als Tiger oder Nashörner, ist aber wichtig. Kühe, Schweine, Schafe. Besonders die Hühner sind interessant: Bergische Kräher. Die krähen nicht kurz und knackig, sondern ziehen das unendlich in die Länge, bis sie fast umkippen. Ein kurioses Geräusch.

Und natürlich wohnt hier die Prominenz. Hennes IX. Das Maskottchen des 1. FC Köln. Er hat hier seine eigene Residenz, wenn er nicht gerade im Stadion am Spielfeldrand steht. Für Kölner ist das ein Pilgerort. Für Auswärtige ist es einfach ein sehr gepflegter Geißbock mit Sonderstatus. Der Clemenshof erdet den Zoobesuch. Er riecht nach Landwirtschaft und Heu. Man kann den Tieren hier sehr nah kommen, im Streichelzoo dürfen die Ziegen auch angefasst werden. Meistens haben die Ziegen aber mehr Interesse an deinem Futter als an deinen Streicheleinheiten. Pass auf deine Jackentaschen auf.

Das Aquarium: Die unterschätzte Wundertüte

Viele Besucher machen einen Fehler. Sie verlassen den Zoo, sind müde und gehen nach Hause. Dabei ist im Ticketpreis das Aquarium enthalten. Es liegt etwas abseits, gegenüber dem Haupteingang. Man muss den Zoo verlassen und über den Platz gehen. Das Gebäude ist ein moderner Quader, von außen unscheinbar. Aber drinnen verbirgt sich eine eigene Welt.

Gleich am Anfang geht es zu den Fischen. Vom heimischen Rhein bis zum tropischen Riff. Besonders beeindruckend ist das große Riffbecken. Bunte Doktorfische, Anemonen, Korallen. Man kann minutenlang davorstehen und immer neue Details finden. Weiter hinten kommen die Süßwasserriesen. Piranhas, die oft regungslos im Wasser stehen und gar nicht so blutrünstig wirken, wie Hollywood uns weismachen will. Zumindest nicht, solange keine Fütterung ist.

Ein Stockwerk höher wird es trocken. Das Terrarium. Schlangen, Echsen, Frösche. Die Pfeilgiftfrösche leuchten in Farben, die fast künstlich wirken. Blau, Gelb, Rot. Winzig klein, aber tödlich (in der Natur). Ein Highlight ist das Insektarium. Hier krabbelt und wuselt es. Blattschneiderameisen tragen ihre grünen Schnipsel durch lange Röhrensysteme, die durch den Raum führen. Man kann den Weg der Blätter verfolgen, von der "Ernte" bis zum Pilzgarten. Das ist Organisation in Perfektion. Vogelspinnen sitzen in ihren Glaskästen und rühren sich nicht. Manche Besucher ekeln sich, andere drücken sich die Nase platt. Es ist warm hier oben, auch im Winter. Ein perfekter Ort, um sich aufzuwärmen.

Verpflegung und Praktisches

Ein ganzer Tag macht hungrig. Die Gastronomie im Zoo ist funktional. Es gibt an mehreren Ecken Imbisse und ein großes Hauptrestaurant am Elefantenpark. Erwarte keine kulinarischen Offenbarungen. Es ist typisches Zoo-Essen: Pommes, Wurst, Schnitzel, Nudeln mit Soße. Die Preise sind gesalzen, wie an solchen Orten üblich. Ein Tipp für Sparfüchse: Nimm dir Verpflegung mit. Es gibt genügend Bänke und Picknickplätze. Besonders am großen Spielplatz beim Clemenshof kann man gut Pause machen, während der Nachwuchs (oder man selbst) auf dem Klettergerüst tobt.

Wasserstellen gibt es, Toiletten sind zahlreich und meistens sauber. Der Zoo ist weitgehend barrierefrei, auch wenn manche Wege etwas steiler sind oder unebenen Belag haben. Wer nicht gut zu Fuß ist, sollte das bedenken, die Strecken summieren sich. Wenn du am Ende des Tages noch Energie hast, nimm die Kölner Seilbahn. Die Station ist direkt am Zoo. Die Fahrt über den Rhein bietet einen Blick auf die Stadt und das Zoogelände von oben. Erst von da sieht man, wie grün Riehl eigentlich ist.

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