Hamburg

Hamburg Card vs. City Pass:Welcher Hamburg-Pass lohnt sich wirklich?

Hamburg ist kein billiges Pflaster, das merkt man spätestens beim ersten Blick auf die Preise für Hafenrundfahrten. Doch welcher Touri-Pass rettet die Reisekasse wirklich vor dem Ruin? Wir rechnen gnadenlos nach und verraten, wo die Touristenfalle zuschnappt.

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Zwischenablage

Wer am Hauptbahnhof aus dem Zug stolpert, wird oft direkt von einer steifen Brise und einer unüberschaubaren Menge an Werbeflyern begrüßt. Die Hansestadt weiß, wie man Geld verdient. Überall leuchten einem Angebote entgegen, die das Blaue vom Himmel und vor allem massive Ersparnisse versprechen. Man steht da, den Koffer in der Hand, umgeben von Hektik und dem Geruch nach Franzbrötchen, und fragt sich, was man eigentlich braucht. Zwei Hauptkonkurrenten buhlen dabei besonders laut um die Gunst der Besucher. Auf der einen Seite steht die offizielle Hamburg Card, die von der Tourismuszentrale wie sauer Bier angepriesen wird. Auf der anderen Seite lauert der Hamburg City Pass, oft auch unter dem Namen Turbopass bekannt, der als All-Inclusive-Paket daherkommt. Beide haben ihre Daseinsberechtigung. Beide können aber auch ein Grab für den Geldbeutel sein. Es kommt nämlich extrem darauf an, was für ein Reisetyp man ist. Wer sich nur treiben lässt, braucht etwas anderes als derjenige, der eine To-Do-Liste abarbeitet.

Kurz & Kompakt
  • Hamburg Card: Günstig (ab ca. 11€), Fokus auf freie Fahrt mit Bus & Bahn (HVV). Bietet nur Rabatte auf Eintritte, keinen freien Einlass. Ideal für flexible Entdecker.
  • Turbopass (City Pass): Teuer (ab ca. 60€ für 2 Tage inkl. ÖPNV), Fokus auf "Alles Inklusive". Freier Eintritt in viele Museen + Hafenrundfahrt + Hop-on-Hop-off Bus. Lohnt sich nur bei straffem Programm.
  • Die Falle: Achtung bei Öffnungszeiten (Montage!) und Schein-Angeboten wie der Elbphilharmonie-Plaza (ist vor Ort eh kostenlos).
  • Faustregel: Wer mehr als 3 Top-Attraktionen pro Tag schafft und Bus fahren will, nimmt den Turbopass. Alle anderen fahren mit der Hamburg Card besser.

Die Hamburg Card: Der Klassiker für den Nahverkehr

Schauen wir uns zuerst den Platzhirschen an. Die Hamburg Card ist im Grunde genommen eine Fahrkarte mit Bonusfunktion. Das ist ihr größter Trumpf. Hamburg ist weitläufig. Wer vom Michel zur Speicherstadt und dann noch raus nach Blankenese will, der läuft sich die Hacken ab, wenn er nicht in die U-Bahn oder den Bus steigt. Bei der Hamburg Card ist der gesamte öffentliche Nahverkehr des HVV (Hamburger Verkehrsverbund) bereits inkludiert. Das Ticket gilt ab der Entwertung, meistens ab 0 Uhr des ersten Geltungstages, und man kann damit kreuz und quer durch den Geltungsbereich fahren, inklusive der Hafenfähren. Das ist praktisch. Man muss sich keine Gedanken über Tarifzonen oder Kleingeld machen. Einfach einsteigen, losfahren.

Der zweite Teil dieses Angebots sind die Rabatte. Und genau hier muss man aufpassen. Die Karte gewährt keinen freien Eintritt. Nirgendwo. Sie ist ein reiner Türöffner für Ermäßigungen. Meistens spart man so zwischen 10 und 25 Prozent, manchmal auch ein bisschen mehr, aber selten die Hälfte. Wer also ins Internationale Maritime Museum möchte, zahlt statt des vollen Preises ein paar Euro weniger. Das klingt erst einmal nett. Die Frage ist bloß, ob sich das läppert. Die Karte selbst kostet für einen Tag etwas über zehn Euro, für mehrere Tage wird der Tagesschnitt günstiger. Wenn man bedenkt, dass eine normale HVV-Tageskarte auch schon Geld kostet, ist der Aufpreis zur Hamburg Card oft gering. Man hat den Mehrpreis also meistens schon wieder drin, wenn man auch nur eine einzige Sehenswürdigkeit besucht, die Rabatt gewährt. Das macht die Karte zu einer sicheren Bank für alle, die sowieso vorhatten, Bus und Bahn zu nutzen.

Ein kleiner, oft übersehener Vorteil ist die Flexibilität. Man muss sich nicht festlegen. Regnet es Bindfäden, was in Hamburg durchaus vorkommen kann (man nennt es liebevoll Schietwetter), geht man eben ins Museum. Scheint die Sonne, fährt man mit der Fähre 62 nach Finkenwerder und zahlt gar nichts extra, weil die Fähre zum HVV gehört. Man hat keinen Druck, teure Attraktionen "abzuarbeiten", nur damit sich der Kaufpreis amortisiert. Es ist die entspannte Variante für Leute, die ihren Kaffee gerne in Ruhe trinken.

Der Turbopass: Das Schwergewicht mit dem Preisschild

Ganz anders tritt der Turbopass auf. Hier wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt. Der Preis lässt einen erst einmal schlucken. Für einen Tag zahlt man ein Vielfaches der Hamburg Card. Dafür verspricht der Pass das "Rundum-sorglos-Paket". Freier Eintritt ist hier das Zauberwort. Man zeigt den Pass am Eingang vor und spaziert durch, ohne noch einmal das Portemonnaie zücken zu müssen. Enthalten sind viele der großen Museen, wie das Speicherstadtmuseum, das Museumsschiff Cap San Diego oder die Rickmer Rickmers. Das klingt verlockend. Das Gefühl, alles "gratis" zu bekommen, löst im Gehirn eine gewisse Befriedigung aus.

Zusätzlich sind beim Turbopass oft die großen Touristen-Attraktionen dabei, die richtig ins Geld gehen. Die Hafenrundfahrt mit einer Barkasse zum Beispiel. Oder die Stadtrundfahrt mit den roten oder gelben Doppeldeckerbussen, die sich durch den Verkehr quälen. Wer diese beiden Dinge sowieso machen wollte, für den beginnt die Rechnung interessant zu werden. Denn einzeln gebucht kosten Bus und Boot zusammen schnell mal 40 oder 50 Euro. Wenn man das in den Pass-Preis einrechnet, sieht die Welt schon wieder anders aus.

Aber, und das ist ein großes Aber: Der Turbopass setzt einen unter Druck. Wer so viel Geld im Voraus bezahlt, will auch etwas dafür bekommen. Man ertappt sich dabei, wie man durch die Ausstellungen hastet, nur um noch schnell das nächste Museum auf der Liste abzuhaken. Aus dem gemütlichen Stadtbummel wird ein Leistungssport. Man jagt von Attraktion zu Attraktion, immer die Uhr im Blick. Schließlich muss sich das teure Ticket lohnen. Wer Pech hat, verbringt seinen Hamburg-Trip gestresster als seine Arbeitswoche. Zudem muss man genau hinschauen: Der öffentliche Nahverkehr ist beim Turbopass nicht immer automatisch dabei. Man kann ihn dazubuchen, was den Preis weiter in die Höhe treibt. Ohne ÖPNV-Option muss man Einzeltickets kaufen oder viel laufen.

Butter bei die Fische: Die Rechnung

Lass uns ein konkretes Szenario durchspielen. Nehmen wir an, du bist für ein Wochenende in der Stadt. Du willst den Michel (St. Michaelis Kirche) besteigen, eine Hafenrundfahrt machen und dir das Auswanderermuseum BallinStadt ansehen. Dazu nutzt du natürlich die U-Bahn.

Mit der Hamburg Card kaufst du dir das Ticket für den ÖPNV quasi inklusive. Du bekommst Rabatt auf den Michel-Turm, Rabatt auf die Hafenrundfahrt und Rabatt im Museum. Du zahlst überall noch Eintritt, aber eben weniger. Am Ende des Tages hast du für die Eintritte und die Fahrtkosten eine moderate Summe ausgegeben.

Mit dem Turbopass hast du den Eintritt für Michel, Hafenrundfahrt und Museum schon bezahlt (vorausgesetzt, sie sind im aktuellen Pass-Angebot enthalten, was man immer tagesaktuell prüfen muss). Du zeigst den Pass, gehst rein. Aber der Pass selbst hat dich vorab schon eine Stange Geld gekostet. Wenn du an dem Tag nur diese drei Dinge schaffst, hast du mit dem Turbopass wahrscheinlich draufgezahlt. Der Pass lohnt sich finanziell oft erst, wenn du zusätzlich noch die Hop-on-Hop-off-Busse nutzt und vielleicht noch ein viertes Museum oder die Panoptikum-Wachsfiguren mitnimmst. Du musst also richtig Gas geben.

Stolpersteine und Mogelpackungen

Es gibt in Hamburg Dinge, die wirken auf den ersten Blick wie exklusive Vorteile der Pässe, sind aber eigentlich Augenwischerei. Das beste Beispiel ist die Elbphilharmonie. Der Zugang zur Plaza, der Aussichtsplattform, ist zwar kapazitätsbeschränkt, aber prinzipiell kostenlos, wenn man sich vor Ort ein Ticket holt. Die Pässe werben oft damit, dass der Eintritt enthalten ist. Das ist zwar nicht gelogen, aber es ist auch kein echter monetärer Vorteil, es sei denn, man möchte das Ticket vorab online buchen (was normalerweise eine kleine Gebühr kostet). Hier wird mit Wasser gekocht.

Ein weiterer Punkt sind die Öffnungszeiten. Viele Museen haben montags geschlossen. Wer sich einen 3-Tages-Pass von Samstag bis Montag kauft, guckt am dritten Tag eventuell in die Röhre. Das Speicherstadtmuseum oder das Zollmuseum sind montags oft dicht. Der Pass läuft aber weiter. Auch das Miniatur Wunderland ist so ein Sonderfall. Es ist die beliebteste Attraktion der Stadt. Egal welchen Pass man hat, man kommt dort meistens nicht einfach so rein. Man braucht fast immer eine Zeitfenster-Reservierung, und die Rabatte sind oft mickrig oder gar nicht vorhanden, weil die Betreiber den Ansturm eh kaum bewältigen können. Wer nur wegen der Modelleisenbahn kommt, braucht keinen Pass.

Man sollte auch den Faktor Wartezeit nicht unterschätzen. Selbst mit dem Turbopass steht man an der Kasse oder am Einlass, wenn viel los ist. Es gibt zwar manchmal "Fast Track" Eingänge, aber darauf kann man sich nicht verlassen, wenn halb Deutschland Ferien hat. Dann stehen nämlich alle in der "Fast Track" Schlange.

Subjektives Fazit: Typfrage statt Matheaufgabe

Am Ende ist es weniger eine mathematische Frage als eine des Charakters. Ich persönlich greife meistens zur Hamburg Card. Nicht, weil sie mir hunderte Euro spart, sondern weil sie mir das Gefühl gibt, clever unterwegs zu sein, ohne mich einzusperren. Ich habe mein Ticket für die Bahn, ich kriege hier und da einen Nachlass, und wenn ich lieber drei Stunden im Park Planten un Blomen sitzen und Eichhörnchen beobachten will, habe ich kein schlechtes Gewissen. Das ist Tüdelkram, sich wegen eines Tickets Stress zu machen.

Der Turbopass ist hingegen perfekt für "Ersttäter". Wer noch nie in Hamburg war, nur zwei Tage Zeit hat und das volle Programm will – Fischmarkt, Hafen, Speicherstadt, Kiez, Museen – der findet hier Struktur. Der Pass nimmt einen an die Hand. Man guckt auf die Liste, sieht was inklusive ist, und geht hin. Das spart Planungsaufwand. Man zahlt für die Bequemlichkeit und die Motivation, viel zu erleben. Wer aber gerne abseits der Pfade wandelt, vielleicht lieber durch das Treppenviertel schlendert oder in der Schanze in Plattenläden stöbert, für den ist der Turbopass rausgeschmissenes Geld.

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