Hamburg

HVV für Einsteiger: U-Bahn, Bus und warum die Fähren zum ÖPNV gehören

Hamburg zu Fuß ist machbar, aber bei typischem Nordwetter unnötig anstrengend. Der HVV bringt dich überall hin, oft sogar mit der besten Aussicht der Stadt. Hier steht, wie du Tickets kaufst und warum die Fähre hier zum Alltag gehört.

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Zwischenablage

Wenn du in Hamburg ankommst, wirst du früher oder später vor einem Automaten oder einer App stehen, die dir drei Buchstaben entgegenhält: HVV. Das steht für Hamburger Verkehrsverbund. Er war der erste seiner Art weltweit, gegründet in den 60ern, und er ist bis heute das Rückgrat der Stadt. Man liebt ihn, man hasst ihn, wenn die S-Bahn mal wieder wegen einer Stellwerksstörung steht, aber man kommt ohne ihn kaum aus. Das Netz ist riesig. Es reicht weit über die Stadtgrenzen hinaus bis nach Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Aber keine Sorge. Für dich als Besucher ist eigentlich nur ein Bereich wichtig: Hamburg AB. Das ist der Großbereich. Alles, was du sehen willst, liegt wahrscheinlich hier drin. Vom Flughafen bis zur Reeperbahn, vom Hafen bis in die feinen Walddörfer im Norden.

Man muss verstehen, dass die Hamburger eine sehr pragmatische Beziehung zu ihren öffentlichen Verkehrsmitteln haben. Es ist kein Ort für große Emotionen, außer vielleicht am Samstagabend auf dem Kiez. Man steigt ein, nickt sich vielleicht kurz zu, wenn man Augenkontakt hat, und das war es dann auch. Lautes Telefonieren wird eher missbilligend beäugt. Es herrscht eine gewisse nordische Zurückhaltung in den Waggons, die eigentlich ganz angenehm ist, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat.

Kurz & Kompakt
  • Die App ist King: Nutze "hvv switch" oder die HVV-App für Tickets. Die 9-Uhr-Tageskarte ist für Touristen fast immer die beste Wahl (gilt am Wochenende ganztägig).
  • Fähre fahren: Die HADAG-Fähren (Linie 62, 72 etc.) sind im normalen Ticket enthalten. Kein Extrakauf nötig!
  • S-Bahn zum Airport: Bei der S1 unbedingt in die vorderen drei Wagen einsteigen. Die hinteren fahren woanders hin.
  • Alkoholverbot: In U-Bahnen, S-Bahnen und Bussen darf kein Alkohol getrunken werden. Auf den Schiffen ist es erlaubt.

Die U-Bahn, die gar keine ist

Fangen wir mit einem Kuriosum an. Die Hamburger U-Bahn heißt zwar Untergrundbahn, aber sie fährt erstaunlich oft unter freiem Himmel. Besonders die Ringlinie U3 ist eigentlich eine Panoramabahn. Wenn du neu in der Stadt bist, setz dich in die U3. Fang am besten am Hauptbahnhof an und fahr Richtung Landungsbrücken. Sobald der Zug aus dem Tunnel bricht und auf das Viadukt am Hafen fährt, hast du diesen Blick. Links die Elbphilharmonie, die Kräne, die Schiffe, das glitzernde Wasser. Das kostet in anderen Städten Geld für eine Stadtrundfahrt. Hier ist es im Preis inbegriffen. Die gelben Kacheln der Stationen wirken vielleicht etwas retro, aber sie haben Charme.

Die U-Bahn wird von der Hochbahn betrieben. Der Name ist hier Programm. Technisch gesehen ist das System sehr zuverlässig. Die Züge kommen tagsüber alle paar Minuten. Man muss nie wirklich auf den Fahrplan schauen. Man geht einfach zum Bahnsteig. Interessant ist auch die U4 in die HafenCity. Die Stationen dort sind moderne Architektur-Highlights. Die Station "HafenCity Universität" zum Beispiel leuchtet in wechselnden Farben und sieht eher aus wie ein Club-Eingang als wie ein Bahndamm. Das steht im krassen Kontrast zu Stationen wie der Sternschanze, wo es eher rau, etwas dreckig und sehr lebendig zugeht.

Und dann gibt es da noch die U1. Die blaue Linie. Sie ist das Arbeitstier. Sie verbindet die reichen Vororte im Nordosten mit der Innenstadt. Hier siehst du morgens viele Anzüge und Laptops. Sie teilt sich im Norden auf, also pass auf, ob du nach Ohlstedt oder Großhansdorf musst. Wobei, als Tourist verirrt man sich selten dorthin. Es sei denn, du magst Waldspaziergänge.

S-Bahn: Die Verbindung ins Umland und zum Flieger

Die S-Bahn ist das zweite große System. Du erkennst sie am grünen S-Logo. Anders als die U-Bahn fährt sie auf Schienen der Deutschen Bahn und wird mit Strom über eine Oberleitung oder eine seitliche Stromschiene versorgt, was für den Laien aber völlig egal ist. Wichtig ist: Die S1 bringt dich zum Flughafen. Aber Vorsicht ist geboten. In Ohlsdorf werden die Züge geteilt. Die vorderen drei Wagen fahren zum Airport, die hinteren drei nach Poppenbüttel. Es wird zwar ständig durchgesagt, auf Deutsch und Englisch, aber jeden Tag sieht man verwirrte Gesichter, die plötzlich in Poppenbüttel im Grünen stehen statt am Check-in-Schalter. Setz dich einfach immer ganz nach vorne, dann bist du sicher.

Ein Erlebnis der besonderen Art ist die Fahrt mit der S3 in den Süden, über die Elbe nach Harburg. Man fährt über eine gewaltige Brücke, sieht den riesigen Rangierbahnhof und merkt erst, wie industriell geprägt Hamburg eigentlich ist. Die S-Bahnen sind manchmal etwas älter, manchmal brandneu mit Durchgang durch den ganzen Zug. An den Wochenendnächten ist die S-Bahn die Hauptschlagader des Partyvolks. Wer nachts um drei Uhr mit der S1 oder S3 von der Reeperbahn fährt, erlebt ein soziologisches Experiment. Da sitzen Banker neben Punks, Touristen neben Einheimischen, und meistens ist es laut und voll. Auch das gehört dazu.

Warum Busfahren hier eine Wissenschaft ist

Busse sind in vielen Städten nur das nötige Übel. In Hamburg sind sie das Feinverteilungssystem schlechthin. Allen voran die Metrobusse. Das sind die mit dem "M" vor der Nummer oder einfach die Nummern 1 bis 29. Die fahren so oft, dass du nie rennen musst. Der Bus Nummer 5 ist legendär. Es ist angeblich eine der meistgenutzten Buslinien Europas. Hier fahren oft überlange Gelenkbusse, fast so lang wie eine Straßenbahn. Wenn du dich ganz hinten reinsetzt und der Bus um eine enge Kurve biegt, schleudert es dich fast vom Sitz. Ein großer Spaß, wenn man einen stabilen Magen hat.

Für Sparfüchse gibt es den ultimativen Tipp: Die Buslinie 111. Sie fährt vom Altonaer Balkon (tolle Aussicht!) immer an der Elbe entlang bis in die HafenCity. Du kommst am Fischmarkt vorbei, an der Reeperbahn, am Michel, an der Elbphilharmonie. Das ist quasi die Hop-on-Hop-off-Tour zum Preis eines normalen Fahrscheins. Manchmal ist der Bus brechend voll, ja. Manchmal steht man im Stau. Aber man sieht das echte Leben auf der Straße, nicht nur Tunnelwände. Und man hört den typischen Hamburger Schnack der Busfahrer, die nicht selten das Herz auf der Zunge tragen. Wenn einer mal mürrisch guckt, nimm es nicht persönlich. Das ist oft nur die Fassade.

Die Fähren: Das Highlight zum Schnäppchenpreis

Jetzt kommen wir zum schönsten Teil. Im HVV-Ticket sind die Hafenfähren der HADAG inklusive. Viele Touristen wissen das nicht und kaufen teure Hafenrundfahrten. Das kannst du dir sparen, zumindest für den ersten Eindruck. Geh an den Landungsbrücken auf Brücke 3 und nimm die Linie 62 Richtung Finkenwerder. Das ist Kult.

Die Fähren sind gelb, breit und haben oben ein offenes Deck. Selbst im Winter stehen hier die Leute, den Kragen hochgeschlagen, und lassen sich den Wind um die Nase wehen. Du fährst vorbei am Dockland (diesem Gebäude, das wie ein Schiffsbug aussieht), am Museumshafen Övelgönne und am Containerhafen. Es riecht nach Brackwasser, Schweröl und manchmal nach Kaffee aus der kleinen Bordgastronomie. Ein Bier oder eine Bockwurst an Bord zu kaufen, ist absolut erlaubt und üblich. Die Fahrt nach Finkenwerder dauert knapp eine halbe Stunde. Du kannst einfach sitzen bleiben und zurückfahren. Oder du steigst in Övelgönne aus und gehst an den Elbstrand. Ja, Hamburg hat einen Strand. Mit Sand und allem.

Ein kleiner Geheimtipp ist die Linie 72. Sie pendelt nur kurz rüber zur Elbphilharmonie. Aber der Blick vom Wasser auf das Konzerthaus ist unschlagbar, besonders abends, wenn alles beleuchtet ist. Und es kostet dich keinen Cent extra, wenn du schon ein Tagesticket hast. Das Gluckern des Wassers gegen den Rumpf, das Vibrieren des Motors unter den Füßen, das ist Hamburg pur. Hier spürt man, dass man in einer Hafenstadt ist, nicht nur in irgendeiner Metropole.

Tickets, Tarife und das leidige Kleingeld

Früher war der Fahrkartenkauf eine Prüfung. Man musste Zonen zählen und Ringe verstehen. Das ist heute einfacher. Für dich als Gast gibt es eigentlich nur zwei Optionen. Die Ganztageskarte oder die 9-Uhr-Tageskarte. Letztere ist deutlich günstiger. Unter der Woche darfst du damit erst ab 9 Uhr fahren, am Wochenende und an Feiertagen aber den ganzen Tag. Da du im Urlaub bist und wahrscheinlich eh nicht vor 9 Uhr morgens das Hotel verlässt, ist das der Deal deiner Wahl. Kauf das Ticket für den "Großbereich Hamburg" (Ringe A und B). Mehr brauchst du nicht.

Am besten lädst du dir die App "hvv switch" oder einfach die normale "hvv App" herunter. Bargeld im Bus ist ein Auslaufmodell, und an den Automaten stehen oft Schlangen. Mit der App sparst du dir den Stress und oft sogar ein paar Prozent am Preis. Und noch etwas Wichtiges: Kinder bis 6 Jahre fahren kostenlos. Das ist familienfreundlich. Wenn ihr eine Gruppe seid, lohnt sich die Gruppenkarte ab der zweiten Person sofort. Das Rechnen nimmt dir die App aber meistens ab.

Verhaltenstipps: Bloß nicht im Weg stehen

Ein paar ungeschriebene Gesetze gibt es. Auf den Rolltreppen gilt strikt: Rechts stehen, links gehen. Wer links steht und den Weg blockiert, erntet im besten Fall ein genervtes "Tschuldigung", im schlimmsten Fall einen rempelnden Ellbogen. Das wird hier sehr ernst genommen. Hamburg ist zwar entspannt, aber wenn es um den Weg zur Arbeit geht, hört der Spaß auf.

Essen und Trinken ist so eine Sache. Ein Kaffee im Becher? Kein Problem. Ein Döner, der den ganzen Waggon beduftet? Lieber nicht. Und ganz wichtig: Alkohol ist in den Zügen und Bussen des HVV offiziell verboten. Das wurde vor einigen Jahren eingeführt. Auf den Fähren ist es erlaubt, da gehört das Bier fast zum guten Ton, aber in der U-Bahn bleibt die Flasche zu. Daran hält sich zwar am späten Freitagabend kaum jemand, aber du willst ja nicht derjenige sein, der 40 Euro Strafe zahlt, oder?

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