Abseits der großen Touristenströme, versteckt hinter der prunkvollen Kulisse der Börse, wartet ein echtes Unikat auf Neugierige. Das Irish Pub in the Fleetenkieker ist nichts für Menschen, die eine durchgestylte Lounge suchen. Ein unscheinbares Metallschild weist den Weg, dann geht es ein paar Stufen hinunter in ein rustikales Kellergewölbe. Hier unten riecht es nach altem Holz, Malz und der Vorfreude auf das nächste Set. Die Akustik in den Rundbögen ist fantastisch, was man spätestens freitags und samstags ab 21:30 Uhr merkt. Dann greifen Musiker in die Saiten und spielen alles von melancholischem Irish Folk bis zu Nummern, die das ganze Gewölbe zum Mitsingen bringen. Ein Glas Guinness steht hier oft so randvoll auf dem Tresen, dass beim ersten Schluck unweigerlich etwas verschwappt. Wer Hunger mitbringt, sollte die würzigen Fritten probieren, die eine solide Basis für den Abend schaffen.
Nur einen kurzen Spaziergang entfernt, fast im Schatten des Rathauses, liegt Paddy's Bar in der Schauenburgerstraße. Seit 2013 weht hier die irische Flagge über dem Eingang. Drinnen dominieren rustikale Steinwände und eine Atmosphäre, die fast ein bisschen an ein gemütliches Klassenzimmer erinnert, in dem man statt Mathe lieber die Kunst des Zapfens lernt. Spannend ist hier vor allem das sportliche Angebot. Während überall Fußball läuft, flimmern bei Paddy's auch Hurling oder andere Gäelic-Sports über die Schirme. Das Publikum ist bunt gemischt, vom Banker im Anzug bis zum Backpacker ist alles dabei. Gespräche ergeben sich am Tresen fast von selbst, besonders wenn gerade einer der regelmäßigen Karaoke-Abende läuft.
Kurz & Kompakt - Beste Besuchszeit: Freitags und samstags ab 21:30 Uhr ist die Live-Musik-Dichte am höchsten. Um einen Sitzplatz zu bekommen, empfiehlt sich ein Eintreffen vor 20:00 Uhr.
- Etikette und Sprache: Ein freundliches „Sláinte!" (Prost) wird überall verstanden. Der Eintritt ist in fast allen Pubs frei, ein angemessenes Trinkgeld für die Musiker wird jedoch gern gesehen.
- Kulinarik: Viele Pubs bieten herzhafte Küche wie Fish & Chips, Pies oder Burger an – ideal, um sich für die langen Hamburger Nächte zu stärken.
Die wilde Seele von St. Pauli und der Reeperbahn
Wer auf dem Kiez nach Musik sucht, landet unweigerlich bei Murphy's Irish Pub in der Friedrichstraße. Es ist ein schmaler, fast winziger Laden, der aber eine erstaunliche Energie freisetzt. Hier wird das Konzept Live-Musik extrem ernst genommen: Sieben Tage die Woche stehen hier Künstler auf der Bühne. Oft sind es junge Singer-Songwriter, die mit nichts als einer Gitarre und ihrer Stimme den ganzen Raum füllen. Man sitzt hier eng beieinander, rückt zusammen und genießt ein Murphy's Red oder ein Kilkenny. Durch die Nähe zur Bühne hat man das Gefühl, Teil der Band zu sein. Wer einen Sitzplatz am Tresen ergattern will, sollte deutlich vor Beginn der Musik erscheinen, da der Platz im Murphy's ein kostbares Gut ist.
Gleich um die Ecke am Hans-Albers-Platz thront das Molly Malone. Von außen sieht die rote Klinkerfassade fast bescheiden aus, doch wer eintritt, merkt schnell, dass sich dieser Pub tief in das Gebäude hineinzieht. Das Molly Malone ist eine Legende, eine alte Dame der Hamburger Nachtszene. An sechs Abenden die Woche ist hier ordentlich was los. Die Stimmung kippt oft recht schnell von andächtigem Zuhören zu ausgelassenem Tanzen, besonders wenn die Bands die Klassiker der Pub-Musik anstimmen. Es ist laut, es ist quirlig und es ist international. Hier treffen sich Menschen aus aller Welt, um bis in die frühen Morgenstunden zu feiern. Das ist kein Ort für ein leises Gespräch, sondern für das volle Kiez-Fieber.
Ein paar Schritte weiter am Nobistor bietet der Thomas Read Irish Pub & Club ein völlig anderes Konzept. Hier muss man sich nicht entscheiden, ob man im Pub klönen oder im Club tanzen will. Auf zwei Ebenen wird beides kombiniert. Im Erdgeschoss herrscht klassische Pub-Atmosphäre mit einer beeindruckenden Auswahl von über 260 Whiskey-Sorten. Wer donnerstags kommt, landet mitten im Kobold Karaoke, was immer für ein paar Lacher gut ist. Wer dann später doch mehr Bass braucht, wechselt einfach auf das Club-Level. Besonders attraktiv ist dabei, dass meist kein Eintritt fällig wird, was in dieser Lage auf der Reeperbahn keine Selbstverständlichkeit ist. Die Mischung aus Akustik-Acts oben und DJs unten macht den Laden zu einer echten Musik-Maschine.
Pioniergeist und maritime Gemütlichkeit in der Neustadt
Das Shamrock im Stadtteil St. Pauli, genauer in der Glashüttenstraße, trägt stolz den Titel des ältesten Irish Pubs der Stadt. Über 40 Jahre hat diese Institution auf dem Buckel, auch wenn sie 2021 ein paar Meter umziehen musste. Der Geist des alten Shamrocks ist jedoch mitgewandert. Es ist der Inbegriff eines Nachbarschaftspubs, in dem man sich sofort willkommen fühlt. Neben Live-Musik ist das Shamrock für seine kniffligen Pub-Quizzes bekannt. Ein besonderes Datum im Kalender ist natürlich der St. Patrick's Day. An diesem Tag verwandelt sich der Laden in ein grünes Meer, und man tut gut daran, sich sehr früh einen Platz zu sichern oder sich auf lange Schlangen einzustellen.
In der Neustadt, am idyllischen Großneumarkt, findet man The Irish Rover. Der Pub wirkt mit seinen Holztischen und nostalgischen Fässern so, als wäre er schon immer dort gewesen. Hier herrscht eine sehr angenehme Balance zwischen Kultur und Kulinarik. Sonntags wird es traditionell, wenn irische Klänge den Raum erfüllen. Donnerstagabends hingegen rauchen die Köpfe beim Pub Quiz. Das Essen im Rover hebt sich positiv ab: Die Burger sind hochgestapelt und die Pasta ist überraschend cremig für einen Pub. Wenn im Sommer die Sonne über dem Großneumarkt untergeht, kann man sein Pint auch wunderbar auf der großen Terrasse genießen und dem Treiben auf dem Platz zuschauen.
Vom Glamour des Spielbudenplatzes bis in den fernen Süden
Wer es etwas schicker mag, sollte die Alte Liebe im Klubhaus St. Pauli ansteuern. Das ist kein klassischer Irish Pub mit klebrigen Tresen, sondern eher ein Ort mit 1920er-Jahre-Flair. Stuck an der Decke und glitzernde Kronleuchter treffen hier auf nackte Ziegelwände. Tagsüber dient der Raum als Café für Besucher der Panik City, doch abends wandelt sich die Szenerie. Dann treten Livebands verschiedenster Genres auf. Der Eisenpavillon im Raum gibt der Location einen fast schon theatralischen Touch. Es ist die ideale Adresse für Leute, die Live-Musik in einem eleganteren Rahmen und mit einem Hauch von Glamour genießen möchten.
Für Entdecker lohnt sich die Fahrt über die Elbe nach Harburg. In der Neuen Straße befindet sich seit 1997 The Old Dubliner. In diesem Teil der Stadt ist der Pub ein absoluter Fixpunkt. Die Atmosphäre ist schummrig-urig, genau so, wie man es sich vorstellt. Die Auswahl an Bieren vom Fass ist beachtlich und reicht von Newcastle Brown Ale bis zu Murphy's Irish Red. Singer-Songwriter mit ihren Gitarren sorgen regelmäßig für die akustische Untermalung. Ein nettes Detail ist der kostenlose Kicker, an dem man sich zwischen zwei Pints beweisen kann. Es ist ein ehrlicher Laden, der beweist, dass man für gute Pub-Kultur nicht zwingend nördlich der Elbe bleiben muss.
Entspannte Abende in Eimsbüttel und Bahrenfeld
Im quirligen Eimsbüttel ist Froggys eine feste Instanz. Seit 1996 wird hier nicht nur Guinness ausgeschenkt, sondern auch eine beeindruckende Palette an Spirituosen angeboten, darunter 72 Sorten Gin. Das Froggys ist ein Hybrid aus Sportbar und gemütlichem Pub. Wer Fußball schauen will, ist hier goldrichtig, da von Bundesliga bis Champions League fast alles gezeigt wird. Man kann Dart spielen, britische Pies essen oder einfach nur auf der Terrasse sitzen. Das Personal ist norddeutsch-direkt und meistens für einen Schnack zu haben. Es ist ein Ort, an dem man hängenbleibt, weil die Mischung aus lockerer Stimmung und gutem Angebot einfach stimmt.
Ganz weit draußen in Bahrenfeld liegt das Titanic Irish Pub. Hierher verirren sich nur wenige Touristen, was den Charme des Ladens ausmacht. Wer keine Lust auf das Gedränge auf dem Kiez hat, findet hier seine Ruhe. Die Einrichtung ist gemütlich gepolstert, das Publikum ist oft etwas gesetzter und die Fish & Chips genießen einen exzellenten Ruf. Es ist der perfekte Ort für einen entspannten Abend mit Freunden, an dem man sich tatsächlich noch unterhalten kann, ohne schreien zu müssen. Der Titanic ist ein bodenständiger Außenseiter, der genau durch diese Unaufgeregtheit punktet.