Frankfurt a.M.

Öffis in Frankfurt: Tickets, Zonen und Tücken übersichtlich erklärt

Frankfurt ist kompakt, doch das Tarifsystem hat es in sich und verzeiht keine Fehler. Wer Zone 5000 versteht und den richtigen Knopf am Automaten drückt, spart Geld und Nerven. Hier steht, wie du den Nahverkehr in Mainhattan locker meisterst.

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Zwischenablage

Du stehst am Frankfurter Hauptbahnhof. Es riecht nach einer Mischung aus altem Eisen, frischem Kaffee und der Hektik von tausenden Pendlern. Über dir wölbt sich die riesige Stahlkonstruktion der Bahnhofshalle, und vor dir liegt die erste große Hürde: der Fahrkartenautomat des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, kurz RMV. Wer hier einfach nur "ein Ticket" kaufen will, fühlt sich schnell, als müsste er ein Semester Physik studieren. Aber keine Sorge. Das System wirkt auf den ersten Blick wie ein abstraktes Gemälde aus Waben und Nummern, folgt aber einer durchaus logischen Struktur, wenn man sie einmal durchschaut hat.

Frankfurt ist keine Stadt, in der man zwingend ein Auto braucht. Eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Parkhäuser sind teuer, der Verkehr ist oft zähflüssig, und die Einbahnstraßen in der Innenstadt spotten jeder Beschreibung. Der öffentliche Nahverkehr ist das Rückgrat der Mobilität hier. S-Bahnen, U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse greifen ineinander, auch wenn sie manchmal ihre ganz eigenen Launen haben.

Kurz & Kompakt
  • Flughafen-Falle: Der Flughafen (Zone 5090) gehört tariflich nicht zur Stadtzone (Zone 5000). Du brauchst immer ein Ticket der Preisstufe 4, sonst fährst du schwarz.
  • Gruppen-Vorteil: Ab zwei Personen lohnt sich fast immer die Gruppentageskarte statt Einzeltickets. Sie gilt den ganzen Tag für beliebig viele Fahrten.
  • Sofort gültig: Tickets aus dem Automaten sind meistens schon entwertet. Nicht auf Vorrat kaufen! Achte auf den Aufdruck.
  • Zentraler Knoten: Hauptwache und Konstablerwache sind die Herzstücke der City. Hier kreuzen sich fast alle wichtigen Linien (S-Bahn und U-Bahn).

Das Mysterium der Waben: Zonen verstehen

Der wichtigste Begriff, den du dir merken musst, ist die Tarifzone. Der RMV rechnet nicht stur nach Kilometern ab, sondern nach Gebieten, die wie Bienenwaben auf der Karte liegen. Für deinen Städtetrip ist im Grunde nur eine einzige Zahl von entscheidender Bedeutung: die 50. Oder genauer gesagt, die 5000. Das ist das Stadtgebiet Frankfurt. Solange du dich innerhalb der Stadtgrenzen bewegst, vom Zoo im Osten bis nach Höchst im Westen, befindest du dich in der Tarifzone 50.

Hier muss man allerdings höllisch aufpassen. Viele Besucher tappen in eine klassische Kostenfalle. Der Flughafen Frankfurt liegt nämlich geographisch zwar quasi um die Ecke und gehört gefühlt zur Stadt, tariflich aber ist er eine eigene Festung. Er trägt die Zonennummer 5090. Das bedeutet konkret: Ein normales Stadtticket ist für die Fahrt zum Terminal ungültig. Du brauchst eine Fahrkarte der Preisstufe 4, die Frankfurt City inklusive Flughafen abdeckt. Wer mit einem reinen Stadtticket in der S-Bahn zum Flieger kontrolliert wird, zahlt 60 Euro "Erhöhtes Beförderungsentgelt". Eine Erfahrung, auf die man getrost verzichten kann.

Die Ticket-Strategie: Was lohnt sich wirklich?

Kommen wir zum Geld. Einzelfahrkarten sind in Frankfurt verhältnismäßig teuer. Eine einzelne Fahrt innerhalb der Stadt kostet für einen Erwachsenen bereits deutlich über drei Euro. Das summiert sich schneller, als man "Ei Gude" sagen kann. Wenn du also mehr als zwei Fahrten am Tag planst – zum Beispiel vom Hotel ins Museum, dann zum Abendessen und später zurück –, ist die Tageskarte fast immer die bessere Wahl. Sie kostet oft kaum mehr als zwei Einzelfahrten. Das ist eine Besonderheit im RMV, die man ausnutzen sollte.

Noch spannender wird es, wenn du nicht alleine unterwegs bist. Die Gruppentageskarte ist der heimliche Star im Tarifsortiment. Sie gilt für bis zu fünf Personen. Schon ab zwei Personen ist dieses Ticket oft günstiger als zwei einzelne Tageskarten. Man muss dafür nicht blutsverwandt oder verheiratet sein; man muss nur gemeinsam fahren. Ideal für Paare oder kleine Freundesgruppen. Ein kleines Rechenbeispiel am Rande: Selbst für drei Leute lohnt sich das Ding so sehr, dass man sich vom gesparten Geld locker einen Apfelwein im Sachsenhausen-Viertel genehmigen kann.

Der Kampf mit dem Automaten

Die grün-türkisen Automaten stehen an jeder Station. Die Bedienung erfolgt über Touchscreens, die manchmal etwas festen Druck benötigen. Wichtig zu wissen: Die meisten Tickets, die du am Automaten ziehst, sind sofort gültig. Es gibt in Frankfurt kaum Entwerter, diese kleinen Boxen zum Abstempeln, die man aus München oder Berlin kennt. Das Ticket kommt oft schon mit aufgedruckter Uhrzeit und Datum aus dem Schacht. Wer also "auf Vorrat" kauft, hat Pech gehabt. Das Ticket läuft ab, während es noch in der Hosentasche steckt. Schau genau auf den Ausdruck. Steht dort "Fahrtantritt unverzüglich", musst du sofort los.

Die App "RMVgo" ist eine passable Alternative, wenn man kein Kleingeld suchen will. Sie funktioniert meistens zuverlässig, auch wenn die Menüführung gelegentlich etwas verschachtelt wirkt. Der Vorteil ist hier, dass du dir keine Sorgen um kaputte Automaten machen musst. Und ja, die gibt es.

S-Bahn, U-Bahn und der Tunnelblick

Für Neulinge ist die Unterscheidung zwischen S-Bahn und U-Bahn oft verwirrend, weil beide in der Innenstadt unterirdisch fahren. Die S-Bahnen (Linien S1 bis S9) sind die Arbeitspferde der Region. Sie verbinden das Umland mit der City. Erkennbar sind sie an der roten Farbe der Deutschen Bahn (oder dem RMV-Design) und daran, dass sie meist länger sind. Alle S-Bahnen (außer der S7) quetschen sich durch den sogenannten City-Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Ostendstraße. Das ist praktisch, weil du an Stationen wie der Hauptwache oder Konstablerwache quasi in jede S-Bahn springen kannst, um zum Bahnhof zurückzukommen. Die Taktung ist hier extrem dicht.

Die U-Bahnen (U1 bis U9) sind blau oder türkis und bedienen das städtische Netz. Sie fahren teils unter der Erde, teils oberirdisch als Stadtbahn. Ein akustisches Detail für Feinschmecker: Achte mal auf das Quietschen der U-Bahn-Räder in den engen Kurven kurz vor der Einfahrt in die Stationen. Es ist der Soundtrack des Frankfurter Untergrunds, fast so charakteristisch wie das Läuten der Kirchenglocken, nur deutlich schriller.

Wenn du kurze Strecken zurücklegst, sind die Straßenbahnen (Trams) oft angenehmer. Man sieht etwas von der Stadt, und man spart sich das Treppensteigen in die muffigen Tiefgeschosse. Apropos Treppen: Auf den Rolltreppen gilt das ungeschriebene, aber heilige Gesetz "Rechts stehen, links gehen". Wer das missachtet und links verträumt in der Gegend rumsteht, riskiert unfreundliches Gemurmel oder einen barschen Hinweis eines gestressten Bankers.

Kurzstrecke: Ein Buch mit sieben Siegeln

Es gibt im Tarifsystem noch die "Kurzstrecke". Sie ist billiger als der normale Einzelfahrschein. Aber wann ist eine Strecke kurz? Der RMV definiert das nicht stur nach Kilometern, sondern nach einer Liste von Haltestellen. In der Regel sind es bis zu zwei Kilometer oder ein paar Stationen, aber es darf kein Umstieg und kein Zonenwechsel dabei sein. Am Automaten kannst du unten rechts auf "Zielwahl" drücken und deine Zielhaltestelle eingeben. Wenn es eine Kurzstrecke ist, bietet dir die Maschine den günstigen Preis automatisch an. Verlass dich nicht auf dein Bauchgefühl. Was kurz wirkt, kann tariflich schon eine Langstrecke sein.

Nachts unterwegs und Sicherheit

Frankfurt schläft nie ganz, auch wenn es unter der Woche ab 1 Uhr ruhiger wird. Am Wochenende fahren die S-Bahnen und U-Bahnen die ganze Nacht durch, wenn auch in größeren Zeitabständen. Unter der Woche übernimmt ein Netz aus Nachtbussen die Schicht. Der zentrale Knotenpunkt für die Nachtschwärmer ist die Konstablerwache. Hier treffen sich fast alle Nachtbuslinien. Es ist ein faszinierendes Schauspiel, wenn nachts um halb drei Dutzende Menschen aus den Clubs und Bars hier zusammenströmen, um noch schnell einen Döner zu essen, bevor der Bus kommt. Sicherheitstechnisch ist der Frankfurter ÖPNV solide, aber gerade nachts zieht das Bahnhofsviertel auch Gestalten an, die man nicht unbedingt als Reisebekanntschaft sucht. Ein gesundes Maß an "uffpasse", wie der Hesse sagt, schadet nie. Setz dich in die Nähe des Fahrers oder zu anderen Gruppen, wenn du dich unsicher fühlst.

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