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Ein Guide für den Schlosspark Eller: Barocke Achsen und versteckte Waldpfade

Adel verpflichtet, aber die Natur holt sich hier ihr Recht zurück. Der Schlosspark Eller bietet die perfekte Mischung aus strenger Geometrie und wildem Bewuchs. Wer Ruhe abseits der Kö sucht, wird hier fündig.

Düsseldorf  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Es ist schon eine eigenartige Mischung, die einen am Schloss Eller empfängt. Wenn man mit der U75 bis zur Endstation tuckert und dann die paar Schritte Richtung Parkeingang läuft, ahnt man erst mal wenig von der Weitläufigkeit. Da steht dieses Herrenhaus, ein klassizistischer Bau mit hellem Putz, der fast ein bisschen zu ordentlich in der Gegend herumsteht. Das heutige Schloss, wie man es dort sieht, stammt weitgehend aus dem 19. Jahrhundert, auch wenn die Ursprünge viel weiter zurückreichen. Früher war das mal eine Wasserburg, was man dem Gebäude heute noch ansieht, wenn man auf die Gräben achtet, die das Fundament umschließen. Es riecht hier oft nach feuchtem Mauerwerk und stehendem Wasser, ein Geruch, der sofort dieses Gefühl von Geschichte vermittelt, ohne dass es gleich museal staubig wirkt.

Spannend ist an diesem Ort vor allem die Tatsache, dass er nicht so überlaufen ist wie der Hofgarten im Zentrum. Während sich die Düsseldorfer in der Innenstadt auf den Füßen stehen, hat man hier in Eller oft das Gefühl, das Areal fast für sich allein zu haben. Klar, am Wochenende kommen die Familien mit ihren Kinderwagen und die Leute, die ihre Hunde Gassi führen, aber die verlaufen sich schnell auf den vielen Wegen. Das Schloss selbst beherbergt heute unter anderem ein Forst- und Wildparkmuseum, was wunderbar zu der Umgebung passt. Es ist kein Ort für Prunk und Gloria im barocken Sinne, sondern eher eine solide, rheinische Interpretation von Landadel. Man kann um das Gebäude herumschlendern und die Spiegelungen im Wasser beobachten, was besonders an windstillen Tagen ein echt schönes Fotomotiv abgibt.

Kurz & Kompakt
  • Anfahrt: Die Anreise erfolgt am besten mit der U75 oder der S-Bahn bis zur Haltestelle Eller Süd oder Vennhauser Allee. Von dort sind es nur wenige Gehminuten bis zum Parkeingang am Schloss.
  • Highlights: Das klassizistische Schlossgebäude mit seinen Wassergräben sowie die strengen barocken Sichtachsen im Kontrast zu den wilden Waldpfaden entlang des Eselsbachs.
  • Ausrüstung: Festes Schuhwerk ist für die Erkundung der unbefestigten Waldwege im hinteren Teil des Parks absolut empfehlenswert, besonders nach Regentagen.
  • Verpflegung: Ein kleines Café direkt am Schloss bietet Erfrischungen und Kuchen; für ausgiebige Pausen eignen sich die zahlreichen Bänke und Picknickmöglichkeiten an den Teichen.

Geometrie trifft auf Wildwuchs

Wer sich vom Schloss weg in den Park begibt, merkt schnell, dass hier zwei Welten aufeinanderprallen. Direkt am Haus herrscht die Ordnung. Da gibt es diese langen Sichtachsen, die typisch für die barocke Gartenkunst sind. Alles ist auf das Gebäude ausgerichtet, die Wege sind breit und führen schnurgerade in die Ferne. Man fühlt sich ein bisschen wie in einer Miniaturausgabe von Versailles, nur eben ohne die Touristenmassen und die goldenen Wasserhähne. Die Bäume stehen hier in Reih und Glied, fast so, als ob sie strammstehen müssten, wenn die Schlossherrin vorbeikommt. Es ist diese Art von Gartenarchitektur, die dem menschlichen Auge schmeichelt, weil alles so logisch und sortiert erscheint. Man schaut entlang einer Allee und am Ende wartet immer ein kleiner Fixpunkt, sei es eine Statue, ein Tor oder einfach nur ein besonders prächtiger Baum.

Doch sobald man diese formalen Bereiche verlässt, ändert sich die Stimmung radikal. Der Park geht fließend in ein Waldgebiet über, das wesentlich wilder und ungezwungener daherkommt. Plötzlich werden die Wege schmaler und winden sich um alte Eichen und Buchen, deren Wurzeln den Asphalt oder den Kies hier und da mal nach oben drücken. Es ist dieser Kontrast, der den Reiz ausmacht. Man geht einen Moment noch auf einer herrschaftlichen Promenade und im nächsten Augenblick steht man knöcheltief im Laub und hört das Knacken von Ästen unter den Sohlen. Die Luft wird hier im Wald auch sofort kühler und würziger. Es riecht nach Moos, Humus und im Herbst nach diesem typischen Verfall, den man nur in alten Parkanlagen findet. Hier darf die Natur auch mal ein bisschen unordentlich sein, was den Vögeln und Insekten sichtlich gefällt. Das Gezwitscher ist an manchen Stellen so laut, dass man den nahen Verkehr der Stadt komplett ausblendet.

Die verborgenen Pfade entlang der Eselsbach

Ein echtes Highlight, das viele Besucher links liegen lassen, ist der Verlauf der Eselsbach. Dieser kleine Bach schlängelt sich durch das Gelände und bildet die Lebensader des Parks. Es gibt dort Ecken, die wirken fast wie aus der Zeit gefallen. Die Ufer sind oft schlammig und mit dichtem Gebüsch bewachsen, was den Zugang nicht immer einfach macht. Aber genau das ist der Witz an der Sache. Wer sich traut, die befestigten Wege zu verlassen, findet kleine Trampelpfade, die direkt am Wasser entlangführen. Man muss ein bisschen aufpassen, wo man hintritt, damit man nicht in einem Matschloch landet, aber die Entdeckungstour lohnt sich. Oft sieht man hier Graureiher, die völlig ungerührt im flachen Wasser stehen und auf Beute warten. Die Tiere in Eller sind an Menschen gewöhnt, aber sie bewahren sich eine angenehme Distanz.

Besonders urig wird es im hinteren Teil des Parks, wo die Teiche liegen. Der Eselsbach speist diese Gewässer, und an den Schilfkanten kann man wunderbar beobachten, wie sich das Licht bricht. Es ist dort oft sehr still, fast schon ein bisschen unheimlich, wenn der Nebel über dem Wasser hängt. Manchmal begegnet man einem Angler, der schweigend auf seine Pose starrt, oder einem Jogger, der schnaufend an einem vorbeizieht. Aber meistens ist man mit sich und der Geräuschkulisse des Waldes allein. Es ist kein Ort für große Events oder laute Partys. Eller ist eher die leise, bescheidene Schwester der großen Düsseldorfer Parks. Man kommt hierher, um den Kopf freizubekommen und nicht, um gesehen zu werden. Ein bisschen Klüngel gibt es zwar immer, wenn sich die Nachbarn auf ein Schwätzchen treffen, aber das gehört im Rheinland einfach dazu.

Praktisches für den Parkbesuch

Wer den ganzen Park erkunden will, sollte sich Zeit nehmen. Das Areal ist größer, als man auf der Karte vermutet. Ein guter Startpunkt ist der Parkplatz am Schloss, aber eigentlich ist die Anreise mit der Bahn viel entspannter. Man spart sich die Parkplatzsuche, die an sonnigen Sonntagen durchaus nervig werden kann. Ein guter Tipp ist es, festes Schuhwerk anzuziehen. Wer nur auf den Hauptwegen bleibt, kommt mit Sneakern klar, aber wer die versteckten Pfade im Waldteil erkunden will, wird für ein bisschen Profil unter den Sohlen dankbar sein. Es gibt im Park auch einige Bänke, die strategisch günstig platziert sind. Manche stehen direkt in der Sonne an den großen Wiesen, andere sind eher schattig unter dichten Baumkronen versteckt. Es lohnt sich, ein Buch mitzunehmen oder einfach nur die Leute zu beobachten.

Für den Hunger zwischendurch gibt es in der Nähe des Schlosses ein Café. Das ist ganz nett, wenn man nach dem Spaziergang ein Stück Kuchen verputzen will. Es hat diesen typischen Charme von Ausflugslokalen, wo die Kuchengabeln manchmal nicht ganz zusammenpassen, was aber sympathisch ist. Wer es eher rustikal mag, packt sich eine Brotzeit ein und sucht sich einen Platz an einem der Teiche. Es gibt dort ein paar Stellen, die sich perfekt für ein Picknick eignen, solange man seinen Müll wieder mitnimmt. Die Düsseldorfer Stadtreinigung gibt sich zwar Mühe, aber man muss es ihnen ja nicht schwerer machen als nötig. Interessant ist auch, dass der Park zu jeder Jahreszeit sein Gesicht verändert. Im Frühjahr explodiert das Grün förmlich, im Sommer bieten die alten Bäume wunderbaren Schatten und im Winter haben die kahlen Sichtachsen etwas fast schon Grafisches, wenn der Reif auf den Ästen liegt.

Kultur und Geschichte am Wegesrand

Man stolpert im Schlosspark immer wieder über kleine Details, die auf die lange Geschichte des Ortes hinweisen. Da sind zum Beispiel alte Grenzsteine oder verwitterte Inschriften an Mauern. Es lohnt sich, mit offenen Augen durch die Anlage zu gehen. Das Schloss Eller war früher ein bedeutender Adelssitz und das spürt man an der Großzügigkeit der Anlage. Es wurde nicht einfach nur ein Wald eingezäunt, sondern eine ganze Landschaft inszeniert. Die Übergänge zwischen den gepflegten Rasenflächen und dem Nutzwald waren früher fließend und dienten auch der Jagd. Heute ist das Ganze natürlich ein öffentlicher Raum, aber diese herrschaftliche Weite ist geblieben. Es ist ein Raum, der atmet und dem Besucher Platz lässt.

Oft wird vergessen, dass der Park auch eine wichtige Funktion für das Stadtklima hat. Er ist eine grüne Lunge für den Düsseldorfer Süden. Wenn es im Sommer in der Innenstadt flimmert vor Hitze, ist es hier unter den hohen Baumkronen deutlich erträglicher. Die alten Buchen wirken wie eine natürliche Klimaanlage. Man merkt den Temperaturunterschied sofort, wenn man von der Straße in den Park tritt. Es ist diese Frische, die einen sofort ein bisschen entspannter werden lässt. Vielleicht liegt es auch an der psychologischen Wirkung des Grüns, aber in Eller scheint die Zeit ein kleines bisschen langsamer zu laufen als am Hauptbahnhof. Selbst die Enten auf den Teichen wirken tiefenentspannt und lassen sich kaum aus der Ruhe bringen, wenn mal wieder ein Hund zu nah ans Ufer stürmt.

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