Es ist schon ein markanter Kasten, den sie da direkt gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof in die Landschaft gesetzt haben. Ein wenig wirkt die Architektur wie ein gelandetes Raumschiff, das sich im grauen Asphalt des Vorplatzes festgebissen hat. Wer mit dem Zug anreist, kommt an dieser silbernen Fassade eigentlich nicht vorbei. Das Gebäude markiert den Beginn der sogenannten Kunst- und Kulturmeile der Stadt, aber mal ehrlich: Für die meisten Leute hier ist Fußball sowieso die höchste Form der Kunst. Im Inneren riecht es überraschenderweise nicht nach abgestandenem Stadionbier oder verschwitzten Trikots, sondern eher nach einer Mischung aus kühler Museumsluft und dem leicht süßlichen Aroma von frischem Popcorn aus dem Gastronomiebereich.
Der Einstieg erfolgt über eine lange Rolltreppe, die einen direkt in die Welt der Nationalmannschaft katapultiert. Das ist ein kluger Schachzug der Macher, denn so wird man erst einmal emotional abgeholt, bevor es ans Eingemachte geht. Man hört das ferne Rauschen von Fangesängen, die aus versteckten Lautsprechern dringen. Es ist kein ohrenbetäubender Lärm, sondern eher eine atmosphärische Untermalung, die einen sofort daran erinnert, dass man sich hier an einem Ort befindet, der von Leidenschaft lebt. Die Lichtführung ist bewusst dramatisch gehalten, viel Schwarz, viel Spotlicht auf den Exponaten, was den silbernen Pokalen einen fast schon religiösen Glanz verleiht.
Kurz & Kompakt - Adresse und Lage: Platz der Deutschen Einheit 1, 44137 Dortmund. Direkt gegenüber dem Hauptbahnhof, kaum zu übersehen.
- Zeitaufwand: Mindestens 3 bis 4 Stunden einplanen. Die Menge an Informationen und interaktiven Stationen ist enorm.
- Highlights: Der 3D-Kino-Bereich, die Schatzkammer mit den Original-Pokalen und das Spielfeld im Untergeschoss für die aktive Pause.
- Verpflegung: Das hauseigene Bistro bietet klassische Stadion-Snacks und ordentliche Mittagsgerichte zu fairen Preisen.
Vom Wunder von Bern bis zum Berliner Regen
Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut, was für Strukturmuffel wie mich ein Segen ist. Man arbeitet sich von den Anfängen des organisierten Kicks bis in die Neuzeit vor. Ein absolutes Highlight ist der linke Schuh von Mario Götze, mit dem er 2014 das entscheidende Tor gegen Argentinien erzielte. Der Schlappen wirkt fast schon winzig in der Vitrine und man fragt sich unwillkürlich, wie so ein kleines Stück Leder so viel kollektives Glück auslösen konnte. Daneben liegt der Spielball von 1954, ein schweres, ledernes Ungetüm, das wahrscheinlich beim ersten Kopfballversuch für eine leichte Gehirnerschütterung gesorgt hätte. Spannend ist dabei die Gegenüberstellung der Epochen: Hier das schwere Material der Nachkriegszeit, dort die High-Tech-Fasern von heute.
Besonders hängen bleibt man oft im Bereich über die 1970er Jahre. Da hängen die Trikots von Breitner und Beckenbauer, die Schnitte wirken heute fast schon komisch kurz. Die Exponate sind nicht einfach nur lieblos in Glaskästen gestopft, sondern werden durch Multimedia-Stationen ergänzt. Man kann sich alte Radio-Kommentare anhören, bei denen die Sprecher noch so richtig aus der Haut fahren. Da bekommt man direkt Gänsehaut, auch wenn man die Spiele damals gar nicht live miterlebt hat. Es ist dieser Mix aus haptischen Gegenständen und digitaler Aufbereitung, der das Museum davor bewahrt, ein staubiges Archiv zu sein. Man merkt, dass hier richtig viel Asche in die Hand genommen wurde, um das Ganze modern zu gestalten.
Taktikfüchse und Kuriositätenkabinett
Nach der Nationalmannschaft geht es eine Ebene tiefer in die Welt des Vereinsfußballs. Hier wird es deutlich bunter und auch ein bisschen lauter. Die Bundesliga hat ihren eigenen Bereich, in dem es um Traditionen, Rivalitäten und natürlich auch um die Schalen geht. In Dortmund kommt man am BVB natürlich nicht vorbei, aber das Museum schafft es erstaunlich gut, neutral zu bleiben. Auch die Geschichte des Schalker Kreisel oder die Erfolge des FC Bayern finden ihren Platz, ohne dass man das Gefühl hat, eine Seite würde bevorzugt. Es ist ein echtes gesamtdeutsches Ding. Wer sich für Taktik interessiert, kann sich an interaktiven Tafeln austoben. Da wird dann erklärt, warum die Viererkette damals so eine Revolution war oder was es mit dem modernen Pressing auf sich hat.
Witzig sind die kleinen Randnotizen. Da sieht man etwa kuriose Fan-Utensilien oder erfährt Geschichten über Spieler, die neben dem Platz eher durch Eskapaden als durch Leistung glänzten. Es menschelt an allen Ecken. Das Museum verschweigt aber auch die dunklen Seiten nicht. Die Rolle des Fußballs im Nationalsozialismus wird in einem eigenen, sehr sachlich gehaltenen Bereich thematisiert. Das ist wichtig, um dem Ganzen Tiefe zu geben. Es ist eben nicht alles nur Jubel, Trubel, Heiterkeit. Die Texte sind hier knapper, die Farben gedämpfter. Dieser Kontrast sorgt dafür, dass man zwischendurch mal kurz durchatmet und über die gesellschaftliche Bedeutung dieses Sports nachdenkt.
Pöhlen im Untergeschoss
Irgendwann hat man genug Theorie im Kopf und will sich bewegen. Das haben die Planer wohl geahnt, denn im unteren Bereich gibt es eine Spielzone. Da können Kinder, aber auch Erwachsene, die ihre besten Jahre eigentlich schon hinter sich haben, gegen einen Ball treten. Es gibt ein kleines Spielfeld und verschiedene Stationen, an denen man seine Geschicklichkeit testen kann. Der Boden ist hier mit Kunstrasen ausgelegt, was sofort diesen typischen Geruch von Sportplatz verströmt. Hier geht es deutlich lockerer zu. Man hört das dumpfe Pochen, wenn der Ball gegen die Bande knallt, und ab und zu einen frustrierten Aufschrei, wenn der Schuss daneben geht.
Direkt daneben befindet sich der Bereich für die Hall of Fame. Das ist quasi der Olymp des deutschen Fußballs. Hier werden die ganz Großen geehrt. Die Porträts sind kunstvoll inszeniert und man fühlt sich fast ein bisschen klein zwischen all den Legenden. Wer danach Hunger bekommt, landet im Museumsbistro. Die Preise sind moderat, das Essen ist bodenständig. Es gibt Currywurst, was in Dortmund ja quasi zum Grundnahrungsmittel gehört. Man sitzt dort zwischen anderen Besuchern, viele tragen ihre Vereinstrikots, und fachsimpelt über die vergangene Saison. Es herrscht eine unaufgeregte, fast schon familiäre Atmosphäre, trotz der Größe des Gebäudes.
Praktische Tipps für den Besuch
Ein Besuch im Fußballmuseum ist kein schneller Sprint, man sollte eher einen Marathon einplanen. Drei Stunden sind das absolute Minimum, wenn man nicht nur durchrennen will. Wer sich wirklich in die Audio-Guides vertieft und alle interaktiven Spielereien ausprobiert, kann hier locker einen ganzen Nachmittag verbringen. Das Museum ist barrierefrei, was super ist, denn die Aufzüge sind groß genug für Rollstühle oder Kinderwagen. Da das Haus direkt am Bahnhof liegt, ist die Anreise mit dem Zug eigentlich ein Muss. Wer mit dem Auto kommt, muss sich auf die Parkplatzsuche in der Dortmunder City einlassen, was besonders an Samstagen nervig sein kann. Da ist das Parkhaus am Hauptbahnhof die teure, aber stressfreiere Wahl.
Ein kleiner Tipp am Rande: Wer es lieber ruhig mag, sollte die Wochenenden meiden. Da wird es oft richtig voll, vor allem wenn der BVB ein Heimspiel hat. Dann fluten Fans in Schwarz-Gelb das Gebäude und es wird eng in den Gängen. Unter der Woche, besonders am späten Vormittag, hat man oft fast das ganze Museum für sich. Dann kann man in Ruhe die Exponate studieren und muss an den interaktiven Stationen nicht Schlange stehen. Die Tickets sind nicht ganz billig, aber wenn man bedenkt, was an Technik und Exponaten geboten wird, geht der Preis in Ordnung. Es ist eben eine nationale Institution und kein kleiner Bolzplatz-Verein.
Der Souvenirshop: Zwischen Kitsch und Kult
Bevor man das Museum verlässt, wird man wie üblich durch den Shop geleitet. Hier gibt es wirklich alles, was das Fan-Herz begehrt oder eben auch Dinge, die kein Mensch braucht. Von Mini-Pokalen bis hin zu speziellen Büchern über die Geschichte der Abseitsregel ist alles dabei. Es ist ein buntes Durcheinander. Manchmal entdeckt man kleine Schätze, wie etwa Replikas von historischen Bällen oder Postkarten mit alten Stadionmotiven. Es ist der perfekte Ort, um ein Mitbringsel zu ergattern, das nicht nach 08/15-Touri-Kram aussieht. Der Geruch von neuem Plastik und bedrucktem Papier liegt hier in der Luft, vermischt mit der Vorfreude der Kinder, die ihre Eltern gerade um einen neuen Ball anbetteln.