Bremen

Metropol Theater: Wo die großen Musicals und Shows in Bremen landen

Im Metropol Theater geben sich internationale Ensembles und lokale Größen die Klinke in die Hand. Wer einen Abend zwischen Glamour und hanseatischer Nüchternheit sucht, landet unweigerlich hier.

Bremen  |  Kultur & Unterhaltung
Lesezeit: ca. 8 Min.
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Zwischenablage

Wer sich dem Metropol Theater nähert, stolpert nicht über prunkvolle Säulen oder barocke Schnörkel. Das Gebäude am Richtweg, nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt, wirkt auf den ersten Blick fast ein bisschen spröde. Es ist dieser typische funktionale Charme der späten neunziger Jahre, der hier das Stadtbild prägt. Doch der Schein trügt gewaltig. Sobald die Glastüren aufschwingen, weicht die kühle Bremer Außenluft einer Atmosphäre, die nach Aufregung, Teppichboden und einem Hauch von teurem Parfüm riecht. Es ist kein Geheimnis, dass die Bremer eine Weile gebraucht haben, um mit diesem Kasten warm zu werden. Gebaut wurde er ursprünglich als Musical Theater Bremen, und die Eröffnung 1999 war ein ziemliches Wagnis für eine Stadt, die sonst eher für ihre Bodenständigkeit bekannt ist.

Interessant ist die Architektur im Inneren. Man fühlt sich ein wenig wie in einem riesigen, modernen Wohnzimmer, das für 1.450 Gäste ausgelegt wurde. Die Sitzreihen im großen Saal steigen steil an, was einen entscheidenden Vorteil hat: Man sieht von überall verdammt gut. Nichts ist ärgerlicher, als den Hinterkopf des Vordermanns zu studieren, während vorne auf der Bühne die Vampire tanzen oder die Rocky Horror Show ihren Lauf nimmt. Im Metropol passiert das nicht. Hier sitzt man mittendrin, statt nur dabei zu sein, und die Akustik im Saal fängt jedes Flüstern und jedes brachiale Schlagzeugsolo sauber ein. Es ist ein Ort, der für die großen Emotionen gebaut wurde, auch wenn er von außen eher wie ein solides Verwaltungsgebäude daherkommt.

Man merkt dem Haus an, dass es eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Es gab Phasen, da stand die Bühne leer, und es gab Momente, da war das Theater das Epizentrum der deutschen Musical-Landschaft. Heute hat sich das Metropol Theater fest in der Bremer Kulturszene verankert. Es ist nicht mehr nur die Heimat für das eine große Musical, das monatelang am Stück läuft. Vielmehr fungiert es als flexibler Gastgeber für alles, was Rang und Namen hat. Ob Comedians, die ihre Pointen ins Mikrofon feuern, oder internationale Tanzkompanien, die über das Parkett wirbeln: Das Programm ist so bunt wie eine Tüte gemischte Bonbons vom Kiosk am Eck.

Kurz & Kompakt
  • Anreise: Das Metropol Theater liegt am Richtweg 7, nur rund 5 Gehminuten vom Bremer Hauptbahnhof entfernt. Die Nutzung von Bus und Bahn wird dringend empfohlen, da die Parkplatzsuche im direkten Umfeld schwierig sein kann.
  • Gastronomie: Im Theaterfoyer gibt es Bars für Getränke und kleine Snacks. Für eine richtige Mahlzeit bietet sich das nahegelegene "Viertel" oder die Gastronomie rund um den Bahnhof und die Innenstadt an.
  • Programm: Das Haus bespielt kein festes Repertoire, sondern fungiert als Gastspielhaus. Von Musicals über Ballett bis hin zu Comedy und Konzerten wechselt das Angebot fast täglich. Ein Blick in den aktuellen Spielplan ist vorab Pflicht.
  • Barrierefreiheit: Der Zugang zum Theater und zum Saal ist barrierefrei gestaltet. Es gibt ausgewiesene Plätze für Rollstuhlfahrer, die jedoch meist vorab telefonisch reserviert werden müssen.

Der Herzschlag hinter dem schweren Vorhang

Hinter den Kulissen des Metropol Theaters geht es oft hektischer zu, als man im schicken Foyer vermuten würde. Wenn eine Produktion wie „Stomp“ oder ein großes Queen-Tribute-Konzert gastiert, rollen die LKWs schon in den frühen Morgenstunden an. Die Logistik ist eine Meisterleistung für sich. Dass das Theater so nah am Gleisvorfeld der Bahn liegt, hört man drinnen übrigens überhaupt nicht. Die Schallisolierung ist tadellos, was in einer Stadt, in der ständig irgendwo eine Straßenbahn bimmelt oder ein Güterzug rattert, ein echter Segen ist. Es ist diese Ruhe im Saal, bevor das Licht ausgeht, die einen kurz innehalten lässt. Man spürt die Erwartung der anderen Zuschauer, hört das Rascheln von Programmheften und das leise Klirren von Sektgläsern.

Besonders bei den Musicals zeigt das Haus, was technisch in ihm steckt. Die Bühnenmaschinerie ist darauf ausgelegt, schnelle Szenenwechsel und aufwendige Lichtshows zu stemmen. Manchmal vergisst man fast, dass man sich im beschaulichen Bremen befindet und nicht am Londoner West End. Die Technik-Crew arbeitet oft im Verborgenen, aber ohne diese Leute wäre der Zauber schnell vorbei. Es sind die kleinen Details, die hängen bleiben: der Geruch von Bühnennebel, der sich langsam im Saal verteilt, oder das sanfte Surren der Scheinwerfer, wenn sie sich in Position drehen. Es ist ein handwerklicher Betrieb, der hier Abend für Abend Illusionen verkauft.

Man sollte sich vor der Vorstellung unbedingt Zeit für einen Drink im Foyer nehmen. Die Glasfronten bieten einen Blick auf das geschäftige Treiben rund um den Bahnhof, während man selbst in einer Art Blase aus Vorfreude schwebt. Das Publikum im Metropol ist eine kuriose Mischung. Da stehen die fein gemachten Paare in Abendgarderobe neben den Teenagern im Band-Merch-Shirt, die auf ihren Lieblings-Comedian warten. Diese Durchmischung nimmt dem Theater die Steifheit, die manch andere Häuser ausstrahlen. In Bremen geht es halt doch etwas lockerer zu, und das Metropol bildet da keine Ausnahme. Man kommt ins Gespräch, tauscht sich über vergangene Shows aus und freut sich gemeinsam auf das, was gleich hinter dem Vorhang passiert.

Logistische Tipps für den reibungslosen Abend

Ein Besuch im Metropol Theater will geplant sein, vor allem wenn man nicht direkt aus der Neustadt oder dem Viertel kommt. Die Lage am Richtweg ist zwar zentral, aber Parkplätze sind in dieser Ecke Bremens eher Mangelware. Klar, es gibt Parkhäuser in der Nähe, aber die sind nach Vorstellungsende oft so verstopft, dass man mehr Zeit in der Schlange verbringt als im Theater selbst. Klüger ist es, mit den Öffentlichen zu kommen. Der Hauptbahnhof ist quasi um die Ecke, und von dort aus sind es nur fünf Minuten zu Fuß. Man folgt einfach dem Strom der Menschen, die meistens schon ganz zielgerichtet Richtung Theater steuern. Wer doch mit dem Auto kommt, sollte ein bisschen Puffer einplanen, um nicht völlig abgehetzt auf den Platz zu sinken.

Was das Kulinarische angeht, hat die Umgebung des Theaters einiges zu bieten. Da man im Theater selbst eher Snacks und Getränke bekommt, empfiehlt sich ein Abendessen davor oder danach in den umliegenden Straßen. Das Viertel mit seinen unzähligen Kneipen und Restaurants ist nicht weit weg. Man kann dort wunderbar versacken, nachdem der letzte Vorhang gefallen ist. Wer es eher klassisch mag, findet rund um den Bahnhof diverse Optionen, von der schnellen Pizza bis hin zum gehobenen Italiener. Es hat etwas sehr Befriedigendes, nach einer dreistündigen Show noch bei einem kühlen Bier oder einem Glas Wein über die Inszenierung zu fachsimpeln.

Ein kleiner Insider-Tipp am Rande: Die Garderoben-Situation kann bei ausverkauftem Haus eine echte Geduldsprobe sein. Wer keine Lust hat, nach der Show zwanzig Minuten auf seinen Mantel zu warten, nimmt ihn am besten mit in den Saal, sofern er nicht zu sperrig ist. Die Plätze bieten erstaunlich viel Beinfreiheit, was man bei so einer Kapazität nicht unbedingt erwartet. Man sitzt dort nicht wie die sprichwörtliche Sardine in der Dose. Auch die Klimatisierung funktioniert meistens tadellos, sodass man weder ins Schwitzen gerät noch frösteln muss. Es sind diese unsichtbaren Annehmlichkeiten, die den Aufenthalt im Metropol so angenehm machen.

Warum das Metropol mehr als nur Unterhaltung ist

Man darf nicht vergessen, dass das Metropol Theater für Bremen auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Wenn die großen Produktionen in der Stadt sind, füllen sich die Hotels und die Gastronomie profitiert. Aber jenseits der Zahlen ist es der kulturelle Wert, der zählt. Das Theater bringt Shows nach Bremen, für die man sonst nach Hamburg oder Berlin fahren müsste. Es gibt der Stadt einen Hauch von Extravaganz, ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren. Es ist ein Ort der Begegnung, an dem Geschichten erzählt werden, die Menschen für ein paar Stunden aus ihrem Alltag reißen. Das ist in einer Welt, die sich immer schneller dreht, ein kostbares Gut.

Beobachtet man die Leute beim Verlassen des Theaters, sieht man oft dieses selige Lächeln in den Gesichtern. Die Musik summt noch im Kopf nach, und die Gespräche drehen sich um die beeindruckenden Bühnenbilder oder die stimmgewaltigen Darsteller. Es ist diese unmittelbare Wirkung von Live-Entertainment, die kein Streaming-Dienst der Welt ersetzen kann. Das Metropol Theater schafft den Rahmen dafür. Es ist vielleicht nicht das schönste Gebäude Bremens von außen, aber es ist definitiv eines mit dem größten Unterhaltungswert im Inneren. Man muss sich einfach darauf einlassen, die Vorurteile gegenüber dem Betonbau ablegen und sich von der Energie mitreißen lassen, die dort jeden Abend entsteht.

Solltest du also mal in Bremen sein und das Wetter ist, wie es in Bremen oft ist – also eher durchwachsen –, dann ist ein Abend im Metropol eine hervorragende Fluchtmöglichkeit. Hier regnet es höchstens Konfetti, und der Wind weht nur, wenn die Windmaschine für den dramatischen Effekt angeschmissen wird. Es ist ein Stück heile Welt, verpackt in moderne Architektur, mitten im Herzen der Hansestadt. Und wer weiß, vielleicht erwischt man sich nach der Show selbst dabei, wie man eine Melodie pfeifend durch die Bremer Nacht spaziert. Das gehört hier einfach dazu.

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