Da stehst du nun also. Jahrelang hast du Witze darüber gemacht, Schlagzeilen über Brandschutzanlagen und verschobene Eröffnungen gelesen und jetzt bist du tatsächlich hier. Der Flughafen Berlin Brandenburg, kurz BER, ist keine Fata Morgana mehr. Er ist echt. Und wenn du aus dem Flieger steigst und durch die Gangway in das Terminal 1 läufst, fällt dir vielleicht als Erstes der Boden auf. Es ist Jurakalkstein. Er wirkt hell, freundlich und irgendwie beruhigend, was man nach einem engen Economy-Flug durchaus gebrauchen kann. Die Architektur versucht, mit viel Nussbaumholz an den Wänden eine gewisse Wärme auszustrahlen. Manche sagen, es wirkt edel, andere finden, es hat den Charme eines sehr teuren Konferenzraums aus den Neunzigern.
Doch bleiben wir bei den Fakten, denn die Architektur ist zweitrangig, wenn man einfach nur seinen Koffer will. Der BER liegt im Südosten von Berlin, genauer gesagt in Schönefeld. Das ist ein gutes Stück draußen, wie der Berliner sagt: JWD, janz weit draußen. Aber keine Sorge, die Anbindung ist mittlerweile ziemlich solide. Bevor wir uns aber in die Bahn setzen, müssen wir erst einmal verstehen, wo wir eigentlich sind. Der Flughafen teilt sich im Grunde in zwei operative Bereiche auf, die für dich relevant sind. Das alte Terminal 5, das früher der Flughafen Schönefeld war, ist Geschichte. Es ist zu und dort startet nichts mehr. Du musst dich also nur auf das Hauptterminal T1 und den direkten Anbau T2 konzentrieren.
Kurz & Kompakt - Tickets: Zone ABC ist Pflicht! Einzelfahrausweis kostet ca. 4,40 Euro. Unbedingt entwerten, sonst wird es teuer.
- Schnellste Route: Der Flughafen-Express (FEX) zum Hauptbahnhof oder der RE7/RB14 für Alexanderplatz und Zoo.
- BER Runway: Buche für den Rückflug online kostenlos einen Slot für die Sicherheitskontrolle (ab 72h vor Abflug), um Wartezeiten zu umgehen.
- Terminal 5: Existiert als aktiver Flughafen nicht mehr. Alles spielt sich im T1 und T2 ab.
Terminal 1: Der "Magic Carpet" und lange Wege
Das Hauptterminal T1 ist das Herzstück. Hier landest du wahrscheinlich, wenn du mit einer der großen Linienfluggesellschaften wie Lufthansa, Air France oder British Airways fliegst. Die Check-in-Halle ist riesig und wird von gigantischen roten Stoffbahnen an der Decke dominiert. Das Kunstwerk heißt "Magic Carpet" von Pae White. Es soll wohl an einen fliegenden Teppich erinnern, sieht aber an manchen Tagen eher so aus, als hätte jemand riesige rote Servietten beim Lüften vergessen. Es ist aber ein guter Orientierungspunkt.
Eine Sache wirst du am T1 schnell merken, und das ist kein Geheimnis: Die Wege sind lang. Sehr lang. Wenn du am hintersten Gate ankommst, kannst du dich auf einen strammen Fußmarsch von locker fünfzehn Minuten bis zur Gepäckausgabe einstellen. Laufbänder gibt es zwar, aber oft sind sie so positioniert, dass man trotzdem viel laufen muss. Nimm es sportlich. In der Gepäckhalle angekommen, brauchst du dann oft Geduld. Berlin ist berüchtigt dafür, dass die Koffer gerne mal eine Ehrenrunde drehen oder das Bodenpersonal erst noch den Morgenkaffee austrinken muss. Das ist vielleicht etwas subjektiv formuliert, aber wer hier schon mal 45 Minuten auf seinen Trolley gestarrt hat, weiß, wovon ich rede.
Terminal 2: Der funktionale Kasten
Solltest du mit Ryanair oder einer anderen Low-Cost-Airline ankommen, spuckt dich der Flughafen oft im Terminal 2 aus. Das T2 ist architektonisch eher das Stiefkind. Es wurde nachträglich und in Rekordzeit hochgezogen, weil man merkte, dass das T1 allein vielleicht doch zu klein ist. Es ist funktional. Grauer Beton, offene Decken, industrielle Anmutung. Hier gibt es keinen Walnuss-Schick. Vom T2 aus musst du über Brücken und Gänge laufen, um ins T1 zu gelangen, denn dort liegt der Zugang zum Bahnhof. Es ist alles verbunden, du musst also nicht ins Freie, aber auch hier gilt: bequeme Schuhe sind von Vorteil.
Raus aus der Tür, rein ins Getümmel
Hast du dein Gepäck endlich und passierst den Zoll, landest du auf der Ankunftsebene E0 im Terminal 1. Hier wuselt es meistens gewaltig. Taxifahrer halten Schilder hoch, Familien fallen sich in die Arme und Touristen suchen verzweifelt nach dem Weg zur Toilette. Wenn du Hunger hast, gibt es hier unten einen Supermarkt und diverse Bäckereien. Die Preise sind flughafentypisch gesalzen, aber beim Rewe City gelten normale Tarife, was ein echter Lebensretter sein kann, wenn du nur schnell eine Flasche Wasser oder ein Wegbier für die Fahrt brauchst.
Nun stellt sich die Gretchenfrage: Wie kommst du in die Stadt? Taxi, Bus oder Bahn? Fangen wir mit dem Taxi an. Die Taxis stehen draußen vor dem Terminal. Eine Fahrt nach Berlin-Mitte kostet dich schnell mal 60 bis 70 Euro, je nach Verkehrslage auch mehr. Es gibt keine Festpreise, das Taxameter läuft gnadenlos mit. Uber und Bolt dürfen hier auch operieren, haben aber oft einen separaten Abholbereich im Parkhaus, was mit Koffern nervig sein kann. Für die meisten Reisenden ist das Taxi die schlechteste Option, es sei denn, die Firma zahlt oder du hast wirklich schweres Gepäck.
Der Bahnhof unter dem Terminal: Dein Tor zur Stadt
Die mit Abstand schlauste Art, den BER zu verlassen, ist die Schiene. Der Bahnhof "Flughafen BER" liegt direkt unter dem Terminal 1 auf der Ebene U2. Du fährst einfach mit den langen Rolltreppen tief hinunter in den Betonbauch des Flughafens. Das wirkt fast ein bisschen wie in einem Science-Fiction-Film, so viel grauer Sichtbeton umgibt dich da unten.
Bevor du in irgendeinen Zug springst, brauchst du ein Ticket. Und hier machen Touristen oft den ersten Fehler. Berlin hat drei Tarifzonen: A, B und C. Der Flughafen liegt in Zone C. Du brauchst also zwingend einen Einzelfahrausweis für die Zonen ABC. Wenn du nur ein Ticket für AB kaufst, fährst du schwarz. Und die Kontrolleure wissen ganz genau, wo sie stehen müssen. Das Ticket kostet derzeit um die 4,40 Euro und ist zwei Stunden lang gültig. Du kannst damit dann auch in Berlin in die U-Bahn oder den Bus umsteigen. Wichtig: Die Tickets müssen vor Fahrtantritt entwertet werden, falls sie nicht schon mit Zeitstempel aus dem Automaten kommen. Die kleinen gelben oder roten Kästen stehen an den Bahnsteigen. Ein kurzes "Klack-Klack" und du bist sicher.
Der FEX: Der Stolz der Bahn
Es gibt im Wesentlichen drei Zug-Optionen, um ins Zentrum zu kommen. Die schnellste und meistens beste Wahl ist der FEX. Das steht für Flughafen-Express. Er fährt alle 30 Minuten und braucht knapp eine halbe Stunde bis zum Hauptbahnhof. Der FEX hält nur an wenigen Stationen: Ostkreuz, Gesundbrunnen und Hauptbahnhof. Besonders Ostkreuz ist ein wichtiger Knotenpunkt. Wenn du nach Friedrichshain, Prenzlauer Berg oder in den hippen Teil von Kreuzberg willst, steigst du am Ostkreuz aus und nimmst die S-Bahn für ein oder zwei Stationen.
Der FEX besteht oft aus roten Doppelstockwagen. Wenn du oben sitzt, hast du erst mal einen herrlichen Blick auf die brandenburgische Sandlandschaft, bevor sich langsam die Plattenbauten und Fernsehturm-Spitzen ins Bild schieben. Ein kleines Manko hat der FEX allerdings: Er ist oft brechend voll. Jeder will mit ihm fahren. Wenn du mit viel Gepäck reist, versuche, ganz vorne oder ganz hinten in den Zug einzusteigen, da ist meistens etwas mehr Luft.
Regionalbahnen: Die heimlichen Helden
Neben dem FEX fahren auch die Regionalbahnen RE7 und RB14. Sie fahren ebenfalls ins Zentrum, halten aber auch am Alexanderplatz, an der Friedrichstraße und am Zoologischen Garten. Wenn dein Hotel also direkt am Alex oder am Zoo liegt, sind diese Züge viel praktischer als der FEX, weil du dir das Umsteigen am Hauptbahnhof sparst. Sie sind oft auch etwas weniger überlaufen, weil alle Welt nur auf die Anzeigetafel starrt und nach dem Wort "Express" sucht. Sei schlauer als die Masse und checke die DB Navigator App.
Die S-Bahn: Für Romantiker mit Zeit
Dann gibt es noch die S-Bahn. Die Linien S9 und S45 fahren vom selben Bahnhof ab, allerdings von den hinteren Gleisen. Die S-Bahn braucht deutlich länger. Bis zum Hauptbahnhof bist du mit der S9 fast eine Stunde unterwegs. Warum sollte man das also tun? Nun, es gibt zwei Gründe. Erstens: Du musst in den Süden von Berlin, etwa nach Neukölln oder Tempelhof. Dann ist die S45 deine Linie.
Zweitens: Du willst was sehen. Die S9 fährt nämlich über die berühmte Stadtbahn-Trasse. Du tuckerst gemütlich überirdisch durch die Stadt, vorbei am Treptower Park, hast einen sensationellen Blick auf die Oberbaumbrücke, fährst direkt durch den Alexanderplatz und hast Aussicht auf das Regierungsviertel. Es ist im Grunde eine sehr günstige Stadtrundfahrt. Wenn du es nicht eilig hast und dir das permanente "Zurückbleiben bitte" der Türen nichts ausmacht, ist die S9 ein charmanter Einstieg in die Berlin-Vibe. Aber Vorsicht: Im Sommer können die alten S-Bahnen ganz schön warm werden.
Busse: Die Lösung für Rudow
Der Vollständigkeit halber seien die Busse erwähnt. Oben vor dem Terminal 1 fahren die Expressbusse X7 und X71 ab. Sie bringen dich in wenigen Minuten zur U-Bahn-Station Rudow. Das ist die Endstation der Linie U7. Die U7 ist eine der wichtigsten Arterien Berlins und fährt einmal quer durch Neukölln, Kreuzberg bis nach Spandau. Wenn du beispielsweise eine Unterkunft am Hermannplatz oder in der Weserstraße hast, kann der Weg über den Bus und die U7 schneller sein als die Bahn. Es ist aber ein bisschen gehetzter, weil man mit Koffern in den Bus klettern muss.