München

Tretbootfahren auf dem Kleinhesseloher See (und das beste Biergarten-Essen danach)

Der Kleinhesseloher See ist das flüssige Herzstück des Englischen Gartens. Wer hier ein Boot mietet, bekommt eine ordentliche Portion bayerische Gelassenheit und brennende Oberschenkel gratis dazu. Danach wartet das beste Biergarten-Essen der Stadt auf hungrige Kapitäne.

München  |  Aktivitäten & Erlebnisse
Lesezeit: ca. 9 Min.
Kommentare
Teilen
Facebook
Pocket
E-Mail
0
Kommentare
Facebook
Pocket
E-Mail
Zwischenablage

Mitten im nördlichen Teil des Englischen Gartens glitzert ein Gewässer, das eigentlich gar nicht dort sein dürfte. Der Kleinhesseloher See entstand nicht durch eine Laune der Natur, sondern durch den Willen von Kurfürst Karl Theodor und die Vision von Friedrich Ludwig von Sckell. Ursprünglich war das Areal um 1800 eher eine Sumpflandschaft, die man trockenlegen wollte. Heute merkt man davon nichts mehr, wenn man am Ufer steht und den Blick über die drei Inseln schweifen lässt. Wer genau hinschaut, erkennt die sorgfältige Planung hinter der scheinbaren Wildnis. Sckell wollte einen englischen Landschaftsgarten erschaffen, der natürlich wirkt, aber bis ins letzte Detail gestaltet ist. Der See bildet dabei den optischen Ruhepol. Das Wasser ist meist trüb und grünlich, was jedoch weniger an der Sauberkeit liegt als am natürlichen Algenbewuchs und dem schlammigen Boden. Es riecht hier nach feuchter Erde, Schilf und im Hochsommer nach Sonnencreme und gegrilltem Fisch vom nahen Seehaus.

Besonders reizvoll ist die Kurve, die der See macht. Er schmiegt sich regelrecht an die Anhöhen an, auf denen Spaziergänger flanieren. Wer sich ein Boot mietet, bekommt eine völlig neue Perspektive auf den Park. Man sieht die prächtigen Villen am Schwabinger Rand nur noch schemenhaft durch die dichten Baumkronen blitzen. Die Akustik auf dem Wasser ist eigenwillig. Das Rauschen des nahen Isarrings wird durch die dichte Bepflanzung gedämpft, während das Schnattern der Gänse auf dem Wasser fast schon ohrenbetäubend wirken kann. Die Vögel hier sind selbstbewusst, fast schon frech. Sie wissen genau, dass die Leute in den Booten oft Brotkrumen dabei haben, auch wenn das Füttern eigentlich nicht gern gesehen ist. Ein Schwanenpaar patrouilliert oft majestätisch zwischen den Leihbooten und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

Kurz & Kompakt
  • Anfahrt: Am besten mit der U3 oder U6 bis zur Haltestelle Dietlindenstraße oder Giselastraße fahren und dann etwa zehn Minuten durch das Viertel spazieren. Parkplätze sind in Schwabing absolute Mangelware und teuer.
  • Beste Zeit: Unter der Woche am frühen Vormittag ist es am ruhigsten. Wer das volle München-Feeling will, kommt am Sonntagnachmittag, muss dann aber mit Wartezeiten am Bootssteg rechnen.
  • Kostenfaktor: Die Bootsmiete liegt im fairen zweistelligen Bereich pro Stunde. Der Biergarten ist preislich im Münchner Mittelfeld angesiedelt, Qualität hat eben ihren Preis.
  • Must-Eat: Unbedingt den Steckerlfisch probieren. Er wird frisch über offenem Feuer zubereitet und ist das kulinarische Aushängeschild am See.

Die Wahl des Gefährts: Ruderboot oder Tretboot?

Am Bootsverleih direkt neben dem Seehaus beginnt das kleine Abenteuer. Es ist ein Ort, an dem die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein scheint. Die hölzernen Stege knarren unter den Füßen und das Wasser klatscht rhythmisch gegen die Bordwände der vertäuten Kähne. Man hat die Wahl zwischen dem klassischen Ruderboot und dem allseits beliebten Tretboot. Das Ruderboot ist etwas für Ästheten oder jene, die den Partner beeindrucken wollen. Es erfordert allerdings eine gewisse Koordination, wenn man nicht ständig im Kreis fahren oder in das Schilf am Ufer krachen möchte. Die Riemen sind oft schwer und die Dollen quietschen bei jedem Schlag ein bisschen. Das gehört zum Charme dazu. Es ist eine langsame, fast meditative Art der Fortbewegung, sofern man den Rhythmus findet. Wer es gemütlicher angehen will, greift zum Tretboot. Hier sitzt man nebeneinander wie in einem kleinen Auto, nur ohne Lenkradstress und Abgase. Die Lenkung erfolgt über einen kleinen Hebel in der Mitte, der meistens ein bisschen Spiel hat.

Tretbootfahren am Kleinhesseloher See hat etwas wunderbar Banales. Man strampelt vor sich hin, die Beine bewegen sich mechanisch, und man hat die Hände frei für ein Eis oder die Kamera. An heißen Tagen brennt die Sonne unbarmherzig auf das Plastikgehäuse, weshalb die begehrten Boote mit Sonnendach meistens zuerst weg sind. Es ist ein Riesenspaß, unter den tiefhängenden Weidenzweigen hindurchzufahren, die wie grüne Vorhänge ins Wasser ragen. Dort ist es schattig und kühl, und man hört das Wasser leise glucksen. Eine Umrundung der Inseln dauert je nach Kondition und Lust etwa zwanzig bis dreißig Minuten. Aber eigentlich geht es nicht um Schnelligkeit. Man lässt sich treiben, beobachtet die anderen Freizeitkapitäne und schaut zu, wie die Entenfamilien im Kielwasser surfen. Gelegentlich kommt es zu kleinen Staus an den engen Stellen zwischen den Inseln, was meist mit viel Gelächter und entschuldigenden Gesten quittiert wird. Rempeleien sind selten schmerzhaft, eher ein sanftes Anstupsen der Gummipuffer.

Naturbeobachtungen auf Augenhöhe

Interessant ist die Tierwelt, die man vom Boot aus beobachten kann. Da sind zum einen die Graugänse, die den See als ihr Revier betrachten. Sie sitzen oft auf den kleinen Holzplanken, die aus dem Wasser ragen, und putzen sich ausgiebig das Gefieder. Wenn man ihnen zu nahe kommt, ernten mutige Seefahrer schon mal ein warnendes Fauchen. Dann gibt es noch die Schildkröten. Ja, richtig gelesen. In den vergangenen Jahren haben sich im Kleinhesseloher See etliche ausgesetzte Schmuckschildkröten angesiedelt. An sonnigen Tagen sitzen sie auf baumstämmen, die im Wasser liegen, und lassen sich die Sonne auf den Panzer scheinen. Sie sind extrem scheu; sobald sich ein Boot nähert, gleiten sie lautlos ins trübe Wasser ab. Es wirkt fast surreal, diese Reptilien mitten in München zu entdecken.

Die Vegetation am Ufer ist ebenso abwechslungsreich. Von der Seemitte aus betrachtet, wirkt der Park wie ein dschungelartiger Gürtel. Riesige Platanen und Eichen bilden ein dichtes Blätterdach. Die Farben ändern sich mit der Tageszeit dramatisch. Vormittags ist das Licht klar und die Farben wirken frisch und grün. Gegen Abend, in der sogenannten blauen Stunde, spiegelt sich das warme Licht der untergehenden Sonne im Wasser und taucht alles in ein sanftes Orange. Das ist der Moment, in dem die Romantik auf dem See ihren Höhepunkt erreicht. Viele Paare mieten sich extra für diese Zeit ein Boot. Es ist stiller, die meisten Familien sind schon auf dem Weg nach Hause oder sitzen bereits im Biergarten. Man hört nur noch das ferne Gemurmel der Menschenmengen und das gelegentliche Platschen eines Fisches, der nach einer Mücke schnappt.

Kulinarik nach dem Landgang: Das Seehaus

Sobald man wieder festen Boden unter den Füßen hat, macht sich oft ein dezentes Hungergefühl breit. Das Treten und Rudern verbraucht mehr Energie, als man denkt. Zum Glück liegt das Seehaus direkt am Anleger. Es ist eines der gastronomischen Aushängeschilder Münchens und bietet eine interessante Mischung aus gehobener Restaurantküche und klassischer Biergartenkultur. Das Gebäude selbst ist ein architektonischer Blickfang mit seinen großen Glasfronten und der Holzterrasse, die über das Wasser ragt. Wer es schicker mag, setzt sich ins Restaurant, aber das wahre Erlebnis findet draußen statt. Der Biergarten des Seehauses gilt als einer der schönsten der Stadt, was vor allem an der direkten Lage am Wasser liegt. Man sitzt unter alten Kastanien, deren Blätter im Wind leise rascheln und im Frühjahr weiße oder rote Kerzenblüten tragen.

Das Essen hier hebt sich wohltuend vom Standard vieler anderer Biergärten ab. Klar, es gibt die Klassiker: Obatzda, Brezen, Schweinsbraten. Aber die Qualität ist meist einen Tick höher. Der Obatzda ist cremig, gut mit Paprika abgeschmeckt und wird oft mit frischen Zwiebelringen serviert. Die Brezen sind meistens noch ofenwarm, außen knusprig und innen weich. Ein absolutes Highlight im Seehaus ist jedoch der Steckerlfisch. Der Duft von über Holzkohle gegrillter Makrele zieht durch den ganzen Garten und lockt die Gäste an. Der Fisch wird auf Holzstäbe gespießt und langsam gegart, bis die Haut kross und das Fleisch saftig ist. Dazu passt eine Maß kühles Bier, das hier besonders gut schmeckt, wenn man den Blick über den See schweifen lässt, auf dem man eben noch selbst herumgekurvt ist.

Sinnvoll ist es, sich einen Platz direkt am Ufergeländer zu ergattern. Dort kann man die Beine ausstrecken und das bunte Treiben auf dem Wasser weiter beobachten. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Man sieht die Anstrengung in den Gesichtern derer, die gerade gegen den Wind ankämpfen, und das entspannte Lächeln derer, die sich einfach nur treiben lassen. Die Atmosphäre ist eine Mischung aus bayerischer Tradition und moderner Lebensfreude. Hier sitzen Studenten neben Geschäftsleuten im Anzug und Touristen aus aller Welt neben waschechten Münchnern, die hier seit Jahrzehnten ihren Stammplatz haben. Es wird geredet, gelacht und manchmal sogar gesungen, wenn die Stimmung besonders gelöst ist. Der Geräuschpegel ist hoch, aber nie unangenehm. Es ist das typische Biergarten-Rauschen, das so charakteristisch für den Münchner Sommer ist.

Praktisches für den perfekten Tag

Wer den See besuchen möchte, sollte ein paar Dinge beachten, um nicht enttäuscht zu werden. An sonnigen Wochenenden herrscht am Bootsverleih oft Hochbetrieb. Da kann es schon mal vorkommen, dass man eine halbe Stunde warten muss, bis ein Boot frei wird. Es gibt keine Reservierungen, man stellt sich einfach in die Schlange. Geduld ist hier eine Tugend. Am besten nutzt man die Wartezeit, um sich schon mal ein Eis am Kiosk zu holen. Die Preise für die Boote sind moderat, aber man sollte Bargeld dabeihaben, da Kartenzahlung am Kassenhäuschen des Verleihs nicht immer reibungslos funktioniert oder gar nicht erst angeboten wird. Eine Stunde auf dem Wasser reicht völlig aus, um den See zu erkunden und die Seele baumeln zu lassen.

Wichtig ist auch der Sonnenschutz. Auf dem Wasser wirkt die Strahlung durch die Reflexion viel stärker. Eine Kopfbedeckung ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit, besonders für Kinder. Wer empfindlich ist, sollte die Mittagsstunden meiden und lieber am späten Nachmittag kommen. Dann ist das Licht ohnehin schöner. Und noch ein kleiner Tipp für die Kleidung: Tretbootfahren in einem engen Minirock oder einer extrem steifen Jeans kann ungemütlich werden. Lockere Freizeitkleidung ist die bessere Wahl. Schuhe mit rutschfester Sohle sind ebenfalls ratsam, da die Böden der Boote oft feucht und glitschig sein können.

Nach dem Essen im Biergarten lohnt sich ein kleiner Spaziergang zum nahegelegenen Werneckhof oder tiefer in den Englischen Garten hinein. Nur wenige hundert Meter entfernt wird es deutlich ruhiger. Während am Kleinhesseloher See das pralle Leben tobt, findet man im nördlichen Teil des Parks weite Wiesen und einsame Wege. Es ist dieser Kontrast, der den Englischen Garten so besonders macht. Man kann innerhalb von zehn Minuten von der trubeligen Geselligkeit in die absolute Stille eintauchen. Aber meistens zieht es die Leute doch wieder zurück zum See, um noch einen letzten Blick auf das Wasser zu werfen, bevor die Sonne endgültig hinter den Bäumen verschwindet. Es ist dieses Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit, das einen Tag am Kleinhesseloher See so wertvoll macht. Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein: Ein Boot, ein bisschen Wasser und eine gute Brotzeit danach.

Schreibe einen Kommentar
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu schreiben.
 
Du 

Bisher keine Kommentare
Entdecke mehr:
Nach oben scrollen