München

Maria Einsiedel & Co.: Ein Guide zu den schönsten Freibädern und Naturbädern der Stadt

Wenn der Föhn die Alpen zum Greifen nah rückt, glüht der Asphalt in der Maxvorstadt. Dann hilft nur noch der Sprung ins Becken oder der Ritt auf der Isarwelle. Hier erfährst du, wo das Wasser am klarsten und die Pommes am knusprigsten sind.

München  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Kurz & Kompakt
  • Eintrittspreise & Tickets: Ein Einzelticket kostet für Erwachsene meist um die 6 Euro. Wer sparen will, nutzt die M-Bäderkarte, die Rabatte gewährt und bargeldloses Zahlen ermöglicht. Tickets können oft vorab online gebucht werden, um Wartezeiten an der Kasse zu umgehen.
  • Öffnungszeiten: Die Freibadsaison startet meist im Mai und endet im September. Geöffnet ist in der Regel von 9:00 Uhr bis 20:00 Uhr, an sehr heißen Tagen oder in den Hochsommermonaten manchmal auch länger. Das Schyrenbad öffnet traditionell als eines der ersten Bäder.
  • Ausstattung & Verpflegung: Alle städtischen Bäder verfügen über Umkleiden, Schließfächer (oft 1- oder 2-Euro-Stück nötig) und gastronomische Angebote von Kiosken bis hin zu Restaurants. Maria Einsiedel bietet zudem eine besondere biologische Wasseraufbereitung ohne Chlor.

Natürliche Erfrischung im Süden: Das Bad Maria Einsiedel

Wer in München nach einer Abkühlung sucht, die sich weniger nach Chlor und mehr nach Gebirgsbach anfühlt, landet unweigerlich in Thalkirchen. Das Naturbad Maria Einsiedel ist eine Institution, die ihren Charme aus der direkten Verbindung zum Isarkanal zieht. Es riecht hier nach frisch gemähtem Gras und dem herben Duft von Flusswasser. Das Besondere ist die biologische Reinigung des Wassers. Auf Chemie wird komplett verzichtet, was die Haut nach dem Schwimmen nicht spannen lässt. Ein großer Reinigungsteich mit Mikroorganismen übernimmt die Arbeit, die sonst Giftstoffe erledigen würden. Das Wasser wirkt dadurch manchmal etwas trüber als im Sportbecken, aber das gehört zum Konzept.

Ein echtes Highlight ist der Kanal, der mitten durch das Gelände fließt. Die Strömung ist ordentlich, man lässt sich einfach ein Stück treiben und paddelt dann gegen den Widerstand zurück. Wer hier schwimmt, teilt sich den Platz oft mit Enten, die völlig unbeeindruckt von den Badegästen ihre Bahnen ziehen. Die alten Bäume spenden Schatten, der an heißen Julitagen Gold wert ist. Man findet immer ein Plätzchen, selbst wenn halb München gefühlt gleichzeitig die Decke ausrollt. Für Kinder gibt es einen eigenen Bereich, der flach ausläuft. Es ist diese Mischung aus Parkcharakter und Freibad, die Maria Einsiedel so entspannt macht. Man merkt kaum, dass die Großstadt direkt hinter dem Zaun weiterrauscht.

Ein bisschen Kondition sollte man mitbringen, wenn man den Kanal voll ausnutzen will. Die Wassertemperatur ist oft ein paar Grad niedriger als in den beheizten Becken der Stadt. Das sorgt für einen ordentlichen Frischekick, der das Blut in Wallung bringt. Nach dem Bad lohnt sich der Gang zum Kiosk. Die Schlange ist meistens lang, aber das Warten auf die obligatorische Tüte Pommes gehört zum bayerischen Freibad-Ritus einfach dazu. Man sitzt dann auf der Wiese, die Füße im Gras, und beobachtet das bunte Treiben zwischen den Liegeflächen. Es ist ein friedliches Miteinander, bei dem der Grantler neben dem Hipster aus dem Glockenbachviertel liegt.

Der Klassiker im Westen: Das Schyrenbad

Münchens ältestes Freibad hat eine ganz eigene Aura. Das Schyrenbad in Untergiesing atmet Geschichte, ohne dabei altbacken zu wirken. Gegründet wurde es bereits im 19. Jahrhundert, damals noch als reine Männerbadeanstalt. Heute ist davon natürlich nichts mehr zu spüren, außer vielleicht an der soliden Architektur einiger Nebengebäude. Die Lage direkt an der Isarhangkante sorgt für eine interessante Topographie auf dem Gelände. Man liegt hier oft leicht schräg, was der Gemütlichkeit aber keinen Abbruch tut. Das Publikum ist so durchmischt wie der Stadtbezirk selbst. Hier treffen alteingesessene Giesinger auf junge Familien und Sportler, die vor der Arbeit noch schnell ihre Kilometer abreißen.

Das 50-Meter-Becken ist das Herzstück der Anlage. Wer ernsthaft trainieren will, findet hier meistens eine Bahn, sofern man nicht gerade zur Stoßzeit am späten Nachmittag aufschlägt. Das Wasser funkelt tiefblau in der Sonne und die massiven Startblöcke wirken wie Relikte aus einer Zeit, in der Schwimmen noch eine rein disziplinierte Angelegenheit war. Heute geht es lockerer zu. Besonders beliebt ist das Schyrenbad bei denjenigen, die nach dem Büro noch schnell in die Fluten springen wollen. Es liegt zentral genug, um mit dem Radl fix erreichbar zu sein, bietet aber genug Weite, um den Lärm der Stadt zu vergessen. Man hört das ferne Rauschen des Verkehrs auf der Sachsenstraße nur als leises Hintergrundrauschen.

In den Abendstunden entfaltet das Bad eine besondere Magie. Wenn die Sonne tiefer sinkt und die Schatten der Kastanien länger werden, glänzt die Wasseroberfläche wie flüssiges Gold. Es gibt dann diesen einen Moment, in dem die meisten Gäste schon zusammenpacken und Ruhe einkehrt. Dann gehört das Becken fast einem allein. Ein kleiner Geheimtipp ist der Imbissbereich, der eine recht ordentliche Auswahl bietet. Es muss nicht immer Currywurst sein, obwohl die hier wirklich passabel schmeckt. Dass das Schyrenbad oft als Erstes in die Saison startet, macht es bei den hartgesottenen Münchnern besonders beliebt. Wenn im April die ersten Sonnenstrahlen kitzeln, sind die Becken hier oft schon gefüllt.

Sport und Spiel im Dantebad

Wer im Winter schwimmen will, kennt das Dantebad sowieso. Aber auch im Sommer ist das Stadionbad in Gern eine Wucht. Die Dimensionen sind hier andere als in den kleineren Stadtteilbädern. Alles wirkt großzügiger, fast schon monumental. Das liegt vor allem an der Tribüne, die an vergangene sportliche Großereignisse erinnert. Im Sommer verwandelt sich das Areal in ein Paradies für Wasserratten, die Action brauchen. Das Erlebnisbecken mit Strömungskanal lockt vor allem das jüngere Publikum an. Es ist laut, es spritzt, und die Luft ist erfüllt von Kinderlachen und dem Geruch von Sonnencreme. Wer Stille sucht, ist hier an einem heißen Samstagnachmittag vielleicht an der falschen Adresse.

Spannend bleibt die Aufteilung des Geländes. Während es vorne im Erlebnisbereich hoch hergeht, findet man im hinteren Teil des Dante-Stadions riesige Liegewiesen, auf denen man sich fast verlieren kann. Hier wachsen alte Weiden, unter denen es sich herrlich dösen lässt. Die Hitze staut sich weniger als in den enger bebauten Stadtvierteln, weil immer ein leichter Wind über die weite Fläche streicht. Für die echten Schwimmer ist das 50-Meter-Stadionbecken reserviert. Dort herrscht ein anderer Rhythmus. Kraftvolle Züge, das rhythmische Ausatmen unter Wasser und das regelmäßige Klatschen der Hände auf der Wasseroberfläche bestimmen die Akustik. Man nimmt hier das Training ernst.

Ein kleiner Luxus im Dantebad ist der Wellnessbereich mit Sauna, den man gegen Aufpreis nutzen kann. Gerade wenn ein Gewitter aufzieht und die Luft abkühlt, ist das ein feiner Rückzugsort. Das Bad hat zudem eine treue Fangemeinde von Senioren, die seit Jahrzehnten jeden Tag kommen. Sie kennen jeden Bademeister beim Namen und haben ihren festen Platz auf der Wiese. Diese Beständigkeit gibt dem Dante eine angenehme Erdung. Man fühlt sich sofort willkommen, auch wenn man kein Profisportler ist. Am Kiosk gibt es oft lange Schlangen, aber die Organisation ist meistens recht flott. Ein Eis auf der Faust und dann zurück ins Wasser, so lässt sich ein Sommertag in München aushalten.

Dantebad und Westbad: Kontraste im Münchner Westen

Ein Stück weiter westlich, in Pasing, liegt das Westbad. Es ist so etwas wie der Allrounder unter den Münchner Bädern. Hier gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Besonders die Rutschenanlage zieht die Massen an. Die Kinder stürmen die Stufen hoch und sausen mit Begeisterung in das Auffangbecken, während die Eltern versuchen, auf den ausgedehnten Wiesen ein Auge auf den Nachwuchs zu behalten. Das Westbad wirkt modern und funktional. Es ist kein Ort der großen Nostalgie, sondern ein Ort des Gebrauchs. Alles ist darauf ausgelegt, dass viele Menschen gleichzeitig Spaß haben können, ohne sich ständig auf die Füße zu treten.

Ein besonderes Merkmal ist das Solebecken. Hier kann man im salzhaltigen Wasser treiben und die Muskeln entspannen. Das tut nach einem langen Arbeitstag besonders gut und gibt einem das Gefühl, für einen kurzen Moment am Meer zu sein, auch wenn der Pasinger Marienplatz nur ein paar Steinwürfe entfernt ist. Das Außenbecken ist ganzjährig beheizt, was den Übergang vom Frühling zum Sommer hier besonders angenehm macht. Wenn es draußen noch frisch ist, dampft das Wasser verführerisch und man schlüpft nur ungern wieder heraus in die kühle Luft. Die Architektur des Westbads ist eher zweckmäßig, was aber den Vorteil hat, dass die Wege kurz und die Umkleiden zahlreich sind.

Wer es lieber natürlicher mag, weicht vielleicht auf die nahegelegene Würm aus oder sucht sich einen Platz in den versteckten Winkeln des Pasinger Stadtparks. Aber für den klassischen Freibadtag mit allem Komfort ist das Westbad unschlagbar. Es gibt hier auch ein Hallenbad, das direkt angeschlossen ist, falls das Wetter doch mal umschlägt. Das passiert in München ja oft schneller, als man die Sonnencreme wieder eingepackt hat. Die Gastronomie im Westbad ist solide. Man bekommt die Klassiker, die man in einem Freibad erwartet, und die Preise halten sich für Münchner Verhältnisse im Rahmen. Es ist ein unkomplizierter Ort für einen unkomplizierten Tag.

Das Prinzregentenbad: Schickeria und Schwimmvergnügen

In Bogenhausen geht es traditionsgemäß etwas gediegener zu, und das Prinzregentenbad macht da keine Ausnahme. Das "Prinz", wie es die Einheimischen liebevoll nennen, ist ein Ort zum Sehen und Gesehenwerden. Das soll nicht heißen, dass man hier nicht ordentlich schwimmen könnte, im Gegenteil. Das Hauptbecken ist hervorragend gepflegt und bietet genug Platz. Aber die Atmosphäre ist eine Spur eleganter als im Schyrenbad oder im Dante. Die Leute achten hier mehr auf ihre Badebekleidung, und das Handtuch wird oft akkurater ausgerichtet. Das historische Hauptgebäude mit seiner markanten Architektur verleiht dem Bad eine fast herrschaftliche Note.

Besonders reizvoll ist die Kombination aus Sportbecken und dem gemütlichen Bereich unter den Bäuden. Die Liegewiesen sind picobello gepflegt. Man tritt hier selten in ein Distelblatt oder findet Müll vom Vorgänger. Das Publikum ist eher bürgerlich, viele Anwohner aus Bogenhausen und Haidhausen kommen regelmäßig vorbei. Es herrscht eine ruhige Betriebsamkeit. Im Winter verwandelt sich ein Teil des Geländes übrigens in eine Eisfläche, was das Prinzregentenbad zu einem Ganzjahresziel macht. Aber im Sommer ist es der Treffpunkt für alle, die das städtische Leben in einer etwas exklusiveren Umgebung genießen wollen.

Ein Highlight ist das Restaurant direkt am Bad. Hier bekommt man nicht nur die typischen Freibad-Snacks, sondern oft auch etwas anspruchsvollere Gerichte. Man kann auf der Terrasse sitzen, einen Spritz trinken und den Schwimmern zusehen. Das hat schon fast etwas von einem Urlaubstag an der Côte d’Azur, nur dass eben der Isarkanal in der Nähe ist und nicht das Mittelmeer. Die Erreichbarkeit mit der U-Bahn ist perfekt, man stolpert quasi von der Station Prinzregentenplatz direkt ins Badevergnügen. Wer nach dem Schwimmen noch Lust auf Kultur hat, kann direkt nebenan in das Prinzregententheater gehen oder durch die prachtvollen Straßen Bogenhausens flanieren. Es ist diese Einbettung in das Viertel, die das Bad so attraktiv macht.

Ungeregelte Freiheit: Die Isar und ihre Badestellen

Man kann über Münchner Bäder nicht schreiben, ohne die Isar zu erwähnen. Sie ist die Lebensader der Stadt und im Sommer das größte Freibad der Welt, zumindest fühlt es sich für die Münchner so an. Besonders der Bereich rund um den Flaucher ist legendär. Hier ist das Grillen offiziell erlaubt, was dazu führt, dass ab Mittags eine riesige Dunstglocke aus Holzkohlerauch über den Kiesbänken hängt. Es riecht nach mariniertem Fleisch, nach Bier und nach brennendem Holz. Das Wasser der Isar ist klar, kalt und hat eine kräftige Strömung. Man muss schon ein wenig aufpassen, wo man reingeht, besonders wenn man Kinder dabei hat.

Die Isarauen bieten unzählige kleine Buchten, in denen man seine Ruhe finden kann, wenn man bereit ist, ein paar Meter weiter zu laufen. Während es am Flaucher zugeht wie auf dem Oktoberfest, wird es flussaufwärts Richtung Pullach immer einsamer. Hier dominieren das Rauschen des Wassers und das Zwitschern der Vögel. Das Kiesbett ist mal breit und einladend, mal schmal und von Weidengebüsch überwuchert. Es ist eine wilde, ungezähmte Art des Badens, die einen harten Kontrast zu den gekachelten Becken der städtischen Bäder bildet. Man braucht hier keine Eintrittskarte, aber ein gewisses Maß an Rücksichtnahme gegenüber der Natur.

Ein besonderes Erlebnis ist es, sich mit einem Schlauchboot von Wolfratshausen bis nach München treiben zu lassen. Man verbringt Stunden auf dem Wasser, lässt die Landschaft an sich vorbeiziehen und springt ab und zu zur Abkühlung in den Fluss. In der Stadt angekommen, landet man oft direkt im Trubel und fühlt sich nach der Ruhe auf dem Fluss fast ein wenig erschlagen. Die Isar ist eben mehr als nur ein Fluss, sie ist ein Lebensgefühl. Dass das Wasser heute wieder so sauber ist, dass man darin bedenkenlos baden kann, ist ein Erfolg jahrzehntelanger Bemühungen. Man sollte das nicht als selbstverständlich hinnehmen und seinen Müll am Ende des Tages wieder mitnehmen. Die Stadt ist da streng, und das zu Recht.

Praktische Tipps für den Badetag

Wer in München ins Freibad will, sollte ein paar Dinge beachten, um den Tag entspannt zu überstehen. Die Preise sind moderat, aber wer öfter geht, sollte über eine Streifenkarte oder die Bäderkarte nachdenken. Damit spart man nicht nur Geld, sondern oft auch Zeit an der Kasse. An extrem heißen Tagen können die Schlangen vor den Eingängen beachtlich sein. Da hilft nur, entweder ganz früh am Morgen zu kommen oder den späten Nachmittag zu nutzen. Viele Bäder haben bis 20 Uhr oder sogar länger geöffnet, und gerade nach 18 Uhr herrscht oft eine herrlich entspannte Stimmung.

Fahrradständer sind vor den meisten Bädern reichlich vorhanden, aber sie sind auch schnell belegt. Wer mit dem Auto kommt, hat oft schlechte Karten, da Parkplätze in den Wohngebieten rund um die Bäder Mangelware sind. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind die bessere Wahl. Fast jedes Bad ist gut an das Netz der MVG angebunden. Ein weiterer Punkt ist die Verpflegung. Zwar haben alle Bäder Kioske oder Restaurants, aber es schadet nicht, eine große Flasche Wasser und ein paar Snacks selbst dabei zu haben. Vor allem Wasser wird an heißen Tagen oft teuer bezahlt, wenn man es ständig neu kaufen muss.

Ein kleiner Hinweis für die Sonnenanbeter: Viele Münchner Freibäder haben große Rasenflächen, aber nicht überall gibt es dichten Baumbestand. Ein eigener Sonnenschirm kann Gold wert sein, wenn man keine Lust auf Sonnenbrand hat. Und noch ein Wort zur Etikette: In den Münchner Bädern geht es meistens gesittet zu, aber man sollte die Regeln der Bademeister respektieren. Die Herren in den oft neonfarbenen Shirts haben ein scharfes Auge darauf, dass niemand vom Beckenrand springt, wo es nicht erlaubt ist. Wer sich daran hält, wird einen wunderbaren Tag im kühlen Nass erleben, egal ob im historischen Schyrenbad oder im wilden Wasser der Isar.

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