Leipzig

Gondwanaland: Tropen-Feeling und Bootsfahrt unter dem Riesendach

In Gondwanaland regiert die Luftfeuchtigkeit, während Faultiere über den Köpfen die Zeit totschlagen. Ein Bootstrip macht die Illusion der fernen Wildnis perfekt.

Leipzig  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Sobald sich die schweren Schleusentüren öffnen, knallt einem die feuchte Hitze direkt ins Gesicht. Das ist kein sanfter Sommerregen, sondern die geballte Ladung Tropen, eingesperrt unter einer gewaltigen Dachkonstruktion, die fast zwei Fußballfelder überspannt. In Gondwanaland herrscht eine Luftfeuchtigkeit, die Brillenträger erst mal für fünf Minuten komplett aus dem Spiel nimmt. Die Luft riecht nach nasser Erde, verrottendem Laub und einer süßlichen Note, die man erst nach einer Weile als blühende Orchideen identifiziert. Es ist laut hier drin, aber nicht auf die städtische Art. Überall plätschert Wasser, irgendwo krächzt ein Vogel, und das Grundrauschen der Belüftungsanlage mischt sich mit dem Gemurmel der Besucher, die in kurzen Hosen und T-Shirts an einem vorbeiziehen.

Interessant ist vor allem die Architektur, die man von außen kaum in ihrer Gänze erfassen kann. Das Dach besteht aus dreischichtigen ETFE-Folienkissen, die UV-Licht durchlassen, damit die Pflanzen nicht verkümmern. Das sorgt für ein Licht, das selbst an grauen Leipziger Wintertagen eine eigenartige Wärme ausstrahlt. Man fühlt sich hier drin wie in einer riesigen Seifenblase, die mitten in den Zoo gesetzt wurde. Der Weg führt erst einmal bergab in den Vulkanstollen. Dort unten ist es dämmrig, fast schon unheimlich, und man lernt erst mal die Basics über den Superkontinent Gondwana, bevor man oben im Dschungel ausgespuckt wird. Wer hier durchläuft, merkt schnell: Das ist kein klassisches Gewächshaus, sondern ein eigenes Ökosystem mit Allüren.

Kurz & Kompakt
  • Klima-Check: Drinnen herrschen konstante 24 bis 26 Grad bei rund 65 bis 100 Prozent Luftfeuchtigkeit – Jacken unbedingt draußen lassen.
  • Gamanil-Bootstour: Die Fahrt dauert etwa 12 Minuten und kostet einen kleinen Aufpreis, bietet aber exklusive Einblicke in die Kontinentalverschiebung und die Tiergehege.
  • Wipfelpfad: Die Hängebrücken führen in bis zu 12 Metern Höhe durch das Blätterdach und sind der beste Ort für Vogelbeobachtungen.
  • Timing-Tipp: Besuche die Halle am besten direkt nach der Eröffnung oder zwei Stunden vor Schließung, um den großen Besucherströmen zu entgehen.

Flussfahrt auf der Gamanil

Man kann natürlich zu Fuß durch den Urwald stiefeln, aber die Bootsfahrt auf dem Gamanil-Fluss ist eigentlich Pflichtprogramm. Man hockt in diesen flachen Kähnen, die lautlos über das bräunliche Wasser gleiten, während eine Computerstimme die Entstehung der Erde erklärt. Ein bisschen Pathos gehört wohl dazu. Zuerst schippert man durch einen Zeit-Tunnel, in dem Animationen zeigen, wie sich die Kontinente verschoben haben. Das ist pädagogisch wertvoll, aber der eigentliche Spaß beginnt, wenn das Boot ins Freie, also ins Halleninnere, tritt. Man treibt direkt an den Ufern vorbei, wo Riesenotter oder Tapire im Gebüsch hocken könnten. Manchmal sieht man sie, manchmal haben sie schlichtweg keinen Bock auf Publikum und verstecken sich im Dickicht.

Die Perspektive vom Wasser aus verändert alles. Die Bäume wirken noch gewaltiger, und man bekommt ein Gefühl für die Dimensionen dieser Halle. Es ist diese typische Zoo-Magie, bei der man für einen Moment vergisst, dass man sich eigentlich nur ein paar hundert Meter vom Leipziger Hauptbahnhof entfernt befindet. Die Bootsfahrt kostet zwar einen kleinen Aufpreis, aber für die Bequemlichkeit und den Blickwinkel lohnt sich die Investition allemal. Wer Glück hat, sieht einen der Pfleger, der gerade Futter versteckt, was meistens mehr Action verspricht als die Tiere selbst, die gerne mal ein ausgiebiges Nickerchen in der Mittagshitze halten.

Wipfelstürmer und Faultier-Logik

Nachdem man wieder festen Boden unter den Füßen hat, sollte man unbedingt den Hängebrückenpfad ansteuern. Das ist nichts für Leute mit extremen Höhenängsten, denn die Dinger schwanken ordentlich, wenn eine Schulklasse gleichzeitig drüberrennt. Aber von da oben, in den Baumwipfeln, sieht man die Welt von Gondwanaland ganz anders. Man ist auf Augenhöhe mit den Vögeln, die frei durch die Halle fliegen. Da flattert mal ein Roter Sichler vorbei oder ein frecher Sperling, der sich in die Tropen eingemietet hat, weil es dort im Winter einfach gemütlicher ist als draußen im Rosental.

Ein echtes Highlight ist die Suche nach den Faultieren. Die hängen meistens so unauffällig in den Ästen, dass man dreimal hinschauen muss, um nicht bloß ein felliges Knäuel zu sehen. Die bewegen sich so langsam, dass man fast schon Aggressionen bekommt, wenn man selbst im Alltagsstress gefangen ist. Aber genau das macht den Charme aus. Man entschleunigt hier zwangsläufig, weil die Hitze einen ohnehin ausbremst. Es ist klug, sich Zeit zu lassen und nicht einfach nur durchzuhetzen. In den versteckten Ecken sitzen oft kleinere Echsen oder bunte Frösche in Glaskästen, die so gut getarnt sind, dass man sie ohne die Hilfe von anderen Besuchern, die aufgeregt mit dem Finger drauf zeigen, nie finden würde. Das ist wie Wimmelbild-Suchen in echt.

Asien, Afrika und Südamerika auf engstem Raum

Gondwanaland ist in drei Bereiche unterteilt, die fließend ineinander übergehen. Man latscht durch Asien, stolpert gefühlt nach Afrika und landet schließlich in Südamerika. Die Gärtner haben hier ganze Arbeit geleistet. Es wachsen nicht nur Alibi-Pflanzen, sondern echte Giganten wie Bambus, Mahagonibäume oder verschiedene Palmenarten. Es riecht stellenweise extrem intensiv nach feuchter Erde und Chlor, was eine seltsame Mischung ist, aber zum Gesamterlebnis passt. In der Afrika-Sektion sind die Zwergflusspferde die Stars. Wenn die kleinen Speckrollen im Wasser dümpeln, bleiben alle stehen. Es hat etwas fast schon Meditatives, ihnen dabei zuzusehen, wie sie einfach nur existieren.

Spannend ist auch die Gastronomie mitten im Dschungel. Im Restaurant "Patakan" sitzt man auf einer Holzterrasse und schaut direkt in das Grün. Das Essen ist asiatisch angehaucht, was thematisch passt, aber natürlich auch seinen Preis hat. Es ist ein bizarrer Moment, wenn man dort sitzt, ein Curry isst und draußen vor der Glasscheibe vielleicht gerade ein grauer Leipziger Regentag stattfindet. Diese künstliche Welt ist so perfekt inszeniert, dass man fast schon ein schlechtes Gewissen bekommt, weil man die echte Natur draußen oft gar nicht so intensiv wahrnimmt. Aber genau das will Gondwanaland ja erreichen: Begeisterung wecken für das, was auf dem Rest des Planeten so kreucht und fleucht und leider immer weniger Platz zum Überleben hat.

Praktisches für den Dschungel-Trip

Wer Gondwanaland besucht, sollte unbedingt die Garderobe am Zooeingang nutzen. Mit dicker Winterjacke durch die Tropenhalle zu laufen, ist eine garantierte Methode für einen Hitzschlag im Taschenformat. Ein leichter Zwiebellook ist hier die Rettung. Man sollte auch im Kopf behalten, dass es am Wochenende oder in den Ferien extrem voll werden kann. Dann schieben sich die Menschenmassen über die schmalen Pfade, und die Ruhe ist dahin. Wer es entspannter mag, kommt unter der Woche gleich morgens oder am späten Nachmittag, wenn das Licht schummriger wird und die Tiere oft etwas aktiver sind. Die Akustik in der Halle ist dann auch viel beeindruckender, weil das Echo der Stimmen nachlässt und die Naturgeräusche dominieren.

Fotografen haben hier übrigens mit einem Endgegner zu kämpfen: beschlagene Linsen. Es dauert ewig, bis die Kamera die Temperatur angenommen hat. Ein weiches Tuch und viel Geduld sind da unerlässlich. Aber wenn die Linse erst mal frei ist, kriegt man Motive vor die Flinte, für die man sonst ein Ticket nach Manaus bräuchte. Besonders die Kommodo-Warane sind fotogen, wenn sie wie steinerne Statuen in der Sonne liegen. Manchmal züngeln sie kurz, was der einzige Beweis dafür ist, dass sie keine Plastikmodelle sind. Es ist diese Mischung aus künstlicher Perfektion und echtem Leben, die Gondwanaland zu etwas Besonderem macht. Man verlässt die Halle am Ende meistens leicht verschwitzt, ein bisschen k.o., aber mit dem Gefühl, mal kurz ganz weit weg gewesen zu sein.

Hinter den Kulissen der Megahalle

Man fragt sich oft, wie so ein Monsterprojekt überhaupt am Laufen gehalten wird. Die Technik unter den Wegen muss gigantisch sein. Riesige Pumpen, Heizsysteme und die Beregnungsanlage sorgen dafür, dass kein Baum die Blätter hängen lässt. Es ist ein logistischer Kraftakt, der rund um die Uhr läuft. Sogar die Bestäubung der Pflanzen wird teilweise manuell oder durch gezielt eingesetzte Insekten erledigt. Wenn man genau hinsieht, erkennt man überall kleine Details, die zeigen, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt. Es ist kein billiger Abklatsch eines Urwaldes, sondern ein ernsthafter Versuch, Artenvielfalt zu zeigen und zu bewahren. Das kostet natürlich ordentlich Eintritt, aber wenn man sieht, wie die Tiere dort leben und wie gepflegt die ganze Anlage ist, relativiert sich das Ganze recht schnell.

Ein kleiner Geheimtipp ist der Besuch bei den Riesenottern. Die sind oft extrem verspielt und flitzen wie geölte Blitze durch ihr Becken. Man kann sie sowohl von oben als auch durch eine Glasscheibe unter Wasser beobachten. Wenn sie mit ihren Pfoten hantieren oder sich gegenseitig jagen, ist das Entertainment pur. Da kann kein Kinofilm mithalten. Gondwanaland ist eben ein Ort, der alle Sinne anspricht – man hört es, man riecht es und man spürt es auf der Haut. Am Ende ist es egal, ob man wegen der Bildung oder einfach nur für ein paar schöne Fotos kommt. Das Erlebnis bleibt hängen, spätestens wenn man draußen in der sächsischen Kühle steht und tief durchatmet.

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