Düsseldorf

Unterbacher See: Segeln, Schwimmen und Strandbad-Vibes im Südosten

Kristallklares Wasser trifft auf dichten Wald. Hier tauschen Städter den Asphalt gegen feinen Sandstrand und Segelwind. Ein Tag am Unterbacher See fühlt sich an wie Urlaub, nur ohne die lange Anreise.

Düsseldorf  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Man sieht es dem Unterbacher See heute kaum noch an, aber wo jetzt Segelboote lautlos durch das Wasser gleiten, fraßen sich früher schwere Bagger in die Erde. Der See ist ein klassischer Baggersee, entstanden durch den Abbau von Kies und Sand für den rasanten Ausbau der Stadt und der Autobahnen in der Nachkriegszeit. In den 1970er Jahren erkannte man das Potenzial dieser riesigen Wasserfläche und verwandelte das Areal in ein Naherholungsgebiet, das heute fast 100 Hektar umfasst. Wer am Nordufer steht und den Blick über die glitzernde Oberfläche schweifen lässt, bemerkt schnell, dass die Natur sich das Terrain längst zurückgeholt hat. Es riecht nach feuchtem Holz und Kiefernadeln, besonders intensiv nach einem kurzen Sommerregen.

Die Wasserqualität ist hier überdurchschnittlich gut, was nicht zuletzt an der strengen Überwachung und der natürlichen Filterung liegt. Es ist kein stehendes Gewässer im negativen Sinne, sondern ein lebendiges Ökosystem. Rund um den See führt ein etwa sechs Kilometer langer Rundweg, der bei Joggern und Spaziergängern gleichermaßen beliebt ist. Manchmal muss man aufpassen, nicht von einem ambitionierten Rennradfahrer über den Haufen gefahren zu werden, aber meistens herrscht eine entspannte Koexistenz. Der Boden unter den Füßen wechselt ständig zwischen asphaltierten Abschnitten und federndem Waldboden, was das Laufen angenehm abwechslungsreich macht.

Kurz & Kompakt
  • Anreise & Parken: Die Parkplätze am Nord- und Südufer sind gebührenpflichtig und an heißen Tagen schnell voll; die Buslinien 735 und 737 sind stressfreie Alternativen ab Düsseldorf-Zentrum.
  • Aktivitäten: Neben Schwimmen in zwei Strandbädern (Süd mit Sandstrand, Nord teils FKK) gibt es Bootsverleih (Segeln, Tretboot, Elektro) und einen Minigolfplatz am Nordufer.
  • Rundweg: Die 6 Kilometer lange Strecke ist flach und gut ausgebaut, eignet sich perfekt für eine entspannte Stunde Jogging oder zwei Stunden gemütliches Gehen.
  • Gastronomie: Von der einfachen Pommes-Bude im Strandbad bis hin zu den Seeterrassen mit Restaurant-Niveau ist für jedes Budget und jeden Hunger etwas dabei.

Segel setzen und die Flaute aussitzen

Für viele Düsseldorfer ist der Unterbacher See das Segelrevier schlechthin, wenn man nicht gerade Zeit für eine Fahrt zum Ijsselmeer hat. Die Segelschule am Nordufer ist eine Institution. Hier riecht es nach Tauwerk und Bootslack. Es ist faszinierend zu beobachten, wie Anfänger versuchen, ihre Jollen gegen den oft launischen Wind zu manövrieren. Die Winde hier sind tückisch, weil sie durch die umliegenden Waldgebiete oft unerwartet drehen. Da passiert es schon mal, dass ein erfahrener Segler plötzlich mit killenden Segeln im Schilf landet. Das gehört dazu und wird am Steg meist mit einem trockenen Spruch kommentiert.

Wer kein eigenes Boot besitzt, kann sich beim Bootsverleih umschauen. Neben klassischen Segelbooten gibt es dort Tretboote und Elektroboote. Besonders die Tretboote in Schwanenoptik sind ein Running Gag, aber sie erfüllen ihren Zweck für ein entspanntes Picknick auf dem Wasser. Interessant ist, dass auf dem See keine Verbrennungsmotoren erlaubt sind. Das sorgt für eine angenehme Ruhe, nur unterbrochen vom Platschen der Wellen gegen die Bordwand oder dem fernen Geschrei der Wasservögel. Manchmal gleitet ein Stand-up-Paddler vorbei, der versucht, auf dem wackeligen Brett die Balance zu halten, während ein Hund am Ufer lautstark gegen die vermeintliche Gefahr kläfft.

Strandbad-Vibes: Sand zwischen den Zehen am Südufer

Das Strandbad Süd ist der Ort, an dem man sich im Hochsommer wie an der Adria fühlen kann, nur eben ohne das Salz auf der Haut. Der Sand ist hell und fein, was für einen künstlich angelegten See keine Selbstverständlichkeit ist. Wenn die Sonne knallt, füllt sich die Liegewiese schnell mit bunten Handtüchern und Kühltaschen. Es ist ein herrlich demokratischer Ort: Hier liegt der Banker neben dem Studenten, und alle haben das gleiche Ziel, nämlich die Hitze der Stadt zu vergessen. Die Geräuschkulisse ist eine Mischung aus Kinderlachen, dem dumpfen Ploppen von Beach-Volleybällen und dem gelegentlichen Zischen einer Bierdose.

Ein besonderes Highlight ist der FKK-Strand am Nordufer. Er gilt als einer der schönsten und traditionsreichsten in der Region. Hier geht es entspannt und unaufgeregt zu. Die Leute sind dort oft seit Jahrzehnten Stammgäste und kennen jeden Grashalm beim Namen. Wer es lieber textil mag, bleibt im Süden oder Norden in den klassischen Freibadbereichen. Die Gastronomie in den Strandbädern bietet das klassische Repertoire: Pommes Schranke, Eis am Stiel und kühle Getränke. Es schmeckt alles nach Kindheitserinnerungen und Chlorwasser, auch wenn man hier im Natursee schwimmt. Die Wasserwacht behält alles genau im Auge, was besonders für Familien mit Kindern ein beruhigendes Gefühl vermittelt.

Natur pur im Vogelschutzgebiet

Hinter dem glitzernden Freizeitspaß verbirgt sich eine ökologisch wertvolle Zone. Große Teile des Sees und der angrenzenden Uferbereiche stehen unter Naturschutz. Im Schilfgürtel nisten seltene Vogelarten, und wer geduldig ist, kann Haubentaucher bei der Jagd beobachten. Es ist ratsam, ein Fernglas mitzubringen, wenn man sich für Ornithologie interessiert. Die dichten Schilfzonen dienen als natürliche Filteranlage für den See und sind gleichzeitig Kinderstube für Fische. Angler sitzen oft stundenlang völlig regungslos in ihren kleinen Buchten, hoffend auf einen dicken Hecht oder Karpfen. Es hat etwas Meditatives, ihnen dabei zuzusehen, wie sie eins mit der Umgebung werden.

Spannend ist dabei, dass der See trotz der intensiven menschlichen Nutzung sein biologisches Gleichgewicht hält. Das liegt auch an der konsequenten Müllvermeidung und den klaren Regeln für Besucher. Es gibt Abschnitte, die für Menschen komplett gesperrt sind, damit die Natur sich regenerieren kann. Wer dort durch das Unterholz späht, sieht vielleicht eine Ringelnatter im Wasser verschwinden oder entdeckt seltene Sumpfpflanzen, die im grellen Sonnenlicht leuchten. Dieser Kontrast zwischen dem trubeligen Strandbad und der stillen Wildnis macht den besonderen Reiz des Geländes aus. Es ist ein ständiges Wechselspiel der Eindrücke.

Praktisches und Kurioses am Wegesrand

Die Anreise zum Unterbacher See ist eigentlich unkompliziert, auch wenn die Parkplätze an heißen Wochenenden hoffnungslos überfüllt sind. Es empfiehlt sich, das Fahrrad zu nehmen oder den Bus zu nutzen. Die Linie 735 bringt einen fast bis ans Wasser. Wer mit dem Auto kommt, sollte starke Nerven mitbringen oder sehr früh da sein. Kurioserweise gibt es am See auch zwei Campingplätze. Dort herrscht eine ganz eigene Dynamik. Man grüßt sich über den Zaun, die Grillgeräte laufen im Dauerbetrieb, und die Wohnwagen sind oft liebevoll mit Blumenkästen dekoriert. Es ist eine Welt für sich, ein Mikrokosmos der Entschleunigung mitten im Ballungsraum.

Für den kleinen Hunger zwischendurch gibt es rund um den See verschiedene Kioske und Restaurants. Die Seeterrassen am Nordufer bieten einen tollen Ausblick, besonders wenn die Sonne langsam hinter den Bäumen untergeht und das Wasser in goldenes Licht taucht. Dann wird es merklich kühler, und die Tagesgäste ziehen langsam ab. Das ist die beste Zeit für einen letzten Spaziergang. Die Schatten werden länger, und die Mücken fangen an zu tanzen. Es riecht nach feuchter Erde und dem typischen Duft von abgestandenem Seewasser, der aber hier eher nach Freiheit als nach Fäulnis riecht. Man atmet tief durch und merkt, wie der Stress der Arbeitswoche langsam von einem abfällt.

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