Wer mit dem eigenen Wagen über die A7 oder die A1 Richtung Hamburg rollt, merkt es meist schon kurz hinter den Stadtgrenzen. Der Verkehr zähflüssig, die Schilderbrücken leuchten rot. Hamburg ist eine Stadt, die historisch nicht für die Massen an SUV und Pendlern gebaut wurde, die sich heute durch die engen Gassen von Ottensen oder das noble Eppendorf quetschen. Es riecht nach Abgasen und heißem Asphalt, während die Möwen über den Elbbrücken kreischen. Wer hier versucht, einen Parkplatz am Straßenrand zu ergattern, braucht entweder unverschämtes Glück oder die Geduld eines Hafenlotsten bei Nebel. In Vierteln wie der Sternschanze oder St. Pauli ist der öffentliche Raum so knapp bemessen, dass man fast schon ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man wertvolle Quadratmeter mit Metall und Gummi zustellt.
Besonders knifflig wird es durch das Bewohnerparken. Fast die gesamte Innenstadt und die angrenzenden Trendviertel sind mittlerweile in Zonen unterteilt. Ohne entsprechenden Ausweis hinter der Windschutzscheibe bleibt nur das Ticket am Automaten, das oft schon nach drei Stunden abläuft und den Geldbeutel spürbar erleichtert. Es ist ein teurer Spaß, der den Puls in die Höhe treibt. Dass Hamburg eine Fahrradstadt werden will, spürt man an jeder Ecke. Neue Radspuren fressen Parkplätze, und Poller verhindern das gewohnte Gehwegparken. Es ist eine bewusste Verdrängung des Autos aus dem Kernbereich, was für Besucher anstrengend sein mag, aber die Lebensqualität für die Leute vor Ort massiv erhöht. Wer also nicht unbedingt tonnenweise Gepäck oder eine Gehbehinderung hat, sollte sich den Stress im Zentrum schlichtweg sparen.
Kurz & Kompakt - P+R Stationen: Die günstigste Option für Tagesbesucher. Standorte wie Veddel (S-Bahn) oder Ohlsdorf (U-Bahn) bieten Parkplätze für ca. 2 Euro pro Tag bei Nutzung des ÖPNV.
- Bewohnerparken: In fast allen zentrumsnahen Vierteln (Altona, Eimsbüttel, St. Georg) herrscht Parkscheinpflicht mit strenger Zeitbegrenzung für Gäste. Abends oft nur für Anwohner.
- Parkhaus-Tipp: Für City-Besuche eignen sich Häuser wie "Hühnerposten" (nahe Hbf) oder "Rödingsmarkt" (zentral). Preise liegen meist zwischen 3 und 5 Euro pro Stunde.
- Digitale Helfer: Die App "HVV" für Fahrkarten und die Anzeige des Parkleitsystems auf offiziellen Webseiten der Stadt helfen, teure Fehler und Umwege zu vermeiden.
Strategisches Abstellen: Das Prinzip P+R
Die Rettung für alle, die von außerhalb kommen, heißt Park and Ride. Das System in Hamburg ist eigentlich ziemlich ausgeklügelt, auch wenn manche Anlagen optisch eher an graue Betonklötze aus den Siebzigern erinnern. Der Clou ist die Lage. Fast alle großen Einfallstraßen führen direkt an einer P+R-Station vorbei. Man wirft den Wagen dort ab und springt in die S-Bahn oder U-Bahn. Das Ticket für den Parkplatz ist unschlagbar günstig, oft zahlt man nur zwei Euro für den ganzen Tag, sofern man eine gültige Fahrkarte des HVV besitzt. Das ist weniger als eine halbe Stunde im Parkhaus an der Mönckebergstraße kostet. Es fühlt sich befreiend an, wenn man im Zug an der stehenden Blechlawine auf der Stresemannstraße vorbeizieht.
Ein echter Geheimtipp für Leute aus dem Süden ist die Station Veddel. Sie liegt direkt vor den Elbbrücken. Man spart sich die Fahrt über die Nadelöhre und ist in sechs Minuten am Hauptbahnhof. Wer aus dem Norden kommt, nutzt gerne Ohlsdorf oder Langenhorn Markt. Dort ist die Anbindung an die U1 hervorragend. Die Luft riecht dort oben schon fast nach schleswig-holsteinischer Weite, und man entgeht dem dichten Gewusel rund um die Alster. Es ist ratsam, früh dazusein. Unter der Woche füllen sich die Plätze schnell mit Pendlern, die den täglichen Wahnsinn ebenfalls satthaben. Am Wochenende hingegen findet man fast immer eine Lücke. Die Automaten schlucken Münzen oder Karten, und die Wege zu den Gleisen sind kurz und meist überdacht.
Parkhäuser als kostspieliger Rettungsanker
Manchmal geht es eben nicht anders. Vielleicht ist das Hotel direkt in der City oder man muss schwere Einkäufe verstauen. Dann führt kein Weg an den Parkhäusern vorbei. Aber Vorsicht, die Preise variieren stark. Während die Tiefgarage unter der Europa Passage modern und hell ist, zahlt man dort auch stolze Summen. Günstiger kommt man oft in den Randbereichen der City weg, etwa beim Hühnerposten hinter dem Hauptbahnhof. Dort ist das Licht etwas schummriger und der Boden vielleicht nicht so klinisch rein, aber der Wagen steht sicher. Es ist eine Abwägung zwischen Komfort und Kosten. Ein besonderes Erlebnis ist das Parkhaus am Rödingsmarkt. Die Architektur ist interessant, und man ist sofort im Geschehen zwischen Speicherstadt und Neustadt.
Spannend ist dabei, dass viele Parkhäuser mittlerweile digitale Anzeigen haben, die schon an den Hauptverkehrsstraßen die freien Plätze melden. Das Leitsystem funktioniert in Hamburg tadellos. Wer sich strikt an die Schilder hält, vermeidet unnötiges Kreisen um den Block. Trotzdem sollte man immer die Einfahrtshöhe checken, besonders wenn man mit einem Bulli oder einem Dachgepäckträger unterwegs ist. Die alten Parkgaragen in der Innenstadt sind oft verflixt niedrig und eng gebaut. Da wird das Rangieren zur Millimeterarbeit, und man hört das Echo der Reifen auf dem glatten Beton. Ein kleiner Kratzer an der Felge ist ein teures Andenken an den Hamburg-Trip, das niemand braucht.
Die tückischen Fallen des Bewohnerparkens
In Hamburg gibt es kaum noch eine Straße im erweiterten Zentrum, in der man einfach so stehen darf. Wer das "P"-Schild sieht, sollte genau auf die Zusatzzeichen achten. Oft gilt der Parkschein nur für Gäste, und das auch nur für eine begrenzte Dauer. Abends und nachts sind viele Plätze exklusiv für Anwohner reserviert. Das Ordnungsamt ist in Hamburg flink und effizient. Die Damen und Herren in den blauen Uniformen kennen keine Gnade, besonders in den Vierteln Eimsbüttel und Altona. Dort ist der Parkdruck so hoch, dass jedes falsch abgestellte Auto sofort auffällt. Es ist fast schon ein Volkssport der Anwohner geworden, auf ihre mühsam erkämpften Stellflächen zu pochen.
Besonders fies sind die temporären Halteverbote für die Straßenreinigung oder Wochenmärkte. Ein kurzes Übersehen des Schildes und der Wagen wird abgeschleppt. Das ist in Hamburg ein extrem teures Vergnügen, da die Abschlepphöfe oft weit draußen liegen, zum Beispiel in Ausschläger Billwerder. Dann darf man erst mit dem Taxi oder Bus quer durch die Stadt fahren und eine saftige Gebühr blechen, bevor man sein Auto wiedersieht. Wer also am Straßenrand parkt, sollte lieber dreimal hinschauen, ob nicht irgendwo ein mobiles Halteverbotsschild für einen Umzug oder Baumschnittarbeiten steht. Die Hamburger Verwaltung ist da sehr gründlich.
Alternative Fortbewegung in der Stadt
Sobald das Auto sicher auf einem P+R-Platz oder im Parkhaus steht, beginnt der entspannte Teil. Hamburg lässt sich wunderbar zu Fuß oder mit dem Rad erkunden. Die roten Stadträder stehen an fast jeder Ecke und die ersten 30 Minuten sind sogar kostenlos. Man registriert sich einmal per App und kann dann kreuz und quer durch die Stadt flitzen. Das ist oft schneller als jeder Bus, der im Berufsverkehr stecken bleibt. An den Landungsbrücken weht einem die Elbbrise um die Nase, und man kann die HADAG-Fähren nutzen. Diese Schiffe gehören zum öffentlichen Nahverkehr. Mit einer normalen HVV-Fahrkarte kann man zum Beispiel die Linie 62 nach Finkenwerder nehmen. Das ist quasi eine Hafenrundfahrt zum Schnäppchenpreis.
Die U-Bahnen und S-Bahnen bilden das Rückgrat der Stadt. Die gelbe Linie U3 ist dabei ein Highlight für sich. Sie fährt als Hochbahn über den Viadukten am Hafen entlang und bietet einen fantastischen Blick auf die Elbphilharmonie und die Kräne. Da vergisst man schnell, dass man eigentlich ein Auto besitzt. Auch Moia, die Elektro-Sammeltaxis von Volkswagen, sind eine gute Alternative. Man teilt sich den Wagen mit anderen Passagieren, die in die gleiche Richtung wollen. Per App bestellt, kommen sie fast überall hin und sind deutlich günstiger als ein klassisches Taxi. Es ist eine saubere, leise Art, sich durch die Quartiere zu bewegen, ohne selbst am Steuer kurbeln zu müssen.
Besondere Zonen und Sperrungen
Ein Thema, das viele Autofahrer verunsichert, sind die Durchfahrtsbeschränkungen. In manchen Straßen wie der Max-Brauer-Allee oder der Stresemannstraße gab es lange Zeit Fahrverbote für ältere Dieselmotoren. Auch wenn sich die Regelungen lockern oder ändern, sollte man die aktuellen Umweltschutzzonen im Blick behalten. Viel relevanter für Besucher ist jedoch die Sperrung des Jungfernstiegs für den privaten Durchgangsverkehr. Wer dort aus Gewohnheit reinfährt, wird schnell zur Kasse gebeten. Die gesamte Gegend rund um die Binnenalster wird nach und nach autofreier gestaltet. Das sorgt für eine ruhige Atmosphäre beim Flanieren, erfordert aber Umwege bei der Anfahrt zum Hotel.
Auch Großveranstaltungen bringen den Verkehr regelmäßig zum Erliegen. Ob Hafengeburtstag, Marathon oder der Dom auf dem Heiligengeistfeld, Hamburg ist eine Stadt, die gerne draußen feiert. Dann werden ganze Straßenzüge gesperrt und Parkhäuser sind nicht mehr erreichbar. Es ist also immer klug, vorher in den lokalen Nachrichtenseiten zu prüfen, ob gerade ein Event ansteht. Nichts ist frustrierender, als vor einer Absperrung zu stehen, während das Navigationsgerät verzweifelt "Bitte wenden" ruft. In solchen Momenten ist die S-Bahn-Station direkt unter dem Flughafen oder dem Hauptbahnhof Gold wert.