Stuttgart

E-Scooter und Stella-Sharing: Per App und Akku entspannt durch Stuttgarts Gassen

Stuttgarts Kessellage verzeiht keine schwachen Waden. Wer die Stadt ohne Schweißperlen durchqueren will, greift zum Smartphone. Zwischen E-Scootern und den hellblauen Stella-Rollern findet jeder seinen Rhythmus für den Asphalt.

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Zwischenablage

Wer in Stuttgart unterwegs ist, merkt schnell, dass die Stadt eine vertikale Angelegenheit ist. Der Talkessel umschließt das Zentrum wie eine Arena, und wer von A nach B will, muss oft beträchtliche Höhenmeter überwinden. Früher bedeutete das entweder den Griff zum Autoschlüssel, das Warten auf die Stadtbahn oder eben stramme Waden beim Radfahren. In den letzten Jahren hat sich das Stadtbild jedoch gewandelt. Überall blitzen die kleinen Lichter von E-Scootern auf, und an den Straßenecken stehen die markanten, hellblauen Elektroroller des Stella-Sharings. Es ist eine Art leise Revolution auf zwei Rädern, die das Fortkommen im oft zähen Stuttgarter Verkehr deutlich entspannter macht. Man hört nur noch ein leises Summen, wenn die Pendler an den stehenden Autokolonnen in der Marienstraße vorbeiziehen.

Die Handhabung ist denkbar einfach, setzt aber eine gewisse digitale Affinität voraus. Ohne Smartphone geht hier gar nichts. Das Gerät fungiert als Schlüssel, Landkarte und Portemonnaie zugleich. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich das Nutzungsverhalten verändert hat. Morgens sieht man oft Geschäftsleute im Anzug, die die letzte Meile vom Hauptbahnhof zum Büro auf einem schmalen Trittbrett zurücklegen. Abends sind es eher die Gruppen, die vom Schlossplatz Richtung Feuersee ziehen, um dort den Feierabend zu genießen. Dabei ist der Reiz der elektrischen Flitzer nicht nur die Geschwindigkeit, sondern die Flexibilität. Man ist nicht an Fahrpläne gebunden und die lästige Parkplatzsuche, die in Vierteln wie dem Westen oder dem Süden oft an den Nerven zehrt, entfällt fast komplett.

Natürlich gibt es auch Reibungspunkte. Nicht jeder Stuttgarter ist ein Fan der neuen Gefährte, besonders wenn sie quer auf dem Gehweg liegen oder in Gruppen die Hauseingänge blockieren. Die Stadtverwaltung hat hier bereits nachgebessert und feste Parkzonen in der Innenstadt definiert. Das sorgt für mehr Ordnung, nimmt aber ein kleines Stück der grenzenlosen Freiheit, die das System verspricht. Dennoch überwiegt der Nutzen, gerade wenn man die steilen "Staffeln" umgehen möchte, für die Stuttgart so berühmt und berüchtigt ist. Mit dem E-Scooter lässt sich die Steigung zwar nicht immer komplett bezwingen, aber für die Strecken im Tal ist er unschlagbar.

Kurz & Kompakt
  • Stella-Sharing: Elektroroller der Stadtwerke Stuttgart, ideal für Steigungen, zwei Helme inklusive, Anmeldung per App mit Führerschein-Check.
  • E-Scooter: Wendige Kleinfahrzeuge verschiedener Anbieter für Kurzstrecken im Tal, keine Helmpflicht, striktes Verbot auf Gehwegen.
  • Parken & Zonen: In der City nur auf markierten Flächen parken, GPS-gesteuerte Fahrverbote in Parks und Fußgängerzonen beachten.
  • Kosten-Tipp: Für mehrere Fahrten am Tag bei E-Scootern nach Day-Pass-Angeboten suchen; bei Stella den günstigen Parkmodus für kurze Zwischenstopps nutzen.

Stella-Sharing: Die hellblaue Freiheit auf zwei Rädern

Wenn es etwas kräftiger sein darf, kommen die Stella-Roller ins Spiel. Betrieben von den Stadtwerken Stuttgart, sind diese Elektroroller mittlerweile ein fester Bestandteil der lokalen Mobilitätskultur. Optisch erinnern sie an klassische Schwalbe-Modelle, technisch sind sie jedoch voll auf der Höhe der Zeit. Das Besondere an Stella ist die Reichweite und die Kraft. Während ein E-Scooter bei den Stuttgarter Steillagen manchmal an seine Grenzen stößt, schnurrt die Stella auch die Weinsteige oder die Neue Weinsteige souverän hinauf. Es hat fast etwas Meditatives, fast lautlos an den Villen in Degerloch vorbeizugleiten, während unter einem das Lichtermeer der Stadt immer kleiner wird.

Die Anmeldung erfolgt über die Stella-App. Hier muss einmalig der Führerschein verifiziert werden, was meistens innerhalb weniger Stunden erledigt ist. Danach sieht man auf der Karte, wo das nächste freie Fahrzeug steht. Ein Klick, und die Mühle ist reserviert. Vor Ort öffnet man per App das Helmfach, in dem sich zwei Helme in verschiedenen Größen befinden. Es ist dieser unkomplizierte Ansatz, der Stella so beliebt macht. Man muss kein eigenes Fahrzeug besitzen, keine Versicherung zahlen und sich nicht um die Wartung kümmern. Die Stadtwerke sorgen dafür, dass die Akkus stets geladen sind. Manchmal sieht man die Servicewagen nachts durch die Straßen flitzen, um die leeren Batterien gegen volle auszutauschen.

Das Fahrgefühl ist direkt und ehrlich. Die Beschleunigung eines Elektromotors überrascht beim ersten Mal oft, da das volle Drehmoment sofort anliegt. Man kommt an der Ampel zügig weg, was im Stadtverkehr ein echter Sicherheitsvorteil ist. Dennoch sollte man Respekt vor dem Gewicht haben. Eine Stella ist kein Spielzeug, sondern ein vollwertiges Kraftfahrzeug. In den Kurven der Gäubahn-Überführungen oder beim Rangieren in engen Parklücken im Heusteigviertel ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Aber wer den Dreh erst einmal raus hat, möchte das entspannte Dahingleiten nicht mehr missen. Es ist die perfekte Art, um beispielsweise von der City hoch zum Killesberg zu kommen, ohne dort oben ewig nach einer Lücke für das Auto suchen zu müssen.

E-Scooter: Die wendigen Begleiter für kurze Wege

Die kleinen E-Scooter sind die flinken Wiesel des Stuttgarter Verkehrs. Verschiedene Anbieter wie Tier, Voi oder Lime buhlen um die Gunst der Nutzer. Preislich geben sie sich meist nicht viel, oft entscheidet einfach der Standort des nächsten verfügbaren Rollers. Für Touristen wie Einheimische sind sie ideal, um Distanzen zu überbrücken, die für den Fußmarsch zu lang, für die U-Bahn aber zu kurz sind. Wer etwa vom Milaneo zum Schlossplatz will, ist mit dem Scooter oft schneller als mit jedem anderen Verkehrsmittel. Man spürt den Wind im Gesicht und bekommt viel mehr von der Architektur und dem Trubel der Stadt mit, als wenn man unter der Erde in der Röhre sitzt.

Beim Fahren auf den kleinen Rollen ist jedoch Vorsicht geboten. Das Stuttgarter Pflaster kann tückisch sein. Besonders in der Altstadt oder rund um den Marktplatz gibt es Passagen mit Kopfsteinpflaster, die einem ordentlich die Gelenke durchschütteln. Da vibriert dann alles, von den Fingerspitzen bis in die Zahnfüllungen. Erfahrene Nutzer suchen sich daher oft asphaltierte Nebenstraßen oder nutzen die Radwege. Wichtig ist: Gehwege sind tabu. Auch wenn es verlockend erscheint, kurz über das Trottoir abzukürzen, die Ordnungshüter in Stuttgart verstehen da wenig Spaß. Zudem ist es schlichtweg unhöflich gegenüber den Fußgängern, die im Kessel ohnehin schon um jeden Quadratmeter kämpfen müssen.

Ein interessantes Detail ist die Drosselung in bestimmten Zonen. Wer durch den Schlossgarten fährt, wird merken, dass der Scooter plötzlich langsamer wird oder gar ganz stehen bleibt. Das sind digital festgelegte "No-Go-Areas" oder verkehrsberuhigte Bereiche. Das System erkennt per GPS, wo man sich befindet, und regelt die Geschwindigkeit automatisch ab. Das kann im ersten Moment nerven, sorgt aber für ein friedliches Miteinander in den grünen Lungen der Stadt. Wenn man dann wieder auf die Hauptstraße einbiegt, gibt der Motor die volle Unterstützung frei. Es ist diese Mischung aus Technik und Pragmatismus, die den Scooter zum perfekten Werkzeug für das urbane Überleben macht.

Sicherheit und Regeln im Schilderwald

Stuttgart wäre nicht Stuttgart, wenn es nicht auch für die neue Mobilität klare Regeln gäbe. Wer mit dem E-Scooter oder der Stella unterwegs ist, nimmt am Straßenverkehr teil und unterliegt denselben Promillegrenzen wie Autofahrer. Ein kühles Viertele in der Besenwirtschaft ist wunderbar, danach sollte man den Roller aber stehen lassen. Die Polizei kontrolliert regelmäßig, besonders an den Wochenenden rund um die Theodor-Heuss-Straße. Ein Verstoß kann teuer werden und im schlimmsten Fall den Autoführerschein kosten. Das ist kein erhobener Zeigefinger, sondern ein gut gemeinter Rat, um den Ausflug nicht im Desaster enden zu lassen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausrüstung. Während bei den E-Scootern keine Helmpflicht besteht, ist sie bei der Stella gesetzlich vorgeschrieben. Man sollte sich nicht scheuen, die bereitgestellten Helme zu nutzen, auch wenn die Frisur darunter leidet. Die Sicherheit geht vor, besonders in einer Stadt, in der LKW-Verkehr und Baustellen zum Alltag gehören. Wer eigenständig vorsorgen will, legt sich ein Hygiene-Häubchen unter den Helm, die liegen oft im Fach mit dabei. Es sind diese kleinen Details, die zeigen, dass das System durchdacht ist. Man fühlt sich ernst genommen als Verkehrsteilnehmer, nicht nur als zahlender Kunde.

Was das Parken angeht, herrscht oft Unsicherheit. Grundsätzlich gilt: Parke so, dass niemand behindert wird. Die Stella darf auf den meisten öffentlichen Parkplätzen stehen, oft sogar dort, wo Autos zahlen müssten. E-Scooter sollten idealerweise an den markierten Sammelplätzen abgestellt werden. Wer seinen Scooter mitten in einer schmalen Gasse im Bohnenviertel stehen lässt, macht sich keine Freunde. Oft verlangen die Apps am Ende der Fahrt sogar ein Foto vom abgestellten Fahrzeug. Das dient der Beweissicherung und soll die Nutzer zu mehr Sorgfalt erziehen. Ein ordentlich abgestellter Roller ist die beste Werbung für das gesamte Konzept.

Kostenkontrolle und Tarifdschungel

Die Frage nach den Kosten ist für viele entscheidend. E-Scooter berechnen meist eine feste Gebühr für das Entsperren, gefolgt von einem Minutenpreis. Das läppert sich bei längeren Fahrten schnell zusammen. Wer plant, den ganzen Tag durch Stuttgart zu düsen, sollte nach Tagespässen Ausschau halten. Viele Anbieter bieten solche Flatrates an, die sich schon ab der dritten oder vierten Fahrt lohnen. Es ist ein Rechenspiel, aber wer die App clever nutzt, kann im Vergleich zum Einzelticket der VVS sparen. Zudem macht es schlichtweg mehr Spaß, flexibel zu bleiben, als ständig auf die Uhr für den nächsten Bus zu schielen.

Bei Stella funktioniert die Abrechnung ähnlich transparent. Es gibt keine Grundgebühr, man zahlt nur, wenn man fährt. Für Studenten oder Inhaber bestimmter Abokarten der Stadtwerke gibt es oft Vergünstigungen. Besonders attraktiv ist der Parkmodus. Wenn man kurz beim Bäcker anhält oder in die Markthalle springt, kann man die Miete pausieren. Der Roller bleibt für einen reserviert, kostet aber pro Minute deutlich weniger als während der Fahrt. Das ist fair und fördert die Nutzung für Erledigungen im Alltag. Man merkt, dass hier ein lokaler Versorger am Werk ist, dem an einer funktionierenden Lösung für die Bürger gelegen ist.

Ein kleiner Tipp für Sparfüchse: Achtet auf die Akku-Anzeige vor Fahrtbeginn. Nichts ist ärgerlicher, als einen Scooter zu mieten, der nach 500 Metern den Geist aufgibt, weil der Saft leer ist. Die Apps zeigen den Ladestand in Prozent oder Restkilometern an. In Stuttgart sollte man immer einen Puffer einplanen, da die Anstiege den Akku deutlich schneller leersaugen als eine Fahrt im flachen Berlin oder Hamburg. Wer den Berg hoch will, braucht Power. Ein Scooter mit 15 Prozent Restladung wird am Herdweg vermutlich kapitulieren. Da greift man dann doch lieber zur Stella oder sucht sich einen frisch geladenen Flitzer.

Persönliche Routen und Geheimtipps

Stuttgart elektrisch zu erkunden, eröffnet ganz neue Perspektiven. Eine meiner Lieblingsstrecken führt vom Marienplatz aus über die Tübinger Straße in die Innenstadt. Die Tübinger Straße ist eine Fahrradstraße, auf der man sich mit dem E-Scooter sehr sicher fühlt. Man rollt an kleinen Cafés und Läden vorbei, das Leben pulsiert hier auf eine sehr angenehme Weise. Wer dann noch Lust auf einen Ausblick hat, tauscht den Scooter gegen eine Stella und fährt hoch zum Santiago-de-Chile-Platz. Die Auffahrt ist kurvig und bietet immer wieder Durchblicke auf das Stadtzentrum. Oben angekommen, wird man mit einem Panorama belohnt, das bei Sonnenuntergang fast schon kitschig schön ist.

Ein weiterer Tipp ist die Fahrt entlang des Neckars. Zwar liegt der Fluss etwas abseits vom Kessel, aber mit dem E-Scooter lassen sich die Uferwege wunderbar erkunden. Man kann von Bad Cannstatt aus Richtung Max-Eyth-See rollen. Die Strecke ist flach und führt teilweise durch Weinberge. Hier merkt man, wie vielseitig die Stadt eigentlich ist. Es ist dieses Gefühl von Freiheit, einfach mal abzubiegen, wo es einem gefällt. Kein Fahrplan, der einen einschränkt, kein Parkplatz, der gesucht werden muss. Man stellt das Ding ab, beendet die Miete und ist mitten im Geschehen.

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