Köln

Die schönsten Etappen auf dem Kölnpfad: Wandern rund um die Stadt

Der Kölnpfad zeigt die Domstadt von ihrer rauen, grünen und überraschend stillen Seite. Schnür die Stiefel für eine Tour, die weniger mit Höhenmetern, dafür aber mit echten Kontrasten punktet.

Köln  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Wer an Köln denkt, hat oft sofort den Dom im Kopf, vielleicht noch den Rhein und die enge Bebauung der Innenstadt. Dass man diese Stadt komplett zu Fuß umrunden kann, und zwar fast ausschließlich im Grünen, klingt für viele erst einmal abwegig. Doch genau das bietet der Kölnpfad. Es ist kein klassischer Wanderweg, der dich über steile Gipfel führt. Es ist vielmehr ein Querschnitt durch die rheinische Landschaft, durch Industriekultur und dichte Wälder. Der Kölner Eifelverein hat hier ganze Arbeit geleistet und eine Strecke markiert, die auf gut 171 Kilometern einmal rund um die Stadtgrenzen führt. Man muss kein Profisportler sein, um sich hier wohlzufühlen. Der Weg ist flach, meistens jedenfalls, und die Herausforderung liegt eher in der Ausdauer als in der Steigung. Man folgt einfach dem weißen Kreis auf schwarzem Grund. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis übersieht man so ein Zeichen gerne mal, wenn man zu sehr ins Plaudern gerät oder den Blick über die Felder schweifen lässt.

Das Besondere an diesem Pfad ist seine Ehrlichkeit. Er versucht gar nicht erst, die Stadt zu verstecken. Man läuft nicht durch eine künstliche Idylle. Man hört das Rauschen der Autobahn in der Ferne, sieht die Schlote der Chemiewerke am Horizont und steht fünf Minuten später mitten in einem Naturschutzgebiet, in dem man nichts als Vögel hört. Diese Mischung macht den Reiz aus. Es ist Wandern mit Realitätsbezug. Man lernt Köln besser kennen als bei jeder Stadtrundfahrt im Bus. Die Strecke ist offiziell in elf Etappen unterteilt, die sich aber je nach Kondition und Lust beliebig anpassen lassen. Da der Weg die Stadt umrundet, ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr fast überall exzellent. Wer genug hat, steigt einfach in die nächste KVB Bahn und fährt zurück zum Dom. Das nimmt dem Ganzen den Druck und macht spontane Ausflüge möglich.

Kurz & Kompakt
  • Navigation & Markierung: Der Weg ist durchgängig mit einem weißen Kreis auf schwarzem Grund markiert. Zur Sicherheit empfiehlt sich die Mitnahme der offiziellen Wanderkarten des Kölner Eifelvereins oder der Download der GPX-Daten auf das Smartphone, da an Kreuzungen gelegentlich Schilder fehlen können.
  • An- und Abreise: Da es sich um einen Rundweg handelt, sind fast alle die elf Etappenstart- und Zielpunkte hervorragend an das Netz der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und der S-Bahn angeschlossen. Ein Auto ist für die Etappenwanderungen meist hinderlich.
  • Ausrüstung: Leichte Wanderschuhe oder robuste Turnschuhe sind ausreichend, da das Gelände flach ist. Wichtiger ist Regenkleidung und ausreichend Wasser, da es auf manchen Abschnitten (z. B. Wahner Heide) wenig Schatten und keine Kioske gibt.
  • Etappen-Tipp: Für Einsteiger eignet sich die Etappe 1 von Rodenkirchen nach Klettenberg (ca. 17 km) wegen der schönen Parklandschaften. Wer Wildnis sucht, wählt Etappe 6 durch den Königsforst (ca. 18 km).

Der Start im Süden: Kölsche Riviera und Grüngürtel

Viele Wanderer beginnen ihre Runde im Süden, in Rodenkirchen. Das hat Tradition und einen ganz praktischen Grund, denn hier lässt sich das Nützliche extrem gut mit dem Angenehmen verbinden. Der Startpunkt liegt oft direkt am Rhein. Bevor es richtig losgeht, steht man vielleicht noch kurz am Ufer, schaut den Lastkähnen hinterher und atmet die feuchte Luft ein. Der Weg führt zunächst durch das, was der Kölner gerne augenzwinkernd seine Riviera nennt. Sandstrände, alte Weidenbäume und im Sommer der Geruch von Grillkohle. Es ist belebt hier, aber nach ein paar Kilometern wird es ruhiger. Man taucht ein in den Äußeren Grüngürtel. Das ist Konrad Adenauers Erbe, der als Oberbürgermeister in den 1920er Jahren dafür sorgte, dass Köln nicht im Beton erstickt, sondern atmen kann.

Man wandert durch parkähnliche Anlagen, vorbei an künstlichen Weihern, auf denen Enten ihre Kreise ziehen. Der Untergrund ist weich, oft Waldboden oder geschotterte Parkwege. Es läuft sich leicht hier. Klettenberg und Sülz ziehen an einem vorbei. Man sieht die Rückseiten der Häuser, gepflegte Gärten, manchmal winkt jemand vom Balkon. Hier zeigt sich Köln von seiner bürgerlichen, entspannten Seite. Eine Etappe, die sich anfühlt wie ein langer Sonntagsspaziergang, der einfach nicht aufhören will. Man sollte aber Verpflegung einpacken, denn im Waldstück selbst gibt es kaum Kioske, auch wenn man nie weit von der Zivilisation entfernt ist.

Der wilde Osten: Königsforst und Wahner Heide

Wechseln wir die Rheinseite. Die "Schäl Sick", die rechte Rheinseite, wird oft unterschätzt, bietet aber für Wanderer die vielleicht intensivsten Naturerlebnisse auf dem gesamten Pfad. Die Etappe durch den Königsforst ist ein Highlight für alle, die wirklich Wald wollen. Richtig viel Wald. Stundenlang. Hier vergisst man tatsächlich, dass man sich im Ballungsraum einer Millionenstadt befindet. Die Bäume stehen dicht, der Boden ist oft feucht und riecht modrig und frisch zugleich. Hier gibt es sogar eine Erhebung, die mit viel lokalpatriotischem Stolz und einer Prise Ironie als Berg bezeichnet wird: der Monte Troodelöh. Mit gut 118 Metern über Normalnull ist er die höchste natürliche Erhebung der Stadt.

Es gehört zum guten Ton, hier kurz innezuhalten, vielleicht ein Foto am "Gipfelkreuz" zu machen und sich wie ein Alpinist zu fühlen, bevor man lachend weiterzieht. Der Weg führt weiter Richtung Wahner Heide. Die Landschaft öffnet sich, wird karger, fast steppenartig. Ginsterbüsche leuchten im Frühling gelb, der Sand knirscht unter den Sohlen. Manchmal donnern Flugzeuge vom nahen Flughafen Köln/Bonn über einen hinweg. Ein harter Bruch, der aber fasziniert. Natur und Technik existieren hier nebeneinander. Wer Glück hat, sieht Ziegen oder Wasserbüffel, die hier zur Landschaftspflege eingesetzt werden. Es ist staubiger hier, im Sommer fast heiß, ganz anders als im schattigen Königsforst. Man braucht Wasser, viel Wasser.

Industrieromantik und Auenland: Der Norden

Ganz anders präsentiert sich der Kölner Norden. Wer hier wandert, sucht nicht die Postkartenidylle, sondern das Ungeschminkte. Die Etappen rund um Worringen und Merkenich sind speziell. Man betritt den Worringer Bruch, eine uralte Rheinrinne. Es ist ein Sumpfgebiet, urwüchsig und manchmal etwas unheimlich, besonders wenn im Herbst der Nebel zwischen den toten Baumstümpfen hängt. Frösche quaken, das Schilf raschelt. Man läuft über schmale Pfade, muss manchmal Pfützen ausweichen. Es ist feucht. Es riecht nach Erde und Verfall. Und dann, nur ein paar Kilometer weiter, ändert sich das Bild radikal.

Man nähert sich den Ford Werken und dem Hafen in Niehl. Riesige Rohre begleiten den Weg, Zäune, dahinter Lagerhallen und Schornsteine. Für Fans von Industriekultur ist das ein Fest. Der Kontrast könnte nicht härter sein: Eben noch im Sumpfwald, jetzt im Herz der rheinischen Industrie. Man läuft am Rheindeich entlang, sieht die Schiffe, die hier ihre Ladung löschen. Der Wind pfeift hier oben auf dem Deich oft ordentlich. Man spürt die Kraft des Flusses und die wirtschaftliche Kraft der Region. Das ist vielleicht nicht "schön" im klassischen Sinne eines Wanderführers, aber es ist unglaublich interessant. Es ist das echte Köln, das arbeitet und produziert.

Dünnwald: Wisente und Geschichte

Ein persönlicher Favorit für einen entspannten Tagesausflug ist die Gegend um Dünnwald. Hier kombiniert der Kölnpfad Geschichte mit Tierbeobachtung. Der Wildpark Dünnwald liegt direkt an der Strecke. Plötzlich steht man vor einem Gatter und blickt in die massigen Gesichter von Wisenten. Diese urzeitlichen Rinder passen perfekt in den alten Baumbestand. Der Wald hier wirkt aufgeräumter als im Königsforst, fast ein wenig herrschaftlich. Nicht weit entfernt stößt man auf Spuren der Vergangenheit, Hügelgräber oder alte Klosteranlagen. Dünnwald hat eine fast dörfliche Atmosphäre, die Hektik der Großstadt scheint meilenweit weg zu sein. Hier kann man hervorragend einkehren. Es gibt alte Gasthäuser, in denen noch bodenständige Küche serviert wird. Ein Kölsch, ein Halver Hahn, und die Welt ist in Ordnung.

Praktische Tipps für unterwegs

Man sollte den Kölnpfad nicht unterschätzen, nur weil er im Flachland liegt. 15 oder 20 Kilometer auf Asphalt oder hartem Schotter können die Füße mehr ermüden als weicher Waldboden in den Bergen. Gutes Schuhwerk ist Pflicht, auch wenn es nicht der schwere Bergstiefel sein muss. Ein leichter, gut gedämpfter Wanderschuh reicht völlig. Was die Orientierung angeht: Die Markierungen sind gut, aber Vandalismus kommt vor oder ein Schild ist zugewachsen. Eine Karte im Rucksack oder eine App auf dem Smartphone schaden nie. Und man sollte die Jahreszeiten im Blick haben. Im Winter können die Wege im Worringer Bruch oder in der Wahner Heide extrem matschig sein. Da sinkt man schnell mal bis zum Knöchel ein. Aber genau das macht ja auch Spaß, wenn man hinterher die dreckigen Schuhe vor der Haustür ausklopft und weiß, dass man draußen war.

Die schönste Zeit für den Kölnpfad ist eigentlich immer. Im Frühling, wenn der Bärlauch in den Rheinauen riecht, im Sommer, wenn der Wald kühlt, im Herbst, wenn sich das Laub im Königsforst färbt, und selbst im Winter, wenn der Rhein grau und mächtig dahinfließt. Man muss sich nur trauen, loszugehen. Nicht gleich die ganzen 171 Kilometer. Stück für Stück. Etappe für Etappe. Am Ende hat man seine eigene Stadt neu entdeckt.

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