Köln

Das Abenteuermuseum Odysseum: Wissenschaft zum Anfassen für kleine Entdecker

Vergiss verstaubte Vitrinen und "Bitte nicht berühren"-Schilder, denn hier in Köln-Kalk läuft das anders. Im Odysseum darf gehämmert, gesprungen und experimentiert werden, bis der Kopf raucht oder die Schuhsohlen glühen. Ein Ort, der Antworten auf Fragen liefert, die du dir vielleicht noch gar nicht gestellt hast.

Köln  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Wenn man durch Köln-Kalk läuft, riecht es meistens nach Döner, Abgasen und einer Prise kölscher Realität. Die Trimbornstraße ist nicht gerade die Königsallee, und das ist auch gut so. Genau hier, auf dem Gelände einer ehemaligen Chemiefabrik, steht seit 2009 ein klotziger, moderner Bau, der so gar nicht in die Gründerzeit-Fassaden der Umgebung passen will. Das Odysseum. Es wirkt ein bisschen wie ein gelandetes Raumschiff, das sich in den rauen Charme der "Schäl Sick" – der "falschen" Rheinseite, wie der Kölner gerne frotzelt – verirrt hat. Wer hier reingeht, sucht keine Stille. Schon im Foyer merkt man: Das hier wird laut. Das hier wird wuselig. Es ist der Sound von hunderten Kinderfüßen, die auf Gummiböden rennen, gemischt mit dem gelegentlichen Scheppern einer Kugelbahn.

Das Konzept hat sich über die Jahre gewandelt. Anfangs wollte man ein reines "Science Center" sein, akademisch anspruchsvoll, aber spielerisch. Heute nennt es sich "Abenteuermuseum". Der Anspruch ist etwas popkultureller geworden, weniger trockene Physik, mehr Entertainment. Das merkt man auch an den wechselnden Blockbuster-Ausstellungen, die hier Station machen – mal Harry Potter, mal Jurassic World. Aber der Kern, das Herzstück für die Pänz (Kinder), bleibt die dauerhafte Auseinandersetzung mit der Welt, wie sie funktioniert.

Kurz & Kompakt
  • Anreise: Am besten mit der S-Bahn (S12, S13, S19) oder Regionalbahn bis "Köln-Trimbornstraße". Von dort sind es keine 5 Minuten zu Fuß. Das Parkhaus unter dem Odysseum ist bequem, aber bei langen Aufenthalten ein Kostenfaktor.
  • Altersempfehlung: Ideal für Kinder zwischen 4 und 10 Jahren. Jüngere haben Spaß im Spielbereich, verstehen aber die Exponate kaum. Ältere langweilen sich schnell im Maus-Bereich.
  • Sonderausstellungen: Achtung beim Ticketkauf! Große Wanderausstellungen (z.B. Harry Potter, Jurassic World) kosten oft extra oder benötigen ein separates Zeitfenster-Ticket. Vorher unbedingt auf der Website checken, was gerade läuft.
  • Verpflegung: Eigenes Essen und Trinken darf mitgebracht und in ausgewiesenen Picknick-Bereichen verzehrt werden. Das spart Geld und Nerven in der Schlange am Bistro.

Die Maus ist der Star

Seien wir ehrlich: Die meisten Familien kommen wegen ihr. Die orangefarbene Maus aus dem WDR-Fernsehen ist so etwas wie die inoffizielle Schirmherrin des Hauses. Das "Museum mit der Maus" nimmt einen großen Teil der Ausstellungsfläche ein und ist zweifellos das Highlight für die Zielgruppe zwischen vier und zehn Jahren. Hier werden die berühmten Sachgeschichten dreidimensional.

Man läuft durch überdimensionale Alltagsgegenstände. Plötzlich stehst du neben einer Steckdose, die so groß ist wie ein Kleiderschrank, oder kletterst durch einen gigantischen Abfluss. Das ändert die Perspektive ungemein. Für Kinder ist das ein riesiger Spaß, für Erwachsene oft ein Moment des "Ach, so sieht das also von innen aus". Besonders gelungen ist das Trickfilmstudio. Hier können die Kleinen (und die oft noch enthusiastischeren Eltern) eigene kleine Stop-Motion-Filme drehen. Man schiebt Figuren millimeterweise voran, drückt den Auslöser, schiebt wieder. Am Ende flimmert ein fünfsekündiges Meisterwerk über den Monitor. Das lehrt Geduld. Und Respekt vor den Machern der echten Sendung.

Es ist diese Mischung aus Nostalgie für die Eltern, die mit der Maus aufgewachsen sind, und der direkten Haptik für die Kinder, die diesen Bereich so stark macht. Manchmal ist eine Station defekt – das bleibt bei tausenden patschenden Händen nicht aus – aber meistens wird das durch die schiere Menge an Möglichkeiten kompensiert. Es gibt Klappen zum Öffnen, Knöpfe zum Drücken und Dinge zum Kurbeln. Wer hier mit sauberen Händen rausgeht, hat was falsch gemacht.

Physik, die man kapiert

Abseits der Maus wird es technischer, aber selten langweilig. In den Themenbereichen "Leben" und "Erde" geht es um die klassischen naturwissenschaftlichen Phänomene. Wasser ist hier ein großes Thema. Es gibt Wasserlandschaften, wo man Dämme bauen, Strömungen lenken und sich ordentlich nass machen kann. Ein Tipp am Rande: Wechselklamotten sind keine schlechte Idee, auch wenn es theoretisch Schürzen gibt. Wasser findet seinen Weg, immer.

Spannend ist dabei, dass die Exponate oft intuitiv funktionieren. Es stehen zwar Erklärungstexte dabei, aber die liest kaum ein Kind. Muss auch nicht. Wenn man an einem Seil zieht und sich dadurch selbst auf einem Stuhl in die Höhe hievt, begreift der Körper den Flaschenzug schneller, als der Kopf die Formel lesen kann. Lernen durch Muskelkraft. Man sieht oft Väter, die ihren Söhnen erklären wollen, wie die Aerodynamik an der Windstation funktioniert, nur um dann selbst fünf Minuten lang Bälle in den Luftstrom zu halten, völlig versunken. Das Kind ist da oft schon drei Stationen weiter.

Ein Simulator, der seit Jahren die Gemüter spaltet, ist der Astronautentrainer. Ein Gyroskop, das einen in alle Richtungen wirbelt. Für den Magen eine Herausforderung, für den Gleichgewichtssinn ein Fest. Man muss oft anstehen, das ist die Kehrseite der Medaille. Geduld ist im Odysseum eine Tugend, die man dringend im Rucksack haben sollte.

Der Dschungel in der Halle

Irgendwann reicht es dem Kopf, dann müssen die Beine ran. Dafür gibt es einen Bereich, der eher an einen Indoor-Spielplatz erinnert, aber thematisch als Dschungel oder "The Game" verpackt ist. Hier geht es weniger um Bildung, mehr um Bewegung. Kletterparcours, Seilbrücken, Verstecke. Das ist wichtig, denn nach zwei Stunden Konzentration brauchen Kinder ein Ventil. Die Lautstärke erreicht hier Spitzenwerte, die einer startenden Boeing Konkurrenz machen könnten. Empfindliche Gemüter sollten vielleicht Ohrstöpsel dabei haben.

Interessant ist das System mit den Armbändern, das mal mehr, mal weniger intensiv genutzt wird. Man kann an verschiedenen Stationen Punkte sammeln, Aufgaben lösen und sich so durch das Museum "spielen". Das gamifiziert den Besuch, führt aber auch dazu, dass manche Kinder nur noch von Scanner zu Scanner rennen, um den "Highscore" zu knacken, ohne sich das Exponat wirklich anzusehen. Ein zweischneidiges Schwert.

Essen, Trinken und die Sache mit dem Geld

Machen wir uns nichts vor: Ein Tag im Odysseum ist kein billiges Vergnügen. Die Eintrittspreise sind ordentlich, besonders wenn man als vierköpfige Familie anrückt. Dazu kommt das Parkhaus (direkt unter dem Gebäude, praktisch, aber kostenpflichtig). Wer sparen will, reist mit der S-Bahn an (Haltestelle Trimbornstraße ist nur ein paar Minuten zu Fuß weg) oder parkt in den Arcaden und verbindet das mit einem Einkauf.

Die Gastronomie im Haus ist funktional. Es gibt das, was Kinder essen: Nudeln, Pommes, Nuggets. Kulinarische Höhenflüge darf man hier nicht erwarten, es ist Systemgastronomie für hungrige Mägen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist okay, aber viele Kölner bringen sich ihre Verpflegung einfach selbst mit und setzen sich in die Picknick-Bereiche. Das ist erlaubt und schont die Reisekasse massiv. Der Kaffee für die Eltern ist allerdings überlebenswichtig und qualitativ in Ordnung.

Lohnt sich das jetzt?

Das Odysseum hat Ecken und Kanten. Manche Exponate wirken mittlerweile etwas abgegriffen, die Technik entwickelt sich schneller, als ein Museum oft nachrüsten kann. Wer ein hochglanzpoliertes futuristisches Zentrum erwartet, könnte enttäuscht werden. Es hat Patina angesetzt. Aber genau das macht es nahbar.

Es ist ein Ort für Grundschulkinder. Für Kleinkinder (unter 3) gibt es zwar Ecken, aber vieles ist zu hoch oder zu komplex. Für Teenager ist es definitiv "uncool", außer sie sind absolute Science-Nerds oder wollen die Sonderausstellung sehen. Aber für die Altersgruppe 4 bis 10 ist es ein Paradies. Man kann hier locker vier bis fünf Stunden verbringen, ohne dass Langeweile aufkommt. Und wenn man dann am späten Nachmittag wieder raus auf die Corintostraße tritt, die Ohren dröhnen und der Kopf voll ist mit Eindrücken von Maus, Elefant und Hydraulik, dann war es meistens ein guter Tag.

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