Es riecht nach Kerosin und feuchtem Asphalt, wenn man aus dem Flieger steigt, denn in Hamburg regnet es statistisch gesehen zwar nicht öfter als in München, aber der Himmel hat dieses spezielle Grau, das man lieben muss. Du bist in Hamburg Airport Helmut Schmidt gelandet, dem ältesten Flughafen Deutschlands, der noch an seinem ursprünglichen Standort betrieben wird. Er liegt im Stadtteil Fuhlsbüttel, was für dich eine gute Nachricht ist. Anders als in München oder London, wo die Flughäfen gefühlt in einem anderen Bundesland liegen, bist du hier eigentlich schon fast mittendrin. Die Distanz zum Rathausmarkt beträgt gerade mal achteinhalb Kilometer Luftlinie. Doch Luftlinie hilft dir mit dem Rollkoffer wenig.
Sobald du dein Gepäck hast, stehst du in der "Airport Plaza". Das ist das Verbindungsstück zwischen Terminal 1 und Terminal 2. Hier entscheidet sich, wie der Rest deines Tages verläuft. Rechts und links warten die üblichen Mietwagenanbieter, deren Schalter meistens unterbesetzt sind, und draußen stehen die beigen Mercedes-Limousinen in Reih und Glied. Doch der wahre Hamburger, oder der schlaue Reisende, ignoriert diese Verlockungen meistens und steuert auf die Rolltreppe zu, die in den Untergrund führt. Aber schauen wir uns die Optionen der Reihe nach an, denn nicht immer ist das Offensichtliche auch das Beste für deine spezifische Situation.
Kurz & Kompakt - Die beste Verbindung: S-Bahn Linie S1 (grünes Symbol). Fährt alle 10 Minuten direkt vom Untergeschoss des Flughafens zum Hauptbahnhof (25 Min.) und Jungfernstieg.
- Der beste Deal: Die "9-Uhr-Tageskarte" (Bereich Hamburg AB). Kostet ca. 7,50 €, gilt für alle Bahnen, Busse und Hafenfähren ab 9 Uhr morgens (am Wochenende ganztags).
- Achtung Falle: Bei der Rückreise zum Flughafen wird die S1 in der Station "Ohlsdorf" geteilt. Unbedingt in die vorderen drei Waggons einsteigen, sonst landest du in Poppenbüttel!
Die S-Bahn Linie S1: Der grüne Blitz
Wenn du Effizienz schätzt und dein Geld lieber für ein Fischbrötchen an den Landungsbrücken ausgeben willst als für den Transport, dann ist die S-Bahn deine erste Wahl. Die Linie S1 verbindet den Flughafen direkt mit dem Hauptbahnhof und den touristischen Zentren. Man muss dafür das Flughafengebäude nicht einmal verlassen. Folge einfach den Schildern mit dem großen weißen "S" auf grünem Grund. Die Rolltreppen und Fahrstühle bringen dich direkt auf den Bahnsteig.
Die Züge fahren tagsüber im Zehn-Minuten-Takt. Das ist verlässlich. Du musst selten lange in der Kälte stehen. Ein entscheidender Vorteil gegenüber dem Busverkehr, der sich oben durch den oft zähen Hamburger Stadtverkehr quälen muss. Die Fahrt zum Hauptbahnhof dauert ziemlich genau 25 Minuten. Wenn dein Hotel in der Nähe der Binnenalster liegt, steigst du am besten an der Station Jungfernstieg aus. Das dauert etwa 28 Minuten. Von dort aus liegt dir die Stadt buchstäblich zu Füßen.
Ein interessantes Detail am Rande, das du wissen solltest, um nicht bei der Abreise in Panik zu geraten: Die S1 wird in Ohlsdorf geteilt. Das nennt man "Flügeln". Kommst du aus der Stadt zurück zum Flughafen, fahren nur die vorderen drei Wagen zum Airport. Die hinteren drei biegen ab nach Poppenbüttel. Wer im falschen Waggon sitzt und Kopfhörer aufhat, landet in der Vorstadtidylle statt am Check-in. Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt ist das allerdings egal. Hier werden die Zugteile in Ohlsdorf zusammengekoppelt. Du kannst also entspannt sitzen bleiben und zuschauen, wie der Zug voller wird.
Fahrkarten und der Tarif-Dschungel
Hamburg gehört zum Hamburger Verkehrsverbund, kurz HVV. Die Automaten stehen direkt vor den Rolltreppen am Bahnsteig und sind rot. Sie sehen ein bisschen aus wie Spielautomaten aus den Neunzigern, funktionieren aber meistens tadellos. Du brauchst eine Karte für den "Großbereich Hamburg" (Ringe A und B). Das deckt praktisch alles ab, was du als normaler Besucher sehen willst. Der Flughafen liegt noch voll in diesem Bereich, was die Sache günstig macht. Ein Einzelticket kostet derzeit um die 3,60 Euro. Ein echtes Schnäppchen im europäischen Vergleich.
Butter bei die Fische: Wenn du erst nach 9 Uhr morgens landest, was bei den meisten Flügen der Fall ist, kauf dir eine 9-Uhr-Tageskarte. Die kostet kaum mehr als zwei Einzelfahrten und du hast den ganzen Tag Ruhe, kannst U-Bahn, Busse und sogar die Hafenfähren nutzen. Ja, richtig gehört, die Fähren im Hafen sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Eine kleine Hafenrundfahrt ist damit inklusive. Wer hier Einzeltickets löst, hat entweder zu viel Geld oder liebt es, am Automaten zu stehen.
MOIA: Die goldene Mitte
Vielleicht hast du viel Gepäck dabei. Oder Kinder, die quengeln. Oder du hast einfach keine Lust, deinen Koffer durch den vollen Hauptbahnhof zu schleifen, wo es immer ein bisschen hektisch und rau zugeht. Ein Taxi ist dir aber zu teuer? Dann wirst du in Hamburg schnell auf seltsame, fast futuristisch anmutende schwarze Kleinbusse mit goldener Aufschrift treffen. Das ist MOIA. Ein Ride-Sharing-Dienst, der in Hamburg extrem präsent ist. Die Fahrzeuge sind elektrisch betrieben, gleiten fast lautlos durch die Straßen und bieten viel Beinfreiheit sowie WLAN.
Das Prinzip ist simpel: Du lädst dir die App herunter, gibst dein Ziel ein und der Algorithmus berechnet den Preis und den Haltepunkt. Am Flughafen gibt es spezielle Einstiegszonen. Der Preis liegt meistens irgendwo zwischen dem ÖPNV und einem Taxi. Man teilt sich das Fahrzeug mit anderen Leuten, die in eine ähnliche Richtung wollen. Das kann bedeuten, dass man einen kleinen Umweg fährt, aber man sieht dabei Ecken der Stadt, die man sonst nie gesehen hätte. Die Sitze sind bequem, die Fahrer meist entspannt. Es ist eine sehr moderne, sehr hamburgische Art der Fortbewegung. Man fühlt sich ein bisschen wie in einem VIP-Shuttle, nur dass der VIP-Status geteilt wird.
Das Taxi: Der Klassiker für Eilige (und Wohlhabende)
Natürlich gibt es Situationen, da muss es einfach das Taxi sein. Wenn es in Strömen regnet, du drei Überseekoffer dabei hast oder die Firma zahlt. Die Taxistände befinden sich direkt vor den Ausgängen von Terminal 1 und 2. Man muss nie lange warten. Die Fahrer sind oft Originale. Manche schweigen die ganze Fahrt, andere erzählen dir ihre gesamte Lebensgeschichte oder erklären dir, warum der HSV mal wieder verloren hat. Das gehört zum lokalen Kolorit dazu.
Die Fahrt in die Innenstadt kostet je nach Verkehrslage zwischen 30 und 40 Euro. Das kann bei Stau aber auch mal mehr werden, und Stau gibt es in Hamburg oft. Besonders der Ring 2 und die Zufahrtsstraßen zur Innenstadt sind im Berufsverkehr chronisch verstopft. Da stehst du dann und siehst zu, wie das Taxameter erbarmungslos hochklettert, während die S-Bahn unten drunter einfach durchrauscht. Wenn du es eilig hast und es ist Rushhour (morgens zwischen 8 und 9, abends zwischen 16 und 18 Uhr), ist das Taxi oft die langsamere Wahl. Nachts hingegen, wenn die Bahnen seltener fahren, ist es unschlagbar komfortabel.
Carsharing und Mietwagen: Nur für Mutige
Es gibt noch die Option, sich selbst hinters Steuer zu setzen. Carsharing-Anbieter wie MILES, SIXT share oder SHARE NOW haben reservierte Parkplätze in den Parkhäusern am Flughafen (meist P2 oder P4). Das klingt verlockend flexibel. Doch Vorsicht: Zu den normalen Minuten- oder Kilometerpreisen kommt fast immer eine Flughafengebühr hinzu, die den Preis schnell auf Taxi-Niveau hievt. Zudem ist Autofahren in Hamburg für Fremde kein reines Vergnügen. Viele Einbahnstraßen, komplizierte Abbiegeregeln und eine Parkplatzsituation in der Innenstadt, die man wohlwollend als "angespannt" bezeichnen könnte, können die Laune schnell verderben.
Solltest du dich dennoch dafür entscheiden, weil du vielleicht später noch ins Umland willst, ins Alte Land oder an die Ostsee, dann achte genau darauf, wo du das Auto abstellst. Parkhäuser in der City sind teuer. Öffentliche Parkplätze sind rar gesät wie Sonnentage im November. Wer sein Auto falsch abstellt, lernt die Hamburger Abschleppdienste kennen, und die sind noch effizienter als die S-Bahn.
Der Nachtbus: Wenn der letzte Flieger spät kommt
Manchmal läuft nicht alles nach Plan. Der Flug hat Verspätung, es ist weit nach Mitternacht. Die S-Bahn macht unter der Woche in der Nacht für ein paar Stunden Pause (am Wochenende fährt sie durch). Was tun? Keine Panik. Es gibt den Nachtbus der Linie 606. Der fährt vom Flughafen in Richtung Rathausmarkt. Die Fahrt dauert länger, man sieht viel von den dunklen Vororten, aber man kommt sicher an. Der Bus ist die Rettung für alle gestrandeten Seelen und kostet keinen Aufpreis zum normalen HVV-Ticket.