München

Therme Erding: Ein Tag in der größten Therme zwischen Action und Saunaaufguss

Wer glaubt, Planschen sei nur etwas für Kinder, wird hier eines Besseren belehrt. In Erding prallen Adrenalinjunkies auf Ruhe suchende Saunagänger, und das alles unter echten Palmen. Ein Tag der Extreme wartet auf dich, wenn du bereit bist, den Geldbeutel weit zu öffnen.

München  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Münchens Umland ist oft vor allem eines: flach und landwirtschaftlich geprägt. Wer sich in die S Bahn Linie 2 setzt und bis zur Station Altenerding fährt, sieht lange Zeit nichts als Felder und vereinzelte Häuserdächer. Doch dann blitzt sie auf. Eine Kuppel aus Glas und Stahl, die eher an ein Raumfahrtzentrum erinnert als an ein Schwimmbad. Man läuft vom Bahnhof noch gute zehn Minuten oder nimmt den Bus, der oft überfüllt ist. Schon auf dem Parkplatz merkst du, dass du hier nicht allein bist. Kennzeichen aus ganz Europa reihen sich aneinander. Es ist ein Trumm von einem Bauwerk, das da mitten im Erdinger Moos steht.

Am Eingang herrscht meistens Gewusel. Du bekommst ein Transponderarmband, das ab jetzt dein Zahlungsmittel und dein Schlüssel ist. Verliere es nicht, sonst wird der Tag teurer als ein Kleinwagen. Die Umkleiden sind ein Labyrinth. Wer sich seine Nummer nicht merkt, irrt später nackt und verzweifelt durch endlose Gänge mit gelben Spinden. Ein System steckt dahinter, aber es erschließt sich dem Erstbesucher nicht sofort. Sobald die Badehose sitzt, stehst du vor der Wahl: Links in den Lärm oder rechts in die Ruhe? Die meisten biegen erst einmal links ab.

Kurz & Kompakt
  • Anreise & Zeit: S2 bis Altenerding, dann Bus oder Fußweg (ca. 800m). Früh kommen lohnt sich, am Wochenende ist oft schon um 10 Uhr Einlassstopp.
  • Gepäck-Tipp: Nimm zwei Handtücher mit. Eines für die Liege, eines zum Abtrocknen. Und unbedingt einen Bademantel, sonst wird es auf den Wegen zwischen den Bereichen schnell frostig.
  • Budget-Check: Plane für Eintritt, Verpflegung und Extras mindestens 60 bis 90 Euro pro Person ein. Wochenendzuschläge beachten!
  • Sauna-Etikette: Im Bereich "VitalTherme & Saunen" ist Textilfreiheit Pflicht. Handtuch unterlegen (kein Schweiß aufs Holz!) ist das oberste Gebot.

Galaxy Erding: Wo die Physik an ihre Grenzen kommt

Es riecht nach Chlor, Pommesfett und ein wenig nach Angstschweiß. Das Galaxy ist der Bereich, der die Therme Erding berühmt gemacht hat. Über zwei Dutzend Rutschen schlängeln sich hier in- und übereinander wie ein Teller Spaghetti aus buntem Plastik. Der Lärmpegel ist enorm. Es hallt von den Wänden, Kinder schreien, Wasser rauscht. Wer Stille sucht, ist hier falsch. Aber wer den Kick sucht, findet ihn.

Da wäre zum Beispiel die "Magic Eye". Sie gilt als eine der längsten Röhrenrutschen der Welt. Man schnappt sich einen dieser schweren Gummireifen, schleppt ihn Treppenstufe um Treppenstufe nach oben und wartet. Das Warten gehört hier dazu wie das Wasser. Oben angekommen, wirfst du dich in die Röhre. Das Gefühl ist weniger rasant als vielmehr schaukelig. Man pendelt in den Kurven weit nach oben, manchmal dreht sich der Reifen, und man rutscht rückwärts. Ein großer Spaß für Familien, aber der echte Adrenalinkick bleibt aus. Den gibt es ein Stockwerk höher.

Dort steht die "X Treme Faser". Frauen im Bikini sollten hier vorsichtig sein, und Männer die Badehose gut zuschnüren. Die Beschleunigung ist brutal. Du schießt durch die Röhre, siehst kurzzeitig nur noch Sternchen und landest mit einem harten Platscher im Auffangbecken. Ein Erlebnis, das wach macht. Noch extremer ist nur die "Big Wave". Hier rutscht man im Reifen eine steile Wand hinunter, um dann mit Schwung die gegenüberliegende Seite hochzuschießen. Es kribbelt ordentlich im Bauch, fast wie im freien Fall. Manchmal stehen die Leute hier zwanzig Minuten an für zehn Sekunden Rutschen. Ob es das wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Fakt ist: Die Vielfalt sucht ihresgleichen.

Der Übergang: Vom Chaos in die Tropen

Wenn dir die Ohren dröhnen, verlässt du das Galaxy und gehst in den normalen Thermenbereich. Hier ändert sich die Atmosphäre schlagartig. Hunderte echter Palmen ragen unter der gläsernen Kuppel empor. Die Luft ist warm und feucht, fast tropisch. Das Wasser im riesigen Wellenbecken ist angenehm temperiert. Wenn die Sonne scheint und das Dach geöffnet wird, vergisst man leicht, dass man sich in Oberbayern befindet und nicht in der Karibik. Zumindest solange, bis man auf die Preise an der Poolbar schaut.

Ein Phänomen für sich sind diese Poolbars. Menschen sitzen auf unterwasserliegenden Barhockern, das Wasser bis zur Brust, und schlürfen Cocktails. Es hat etwas Dekadentes, im warmen Thermalwasser einen Mojito zu trinken. Man kommt leicht ins Gespräch, die Stimmung ist gelöst. Allerdings sollte man nicht zu genau darüber nachdenken, wie viele Getränke hier konsumiert werden und wie wenige Leute das Becken verlassen, um eine Toilette aufzusuchen. Das Wasser wird natürlich gefiltert, aber der Gedanke bleibt.

Die VitalTherme: Nackte Tatsachen und Backwaren

Jetzt wird es ernst. Oder entspannt, je nach Sichtweise. Wer das Drehkreuz zur "VitalTherme & Saunen" passiert, muss die Textilien ablegen. In Deutschland ist Sauna eine ernste, hüllenlose Angelegenheit. Wer hier mit Badehose reinläuft, wird von den Stammgästen mit Blicken bedacht, die töten könnten. Dieser Bereich kostet extra, und das zu Recht. Es ist eine Welt für sich.

Über 25 Saunen verteilen sich auf einer riesigen Fläche. Es gibt alles, was man sich vorstellen kann, und einiges, was man sich vorher nicht vorstellen wollte. Die "Kelten Thron Sauna" zum Beispiel ist riesig. Ein Saunameister wedelt hier mit einer Fahne, als ginge es in die Schlacht. Beeindruckend ist die "Russische Banja". Hier wird mit Birkenzweigen gewedelt, und die Hitze ist trocken und beißend. Echte Kerle sitzen hier und schwitzen um die Wette. Manchmal bekommt man einen Wodka gereicht, was bei 80 Grad Umgebungstemperatur eine interessante Wirkung entfaltet.

Ein Highlight der skurrilen Art ist die "Backstuben Sauna". Ja, du hast richtig gelesen. Während du schwitzt, werden im Ofen der Sauna echte Brötchen gebacken. Der Duft von Hefe und teigigem Gebäck vermischt sich mit dem Holzgeruch. Das macht hungrig. Praktischerweise werden die Brötchen nach dem Aufguss verteilt. Es ist schon ein eigenartiges Bild: Dutzende nackte Menschen, die glücklich an einem Brötchen kauen. Da legst di nieder, würde der Bayer sagen.

Im Außenbereich der Saunawelt findet man den "Stonehenge" Nachbau. Ein bisschen Kitsch muss sein. Doch das Liegen im warmen Außenbecken, während einem im Winter Schneeflocken auf die Nase fallen, hat eine Qualität, die man nicht leugnen kann. Hier ist es ruhiger als drüben bei den Rutschen. Das Publikum ist älter, das Gemurmel leiser.

Essen, Trinken und das leidige Geld

Irgendwann meldet sich der Magen. Die Gastronomie in der Therme Erding ist effizient. Im "Hafen Restaurant" gibt es Burger, Pasta und Salate. Die Qualität ist in Ordnung, Kantinenniveau mit Ambitionen. Man wird satt, aber kulinarische Höhenflüge darf man nicht erwarten. Interessant ist, dass man auch im Bademantel im Restaurant sitzen kann. Das hat etwas von einer Pyjamaparty für Erwachsene. Die Preise sind gesalzen. Für eine Currywurst mit Pommes und ein Getränk ist man schnell zwanzig Euro los.

Überhaupt, das Geld. Ein Tag in der Therme Erding ist kein günstiges Vergnügen. Eintritt, Saunazuschlag, Essen, ein paar Drinks an der Bar am Ende des Tages stehen oft hundert Euro oder mehr auf der Uhr. Pro Person. Man zahlt beim Rausgehen am Automaten. Der Schock kommt also erst ganz zum Schluss, wenn man eigentlich entspannt sein sollte.

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