Es gibt Termine im Dortmunder Kalender, die stehen fest wie das Fundament des Fernsehturms. Das Lichterfest im Westfalenpark gehört zweifellos dazu. Seit Jahrzehnten pilgern die Menschen an diesem speziellen Samstag im Spätsommer in die Grünanlage, die einst für eine Bundesgartenschau angelegt wurde. Wer hierherkommt, sucht nicht die einsame Stille des Waldes, sondern das gemeinschaftliche Zelebrieren einer Tradition, die tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verwurzelt ist. Es ist diese Mischung aus Nostalgie und modernem Eventcharakter, die den Reiz ausmacht. Wenn die Sonne langsam hinter den Wohnhäusern des Kreuzviertels verschwindet, ändert sich die Atmosphäre im Park schlagartig. Die Luft riecht dann nach einer Mischung aus gebrannten Mandeln, Grillkohle und dem typischen Duft von feuchtem Rasen, der unter tausenden Füßen plattgedrückt wird. Der Florianturm ragt dabei wie ein stiller Wächter über das Geschehen, während sich unten am Boden die ersten Lichter regen.
Interessant ist bei diesem Event die soziale Dynamik. Man trifft hier auf die alteingesessenen Dortmunder, die schon in den Siebzigern mit Klappstühlen und Thermoskannen bewaffnet auf der Wiese saßen, ebenso wie auf junge Studierende, die den Abend als riesige Freiluft-Party begreifen. Der Park ist groß genug, um beides zu beherbergen, auch wenn es an den Engpässen rund um die Wasserbecken schon mal kuschelig werden kann. Die Organisation folgt einem bewährten Muster, doch jedes Jahr schleichen sich kleine Neuerungen ein, die zeigen, dass die Stadt ihre wichtigste Sommerparty nicht einfach nur verwaltet. Man merkt dem Fest an, dass viel Herzblut in der Platzierung der tausenden kleinen Lichterbecher steckt. Das ist Knochenarbeit für die vielen Helfer, die den ganzen Tag über durch die Beete kriechen, damit pünktlich zum Einlass alles an seinem Platz steht.
Kurz & Kompakt - Termin und Anreise: Das Fest findet meist an einem Samstag im August statt. Nutze unbedingt die U-Bahn-Linien U45 und U49 bis zur Haltestelle Westfalenpark, da die Parksituation vor Ort katastrophal ist.
- Tickets und Einlass: Besorge dir Karten im Online-Vorverkauf, um lange Warteschlangen zu vermeiden. Der Einlass beginnt oft schon am Nachmittag, das eigentliche Programm startet mit der Dämmerung.
- Verpflegung und Ausrüstung: Eigene Picknickkörbe sind erlaubt und gern gesehen. Denke an eine wasserfeste Decke und eine warme Jacke für die späten Stunden, da es im Park empfindlich kühl werden kann.
- Programm-Highlight: Verpasse auf keinen Fall das musiksynchrone Höhenfeuerwerk gegen 22:30 Uhr, das den offiziellen Abschluss des Abends bildet und am besten von der zentralen Festwiese aus zu sehen ist.
Das Meer aus tausend Flammen
Das eigentliche Herzstück sind die Kerzenlichter. Während anderswo gigantische Scheinwerferbatterien den Nachthimmel zerschneiden, setzt man in Dortmund auf die Macht der schieren Masse an kleinen Flammen. Sobald es dunkel genug ist, schwärmen die Mitarbeiter und oft auch Freiwillige aus, um die unzähligen weißen und bunten Becher zu entzünden. Das dauert seine Zeit. Es hat etwas fast Meditatives, dabei zuzusehen, wie sich die Lichtpunkte langsam zu Mustern und Ornamenten verbinden. Auf den großen Rasenflächen entstehen so leuchtende Bilder, die oft Bezug zur Stadt oder zum aktuellen Zeitgeschehen nehmen. Da funkelt dann plötzlich ein riesiges Wappen oder eine abstrakte geometrische Form im Gras. Wer einen guten Blick darauf erhaschen will, sollte sich beizeiten einen Platz an den Hängen suchen, die das zentrale Gelände säumen. Von oben sieht das Ganze aus wie eine brennende Galaxie, die sich über den Boden ausgebreitet hat.
Solltest du dich entscheiden, mitten durch diese Lichtermeere zu spazieren, achte auf deine Füße. Die Wege sind zwar beleuchtet, aber die Faszination für das Bodenleuchten führt oft dazu, dass die Leute stehen bleiben, wo sie gerade gehen und stehen. Es ist ein langsames Treiben, ein echtes Flanieren im alten Sinne. Besonders schön sind die Bereiche rund um das Rosarium. Zwischen den schweren Düften der späten Rosenblüte und den flackernden Lichtern entsteht eine Stimmung, die fast schon ein bisschen kitschig wirkt, wenn sie nicht so ehrlich westfälisch wäre. Hier wird nicht mit Effekten geprotzt, hier wird die Dunkelheit umarmt. Man hört das leise Knistern der Flammen, das Murmeln der tausenden Besucher und ab und zu das ferne Lachen von Kindern, die mit ihren Knicklichtern um die Wette rennen. Es ist ein akustischer Teppich, der genauso zum Lichterfest gehört wie die Optik.
Bühnenprogramm und Budenzauber
Natürlich wäre ein Fest in Dortmund ohne ordentliches Rahmenprogramm nur eine halbe Sache. Über den gesamten Park verteilt finden sich verschiedene Bühnen, die ganz unterschiedliche Geschmäcker bedienen. Da gibt es die Hauptbühne, auf der meist Coverbands oder regionale Größen für Stimmung sorgen, während es in den versteckteren Winkeln des Parks oft etwas gediegener zugeht. Vielleicht stolperst du über ein Akustik-Duo unter einer alten Eiche oder eine Jazz-Formation in der Nähe des Seerosenbeckens. Diese akustische Vielfalt sorgt dafür, dass sich die Menschenmassen verteilen. Es lohnt sich definitiv, nicht nur an einem Ort zu verharren, sondern eine große Runde zu drehen. Dabei stößt man unweigerlich auf das kulinarische Angebot, das über die obligatorische Currywurst weit hinausgeht. Klar, das Schälchen Pommes-Schranke gehört dazu wie der Senf zur Wurst, aber mittlerweile haben sich auch viele modernere Food-Trucks unter die traditionellen Buden gemischt.
Spannend ist dabei, dass die Preise meistens im Rahmen bleiben, auch wenn es sich um ein Großevent handelt. Man merkt, dass das Lichterfest ein Volksfest im besten Sinne bleiben will. Ein kühles Bier in der Hand, während im Hintergrund eine Rockband die Klassiker der Achtziger schmettert, hat einfach was. Wer es lieber etwas ruhiger mag, sucht sich einen Stand mit Wein oder Bowle in den hinteren Parkteilen. Es gibt Ecken im Westfalenpark, die während des Festes fast schon wirken wie ein kleiner Jahrmarkt, inklusive Karussells für die Kleinen. Der Geruch von Popcorn vermischt sich mit dem Duft der weiten Grünflächen. Es ist ein Fest der Sinne, das man am besten ohne festen Zeitplan genießt. Lass dich einfach treiben. Wenn du merkst, dass es irgendwo zu voll wird, biegst du einfach in den nächsten Seitenweg ab. Davon hat der Westfalenpark zum Glück mehr als genug.
Der Himmel brennt über der Strobelallee
Der absolute Höhepunkt und gleichzeitig das Signal für den Heimweg ist das große Musikfeuerwerk. Wenn die Lautsprecherdurchsagen verstummen und die Musik aus den Boxen dröhnt, richten sich zehntausende Köpfe gen Himmel. In Dortmund wird nicht einfach nur ein bisschen geballert. Das Feuerwerk ist eine choreografierte Show, bei der die Explosionen exakt auf die Rhythmen der Musik abgestimmt sind. Es ist laut, es ist hell und es ist verdammt beeindruckend. Die Raketen steigen hinter dem Florianturm auf, was für eine spektakuläre Silhouette sorgt. Die Farben spiegeln sich in den Augen der Zuschauer und in den Fenstern der umliegenden Gebäude wider. In diesen Minuten steht der Park still. Niemand kaut mehr an seinem Brötchen, kaum jemand redet. Alle starren nach oben.
Besonders die Finalsequenzen haben es meistens in sich. Wenn der Himmel komplett in Goldregen oder leuchtendes Rot getaucht wird, geht ein Raunen durch die Menge, das man bis in die benachbarten Stadtteile hören kann. Es ist ein kollektives Erlebnis, das zusammenschweißt. Nach dem letzten Knall, wenn der Rauch langsam über die Stadt abzieht, setzt die große Wanderung ein. Zehntausende Menschen machen sich gleichzeitig auf den Weg zu den Ausgängen. Das klingt stressig, ist aber erstaunlich diszipliniert. Man schiebt sich Richtung U-Bahn-Stationen oder Parkplätze, immer noch ein bisschen berauscht von den Bildern. Die Stimmung auf dem Rückweg ist oft gelöst, fast schon ein wenig schläfrig nach der ganzen Aufregung. Wer klug ist, wartet noch ein halbes Stündchen auf der Wiese, lässt den ersten Schwung an Leuten ziehen und genießt die restliche Wärme der mittlerweile fast abgebrannten Kerzen.
Praktisches für den Parkbesuch
Wer zum Lichterfest will, sollte den Besuch planen, als ginge es auf eine kleine Expedition. Die Anreise mit dem Auto ist meistens eine schlechte Idee, da die Parkplätze rund um die Westfalenhallen und das Stadion bei solchen Events gnadenlos überfüllt sind. Die DSW21, der örtliche Verkehrsbetrieb, setzt meistens Sonderzüge ein, die dich direkt vor die Tore des Parks bringen. Das ist stressfreier und man kann sich ein Pilsken mehr gönnen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kleidung. Auch wenn es tagsüber noch heiß ist, kühlt der Westfalenpark durch seine großen Rasenflächen und den Baumbestand am Abend ordentlich ab. Eine dünne Jacke oder ein Pullover im Rucksack rettet dir später den Abend. Viele Profis bringen sich zudem Picknickdecken mit, die eine beschichtete Unterseite haben, da das Gras oft feucht wird, sobald die Sonne weg ist.
Tickets sollte man sich unbedingt im Vorverkauf besorgen. Zwar gibt es meistens eine Abendkasse, aber die Schlangen dort können einem die Laune verderben, noch bevor man den ersten Lichterbecher gesehen hat. Mit einem Online-Ticket in der Tasche geht der Einlass meistens zügig vonstatten. Was die Verpflegung angeht: Es ist erlaubt, eigene Snacks und Getränke mitzubringen, solange man keine Glasflaschen in rauen Mengen oder gar Grills mitschleppt. Ein gut gepackter Picknickkorb ist der Klassiker beim Lichterfest. Es hat was, auf der eigenen Decke zu sitzen, ein mitgebrachtes Frikadellchen zu mampfen und den Profis beim Kerzenanzünden zuzusehen. So bleibt auch mehr Budget für die süßen Sünden an den Ständen übrig. Der Westfalenpark ist barrierefrei, aber bei den Menschenmassen zum Lichterfest kann es mit Rollstuhl oder Kinderwagen an manchen Stellen mühsam werden. Hier empfiehlt es sich, die Hauptwege zu nutzen und die ganz engen Pfade durch die Beete zu meiden.
Kleine Geheimnisse und Randnotizen
Abseits der großen Wiesen gibt es beim Lichterfest immer wieder Ecken, die weniger Aufmerksamkeit bekommen, aber gerade deshalb ihren Charme versprühen. Der japanische Garten zum Beispiel wirkt in dieser Nacht noch exotischer als sonst. Die reduzierte Beleuchtung dort steht im krassen Kontrast zum bunten Trubel am anderen Ende des Parks. Auch der Bereich rund um die alte Seilbahn hat seinen Reiz. Wenn die Gondeln lautlos über die leuchtende Szenerie gleiten, bietet sich den Fahrgästen ein Anblick, den man so schnell nicht vergisst. Eine Fahrt während der Dämmerung ist absolut empfehlenswert, kostet zwar extra, liefert aber die besten Fotos für das heimische Album oder den digitalen Feed. Man schwebt förmlich über dem Lichtermeer und bekommt ein Gefühl für die Dimensionen der Anlage.
Oft übersehen wird die Arbeit der Techniker hinter den Kulissen. Überall im Park liegen Kilometer von Kabeln, die gut versteckt sind, damit niemand drüber stolpert. Die Koordination der verschiedenen Lichtinstallationen und der Soundanlage ist eine logistische Meisterleistung. Wenn du mal einen Moment Zeit hast, achte auf die kleinen Details: Die Illumination der Bäume, die von unten angestrahlt werden und fast wie Skulpturen wirken. Oder die Spiegelungen der Lichter im Wasser der Teiche. Das sind die Momente, die das Lichterfest von einer reinen Kirmes unterscheiden. Es ist eben auch eine Inszenierung des Raumes. Dass dabei der westfälische Pragmatismus nie verloren geht, sieht man an den vielen Müllstationen, die zwar unschön aussehen, aber dafür sorgen, dass der Park am nächsten Morgen nicht wie ein Schlachtfeld aussieht. Die Dortmunder lieben ihren Park und das merkt man auch am Umgang mit der Anlage während so eines Ausnahmezustands.