Frankfurt a.M.

Dem Himmel so nah: Auf dem Main Tower und anderen Aussichtsplattformen

Frankfurt spielt in einer eigenen Liga, zumindest was die vertikale Architektur angeht. Hier erfährst du, wo der Blick am weitesten schweift und welcher Turm sich wirklich lohnt.

Frankfurt a.M.  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Frankfurt am Main ist die einzige Stadt in Deutschland, die eine echte Skyline besitzt. Das ist kein Geheimnis, aber wer unten zwischen den Betonschluchten der Bankenviertel umherirrt, bekommt davon oft nur Genickstarre. Man muss rauf, um das Gefüge dieser Stadt zu verstehen. Der Wind pfeift hier oben meistens eine Spur schärfer als unten auf der Zeil. Es riecht nach Metall, manchmal nach Regen, der in den Wolken hängen geblieben ist, und das ständige Rauschen des Verkehrs vermischt sich zu einem monotonen Brummen, das fast schon beruhigend wirkt. Frankfurt wirkt von oben sortierter, als es am Boden oft den Anschein hat.

Der Klassiker unter den Aussichtspunkten ist zweifellos der Main Tower. Mit seinen 200 Metern Höhe ist er zwar nicht das höchste Gebäude der Stadt, aber er ist das höchste mit einer öffentlich zugänglichen Plattform. Wenn man durch die Sicherheitsschleuse geht, fühlt sich das ein bisschen wie am Flughafen an. Taschen leeren, Gürtel ausziehen, das volle Programm. Dann schießt der Aufzug mit einer Geschwindigkeit nach oben, dass einem die Ohren knacken. Oben angekommen, tritt man ins Freie. Das ist der entscheidende Punkt: Keine Glasscheibe trennt dich von der Realität. Du spürst den Wind im Gesicht, und wenn das Wetter umschlägt, riechst du das heraufziehende Gewitter über dem Taunus. Von hier oben sehen die Autos aus wie kleine Spielzeuge, und die Menschen am Roßmarkt schrumpfen zu winzigen Punkten zusammen. Man kann bis zum Odenwald schauen, und bei richtig guter Sicht tauchen am Horizont die Umrisse des Pfälzer Waldes auf. Es ist ein erhabenes Gefühl, über den Dingen zu stehen, während unten die Banker in ihren Anzügen von Termin zu Termin hetzen.

Ein bisschen bizarr ist das Treiben auf der Plattform schon. Touristen aus aller Welt versuchen, das perfekte Selfie zu knipsen, ohne dass ihnen die Frisur komplett zerzaust wird. Dazwischen stehen Frankfurter, die ihren Besuchern stolz ihre Stadt zeigen. „Guck mal, da hinten ist das Waldstadion“, hört man oft, während der Finger in eine Richtung zeigt, die irgendwo im satten Grün des Stadtwaldes verschwindet. Die Architektur des Main Towers selbst ist eher funktional, aber die runde Form der Plattform bietet einen lückenlosen Rundumblick. Wer zum Sonnenuntergang kommt, sieht, wie sich der Himmel über dem Flughafen orange verfärbt und die Positionslichter der landenden Flugzeuge wie an einer Perlenschnur aufgereiht wirken. Das ist Mainhatten pur, ganz ohne Kitsch, einfach nur purer Beton und weites Land.

Kurz & Kompakt
  • Main Tower: Die einzige öffentlich zugängliche Aussichtsterrasse auf einem Frankfurter Wolkenkratzer (200 m). Ein Muss für Schwindelfreie; Ticketkauf vorab online empfohlen, um Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle zu vermeiden.
  • Kaiserdom St. Bartholomäus: Historischer Aufstieg über 328 Stufen ohne Aufzug. Belohnt wird man mit einem direkten Blick auf die neue Altstadt und die Skyline aus einer menschlicheren Perspektive von ca. 66 Metern.
  • Lohrberg & Goetheturm: Die grünen Alternativen am Stadtrand. Der Lohrberg bietet Skyline-Blicke beim Picknick im Weinberg; der hölzerne Goetheturm im Stadtwald zeigt die Stadt eingebettet in den Forst.

Der Domturm: Geschichte trifft auf Muskelkater

Wer es lieber etwas traditioneller mag und wem moderne Glasfassaden zu steril sind, der sollte sich zum Kaiserdom St. Bartholomäus begeben. Hier gibt es keinen Aufzug. Man muss sich die Aussicht ehrlich verdienen. 328 Stufen führen die enge Wendeltreppe hinauf, und ich sage dir, das geht ordentlich in die Waden. Die Stufen sind ausgetreten, der Sandstein wirkt warm und riecht staubig, fast so, als würde er die Geschichte von Jahrhunderten ausatmen. Es wird eng, wenn einem andere Besucher entgegenkommen. Man drückt sich an die Wand, murmelt ein kurzes „Hallo“ oder „Entschuldigung“ und hofft, dass die nächste Biegung endlich das Ziel offenbart. In den Wänden sieht man Ritzereien von Leuten, die sich hier schon vor Jahrzehnten verewigt haben. Das ist zwar eigentlich Sachbeschädigung, aber es gibt dem Aufstieg etwas sehr Menschliches.

Oben angekommen, ist der Blick ein völlig anderer als vom Main Tower. Du bist zwar nur auf etwa 66 Metern Höhe, aber du befindest dich im historischen Herzen der Stadt. Direkt unter dir liegt das frisch rekonstruierte Dom-Römer-Areal, die „neue Altstadt“. Von hier oben sieht das Viertel aus wie eine perfekt gepflegte Modelleisenbahn-Landschaft. Die bunten Giebelhäuser, die verwinkelten Gassen und der Kontrast zu den glatten Fassaden des Bankenviertels direkt dahinter sind phänomenal. Es ist dieser krasse Bruch zwischen Mittelalter-Repliken und Hochfinanz, der Frankfurt so eigenwillig macht. Man hört von hier oben das Läuten der Kirchenglocken viel intensiver, und manchmal weht der Duft von gebrannten Mandeln vom nahen Römerberg herauf, besonders wenn dort gerade ein Markt stattfindet. Es ist ein bodenständigerer Blick, weniger abgehoben, dafür näher am Puls der Frankfurter Geschichte. Wer keine Lust auf Massenabfertigung hat, findet hier oft mehr Ruhe als auf den modernen Aussichtsplattformen.

Die Zeilgalerie war gestern: Das MyZeil-Dach

Shopping und Aussicht lassen sich in Frankfurt perfekt kombinieren, auch wenn man dafür nicht unbedingt tief in die Tasche greifen muss. Das Einkaufszentrum MyZeil ist architektonisch ein ziemliches Spektakel mit seinem riesigen Glas-Trichter, der sich durch das Gebäude zieht. Viele Leute rennen einfach nur durch die Läden, aber der wahre Clou liegt ganz oben auf der Food-Ebene. Dort gibt es eine Terrasse, die zwar nicht extrem hoch ist, aber einen direkten Blick auf die Hauptwache und die Skyline bietet. Es ist der perfekte Ort für eine kurze Pause zwischen zwei Einkäufen. Man setzt sich mit einem Kaffee nach draußen und beobachtet das Ameisenrennen auf der Zeil. Es ist laut, es ist hektisch, und genau das macht den Charme aus. Frankfurt ist keine Stadt, die stillsteht, und von hier aus sieht man das Getriebe besonders gut.

Besonders interessant ist die Perspektive auf das Eschenheimer Tor. Der alte Wehrturm wirkt von hier aus wie ein Relikt aus einer anderen Zeit, das versehentlich zwischen modernen Bürogebäuden stehen geblieben ist. Es ist dieses Nebeneinander von Alt und Neu, das Frankfurt so unverwechselbar macht. Die Terrasse im MyZeil ist oft gut besucht, aber man findet meistens ein Plätzchen am Geländer. Hier oben ist die Luft oft etwas stickig, da der Abzug der vielen Restaurants in der Nähe ist, aber der Blick entschädigt dafür. Es ist ein unkomplizierter Stopp, ohne Eintrittsgeld und ohne großes Trara. Wer Frankfurt im Vorbeigehen von oben sehen will, ist hier genau richtig. Man merkt hier auch, wie grün die Stadt eigentlich ist, wenn man über die Häuserdächer hinweg in Richtung Norden blickt, wo die Alleen des Westends beginnen.

Geheimtipps und grüne Ausblicke

Es muss nicht immer der höchste Punkt sein, um Frankfurt zu begreifen. Manchmal reicht ein kleiner Hügel oder eine geschickt platzierte Brücke. Ein kleiner Geheimtipp ist der Goetheturm im Stadtwald. Nachdem er abgebrannt war, wurde er wieder aufgebaut und ist nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Er ist komplett aus Holz, was ein ganz anderes Gefühl vermittelt als der Stahl des Main Towers. Wenn man die Stufen hochsteigt, knarrt es unter den Füßen, und der Geruch von frischem Holz und Waldluft steigt einem in die Nase. Von hier aus sieht man die Skyline als Ganzes, eingebettet in ein Meer aus Bäumen. Es ist die Postkartenansicht schlechthin. Die Hochhäuser wirken von hier aus fast filigran, wie eine Skulptur, die jemand am Horizont vergessen hat. Hier oben ist es meistens ruhiger, man hört das Zwitschern der Vögel und das Rauschen der Blätter. Es ist ein Ort zum Durchatmen, weit weg vom Stress der Innenstadt.

Ein anderer Ort, den viele Frankfurter für den Feierabend wählen, ist der Lohrberg. Er ist der einzige Weinberg innerhalb der Stadtgrenzen und bietet eine Sicht, die fast schon ländlich wirkt. Man sitzt im Gras, hat vielleicht eine Flasche Ebbelwoi dabei und schaut zu, wie die Sonne langsam hinter den Hochhäusern verschwindet. Die Luft riecht hier nach Erde und Reben, und das ferne Funkeln der Skyline wirkt fast schon surreal. Es ist der Ort, an dem Frankfurt am gemütlichsten ist. Hier wird nicht gehetzt, hier wird genossen. Wer den Berg hochläuft, kommt vielleicht ein bisschen ins Schwitzen, aber die Belohnung ist ein Panorama, das keine Plattform der Welt ersetzen kann. Es ist dieses Gefühl von Weite, das man in der engen Innenstadt oft vermisst.

Man darf auch die Brücken nicht vergessen. Die Ignatz-Bubis-Brücke oder der Eiserne Steg bieten klassische Perspektiven. Wenn man auf dem Eisernen Steg steht und das Wasser des Mains unter sich fließen sieht, spürt man die Dynamik der Stadt. Die Liebesschlösser am Geländer klappern im Wind, und die Ausflugsdampfer ziehen ihre Bahnen. Es ist zwar kein Blick von oben, aber ein Blick auf das Fundament, auf dem diese ganze vertikale Stadt steht. Frankfurt ist am Ende eben doch eine Stadt am Fluss, und dieser Bezug zum Wasser ist von jedem Aussichtspunkt aus spürbar. Ob nun auf 200 Metern Höhe oder direkt am Ufer, Frankfurt verlangt danach, angeschaut zu werden. Die Stadt ist nicht schüchtern, sie präsentiert sich mit all ihren Ecken und Kanten, und das ist es, was sie so spannend macht. Man muss sich nur trauen, den ersten Schritt auf die Plattform oder die erste Stufe des Domturms zu setzen, dann offenbart sich ein Frankfurt, das viel mehr ist als nur eine Ansammlung von Banken.

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