Düsseldorf

Der Rheinturm: Düsseldorfs höchstes Lichtspielhaus und die größte Dezimaluhr der Welt

Wer in Düsseldorf nach oben schaut, kommt an diesem grauen Riesen nicht vorbei. Der Rheinturm ist mehr als nur ein Fernsehturm, er ist das blinkende Gewissen der Stadt. Hier oben trifft Architektur auf Zeitgeist, während unten der Rhein gemächlich Richtung Holland zieht.

Düsseldorf  |  Highlights & Stadtviertel
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Zwischenablage

Man muss schon den Kopf ordentlich in den Nacken legen, wenn man direkt am Fuße des Turms steht. Der Rheinturm dominiert die Silhouette von Düsseldorf wie kaum ein anderes Bauwerk. Mit seinen 240,5 Metern ist er das höchste Gebäude der Stadt und ein echtes Kind der frühen achtziger Jahre. Architekt Harald Deilmann hat hier ein Denkmal aus Stahlbeton gesetzt, das heute unter Denkmalschutz steht. Es riecht unten am Eingang oft nach einer Mischung aus Flusswasser und dem fernen Duft von gebrannten Mandeln, wenn auf den Rheinwiesen gegenüber gerade Kirmes ist. Der Sichtbeton wirkt aus der Nähe fast ein wenig grob, aber genau das macht den Charme dieses technischen Bauwerks aus. Es ist kein glatter Glaspalast, sondern ein ehrliches Stück Ingenieurskunst.

Der Bau begann 1979 und wurde 1982 abgeschlossen. Damals war das Projekt ein Statement für den Aufbruch der Stadt in ein neues Zeitalter. Der Turm steht strategisch günstig am Rande des Regierungsviertels, direkt neben dem Landtag von Nordrhein-Westfalen und dem Medienhafen. Diese Lage sorgt dafür, dass er aus fast jedem Winkel der Innenstadt zu sehen ist. Wer mit dem Fahrstuhl nach oben will, sollte sich auf einen kurzen, aber intensiven Druck auf den Ohren einstellen. Die Aufzüge rasen mit einer Geschwindigkeit von etwa vier Metern pro Sekunde in die Höhe. Das ist flott genug, um den Magen kurz flattern zu lassen, aber langsam genug, um die Vorfreude zu genießen. Oben angekommen, landet man auf der Aussichtsebene, die sich auf knapp 170 Metern befindet.

Interessant ist die Konstruktion des Turmkorbs. Er erinnert ein bisschen an ein gelandetes UFO, das sich im Beton verfangen hat. Die Fensterfronten sind schräg nach außen geneigt, was den Effekt verstärkt, über der Stadt zu schweben. Wer keine Höhenangst hat, kann sich direkt gegen die Glasscheiben lehnen. Das ist ein mulmiges Gefühl, weil man direkt unter seinen Füßen das Rheinufer sieht. Die Scheiben sind so konstruiert, dass man fast im 45-Grad-Winkel nach unten blickt. Oft kleben hier Kinder mit ihren Nasen an der Scheibe und versuchen, die winzigen Autos auf der Rheinkniebrücke zu zählen. Es ist ein Ort der Perspektivwechsel, an dem die Hektik der Stadt plötzlich ganz weit weg erscheint, während man das dumpfe Summen der Klimaanlage im Hintergrund hört.

Kurz & Kompakt
  • Adresse: Stromstraße 20, 40221 Düsseldorf. Erreichbar mit den Straßenbahnlinien 706, 708 und 709 bis zur Haltestelle Stadttor oder Landtag/Kniebrücke.
  • Dezimaluhr: Das System liest sich von oben nach unten. Die erste Gruppe zeigt Stunden, die zweite Minuten, die dritte Sekunden. Rote Lichter trennen die Bereiche.
  • Restaurant QOMO: Eine Reservierung ist dringend empfohlen, besonders für Tische direkt am Fenster. Die Drehbewegung dauert 72 Minuten.
  • Beste Besuchszeit: Wer das Lichtspiel der Uhr und den Sonnenuntergang erleben möchte, sollte etwa eine Stunde vor Dämmerung nach oben fahren.

Die größte Uhr der Welt und ihr Code

Das eigentliche Highlight ist für viele Düsseldorfer gar nicht die Aussicht, sondern das Lichtspiel an der Außenseite des Turmschafts. Es handelt sich um die größte Dezimaluhr der Welt, ein Werk des Künstlers Horst H. Baumann. Wenn es dunkel wird, leuchten 62 Leuchten in Gruppen übereinander auf. Für Unwissende sieht das einfach nur nach schicker Illumination aus, aber dahinter steckt ein logisches System. Die Leuchten sind durch Bullaugen im Beton eingelassen und in drei Abschnitte unterteilt: Stunden, Minuten und Sekunden. Das Ganze liest sich von oben nach unten. Die oberste Gruppe zeigt die Stunden an, die mittlere die Minuten und die unterste die Sekunden.

Es ist schon ein wenig kurios, wie viele Einheimische auch nach Jahren noch ratlos vor ihrem Wahrzeichen stehen und versuchen, die Uhrzeit zu entziffern. Das System basiert auf Dezimalstellen. Die oberen Leuchten einer Gruppe stehen für die Zehnerstellen, die unteren für die Einerstellen. Getrennt werden diese Gruppen durch rote Lampen, die keine zeitliche Funktion haben, sondern nur als Orientierung dienen. Wer das einmal kapiert hat, fühlt sich wie ein Eingeweihter. Es hat etwas Beruhigendes, nachts über die Oberkasseler Brücke zu fahren und zu sehen, wie die Lichter im Takt der Zeit blinken. Es ist ein Lichtzeichen, das bis weit ins Umland zu sehen ist und dem Turm den Beinamen Lichtskulptur eingebracht hat.

Früher gab es mal Pläne, die Uhr abzuschalten, um Strom zu sparen oder Wartungskosten zu senken. Das gab natürlich direkt einen Aufschrei in der Bevölkerung. Der Düsseldorfer an sich hängt an seinem "Langen", wie manche ihn nennen. Die Uhr ist im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen und gehört zur Identität der Stadt wie das Altbier und der Karneval. Wenn man abends am Rheinufer sitzt und ein Kaltgetränk genießt, ist der Turm der heimliche Taktgeber. Das gelbliche Licht der Lampen hat eine ganz eigene Wärme, die einen Kontrast zum kühlen Grau des Betons bildet.

Kulinarik zwischen Himmel und Erde

Eine Etage über der Aussichtsplattform befindet sich das Drehrestaurant "QOMO". Hier wird es etwas schicker. Das Besondere ist nicht nur das Essen, sondern die Tatsache, dass sich das gesamte Restaurant in 72 Minuten einmal um die eigene Achse dreht. Man kann also gemütlich seine japanische Fusion-Küche essen und dabei zusehen, wie erst der Medienhafen, dann die Altstadt und schließlich das weite Grün der Rheinauen am Fenster vorbeiziehen. Es ist ein langsamer, fast unmerklicher Tanz der Architektur. Manchmal verliert man kurz die Orientierung, wenn man nach dem dritten Gang feststellt, dass der Fernsehturm auf der anderen Rheinseite plötzlich verschwunden ist.

Die Küche im QOMO ist modern und legt den Fokus auf Sushi und Fleischgerichte mit asiatischem Einschlag. Es ist kein billiges Vergnügen, aber die Kombination aus Ambiente und Ausblick rechtfertigt den Preis für viele Besucher. Es herrscht dort oben eine ganz eigene Akustik. Die Gespräche der anderen Gäste klingen gedämpft, was vielleicht an der Teppichware oder der runden Form des Raumes liegt. Man fühlt sich ein bisschen wie in einem Kokon, weit über dem Trubel der Bolkerstraße. Wer nur einen Drink nehmen möchte, kann das an der Bar tun, die ebenfalls diesen Rundumblick bietet. Es empfiehlt sich, einen Tisch kurz vor Sonnenuntergang zu reservieren. Wenn der Himmel über Düsseldorf sich rosa und orange färbt, ist die Stimmung dort oben fast schon ein wenig kitschig, aber auf eine gute Art und Weise.

Für diejenigen, die es bodenständiger mögen, gibt es auf der unteren Aussichtsebene auch ein Bistro. Dort bekommt man Kaffee, Kuchen oder eine Currywurst. Es ist der perfekte Ort, um bei Schmuddelwetter Zuflucht zu suchen. Wenn der Regen gegen die schrägen Scheiben peitscht, wirkt die Stadt da unten fast wie ein Aquarellgemälde. Die Geräusche sind minimal, ab und zu hört man das Piepen eines Funkgeräts vom Sicherheitspersonal oder das Lachen einer Reisegruppe. Es ist ein Ort, der zum Verweilen einlädt, auch wenn man eigentlich nur kurz die Aussicht checken wollte.

Der Medienhafen im Schatten des Turms

Nach dem Abstieg lohnt sich ein Spaziergang in den direkt angrenzenden Medienhafen. Der Rheinturm fungiert hier als Scharnier zwischen dem traditionellen Flussufer und der modernen Architekturmeile. Wenn man aus dem Turm tritt, ist der Temperaturunterschied oft spürbar, besonders wenn der Wind ungehindert vom Rhein herüberweht. Der Hafen ist ein Spielplatz für Architekten wie Frank Gehry, dessen tanzende Bauten in unmittelbarer Nachbarschaft stehen. Die Gehry-Bauten mit ihren verkippten Wänden und spiegelnden Oberflächen bieten einen tollen Kontrast zum eher strengen, funktionalen Design des Rheinturms.

Im Medienhafen mischen sich Büroangestellte in Anzügen mit Touristen und Fotografen. Der Kontrast könnte nicht größer sein: Auf der einen Seite die glatten Fassaden der Werbeagenturen und Fernsehsender, auf der anderen Seite die alten Kaimauern und rostigen Poller, die an die Zeit erinnern, als hier noch Waren umgeschlagen wurden. Der Rheinturm überragt das alles. Er wirkt wie ein Aufpasser, der darauf achtet, dass der Hafen nicht zu sehr in der Moderne versinkt. Von den Stegen im Hafen aus ergeben sich wunderbare Fotomotive, bei denen sich der Turm im Wasser oder in den Glasfronten der umliegenden Gebäude spiegelt. Es ist eine Ecke von Düsseldorf, die sich ständig neu erfindet.

Wer Zeit hat, sollte den Weg am Wasser entlang Richtung Altstadt wählen. Es sind etwa 15 Minuten zu Fuß. Man läuft unter den alten Platanen der Rheinuferpromenade her, sieht die Schiffe vorbeiziehen und hat den Rheinturm immer im Rücken. Diese Achse zwischen dem modernen Hafen und der "längsten Theke der Welt" macht den Reiz der Stadt aus. Der Turm ist dabei der Fixpunkt. Er hilft einem bei der Orientierung, egal wie viele Altbier man in der Altstadt getrunken hat. Man muss nur nach der blinkenden Uhr suchen, um den Weg zurück zum Fluss zu finden.

Praktische Tipps für den Besuch

Ein Besuch des Rheinturms sollte gut geplant sein, wenn man lange Schlangen vermeiden will. Besonders am Wochenende oder bei strahlendem Sonnenschein zieht es viele Menschen hierher. Frühaufsteher haben die besten Chancen auf einen ruhigen Moment an der Scheibe. Wer erst gegen Abend kommt, wird mit dem Lichtermeer der Stadt belohnt, muss aber oft mit Wartezeiten am Aufzug rechnen. Die Ticketpreise variieren je nach Tageszeit, wobei es oft günstigere Tarife für den Vormittag gibt. Es lohnt sich, die Karten vorab online zu kaufen, um die erste Schlange am Kassenhäuschen zu überspringen.

Barrierefreiheit wird hier großgeschrieben. Rollstuhlfahrer gelangen problemlos über Aufzüge auf die Aussichtsplattform. Das Personal ist hilfsbereit und kennt die Tücken des Turms. Hunde müssen allerdings draußen bleiben, was man bei einem längeren Stadtspaziergang einplanen sollte. Oben gibt es kostenlose Ferngläser, mit denen man bei klarer Sicht sogar den Kölner Dom am Horizont entdecken kann. Das sorgt bei Düsseldorfern oft für ein leichtes Augenrollen, gehört aber zum Standardprogramm jeder Führung. Man sieht von hier oben auch sehr gut die Arena im Norden der Stadt und den Flughafen. Es ist faszinierend zu beobachten, wie die Flugzeuge im Minutentakt wie kleine Spielzeugmodelle landen und starten.

Ein kleiner Geheimtipp ist der Besuch bei leicht nebligem Wetter. Wenn die Wolken tief hängen, verschwindet die Turmspitze manchmal komplett im Weiß. Dann fühlt man sich oben auf der Aussichtsplattform wie in einer anderen Welt, völlig losgelöst vom Boden. Es ist dann sehr still, und das Licht der Dezimaluhr bricht sich diffus im Nebel. Das hat fast schon etwas Mystisches und ist eine ganz andere Erfahrung als der klassische Postkartenblick bei blauem Himmel. Egal bei welchem Wetter, der Rheinturm bleibt das stabilste Element in einer Stadt, die sich sonst so gerne schnell wandelt. Er ist der Ankerpunkt am Rhein, ein technisches Wunderwerk mit Herzschlag.

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