Düsseldorf

Der Hofgarten: Düsseldorfs grüne Lunge und der "Jröne Jong"

Der Hofgarten ist weit mehr als eine bloße Ansammlung von Bäumen mitten in der City. Hier treffen Geschäftsleute auf Picknickdecken und barocke Symmetrie auf rheinische Gelassenheit. Wer Düsseldorf verstehen will, muss unter diesen Platanen spazieren gehen.

Düsseldorf  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Wer durch den Hofgarten schlendert, bewegt sich auf historischem Terrain, auch wenn das beim Anblick der modernen Kö-Bogen-Architektur am Rand schnell in Vergessenheit gerät. Der Park gilt als der erste deutsche Volksgarten, was damals, im späten 18. Jahrhundert, eine kleine Sensation war. Kurfürst Carl Theodor wollte nicht nur für sich und seinen Hofstaat ein grünes Refugium schaffen, sondern öffnete die Anlage bewusst für die Bürger. Das merkt man heute noch. Die Struktur ist ein faszinierender Mix aus barocker Strenge und dem später modischen englischen Landschaftsgarten. Während man im älteren Teil zwischen Schloss Jägerhof und der Landskrone noch die geometrische Handschrift von Nicolas de Pigage erkennt, wirkt der neuere Teil Richtung Rhein deutlich wilder und natürlicher. Es riecht hier nach feuchter Erde und frisch gemähtem Gras, unterbrochen vom fernen Rauschen des Verkehrs auf dem Corneliusplatz.

Besonders reizvoll ist die Tatsache, dass der Park über die Jahrhunderte organisch gewachsen ist. Er hat Kriege, Umgestaltungen und den Bau massiver Autotunnel überstanden. Wenn man heute über die Reitallee geht, spürt man diesen Hauch von alter Eleganz. Die mächtigen Platanen bilden ein natürliches Dach, das im Sommer die Hitze der Stadt schluckt. Es ist ein Ort der Kontraste. Auf der einen Seite die glitzernden Fassaden der Libeskind-Bauten, auf der anderen Seite die patinierten Denkmäler, die teilweise etwas verloren in der Landschaft stehen. Manchmal wirkt der Park wie ein gutmütiger alter Herr, der sich trotzig gegen die Hektik der Umgebung stemmt. Die Düsseldorfer nutzen ihren Hofgarten dabei völlig unprätentiös. Hier wird nicht nur flaniert, hier wird gelebt, geschlafen und manchmal auch lautstark diskutiert.

Kurz & Kompakt
  • Lage & Anfahrt: Zentral zwischen Altstadt, Königsallee und Pempelfort gelegen. Am besten erreichbar über die Haltestellen Heinrich-Heine-Allee (U-Bahn) oder Schadowstraße.
  • Der Jröne Jong: Die berühmte Triton-Skulptur von Joseph Hammerschmidt findet ihr am nördlichen Ende der Landskrone, direkt in der Sichtachse der Reitallee.
  • Kultur-Stopps: Das Goethe-Museum im Schloss Jägerhof und das Theatermuseum liegen direkt am Parkrand und lassen sich perfekt mit einem Spaziergang verbinden.
  • Atmosphäre: Ein Mix aus barocker Gartenkunst und englischem Landschaftspark, beleuchtet von historischen Gaslaternen – ideal für Picknicks, Jogging oder eine kurze Auszeit vom Shopping.

Der Jröne Jong und seine Brunnen-Nachbarn

Wenn es ein Wahrzeichen gibt, das die Seele des Parks verkörpert, dann ist es der Jröne Jong. Eigentlich heißt die Figur offiziell Triton, aber im Rheinland mag man es gerne etwas volksnäher. Die Skulptur am Ende der Sichtachse der Reitallee ist ein echter Hingucker, auch wenn der Bursche über die Jahre eine ordentliche Portion Algen angesetzt hat. Er hockt da auf seinem Felsen und bläst in eine Muschel, während das Wasser in hohem Bogen in das Becken spritzt. Das Grün der Bronze hat sich perfekt an die Umgebung angepasst, daher wohl auch der Spitzname. Es ist ein herrlich entspannter Ort, um auf einer der Bänke zu sitzen und einfach nur zuzuschauen, wie die Enten um die Wette paddeln. Das Plätschern des Brunnens übertönt das städtische Hintergrundrauschen fast vollständig.

Interessant ist die handwerkliche Qualität dieser Arbeit von Joseph Hammerschmidt. Man muss schon genau hinschauen, um die Details der Muskulatur und den konzentrierten Gesichtsausdruck zu erkennen. Der Jröne Jong ist kein stiller Beobachter, er wirkt fast so, als wolle er jeden Moment aufspringen. Nicht weit entfernt finden sich weitere skulpturale Highlights, wie der Märchenbrunnen, der eine ganz andere, verspieltere Atmosphäre schafft. Dort versammeln sich oft Eltern mit ihren Kindern, während die älteren Düsseldorfer eher die Ruhe am Ananasberg suchen. Diese Mischung aus Kunst im öffentlichen Raum und purer Natur macht den Reiz aus. Man stolpert quasi alle paar Meter über ein Stück Kulturgeschichte, ohne dass es sich wie ein Museum anfühlt. Es ist Kunst zum Anfassen, oder zumindest zum Drumherum-Joggen.

Flora, Fauna und der Kampf um die Picknickplätze

Die biologische Vielfalt im Hofgarten ist für eine so dicht bebaute Stadt erstaunlich. Vor allem die Vogelwelt hat es sich hier gemütlich gemacht. Wer Glück hat, sieht einen der Eisvögel, die blitzschnell über die Landskrone flitzen. Häufiger begegnet man allerdings den eher rabiaten Kanadagänsen, die den Park mittlerweile als ihr Eigentum betrachten. Man sollte sein belegtes Brötchen also besser fest im Griff behalten. Der Rasen ist an sonnigen Tagen ein buntes Mosaik aus Decken und Menschen. Da liegt der Anwalt im Anzug neben dem Studenten mit der Gitarre. Es ist diese rheinische Mischung, die den Park so sympathisch macht. Keiner schaut den anderen schief an, solange man sich den Platz teilt.

Botanisch gesehen ist der Park eine Schatzkammer. Es gibt Bäume, die weit über hundert Jahre alt sind und schon Dinge gesehen haben, von denen wir nur in Geschichtsbüchern lesen. Die mächtigen Blutbuchen setzen im Frühjahr und Sommer dunkle Farbakzente gegen das helle Grün der Wiesen. Wenn der Wind durch die Blätter fährt, entsteht ein ganz eigenes Geräusch, das fast wie Meeresrauschen klingt. Manchmal vergisst man hier tatsächlich, dass man sich nur wenige Meter von einer der teuersten Einkaufsstraßen Europas entfernt befindet. Der Boden unter den Bäumen ist oft mit Efeu bedeckt, was dem Ganzen einen leicht verwunschenen Touch gibt. Es ist kein klinisch sauberer Park, sondern einer, der atmet und sich verändert. Im Herbst verwandelt sich das Areal in ein flammendes Meer aus Gelb- und Rottönen, das Fotografen in Scharen anlockt.

Architektonische Schnittstellen und moderne Akzente

Die Ränder des Hofgartens haben sich in den letzten Jahren massiv verändert. Der Abriss des Tausendfüßlers, einer alten Hochstraße, hat dem Park viel Licht und Raum zurückgegeben. Jetzt grenzen die modernen Kö-Bögen direkt an das Grün. Diese Architektur aus Glas und weißem Stein spiegelt die Bäume wider und sorgt für eine spannende optische Verschmelzung von Natur und Hightech. Es ist fast so, als würde der Park in die Gebäude hineinwachsen. Man kann durch die Passagen schlendern und steht plötzlich wieder auf einer gepflegten Rasenfläche. Das ist städtebaulich wirklich gut gelöst, auch wenn Puristen der alten Zeit vielleicht etwas nachtrauern.

Ein Spaziergang zum Schloss Jägerhof am östlichen Ende des Parks gehört zum Pflichtprogramm. Das zartrosa Gebäude beherbergt heute das Goethe-Museum und bildet einen würdigen Abschluss der Parklandschaft. Der Kontrast zwischen dem barocken Schlösschen und den umliegenden modernen Bürohäusern zeigt die Zerrissenheit und gleichzeitig die Vitalität Düsseldorfs. Hier wird nichts konserviert, sondern alles im Fluss gehalten. Besonders stimmungsvoll ist es in der Dämmerung, wenn die alten Gaslaternen im Park angehen. Düsseldorf ist eine der wenigen Städte, die noch ein großes Netz an Gasbeleuchtung unterhalten. Das warme, leicht flackernde Licht verleiht den Wegen eine nostalgische Note, die man in modernen LED-beleuchteten Städten vergeblich sucht. Es wirkt dann alles ein bisschen wie aus der Zeit gefallen.

Praktische Tipps für den Parkbesuch

Wer den Hofgarten wirklich genießen will, sollte sich Zeit nehmen und kein festes Ziel verfolgen. Einfach mal treiben lassen funktioniert hier am besten. Für den kleinen Hunger zwischendurch gibt es im Park und an seinen Rändern diverse Kioske und Cafés. Ein echter Klassiker ist das Goldene Ringlet oder man holt sich einfach ein Getränk am Kiosk und setzt sich direkt ans Wasser. Die Wege sind gut ausgebaut, sodass man auch mit dem Fahrrad oder Inline-Skates gut vorankommt, wobei man auf die vielen Spaziergänger Rücksicht nehmen muss. Es kann am Wochenende recht voll werden, wer also Stille sucht, sollte eher die frühen Morgenstunden unter der Woche nutzen. Dann gehört der Park den Joggern und den Vögeln.

Toiletten sind im Park eher Mangelware, da muss man oft auf die angrenzende Gastronomie oder die Kaufhäuser am Rande ausweichen. Das ist ein kleiner Wermutstropfen, den man einplanen sollte. Parken direkt am Hofgarten ist teuer und nervenaufreibend, daher empfiehlt sich die Anreise mit der U-Bahn bis zur Haltestelle Heinrich-Heine-Allee oder Schadowstraße. Von dort aus ist man in zwei Minuten im Grünen. Wer den Jrönen Jong besuchen möchte, orientiert sich am besten Richtung Opernhaus und folgt dann dem Wasserlauf der Landskrone. Es ist ein Spaziergang, der Körper und Geist gleichermaßen erfrischt, egal ob man nur eine kurze Mittagspause macht oder einen ganzen Nachmittag vertrödelt.

Einen kleinen Geheimtipp gibt es noch für die Romantiker unter den Besuchern. Hinter dem Schloss Jägerhof gibt es einen kleinen, oft übersehenen Bereich, der besonders ruhig ist. Hier kann man wunderbar lesen oder einfach mal tief durchatmen, ohne dass ständig jemand an einem vorbeirennt. Es sind diese kleinen Nischen, die den Park so wertvoll machen. Man findet immer wieder eine neue Ecke, eine neue Statue oder einen Baum, den man vorher noch nie bewusst wahrgenommen hat. Der Hofgarten ist wie ein gutes Buch, das man immer wieder lesen kann und jedes Mal etwas Neues entdeckt. Man muss nur die Augen offen halten und bereit sein, sich auf das Tempo der Natur einzulassen.

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