Düsseldorf

Schloss Benrath: Das rosa Lustschloss und seine königlichen Gärten

Ein Hauch von Versailles im Düsseldorfer Süden. Das lachsrosa Ensemble aus Schloss, Weiher und Park ist kein verstaubtes Museum, sondern gelebte Ästhetik. Hier trifft barocke Symmetrie auf niederrheinische Gelassenheit.

Düsseldorf  |  Highlights & Stadtviertel
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Zwischenablage

Das Schloss Benrath. Es wirkt fast ein wenig deplatziert zwischen den gewöhnlichen Wohnhäusern und dem alltäglichen Treiben des Stadtteils, wie eine kostbare Porzellanfigur in einem Setzbaukasten. Nicolas de Pigage, der Architekt des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz, hat hier im 18. Jahrhundert ganze Arbeit geleistet. Er schuf ein Maison de Plaisance, ein Lustschloss, das primär dem Vergnügen und der Jagd dienen sollte. Die Farbe der Fassade ist kein Zufall, sondern ein Statement. Dieses spezielle Rosa, das je nach Sonnenstand zwischen zartem Pastell und kräftigem Lachs changiert, war damals der letzte Schrei und symbolisierte höfische Eleganz.

Auffällig ist die optische Täuschung, die Pigage meisterhaft inszeniert hat. Von außen wirkt das Hauptgebäude, das sogenannte Corps de Logis, wie ein einstöckiger Pavillon. Das war pure Absicht, denn ein Lustschloss sollte bescheiden und privat wirken, nicht wie ein massiver Regierungssitz. Tritt man jedoch ein, offenbart sich ein ausgeklügeltes System aus Zwischengeschossen und versteckten Treppenhäusern. Über achtzig Räume verbergen sich hinter der vermeintlich kleinen Fassade. Da wurde ordentlich getrickst, um den Hofstaat und die Dienerschaft unterzubringen, ohne die kurfürstliche Ruhe zu stören. Es riecht im Inneren nach altem Holz, Bohnerwachs und einer Spur Geschichte. Der Kontrast zwischen den stuckverzierten Decken und dem Blick aus den hohen Fenstern auf den spiegelglatten Schlossweiher ist einfach stimmig. Man merkt sofort, dass hier jedes Detail durchdacht wurde, vom Parkettmuster bis zur Position der Kamine.

Kurz & Kompakt
  • Anreise: Am einfachsten mit der U71 oder U83 bis zur Haltestelle Schloss Benrath. Die Fahrt von der Innenstadt dauert etwa 30 Minuten und bietet einen guten Querschnitt durch die verschiedenen Viertel.
  • Kulinarik: Das Schlosscafé im Westflügel ist der Klassiker für Kaffee und Kuchen. Wer es rustikaler mag, findet in der Fußgängerzone von Benrath zahlreiche Alternativen.
  • Veranstaltungen: Das Lichterfest im Sommer ist das absolute Highlight. Dann wird das Schloss illuminiert und es gibt klassische Musik unter freiem Himmel. Karten sollte man sich aber frühzeitig besichern, da das Event meist ratzfatz ausverkauft ist.

Das Innenleben der Kurfürsten

Im Inneren des Schlosses wird deutlich, wie sehr Karl Theodor und seine Gattin Elisabeth Auguste auf Komfort bedacht waren. Die Räume sind hell, was für die damalige Zeit nicht selbstverständlich war. Große Fensterfronten lassen das Licht fluten und verbinden den Innenraum optisch mit der umliegenden Natur. Besonders beeindruckend ist der Kuppelsaal. Wenn man dort in der Mitte steht und den Kopf in den Nacken legt, fühlt man sich fast ein bisschen winzig angesichts der prachtvollen Malereien und des feinen Stucks. Interessant ist dabei, dass das Schloss kaum bewohnt wurde. Der Kurfürst verbrachte hier insgesamt nur wenige Tage. Das ist eigentlich der pure Luxus: Man lässt sich eine Sommerresidenz der Extraklasse bauen und schaut dann nur mal kurz auf einen Sprung vorbei. Heute beherbergt das Corps de Logis Führungen, die einen tiefen Einblick in die höfische Etikette geben. Man lernt etwa, dass die getrennten Schlafgemächer des Paares durch einen geheimen Gang verbunden waren – Diskretion war auch damals schon Trumpf.

Neben den Haupträumen gibt es in den Seitenflügeln noch spezialisierte Museen. Der Westflügel beherbergt das Museum für Naturkunde, das sich vor allem der Flora und Fauna der niederrheinischen Bucht widmet. Das klingt im ersten Moment vielleicht trocken, ist aber in der historischen Umgebung erstaunlich charmant umgesetzt. Man wandelt unter alten Gewölben und betrachtet Präparate, während draußen die echten Vögel im Park zwitschern. Im Ostflügel befindet sich das Museum für Gartenkunst. Das ist quasi das Pflichtprogramm, wenn man verstehen will, warum der Park so aussieht, wie er aussieht. Hier werden historische Pläne, Werkzeuge und Skulpturen ausgestellt. Es ist eine der wenigen Einrichtungen weltweit, die sich so intensiv mit der Geschichte der Gartenkultur auseinandersetzt. Wer sich für Landschaftsarchitektur erwärmen kann, findet hier massig Futter für das Gehirn.

Grüne Geometrie und wilde Winkel

Der Park von Schloss Benrath ist kein gewöhnlicher Stadtpark, in dem man nur ein bisschen auf der Wiese rumliegt. Er ist ein denkmalgeschütztes Gesamtkunstwerk, das über 60 Hektar umfasst. Die Struktur ist streng symmetrisch angelegt, zumindest im vorderen Teil. Wenn man auf der Mittelachse steht und Richtung Rhein blickt, erkennt man die präzise Linienführung der Alleen. Das ist Gartenkunst in Reinform. Die Wege sind mit feinem Kies bestreut, der unter den Schuhsohlen knirscht – ein Geräusch, das untrennbar mit einem Besuch in Benrath verbunden ist. Überall stehen Bänke, auf denen man die Seele baumeln lassen kann, während man den Enten auf dem Weiher zusieht. Diese Vögel sind übrigens ziemlich tiefenentspannt und lassen sich von den Besuchern kaum aus der Ruhe bringen.

Spannend wird es, wenn man die strengen Sichtachsen verlässt und tiefer in die verschiedenen Gartenteile vordringt. Da gibt es den englischen Garten, der bewusst natürlicher und wilder gestaltet ist. Hier dominieren geschwungene Wege und dichte Baumgruppen. Es ist der perfekte Ort, um der Hitze im Hochsommer zu entfliehen, da die alten Bäume ordentlich Schatten spenden. Dann gibt es noch den Küchengarten, in dem früher Obst und Gemüse für die kurfürstliche Tafel gezogen wurde. Heute ist er ein Refugium für seltene Pflanzenarten und Kräuter. Es duftet dort je nach Jahreszeit nach Lavendel, Rosmarin oder feuchter Erde. Ein kleiner Geheimtipp ist der versteckte Weiher im hinteren Teil des Parks. Dort ist es meist deutlich ruhiger als direkt am Schloss, und man kann wunderbar beobachten, wie sich das Sonnenlicht in den Blättern der Trauerweiden bricht. Das ist Naturkino pur, ganz ohne Spezialeffekte.

Vom Rhein bis zur Schlossallee

Ein besonderes Merkmal der Anlage ist die direkte Verbindung zum Rhein. Der sogenannte Spiegelweiher erstreckt sich als langer Kanal in Richtung des Stroms. Früher konnten die Herrschaften theoretisch mit dem Schiff fast bis vor die Haustür fahren. Heute trennt ein Deich den Park vom Fluss, aber der Bezug ist immer noch spürbar. Man kann wunderbar vom Schloss aus bis zum Rheinufer spazieren, was etwa zwanzig Minuten dauert. Dort oben auf dem Deich weht meist eine frische Brise, und man hat einen fantastischen Blick auf die vorbeiziehenden Frachtschiffe. Dieser Übergang von der streng geordneten Parklandschaft zur rauen, dynamischen Flusslandschaft des Niederrheins macht den Reiz der Lage aus. Es ist dieser Mix aus barocker Disziplin und rheinischer Weite, der Benrath so eigenwillig macht.

In der Umgebung des Schlosses hat sich zudem eine Infrastruktur entwickelt, die den Ausflug abrundet. Die Schlossallee bietet kleine Cafés und Geschäfte, in denen es deutlich gemütlicher zugeht als in der hektischen Düsseldorfer Innenstadt. Wer nach dem Schlossbesuch Hunger bekommt, findet hier eigentlich immer ein Plätzchen. Ob es nun ein Stück Kuchen oder eine deftige rheinische Mahlzeit sein soll, die Auswahl passt. Es ist diese Unaufgeregtheit des Stadtteils, die den Besuch so angenehm macht. Man ist zwar in einer Großstadt, aber hier draußen fühlt es sich eher wie in einer wohlhabenden Kleinstadt an. Die Leute grüßen sich, man kennt sich, und das Schloss gehört einfach dazu, wie die Butter aufs Brot. Es ist kein abgeschottetes Areal, sondern ein fester Bestandteil des Viertels, in dem Kinder spielen und Senioren ihre tägliche Runde drehen.

Praktisches und Kurioses

Wer das Schloss besichtigen möchte, sollte im Hinterkopf behalten, dass man die Innenräume des Corps de Logis nur im Rahmen einer Führung betreten darf. Das ist aber kein Nachteil, da die Guides oft herrliche Anekdoten auf Lager haben, die man in keinem Standardwerk findet. Um die historischen Parkettböden zu schützen, muss man in riesige Filzpantoffeln schlüpfen. Das sieht zwar unfassbar dämlich aus, macht aber einen Riesenspaß, wenn die ganze Gruppe lautlos über das Holz schlittert. Es hat etwas fast Meditatives, so durch die Säle zu gleiten. Fotografieren ist innen meistens schwierig oder nur eingeschränkt erlaubt, aber mal ehrlich: Die Bilder im Kopf halten ohnehin länger. Draußen im Park darf man dagegen nach Herzenslust knipsen, und die Fotomotive gehen einem dort sicher nicht aus.

Ein kurioses Detail ist das Entwässerungssystem der Anlage. Da das Schloss in einer sumpfigen Niederung gebaut wurde, ruht es auf Tausenden von Eichenpfählen. Damit diese nicht verrotten, müssen sie permanent unter Wasser stehen. Das bedeutet, dass der Wasserstand der Weiher ständig kontrolliert und reguliert werden muss. Ein Schloss auf Stelzen, sozusagen. Wenn man das weiß, blickt man mit ganz anderen Augen auf die Wasserflächen. Es ist ein technisches Wunderwerk unter der hübschen rosa Oberfläche. Auch die Fauna im Park hat ihre Eigenheiten. Neben den üblichen Verdächtigen wie Graureihern und Kaninchen gibt es hier eine beachtliche Population an Fledermäusen, die in den alten Bäumen und Gebäuden nisten. In der Dämmerung kann man sie manchmal flitzen sehen, wenn sie über den Weihern auf Insektenjagd gehen. Das verleiht dem Ort eine leicht mystische Atmosphäre, weit weg vom Trubel der Königsallee.

Ein Ort für alle Jahreszeiten

Schloss Benrath lohnt sich eigentlich immer, egal ob die Sonne brennt oder der Nebel über den Wiesen hängt. Im Frühling explodieren die Farben, wenn die Obstbäume blühen und die ersten Blumen aus dem Boden schießen. Im Sommer ist der Park eine grüne Oase, die Kühlung verspricht, während der Asphalt in der City glüht. Der Herbst bringt ein wahres Feuerwerk an Farben, wenn sich das Laub der alten Buchen und Eichen verfärbt und mit dem Rosa des Schlosses um die Wette leuchtet. Selbst im Winter, wenn Raureif auf den Skulpturen liegt und der Weiher vielleicht sogar leicht angefroren ist, hat die Anlage einen ganz eigenen, fast melancholischen Charme. Man zieht den Schal enger, hört den eigenen Atem und genießt die Stille, die sich über die geometrischen Formen legt.

Man sollte sich für den Besuch Zeit nehmen. Mal eben schnell durchhetzen funktioniert hier nicht, dafür gibt es zu viele Ecken zu entdecken. Pack dir vielleicht ein Buch ein oder setz dich einfach nur hin und beobachte die Leute. Es ist faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die Menschen den Raum nutzen. Die Jogger, die zielstrebig ihre Bahnen ziehen, die Brautpaare, die für das perfekte Foto posieren, und die Biologiestudenten, die mit Klemmbrettern bewaffnet die Pflanzenwelt analysieren. Schloss Benrath ist ein Ort, der für jeden etwas bietet, ohne sich dabei anzubiedern. Es ist einfach da, prachtvoll, ein bisschen exzentrisch und tief verwurzelt in der rheinischen Erde. Wer Düsseldorf wirklich verstehen will, kommt an diesem lachsrosa Prachtbau nicht vorbei. Es ist die perfekte Mischung aus barockem Größenwahn und bodenständiger Gemütlichkeit, die so typisch für diese Region ist.

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