Wer zum ersten Mal am Hauptbahnhof aus dem Zug steigt, wird förmlich erschlagen von der Farbe Gelb. Die Straßenbahnen der Dresdner Verkehrsbetriebe, kurz DVB, prägen das Stadtbild fast so stark wie die Kuppel der Frauenkirche. Es quietscht ein wenig in den Kurven, wenn die langen Niederflurwagen um die Ecke am Postplatz biegen. Dieser Platz ist das nervöse Zentrum des Netzes. Hier treffen sich fast alle wichtigen Linien. Es riecht nach Metallabrieb und manchmal nach der Bratwurstbude an der Ecke. Wer hier steht, merkt schnell, dass Taktzeiten in Dresden keine bloße Theorie sind. Meistens kommt alle zehn Minuten eine Bahn, zumindest auf den Hauptlinien am Tag. Nachts schrumpft das Angebot ein bisschen zusammen, aber die "GuteNachtLinien" sorgen dafür, dass auch Nachtschwärmer aus der Neustadt irgendwie wieder in Richtung Striesen oder Gorbitz kommen.
Die Straßenbahn ist in Dresden heilig. Das merkt man an der Spurweite. Mit 1450 Millimetern ist sie ein echtes Unikat, ein paar Millimeter breiter als die Standardspur der Deutschen Bahn. Warum das so ist, wissen wahrscheinlich nur noch eingefleischte Technik-Nerds aus der Reichsbahnzeit, aber für den Fahrgast bedeutet es vor allem Laufruhe. In den modernen Stadtbahnwagen, die fast wie ein langes Wohnzimmer wirken, gleitet man recht entspannt über das Kopfsteinpflaster der Altstadt. Es ist ratsam, sich einen Fensterplatz zu suchen, besonders wenn die Linie 4 Richtung Weinböhla rattert. Das ist quasi die Sightseeing-Tour für Arme, weil sie einen direkt an den Radebeuler Weinbergen vorbeiführt, ohne dass man ein teures Ticket für einen Touristenbus lösen muss.
Kurz & Kompakt- Ticket-Tipp: Die App "DVB mobil" ist die stressfreiste Lösung für Fahrkarten und zeigt Verspätungen in Echtzeit an.
- Panoramablick: Die Schwebebahn in Loschwitz bietet die beste Aussicht über das Elbtal, kostet aber einen kleinen Aufpreis.
- Nachtverkehr: Am Postplatz treffen sich nachts alle Linien gleichzeitig – wer hier den Anschluss verpasst, wartet mindestens 30 Minuten.
- Fähren-Bonus: Die Elbfähren können in der Zone 10 meist mit dem normalen VVO-Ticket genutzt werden und sind eine tolle Alternative zur Brücke.
Fahrkartenkauf ohne Nervenzusammenbruch
Ein Ticket zu ziehen, war früher eine Wissenschaft für sich. Heute stehen an fast jeder größeren Haltestelle diese grauen Automaten, die zwar manchmal etwas behäbig reagieren, aber immerhin Deutsch und Englisch sprechen. Wichtig ist das Zonen-Prinzip. Dresden ist die Tarifzone 10. Solange man sich innerhalb der Stadtgrenzen bewegt, reicht ein Einzelfahrschein für eine Zone. Wer allerdings zum Schloss Pillnitz möchte oder nach Moritzburg, muss aufpassen, da dort oft schon die nächste Zone beginnt. Ein kleiner Tipp am Rande: Die DVB-App "DVB mobil" ist mittlerweile ziemlich solide. Man spart sich das Gefummel mit dem Kleingeld und das Entwerten am kleinen gelben Kasten im Wagen entfällt auch, wenn man das digitale Ticket nutzt. Das spart dieses typische, leicht panische Suchen nach dem Entwerter, wenn die Bahn gerade anfährt und man noch keinen festen Stand hat.
Interessant ist die Kurzstrecke. Wer nur vier Haltestellen weit will, kommt günstiger weg. Aber Vorsicht, das gilt nicht für die S-Bahn, auch wenn die innerhalb Dresdens mit den normalen Tickets genutzt werden darf. Diese Mischung aus VVO (Verkehrsverbund Oberelbe) und DVB sorgt manchmal für Verwirrung. Im Grunde gilt aber: Ein Ticket für alles. Man kann aus der Tram hüpfen, in den Bus steigen und danach mit der S-Bahn zum Flughafen fahren, solange die Zeitvorgabe auf dem Ticket passt. Eine Einzelfahrt ist eine Stunde lang gültig. Das reicht meistens locker, um vom einen Ende der Stadt zum anderen zu kommen, außer die Augustusbrücke ist mal wieder wegen einer Demo oder eines Marathons gesperhlt.
Busse für die Feinjustierung
Während die Straßenbahn die breiten Schneisen schlägt, übernehmen die Busse die Drecksarbeit in den Randbezirken. Die 60er-Linien sind die Arbeitstiere. Die Linie 61 zum Beispiel schaufelt täglich tausende Studenten zur Technischen Universität. Morgens herrscht dort ein Geruchsgemisch aus Kaffeebechern und Deo, während sich die Massen in die Gelenkbusse quetschen. Es ist eng, es ist laut, aber es funktioniert erstaunlich präzise. Die Busfahrer in Dresden haben zudem eine beneidenswerte Ruhe weg, wenn sie ihre riesigen Fahrzeuge durch die engen Gassen von Loschwitz oder Plauen manövrieren. Manchmal fragt man sich, wie das passt, aber am Ende fehlt kein Spiegel.
Besonders die Linie 62 ist ein Phänomen. Sie verbindet Johannstadt mit Plauen und ist gefühlt immer voll. Wer hier mitfährt, sieht das echte Dresden abseits der Postkartenmotive. Plattenbauten wechseln sich mit Gründerzeitvillen ab. Es ist diese soziale Mischung, die den Busverkehr hier ausmacht. Manchmal sitzt eine ältere Dame mit Hut neben einem Punk aus der Neustadt. Keiner würdigt den anderen eines Blickes, aber man teilt sich den knappen Raum. In den neueren Elektrobussen ist es zudem fast gespenstisch leise. Man hört nur das Summen der Motoren und das leise Quietschen der Gummipuffer. Das ist ein großer Fortschritt gegenüber den alten Dieselstinkern, die früher die Luft in der Wilsdruffer Straße verpestet haben.
Über das Wasser und in die Höhe
Dresden wäre ohne die Elbe nicht denkbar, und die DVB hat das verstanden. Die drei Elbfähren gehören zum Liniennetz dazu. Das ist für Besucher oft das Highlight. Besonders die Fähre zwischen Niederpoyritz und Laubegast hat Charme. Man steht auf dem kleinen Deck, der Wind pfeift ein bisschen, und für ein paar Minuten fühlt man sich wie auf einer großen Kreuzfahrt, nur eben für den Preis eines Bustickets. Es ist eine der entschleunigsten Arten, die Stadt zu erleben. Der Fährmann wirkt meist so, als hätte er die Ruhe gepachtet, während er das Schiff sicher gegen die Strömung ans andere Ufer drückt. Es riecht nach Flusswasser und Algen, ein krasser Kontrast zum Bremsstaub der Innenstadt.
Und dann sind da noch die Bergbahnen in Loschwitz. Die Schwebebahn und die Standseilbahn sind zwar eher technische Denkmäler, aber sie gehören zum DVB-Inventar. Wer mit der Schwebebahn nach oben fährt, hat diesen einen Blick über das Elbtal, für den andere Leute hunderte Euro bezahlen würden. Man schwebt über die Dächer der Villen hinweg, hört das rhythmische Klacken der Rollen an den Schienen. Oben angekommen, ist die Hektik der Stadt weit weg. Ein kleiner Wermutstropfen: Hier gelten spezielle Tarife, die normale Tageskarte reicht nicht immer aus, es sei denn, man hat ein Abo. Es lohnt sich trotzdem, diesen kleinen Obolus zu entrichten, allein schon wegen der hölzernen Waggons der Standseilbahn, die so schön nostalgisch knarzen.
Nachts in der Spur bleiben
Wenn die Lichter in der Semperoper ausgehen und die Kneipen in der Neustadt erst so richtig warmlaufen, ändert das System seinen Rhythmus. Das sogenannte Postplatz-Treffen ist eine Dresdner Institution. Zu den vollen und halben Stunden fahren die Bahnen sternförmig aus allen Richtungen am Postplatz ein, warten kurz aufeinander, damit jeder umsteigen kann, und schwärmen dann wieder aus. Es ist ein perfekt choreografiertes Ballett aus gelbem Blech. Wer den Anschluss verpasst, hat Pech und muss eine halbe Stunde warten oder sich einen Döner zur Überbrückung suchen. Die Stimmung in den Nachtbahnen ist oft eine Mischung aus Müdigkeit und heiterer Gelassenheit. Manchmal wird gesungen, manchmal schläft jemand an der Scheibe ein.
Sicherheit ist dabei selten ein Thema. Die Bahnen sind hell erleuchtet und meistens ist genug Personal oder zumindest eine Videokamera präsent. Dresden ist nachts erstaunlich friedlich, solange man sich nicht gerade mit den falschen Leuten anlegt. Die DVB-Mitarbeiter in den Servicepunkten am Hauptbahnhof oder am Albertplatz sind tagsüber übrigens recht geduldig, wenn man mal wieder nicht weiß, welcher Bus nun zur Gläsernen Manufaktur fährt. Sie schieben einem dann meistens einen dieser kleinen Liniennetzpläne rüber, die man ohnehin nach fünf Minuten verliert, die aber in diesem Moment wie eine Schatzkarte wirken.
Praktisches für Unterwegs
Ein kleiner Kniff für alle, die viel sehen wollen: Die Familientageskarte. Die lohnt sich oft schon für zwei Erwachsene, weil sie preislich sehr attraktiv gestaltet ist. Man kann den ganzen Tag kreuz und quer durch die Zone 10 gondeln. Wer Fahrräder mitnehmen will, muss ein Zusatzticket lösen. Das ist in Dresden oft ein Streitthema, weil die Bahnen zu Stoßzeiten so voll sind, dass man mit einem Drahtesel kaum eine Chance hat. Da erntet man schnell mal einen bösen Blick von einer Mutti mit Kinderwagen. Überhaupt ist das Thema Rücksichtnahme in den Bahnen so eine Sache. Die Dresdner sind recht direkt. Wenn man im Weg steht, bekommt man das gesagt, mal freundlich, mal in eher schroffem Sächsisch. Das darf man nicht persönlich nehmen, das gehört zum Lokalkolorit einfach dazu.