Wer durch das Zentrum von Dortmund-Aplerbeck spaziert, rechnet erst einmal mit dem üblichen Mix aus Drogeriemärkten, Bäckereiketten und dem unvermeidlichen Verkehr auf der Köln-Berliner Straße. Doch biegt man einmal falsch ab oder folgt gezielt dem Hinweisschild, steht man plötzlich vor einer Kulisse, die so gar nicht zum restlichen Beton-Charme passen will. Das Wasserschloss Rodenberg schiebt sich wie ein historischer Riegel zwischen die Geschäftigkeit des Vororts und die grüne Lunge des angrenzenden Parks. Es ist dieser krasse Kontrast, der den Ort so charmant macht. Man hört noch das Rauschen der Autos, aber gleichzeitig schnattern die Enten in der Gräfte um die Wette.
Die Anlage wirkt auf den ersten Blick fast ein bisschen zu schick für die Gegend. Die gelben Fassaden leuchten besonders intensiv, wenn die Sonne tief steht und sich im dunklen Wasser spiegelt. Es riecht hier oft nach feuchtem Laub und stehendem Gewässer, ein typischer Geruch für Wasserschlösser, der sofort entschleunigt. Spannend ist dabei, dass man hier nicht auf Samtpfoten wandeln muss. Das Schloss ist kein abgesperrtes Heiligtum. Es gehört den Leuten im Viertel. Hier sitzen Senioren auf den Bänken und diskutieren über die aktuelle Politik, während ein paar Meter weiter Kinder versuchen, die dicken Karpfen im Wasser zu entdecken. Es ist ein Ort ohne Allüren, trotz der herrschaftlichen Optik.
Kurz & Kompakt - Anfahrt: Mit der U47 bis Endhaltestelle Aplerbeck oder mit der Regionalbahn bis Bahnhof Dortmund-Aplerbeck. Parken ist auf den öffentlichen Parkflächen im Ortskern möglich.
- Gastronomie: Das Schloss-Restaurant bietet eine gehobene, aber bodenständige Küche mit einer tollen Terrasse direkt am Wasser. Ideal für den Nachmittagskaffee.
- Highlights: Der begehbare Innenhof der Vorburg und die Rundwege im angrenzenden Park. Im Winter ist der kleine Weihnachtsmarkt ein absoluter Geheimtipp für Nostalgiker.
- Barrierefreiheit: Das Außengelände und der Innenhof sind weitgehend eben und gut für Rollstühle oder Kinderwagen befahrbar, auch wenn das Kopfsteinpflaster etwas rütteln kann.
Vom wehrhaften Turm zum barocken Schlösschen
Die Geschichte des Hauses Rodenberg ist lang und verlief nicht immer friedlich. Ursprünglich war das Ganze mal eine wehrhafte Burg, eine sogenannte Motte, die im 13. Jahrhundert entstand. Damals ging es weniger um Ästhetik als um knallharte Verteidigung. Davon ist heute optisch nicht mehr viel übrig, was vielleicht auch ganz gut so ist, denn die barocke Umgestaltung hat dem Gebäude eine Leichtigkeit verliehen, die man im Ruhrgebiet oft vermisst. Im 17. Jahrhundert wurde die alte Burg zu dem umgebaut, was wir heute sehen. Die Familie von Voß sorgte dafür, dass aus dem Klotz ein repräsentativer Wohnsitz wurde. Man gönnte sich damals eben etwas.
Besonders markant ist die Vorburg, die hufeisenförmig angelegt ist. Wenn man im Innenhof steht, fühlt man sich fast ein bisschen eingekesselt, aber auf eine gemütliche Art. Dass das Hauptschloss heute nicht mehr steht, ist ein kleiner Wermutstropfen der Geschichte. Es wurde im 19. Jahrhundert abgerissen, weil es schlichtweg baufällig war. Was wir heute bewundern, ist also eigentlich "nur" die Vorburg. Aber mal ehrlich, wenn das die Vorburg ist, wie großartig muss dann erst das eigentliche Schloss gewesen sein? Die erhaltenen Gebäude beherbergen heute unter anderem die Volkshochschule und ein Restaurant. Es ist eine gute Nutzung für so ein altes Gemäuer, weil es verhindert, dass der Komplex zu einer toten Kulisse verkommt.
Ein Spaziergang zwischen Algen und Architektur
Ein Rundgang um die Gräfte dauert nicht lange, vielleicht zehn Minuten, wenn man schlendert. Aber diese zehn Minuten haben es in sich. Man sollte unbedingt auf die Details achten. Die Fensterläden, die Schmiedekunst an den Toren und das Mauerwerk erzählen Geschichten von früher. An manchen Stellen nagt der Zahn der Zeit ein wenig am Putz, was dem Ganzen aber eine ehrliche Patina verleiht. Es muss nicht alles geleckt aussehen. Ein bisschen "mackelig" darf es im Pott ruhig sein. Das Wasser in der Gräfte ist meistens ziemlich trübe, eben ein echtes Biotop. Im Sommer bilden sich dicke Algenteppiche, auf denen die Wasserhühner spazieren gehen. Das ist Natur pur, mitten im Dorf.
Interessant ist der Blickwinkel von der Parkseite aus. Dort öffnet sich die Anlage und man blickt über die weiten Rasenflächen auf das Schloss. Hier treffen sich im Sommer die Picknick-Fans. Es herrscht eine friedliche Koexistenz zwischen geschichtsträchtiger Architektur und Freizeitvergnügen. Wer Glück hat, erwischt einen Moment, in dem gerade eine Hochzeit im Schloss stattfindet. Dann stehen fein herausgeputzte Gäste im Hof und trinken Sekt, während daneben jemand seinen Hund Gassi führt. Dieser Mix aus feiner Gesellschaft und bodenständiger Nachbarschaft macht den Reiz von Rodenberg aus. Es ist eben kein Museum, sondern ein Teil von Aplerbeck.
Kultur, Kaffee und die Volkshochschule
Dass man heute in einem barocken Wasserschloss Sprachen lernen oder Töpferkurse belegen kann, ist eine feine Sache. Die Volkshochschule Dortmund nutzt die Räumlichkeiten intensiv. Es hat schon was, wenn man durch die knarzenden Flure läuft, um zu seinem Kurs zu kommen. Man spürt förmlich den Geist der Vergangenheit, auch wenn es jetzt um Excel-Tabellen oder Spanischvokabeln geht. Die Umnutzung hat das Schloss gerettet, denn Leerstand ist der Tod solcher Gebäude. Auch die Gastronomie im Haus ist ein wichtiger Faktor. Draußen sitzen, einen Kaffee trinken und auf das Wasser schauen, das hat schon fast Urlaubsflair. Die Preise sind moderat, eben typisch Dortmund.
Regelmäßig finden im Schloss oder auf dem Gelände Veranstaltungen statt. Ob kleine Konzerte, Lesungen oder der traditionelle Weihnachtsmarkt, der hier eine ganz besondere Atmosphäre entfaltet. Wenn die Lichterketten sich im Wasser spiegeln und es nach Glühwein duftet, dann ist die Idylle perfekt. Dann vergisst man kurz, dass nur ein paar Meter weiter der Bus nach Hörde abfährt. Es sind diese Momente, in denen das Wasserschloss zeigt, was es kann. Es ist ein Anker in einer Zeit, die immer schneller wird. Man kommt hierher, um mal kurz durchzuatmen, ohne gleich eine Weltreise machen zu müssen.
Der Schlosspark als erweitertes Wohnzimmer
Hinter den Wassergräben erstreckt sich der Schlosspark, der eigentlich mehr ein weitläufiger Garten ist. Er ist nicht so riesig wie der Westfalenpark, aber dafür persönlicher. Die alten Bäume spenden im Hochsommer herrlich Schatten. Man findet hier immer eine Ecke, in der man seine Ruhe hat. Besonders schön ist die Verbindung zum nahen Emscherquellreich. Wer gut zu Fuß ist, kann von hier aus wunderbare Spaziergänge starten, die einen weit aus der Stadt herausführen. Aber meistens bleibt man doch am Schloss hängen. Es zieht einen magisch an. Vielleicht liegt es an der Symmetrie der Gebäude oder an der beruhigenden Wirkung des Wassers.
Ein kleiner Geheimtipp ist der Besuch am frühen Morgen. Wenn der Nebel noch über der Gräfte hängt und die Stadt erst langsam wach wird, hat das Schloss Rodenberg etwas Mystisches. Dann sind nur die Jogger und die Enten unterwegs. Man hört das ferne Rauschen der Autobahn, aber hier drinnen ist die Welt noch in Ordnung. Es ist ein kleiner Luxus, so einen Ort quasi vor der Haustür zu haben. Dass der Eintritt in den Park und der Zugang zum Hof kostenlos sind, unterstreicht den Charakter als Bürgerpark. Hier wird niemand ausgeschlossen, jeder darf teilhaben an diesem barocken Restglanz.
Praktisches für den Ausflug zwischendurch
Die Erreichbarkeit ist wirklich ein Kinderspiel. Man kann quasi mit der U-Bahn direkt vor das Tor fahren. Die Haltestelle Aplerbeck ist nur einen Katzensprung entfernt. Wer mit dem Fahrrad kommt, kann das Schloss wunderbar in eine Tour entlang der Emscher einbauen. Parkplätze sind in der Umgebung vorhanden, aber meistens ziemlich begehrt, da das Zentrum von Aplerbeck insgesamt gut besucht ist. Ein Besuch lässt sich prima mit einem Bummel durch die örtlichen Geschäfte verbinden. So wird aus einem rein kulturellen Ausflug ein runder Nachmittag. Man braucht keine Wanderschuhe und keinen Rucksack voller Proviant, denn die nächste Bude oder das nächste Café sind nie weit weg.
Man sollte sich bewusst machen, dass das Schloss kein Ort für eine mehrstündige Sightseeing-Tour mit Audioguide ist. Es ist eher ein Ziel für einen entspannten Zwischenstopp. Man guckt, man genießt, man atmet mal tief ein. Es ist die Unaufgeregtheit, die diesen Ort auszeichnet. Wer Prunk und Gloria wie in Versailles erwartet, wird enttäuscht sein. Wer aber ein Stück ehrliche Geschichte und ein schönes Plätzchen im Grünen sucht, wird das Wasserschloss Rodenberg lieben. Es ist ein kleiner Schatz im Dortmunder Osten, den man vielleicht erst auf den zweiten Blick schätzen lernt, der dann aber immer wieder einen Besuch wert ist. Einfach mal hingehen, sich auf die Mauer setzen und die Zeit ein bisschen langsamer laufen lassen.