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Berlin WelcomeCard vs. CityTourCard: Welcher Pass lohnt sich für dich wirklich?

Berlins Tarifsystem kann verwirren, doch zwei Karten versprechen die Lösung für Fahrt und Eintritt. Wir rechnen nach, ab wann sich der Kauf wirklich rentiert und wer besser beim Einzelticket bleibt.

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Zwischenablage

Du stehst am Flughafen BER oder am Hauptbahnhof. Um dich herum wuseln Menschen, Koffer rollen über den Boden, und aus den Lautsprechern dröhnen blecherne Ansagen, die keiner versteht. Vor dir leuchtet der Bildschirm des Fahrkartenautomaten. Die erste Hürde in Berlin ist nicht der Türsteher vom Berghain, sondern die Wahl des richtigen Fahrscheins. Wer länger als einen Tag bleibt und nicht jeden Meter zu Fuß zurücklegen will, landet zwangsläufig bei der Frage: Berlin WelcomeCard oder CityTourCard? Beide werben mit freier Fahrt und Rabatten. Beide sehen auf den ersten Blick fast gleich aus. Aber der Teufel steckt, wie so oft in dieser Stadt, im Detail.

Es ist ein klassisches Szenario. Man will alles richtig machen, bloß nicht schwarzfahren, und am besten noch ein paar Euro für die Currywurst sparen. Die Berliner Verkehrsbetriebe, kurz BVG, und die S-Bahn machen es einem nicht leicht. Zonen A, B, C. Anschlusstickets. Kurzstrecke. Da klingen diese Pauschalangebote verlockend. Einmal kaufen, abstempeln, Ruhe haben. Das ist tatsächlich das stärkste Argument für beide Pässe. Du entwertest das Ticket genau einmal. Danach kannst du in jede U-Bahn springen, auch wenn die Tür fast schon zugeht und der Fahrer "Zurückbleiben bitte" ins Mikrofon mault. Dieser Komfort ist unbezahlbar. Aber ob sich der Aufpreis gegenüber einer normalen Tageskarte auch finanziell rechnet, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Kurz & Kompakt
  • Geltungsbereich: Wähle immer "Berlin AB" für das Stadtgebiet. "Berlin ABC" ist nur nötig für Potsdam oder den Flughafen BER.
  • Familienbonus: Bei fast allen Varianten fahren bis zu 3 Kinder (6–14 Jahre) kostenlos beim Erwachsenen mit. Das spart massiv.
  • Die Faustregel: Die "Berlin WelcomeCard" lohnt sich bei vielen teuren Eintritten (Museen, Turmauffahrten). Die "CityTourCard" ist besser für Wenig-Besucher, die primär den ÖPNV nutzen wollen.
  • Wichtig: Vor der ersten Fahrt entwerten (Stempelbox auf dem Bahnsteig oder im Bus), danach gilt das Ticket für den gewählten Zeitraum (z.B. 48h) durchgehend.

Die gemeinsame Basis: Der öffentliche Nahverkehr

Bevor wir die Unterschiede sezieren, schauen wir auf die Gemeinsamkeiten. Beide Karten fungieren als dein Freifahrtschein für den gesamten öffentlichen Nahverkehr. Das beinhaltet U-Bahn, S-Bahn, Tram, Bus und sogar die Fähren der BVG (ja, man kann in Berlin Fährfahren, etwa rüber nach Kladow). Beide Karten gibt es in zwei Varianten hinsichtlich des Geltungsbereichs: Berlin AB und Berlin ABC. Das ist wichtig. Der Bereich AB deckt das komplette Stadtgebiet ab. Vom Alexanderplatz bis Spandau, von Pankow bis Neukölln. Wenn du nur in der City bleibst, reicht das völlig.

ABC brauchst du nur, wenn es dich "jwd" zieht – janz weit draußen. Konkret heißt das: Flughafen BER und Potsdam. Wer also in Schönefeld landet oder dem Schloss Sanssouci einen Besuch abstatten will, muss zwingend ABC buchen. Tust du das nicht und wirst in der S-Bahn kontrolliert, hilft kein Dackelblick. Die Kontrolleure in Berlin sind berüchtigt für ihre Humorlosigkeit. 60 Euro sind dann weg. Beide Pässe, WelcomeCard und CityTourCard, decken diese Transportleistung identisch ab. Hier gewinnt also keiner. Der Unterschied liegt allein im Preis und dem, was man gemeinhin "Mehrwert" nennt. Und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen.

Die Berlin WelcomeCard: Der Klassiker für Kulturfans

Die WelcomeCard ist so etwas wie der Platzhirsch unter den Touristentickets. Sie ist teurer in der Anschaffung als die Konkurrenz, protzt aber mit einer Liste an Rabattpartnern, die so dick ist wie ein Telefonbuch aus den Neunzigern. Über 200 Partner sind dabei. Die Ersparnisse liegen meist zwischen 25 und 50 Prozent. Das klingt erst mal gewaltig. Doch man muss genau hinschauen. Wer fünf Tage lang nur durch Kreuzberg spaziert, Kaffee trinkt und die Streetart an der East Side Gallery bestaunt, hat von diesen Rabatten gar nichts. Die Streetart ist umsonst, der Kaffee wird nicht billiger.

Interessant wird die WelcomeCard für jene, die ein straffes Programm haben. Fernsehturm, DDR Museum, Tierpark, Schloss Charlottenburg. Wenn diese Orte auf deiner Liste stehen, summieren sich die 25 Prozent Rabatt irgendwann auf. Ein besonderes Biest ist die Variante "Berlin WelcomeCard Museumsinsel". Die kostet noch mal einen Schluck mehr, inkludiert aber den freien Eintritt in die Museen auf der Museumsinsel (außer Sonderausstellungen). Angesichts der gesalzenen Einzelpreise für Pergamonmuseum oder Alte Nationalgalerie kann das der Deal des Jahrhunderts sein. Vorausgesetzt, man steht auf alte Steine und babylonische Tore. Wer nach zwei Stunden Museum Kopfschmerzen bekommt, sollte die Finger davon lassen.

Man bekommt bei der WelcomeCard oft noch einen kleinen Guide im Taschenformat dazu. Darin ist ein Stadtplan und eine Übersicht der Partner. In Zeiten von Google Maps wirkt das fast anachronistisch, hat aber haptisch seinen Reiz. Man kann im Café sitzen, blättern und sich wie ein echter Entdecker fühlen, der seine Route plant, statt nur stumpf dem blauen Punkt auf dem Smartphone hinterherzulaufen.

Die CityTourCard: Die günstige Schwester

Kommen wir zur CityTourCard. Sie ist oft ein paar Euro günstiger als die WelcomeCard. Die Laufzeiten sind ähnlich: 48 Stunden bis 6 Tage. Der Fokus liegt hier aber etwas anders. War die WelcomeCard der kulturbeflissene Streber, ist die CityTourCard eher der lässige Student. Die Anzahl der Rabattpartner ist deutlich geringer. Es sind meist um die 20 bis 40, je nach Saison. Die Rabatte bewegen sich oft eher bei 15 oder 30 Prozent.

Die Partner sind hier oft "leichtere Kost". Madame Tussauds, Berlin Dungeon, diverse Hop-on-Hop-off-Busse. Weniger Hochkultur, mehr Entertainment. Das ist keine Wertung, nur eine Beobachtung. Wer mit Teenagern reist, die beim Wort "Gemäldegalerie" die Augen verdrehen, fährt hiermit eventuell besser. Man spart beim Ticketkauf an der S-Bahn-Station direkt Geld und hat trotzdem den Fahrschein in der Tasche. Wenn man dann spontan doch noch auf den Panoramapunkt am Potsdamer Platz will, nimmt man den Rabatt halt mit.

Der Rechenschieber: Wann lohnt sich was?

Jetzt wird es trocken, aber notwendig. Eine normale 24-Stunden-Karte für den Bereich AB kostet aktuell knapp unter 10 Euro. Eine Einzelfahrt liegt bei rund 3,50 Euro. Wer an einem Tag nur vom Hotel zum Brandenburger Tor und abends zurückfährt, braucht keinen Pass. Da reichen zwei Einzeltickets. Wer aber dreimal am Tag die Bahn nutzt, ist mit der Tageskarte gut bedient. Die Touristenpässe kosten pro Tag umgerechnet oft etwas mehr als die reine BVG-Tageskarte, besonders bei kurzen Laufzeiten. Diesen Aufpreis zahlt man für die Rabatt-Möglichkeit.

Das bedeutet im Klartext: Die Karte muss ihren Aufpreis wieder einspielen. Bei der CityTourCard ist die Hürde niedriger, weil der Preisabstand zur normalen Tageskarte geringer ist. Ein rabattierter Eintritt reicht oft schon, um im Plus zu sein. Bei der WelcomeCard muss man schon aktiver sein. Wer die Karte für 72 Stunden kauft und dann nur einmal ins Museum geht, hat wahrscheinlich draufgezahlt. Man muss den "Stress" wollen. Man muss Lust haben, von Attraktion zu Attraktion zu tingeln. "Dit is Berlin", würde der Busfahrer sagen und gleichgültig die Schultern zucken, wenn du ihm deine Fehlkalkulation beichtest.

Subjektive Eindrücke und kleine Fallen

Ein Aspekt, der in offiziellen Broschüren nie steht, ist das Gefühl der Freiheit. Mit einem 5-Tages-Pass in der Tasche steigst du einfach in den 100er Bus, fährst eine Station, steigst aus, weil das Licht gerade schön auf die Siegessäule fällt, und steigst in den nächsten wieder ein. Ohne Pass überlegt man: "Lohnt sich das jetzt? Ist das Ticket noch gültig?" Diese mentale Entlastung ist ein versteckter Bonus. Man bewegt sich flüssiger durch die Stadt. Man gehört fast schon dazu, ist kein Tourist mehr, der kleingeldzählend den Betrieb aufhält.

Vorsicht ist jedoch geboten bei den Laufzeiten. Die Karten gelten ab Entwertung für den gewählten Zeitraum gleitend (also z.B. exakt 48 Stunden). Früher gab es Varianten, die nach Kalendertagen abgerechnet wurden, das hat sich zum Glück weitgehend geändert, aber ein Blick auf das Kleingedruckte schadet nie. Nichts ist ärgerlicher, als wenn das Ticket um 14:00 Uhr abläuft, man aber erst um 17:00 Uhr zum Flughafen muss. Dann braucht man doch wieder ein Einzelticket ABC. Ein klassischer Anfängerfehler.

Die Sache mit den Kindern

Wer mit Familie reist, muss neu kalkulieren. Bei der WelcomeCard (und oft auch bei der CityTourCard) fahren beliebig viele Kinder bis 6 Jahre und bis zu drei Kinder zwischen 6 und 14 Jahren kostenlos mit einem Erwachsenen mit. Das ist ein massiver Vorteil gegenüber normalen Tageskarten, wo man eventuell Zusatztickets braucht oder auf Kleingruppenkarten ausweichen müsste. Wenn du also mit zwei Kindern im Schlepptau unterwegs bist, ist der Pass fast immer ein Gewinn, rein transporttechnisch gesehen. Die Kleinen brauchen dann keinen eigenen Fahrschein. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Nerven bei Kontrollen.

Fazit: Welcher Typ bist du?

Am Ende ist es eine Charakterfrage. Bist du der Planer, der "Jäger und Sammler" von Eindrücken? Willst du morgens auf den Turm, mittags ins Museum und abends zur Show? Dann nimm die Berlin WelcomeCard. Sie ist das Rundum-Sorglos-Paket für den Power-Touri. Nimm die Variante mit Museumsinsel, wenn du Kultur ernst nimmst. Der höhere Preis amortisiert sich schnell durch die hohen Eintrittspreise der Top-Sehenswürdigkeiten.

Bist du eher der Flaneur? Du willst primär mobil sein, vielleicht mal einen Rabatt mitnehmen, wenn es sich ergibt, aber eigentlich lieber durch den Kiez treiben und Falafel essen? Dann greif zur CityTourCard. Oder, wenn du gar keine Bezahl-Attraktionen von innen sehen willst, kauf dir einfach normale BVG-Tageskarten (oder die 7-Tage-Karte, wenn du länger bleibst). Berlin ist nämlich auch von außen schön, dreckig und lebendig. Man muss nicht Eintritt zahlen, um den Puls der Stadt zu fühlen. Manchmal reicht es, sich mit einem Späti-Bier an das Landwehrkanal-Ufer zu setzen und zu gucken. Das kostet fast nichts, ist aber unbezahlbar.

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