Berlin

Rettung an Regentagen: Die Mall of Berlin und die Potsdamer Platz Arkaden

Berliner Nieselregen kann die Laune verderben, doch zwischen Leipziger und Potsdamer Platz warten zwei überdachte Giganten auf Zuflucht suchende Stadtbummler. Hier gibt es weit mehr als nur trockene Kleidung und warme Mahlzeiten. Wir zeigen, was die beiden ungleichen Nachbarn wirklich taugen.

Berlin  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Berlin im Regen ist eine ganz eigene ästhetische Kategorie. Der Himmel hängt dann oft so tief über den Dächern von Mitte, dass man meint, den Fernsehturm nur noch erahnen zu können. Es ist dieses spezielle Grau, das Einheimische gerne mit einem resignierten Schulterzucken quittieren, während Besucher verzweifelt versuchen, ihren Schirm gegen den Wind zu stabilisieren. Wenn das Wasser nicht mehr nur von oben kommt, sondern scheinbar auch von der Seite und unten, wird der Wunsch nach einem festen Dach über dem Kopf übermächtig. Genau in diesem Moment, wenn die Schuhe langsam durchweichen, bietet das Areal rund um die ehemalige Berliner Mauer eine fast schon luxuriöse Rettung an. Zwei riesige Komplexe buhlen hier um die Aufmerksamkeit der Durchnässten: Die glatte, massive Mall of Berlin am Leipziger Platz und die kürzlich runderneuerten Potsdamer Platz Arkaden, die jetzt unter dem hip klingenden Namen "The Playce" firmieren. Beide liegen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt, doch könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Wir nehmen dich mit auf eine Tour ins Trockene.

Kurz & Kompakt
  • Öffnungszeiten: Beide Center haben in der Regel Montag bis Samstag von 10:00 bis 20:00 Uhr geöffnet, wobei die Gastronomie oft länger offen bleibt. Sonntags ist meist geschlossen, außer an speziellen verkaufsoffenen Sonntagen (Termine vorab online prüfen!).
  • Anreise: Perfekt angebunden. U2 (Potsdamer Platz oder Mohrenstraße), S-Bahn S1/S2/S25 (Potsdamer Platz). Wer mit dem Auto kommt, nutzt die riesigen Parkhäuser, muss aber mit saftigen Innenstadt-Preisen rechnen.
  • Toiletten: In beiden Häusern vorhanden, sauber und modern, kosten aber meist eine Gebühr (ca. 0,50 € bis 0,70 €). Kleingeld oder Karte bereithalten.

Mall of Berlin: Der Riese auf historischem Grund

Man muss die Geschichte kennen, um die Dimensionen zu verstehen. Dort, wo sich heute die Mall of Berlin, oft einfach als "LP12" abgekürzt, in den Himmel streckt, stand einst das legendäre Kaufhaus Wertheim. Es war vor dem Krieg der größte Konsumtempel Europas. Die Investoren der heutigen Mall hatten genau dieses Erbe im Hinterkopf, als sie 2014 die Türen öffneten. Und sie haben geklotzt. Schon beim Betreten durch die riesigen Drehtüren merkt man, dass hier alles auf Effekt getrimmt ist. Der Boden glänzt meist so sehr, dass man sich darin spiegeln kann, und die Deckenhöhe in den Passagen lässt einen fast vergessen, dass man sich in einem geschlossenen Gebäude befindet. Es riecht hier drinnen seltsam neutral, eine Mischung aus teurem Parfum, das aus den Drogerien herüberweht, und dem Geruch von neuem Steinboden.

Die Struktur ist simpel, aber effektiv. Zwei lange Flügel ziehen sich parallel zur Leipziger Straße, verbunden durch eine überdachte Piazza, die den Blick auf den Bundesrat freigibt. Wer hier einkauft, braucht Kondition. Die Wege sind lang. Man läuft und läuft, vorbei an den üblichen Verdächtigen der internationalen Modeketten. Zara, H&M, Uniqlo. Das kennt man aus jeder Fußgängerzone von Madrid bis Kopenhagen. Interessant wird es aber in den Details. Zwischen den großen Ankern finden sich immer wieder kleinere Labels oder Pop-up-Stores, die versuchen, das etwas sterile Gesamtbild aufzubrechen. Doch machen wir uns nichts vor: Wer hierherkommt, sucht meist den Mainstream. Und den bekommt er in maximaler Dosierung.

Akustik und Atmosphäre

Ein Phänomen in der Mall of Berlin ist die Lautstärke. Durch die harten Oberflächen hallt es gewaltig. Das Klackern von Absätzen, das Rollen von Koffern – viele Touristen kommen direkt vom Bahnhof oder sind auf dem Weg zum Hotel – und das Stimmengewirr mischen sich zu einem permanenten Grundrauschen. An Regentagen, wenn die Mall voll ist, schwillt dieser Lärmpegel zu einem Dröhnen an, das empfindliche Gemüter durchaus stressen kann. Es ist keine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre, sondern eher das geschäftige Treiben einer Bahnhofshalle, nur in sehr viel sauberer und mit besserer Beleuchtung. Das Lichtkonzept ist übrigens gelungen; selbst wenn draußen die Welt untergeht, ist es hier drinnen immer strahlend hell, fast schon klinisch. Man verliert jegliches Zeitgefühl.

Der Food Court: Mehr als nur Pommes

Wenn der Magen knurrt, führt der Weg fast zwangsläufig in das zweite Obergeschoss. Der Food Court der Mall of Berlin gehört zu den besseren seiner Art in Deutschland. Klar, die üblichen Fast-Food-Riesen sind präsent, ihre Leuchtreklamen sind nicht zu übersehen. Aber dazwischen gibt es Lichtblicke. Es finden sich Stände mit durchaus passabler vietnamesischer Küche, ordentliche Burger-Brater jenseits der großen Ketten und sogar Versuche, Berliner Currywurst in einem Shopping-Center-Ambiente zu servieren. Das Highlight ist jedoch die Aussicht. Wer einen der begehrten Plätze an der Fensterfront ergattert, schaut direkt auf das preußische Herrenhaus, den heutigen Bundesrat. Es hat eine gewisse Ironie, seinen Döner zu essen, während man auf den Ort blickt, an dem Bundesgesetze verabschiedet werden.

Ein kleines, fast schon skurriles Highlight darf nicht unerwähnt bleiben: Die Rutsche. Ja, mitten im Atrium verbindet eine Röhrenrutsche das zweite Obergeschoss mit dem Erdgeschoss. Was wie ein reines Kinderspielzeug aussieht, wird oft genug von Erwachsenen genutzt, die sich die Rolltreppe sparen wollen oder einfach einen kurzen Adrenalinkick zwischen dem Schuhkauf suchen. Es ist eines der wenigen Elemente, das dem strengen Bau etwas Verspieltes gibt.

Der Weg hinüber: Drei Minuten Nasswerden

Hat man die Mall of Berlin "durchgespielt", lohnt sich der Wechsel der Szenerie. Man verlässt den Komplex am besten Richtung Potsdamer Platz. Jetzt heißt es kurz Zähne zusammenbeißen. Der Weg führt über den Leipziger Platz, vorbei an den Resten der Berliner Mauer und dem Eingang zur U-Bahn. Es sind vielleicht dreihundert Meter, aber bei peitschendem Berliner Regen können die sich ziehen. Man sprintet vorbei am Spionagemuseum, weicht Pfützen aus, die sich auf den oft unebenen Gehwegplatten bilden, und steuert auf die markanten Gebäude des Daimler-Areals zu.

Vom Arkaden-Charme zu "The Playce"

Wer die Potsdamer Platz Arkaden noch aus den frühen 2000ern kennt, wird sie heute kaum wiedererkennen. Damals waren sie der Inbegriff des Nachwende-Aufbruchs, später wirkten sie angestaubt und etwas traurig. Nach einem radikalen Umbau, der erst kürzlich abgeschlossen wurde, hat sich der Name zu "The Playce" gewandelt. Ein Wortspiel, das vielleicht nicht jedem gefällt, aber das Konzept trifft. Man wollte weg vom reinen "Kaufen" hin zum "Erleben". Und tatsächlich, der Unterschied zur Mall of Berlin ist beim Eintreten sofort spürbar. Während die Mall hell und weitläufig ist, wirkt The Playce gedrungener, aber auch intimer und wärmer. Die Materialien sind dunkler, es wird viel mit Holzoptik und warmem Licht gearbeitet.

Renzo Piano, der Stararchitekt, der das Quartier entwarf, hatte einst eine klassische Einkaufspassage im Sinn. Die neuen Betreiber haben das Innere komplett entkernt. Viele der klassischen Modehändler sind verschwunden. Stattdessen setzt man hier massiv auf Unterhaltung und Gastronomie. Das ist clever, denn gegen die schiere Masse der Mall of Berlin konnte man mit Hosen und Hemden allein nicht mehr ankommen.

Kulinarik als Anker: Der Manifesto Market

Das Herzstück des neuen Konzepts ist der "Manifesto Market". Anders als der klassische Food Court drüben, versucht man hier, Street-Food-Atmosphäre in ein geschlossenes Gebäude zu holen. Es ist laut, es ist bunt, und es riecht intensiv nach Gewürzen aus aller Welt. Die Stände sind offen gestaltet, man sieht den Köchen beim Hantieren zu. Das Angebot ist kuratierter, vielleicht ein wenig elitärer. Man findet hier koreanische Corn Dogs, hochwertige Tacos oder aufwendige Patisserie. Die Preise sind allerdings auch entsprechend angepasst; ein günstiges Schnäppchen für die Mittagspause macht man hier seltener. Dafür sitzt man nicht auf Plastikstühlen, sondern auf recht bequemem Mobiliar, oft flankiert von Pflanzenarrangements, die versuchen, ein bisschen Natur in die Betonwelt zu zaubern. An Wochenenden legt hier manchmal ein DJ auf, was die Grenze zwischen Restaurant und Club leicht verschwimmen lässt.

Spielen statt Shoppen

Was "The Playce" wirklich von seinem großen Nachbarn unterscheidet, ist der Fokus auf Entertainment. Hierhin geht man nicht zwingend, um Socken zu kaufen. Hier gibt es eine riesige Mattel-Welt, die Kinderaugen zum Leuchten bringt, und Unterhaltungsangebote wie Bowling oder Virtual-Reality-Erlebnisse. Es ist der Versuch, den Potsdamer Platz wieder zu einem Ort zu machen, an dem Berliner ihre Freizeit verbringen, nicht nur Touristen. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Unter der Woche wirkt die Passage manchmal etwas verwaist, da die Büromenschen aus den umliegenden Türmen fehlen, aber an verregneten Samstagen brummt der Laden.

Ein interessantes Detail ist die Integration von Dienstleistungen. Man findet hier moderne Co-Working-Ansätze und Showrooms von Marken, die ihre Ware gar nicht direkt vor Ort verkaufen, sondern nur präsentieren. Es ist ein Schaufensterbummel 2.0. Wer klassisch shoppen will, wird vielleicht enttäuscht sein, dass die Auswahl an Standard-Modeketten hier deutlich kleiner ist als früher. Wer aber Entertainment sucht, während draußen der Regen gegen die Scheiben peitscht, ist hier besser aufgehoben.

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