München

Der ultimative Guide für den Flaucher und die schönsten Kiesbänke der Isar

Pack dein Handtuch ein und entdecke eine Oase aus glühenden Kieselsteinen und eisigem Alpenwasser. Hier, zwischen Flaucher und Reichenbachbrücke, zelebriert die Stadt den Sommer so entspannt wie nirgendwo sonst.

München  |  Highlights & Stadtviertel
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Zwischenablage

Es ist noch gar nicht so lange her, da glich die Isar in München eher einer funktionale Abwasserrinne als einem lebendigen Gewässer. Eingezwängt in ein graues Korsett aus Betonplatten, schnurgerade und unfreundlich, floss das Wasser aus den Alpen einfach nur durch die Stadt hindurch. Schneller Abfluss war das Ziel, Hochwasserschutz die Devise. Dass sich Menschen dort wohlfühlen könnten, spielte in den Planungen der Nachkriegszeit kaum eine Rolle. Doch dann kam der „Isar-Plan“. Zwischen den Jahren 2000 und 2011 passierte etwas, das in dieser Dimension weltweit Beachtung fand. Auf einer Strecke von acht Kilometern wurde der Fluss aus seinem künstlichen Bett befreit. Das Ufer wurde abgeflacht, das Flussbett verbreitert und Kiesinseln aufgeschüttet.

Heute sieht es an vielen Stellen so aus, als wäre der Fluss nie anders geflossen. Das ist natürlich eine Illusion, denn jeder Stein und jede Biegung ist das Ergebnis präziser Landschaftsarchitektur und hydraulischer Berechnungen. Aber genau das macht den Reiz aus. Die Münchner haben ihren Fluss nicht nur zurückbekommen, sie haben ihn förmlich okkupiert. Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, pilgert die halbe Stadt an das Ufer. Es riecht nach Kohle, Sonnencreme und feuchtem Kalkstein. Man hört Sprachen aus aller Welt, gemischt mit bayerischem Grant und Lachen.

Kurz & Kompakt
  • Grillen: Nur in den ausgewiesenen Zonen erlaubt (Beschilderung beachten!). In den meisten Bereichen gilt striktes Grillverbot wegen Brandgefahr und Rauchbelästigung.
  • Glasverbot: Vorsicht! In vielen Uferbereichen sind Glasflaschen generell verboten, um Verletzungen durch Scherben zu vermeiden. Kontrollen sind häufig.
  • Isar-App: Die Stadt München bietet Informationen und aktuelle Pegelstände online an. Ein Blick darauf lohnt sich vor dem Sprung ins Wasser.
  • Toiletten: Öffentliche WCs sind rar gesät. Mobile Toiletten finden sich im Sommer an den Hotspots, aber man sollte sich darauf einstellen.

Der Flaucher: Das Wohnzimmer der Stadt

Zentraler Anlaufpunkt dieser neuen Badekultur ist zweifellos der Flaucher. Der Name allein löst bei Einheimischen sofortige Entspannung aus. Er bezeichnet den Abschnitt der Isarauen im Stadtteil Thalkirchen, der durch den verzweigten Flusslauf und die breiten Kiesbänke geprägt ist. Hier ist das Wasser oft flach, was es im Sommer angenehm aufwärmt, anders als im reißenden Hauptstrom, der selbst im August oft empfindlich kalt bleibt. Wer hierher kommt, sucht keine Einsamkeit. Der Flaucher ist laut, bunt und voll. An schönen Wochenenden gleicht die Szenerie einem Wimmelbild.

Hier wird gegrillt, bis der Arzt kommt. Es ist einer der wenigen Bereiche, wo das noch explizit erlaubt ist, solange man sich an die Regeln hält und seinen Müll wieder mitnimmt. Was übrigens leider nicht alle tun, weshalb die Stadtreinigung am frühen Morgen oft Schwerstarbeit leistet. Charakteristisch für den Flaucher ist auch die strikte Lässigkeit im Umgang mit Kleidung. Oder besser gesagt: mit deren Abwesenheit. Die FKK-Kultur wird hier ganz selbstverständlich neben bekleideten Badegästen gelebt. Manchmal sorgt das bei Touristen für irritierte Blicke, wenn der nackte Nachbar ganz leger sein Würstchen wendet, aber das gehört zum Münchner „Leben und leben lassen“ einfach dazu.

Besonders schön ist der Zugang über die Thalkirchner Brücke. Von oben hat man bereits einen guten Überblick über die Lage der Kiesbänke. Je weiter südlich man geht, desto urwüchsiger wirkt die Landschaft. Hier lagert sich Totholz ab, das bei Hochwasser angespült wurde, und bildet natürliche Sitzgelegenheiten oder Windschütze. Das Wasser gurgelt hier leiser, und die Bäume ragen weit über das Ufer hinaus, was an heißen Tagen den nötigen Schatten spendet. Es ist ein bisserl wie Urlaub, nur dass die U-Bahn gleich um die Ecke fährt.

Die Reichenbachbrücke: Sehen und gesehen werden

Bewegt man sich vom Flaucher flussabwärts Richtung Innenstadt, ändert sich der Charakter der Isar spürbar. Zwischen der Wittelsbacherbrücke und der Reichenbachbrücke wird es urbaner. Hier sind die Uferwiesen steiler, die Kiesbänke schmaler, aber der Andrang ist nicht minder groß. Dieser Abschnitt ist der Laufsteg der Isar. Hier trifft sich am Abend alles, was hip ist oder es gerne wäre. Der Kiosk an der Reichenbachbrücke ist eine Institution, fast rund um die Uhr geöffnet und damit die wichtigste Versorgungsstation für alle, deren Biervorrat zur Neige gegangen ist.

Spannend ist dabei, dass sich hier die Gruppenmischung verändert. Während am Flaucher oft Familien und ältere Semester zu finden sind, dominieren hier Studenten und junge Berufstätige. Die Stimmung ist vibrierend. Musikboxen wummern gegeneinander an, Slacklines werden zwischen den Bäumen gespannt, und überall klirren Flaschen. Apropos Flaschen: Ein wichtiges Thema. Scherben sind der Feind eines jeden Barfußgängers. Zwar gibt es an vielen Stellen mittlerweile ein Glasverbot, das aber oft schwer zu kontrollieren ist. Dennoch hält sich der Großteil daran, denn niemand will den Abend in der Notaufnahme verbringen.

Das Licht hier am späten Nachmittag ist phänomenal. Wenn die Sonne langsam hinter den Häusern des Glockenbachviertels sinkt, taucht sie das Wasser in ein goldenes Glitzern. Der Blick auf die Kirche St. Maximilian, deren Türme über den Bäumen aufragen, ist eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt. Es hat etwas fast Kitschiges, aber man kann sich dem Charme kaum entziehen. Man sitzt auf den warmen Steinen, die Füße im kalten Wasser, und schaut zu, wie die Stadt langsam in den Abendmodus schaltet.

Geheimtipps im Norden: Wenn es ruhiger sein darf

Wem der Trubel am Flaucher oder in der Innenstadt zu viel wird, der sollte sich auf sein Fahrrad schwingen und Richtung Norden radeln. Nördlich der Max-Joseph-Brücke, hin zum Stauwehr Oberföhring, zeigt die Isar ein anderes Gesicht. Hier ist das Tal breiter, die Auenwälder dichter. Man findet hier Kiesbänke, auf denen man tatsächlich noch alleine sein kann, wenn man nicht gerade am heißesten Sonntag des Jahres kommt.

Die Isarinsel bei Oberföhring und die Bereiche um St. Emmeram sind Rückzugsorte. Hier ist das Wasser durch das Stauwehr ruhiger, fast seeartig. Es ist der perfekte Ort, um ein Buch zu lesen oder einfach nur auf das Wasser zu starren. Die Vögel sind hier lauter als die Menschen. Man sieht Haubentaucher und mit etwas Glück sogar einen Eisvogel, der wie ein blauer Blitz über das Wasser schießt. Diese Biodiversität ist einer der großen Erfolge der Renaturierung. Fische, die früher keine Chance hatten, gegen die Strömung des begradigten Flusses anzukommen, finden durch die neuen Fischtreppen und Ruhezonen wieder Laichplätze.

Sicherheit und Strömung: Nicht unterschätzen

So idyllisch die renaturierte Isar aussieht, sie bleibt ein Wildfluss. Das vergessen viele, wenn sie das klare, grün schimmernde Wasser sehen. Gerade nach Regenfällen in den Alpen kann der Pegel innerhalb weniger Stunden rasant ansteigen. Die Strömung ist oft stärker, als sie von außen wirkt. Tückisch sind vor allem die Bereiche unterhalb von Wehren oder Brückenpfeilern, wo sich Wasserwalzen bilden können. Jedes Jahr müssen die Wasserwacht und die Feuerwehr unvorsichtige Schwimmer retten, die ihre Kräfte überschätzt haben. Besonders mit Kindern sollte man vorsichtig sein und sich eher an die flachen Nebenarme oder die ausgewiesenen Badebereiche halten.

Ein weiterer Aspekt ist die Temperatur. Die Isar ist Schmelzwasser. Selbst wenn die Luft 30 Grad hat, klettert die Wassertemperatur selten weit über 20 Grad. Dieser Kälteschock kann den Kreislauf belasten, wenn man erhitzt ins Wasser springt. Also lieber erst mal die Zehen reinhalten und langsam machen. Man muss niemandem etwas beweisen.

Die beste Zeit für den Sonnenuntergang

Wo sitzt man nun am besten, wenn der Tag geht? Ein absoluter Klassiker ist die Weideninsel zwischen der Wittelsbacher- und der Reichenbachbrücke. Sie ist über einen kleinen Steg erreichbar. Da sie mitten im Fluss liegt, hat man Sonne bis zum letzten Moment. Die Atmosphäre dort ist meist etwas gedämpfter, fast romantisch. Pärchen teilen sich eine Decke, irgendwo spielt leise jemand Gitarre. Es ist fast zu klischeehaft, um wahr zu sein, aber es funktioniert jedes Mal.

Ein anderer hervorragender Spot ist das Westufer südlich des Flaucherstegs. Da die Isar hier eine leichte Biegung macht und das Ufergehölz etwas zurückweicht, fällt das Abendlicht lange auf die Steine. Die Farben verändern sich im Minutentakt. Von gleißendem Gelb über weiches Orange bis hin zum kühlen Blau der Dämmerung. Wenn dann die Grillfeuer langsam runterbrennen und nur noch die Glut leuchtet, entsteht eine Stimmung, die man in einer Millionenstadt so eigentlich nicht erwartet. Es ist dieser Moment, in dem man versteht, warum die Münchner ihre Stadt so unverschämt lieben.

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