München

Warum das Wasser aus dem Hahn hier besser schmeckt als aus der Flasche (Alpenwasser!)

München protzt gerne, doch beim Wasser ist das berechtigt. Wer hier Geld für Plastikflaschen im Supermarkt ausgibt, hat die Stadt noch nicht verstanden. Ein Schluck direkt aus der Leitung ist nicht nur günstiger, sondern oft auch schlichtweg besser.

München  |  Essen, Trinken & Nachtleben
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Zwischenablage

Wer in München den Wasserhahn aufdreht, bekommt im Grunde eine flüssige Postkarte aus den Alpen geliefert. Das Wasser legt keine weiten Wege durch chemische Aufbereitungsanlagen zurück, sondern sprudelt fast so aus der Leitung, wie es tief unter der Erde im Mangfalltal und der Loisach-Region gewonnen wird. Es ist ein kleiner Luxus, den man im Alltag oft übersieht. Während andere Großstädte ihr Wasser mühsam aus Flüssen ufernfiltrieren oder mit Chlor versetzen müssen, hat München das Glück einer geologischen Besonderheit. Die Kies- und Sandschichten der Endmoränenlandschaft fungieren als riesiger, natürlicher Filter. Das dauert Jahre, bis der Regen durch diese Schichten gesickert ist. Dabei nimmt das Wasser Mineralien auf und wird gleichzeitig von Schwebstoffen gereinigt.

Man muss sich das mal vorstellen: Das Wasser, das heute in der Maxvorstadt in ein Glas fließt, war vielleicht vor Jahrzehnten ein Schneeschauer am Taubenberg. Die Stadtwerke München (SWM) achten peinlich genau darauf, dass rund um die Brunnenfassungen alles ökologisch zugeht. Sie unterstützen die Bauern vor Ort beim Öko-Landbau, damit kein Nitrat oder Pestizidkram ins Grundwasser gelangt. Das kostet zwar eine ordentliche Stange Geld, spart aber am Ende die teure Reinigung. Wenn man an den tiefblauen Quellsammelschächten im Mangfalltal steht, riecht es nach feuchtem Moos und kühlem Stein. Das Wasser dort ist so klar, dass man meint, die Zeit sei stehengeblieben. Es ist diese Reinheit, die man später im Glas schmeckt. Es fehlt dieser typische Beigeschmack von Chlor oder Eisen, den man aus vielen anderen Metropolen kennt.

Kurz & Kompakt
  • Herkunft: Das Trinkwasser stammt zu fast 100 Prozent aus dem Voralpenland, vor allem aus dem Mangfalltal, der Loisach-Region und dem oberbayerischen Tertiär.
  • Qualität: Durch natürliche Filtration in Kies- und Sandschichten ist das Wasser so rein, dass es meist ohne chemische Zusätze wie Chlor direkt ins Netz geleitet werden kann.
  • Härtegrad: Mit etwa 13 bis 19 Grad deutscher Härte gilt das Münchner Wasser als "hart", was jedoch einen hohen Anteil an wertvollem Calcium und Magnesium bedeutet.
  • Verfügbarkeit: Neben dem privaten Hausanschluss bieten über 40 öffentliche Trinkbrunnen im gesamten Stadtgebiet im Sommer kostenlosen Zugriff auf die frische Quelle.

Warum die Flasche meistens verliert

Oft hält sich hartnäckig das Gerücht, Wasser aus der Glas- oder gar Plastikflasche sei gesünder. Schaut man sich die Analysen an, bröckelt diese Fassade ziemlich schnell. Das Münchner Leitungswasser ist strenger kontrolliert als jedes Mineralwasser aus dem Laden. Die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung sind knallhart. Mineralwasser muss hingegen nur am Quellort rein sein, danach darf es theoretisch monatelang in der Sonne auf einer Palette stehen. In München kommt das Wasser kühl und frisch aus der Leitung, direkt aus dem kühlen Untergrund. Der Geschmack ist weich, fast ein bisschen samtig, was am ausgewogenen Verhältnis von Calcium und Magnesium liegt. Klar, das Wasser ist "hart", was die Kaffeemaschine weniger freut, aber für den menschlichen Körper und den Geschmackssinn ist dieser Mineralreichtum ein Segen.

Ein weiterer Punkt ist die psychologische Komponente. Wer im Supermarkt mühsam Kästen in den vierten Stock schleppt, redet sich den Geschmack oft schön, um den Aufwand zu rechtfertigen. Dabei schmeckt Plastikwasser nach einer Weile oft leicht süßlich oder eben nach Kunststoff, besonders wenn die Flaschen warm wurden. Das Münchner Wasser hat dagegen diese unaufgeregte Neutralität. Es ist einfach nur Wasser. Es drängt sich nicht auf. In einem Blindtest würden viele den Unterschied kaum glauben. Wer einmal den direkten Vergleich wagt, merkt schnell, dass das "Kraneberger" – wie man hierzulande gern zum Leitungswasser sagt – eine Frische besitzt, die keine PET-Flasche halten kann. Es ist dieses leicht metallische Prickeln auf der Zunge, das fehlt, wenn Wasser zu lange steht.

Trinkbrunnen und die Kultur des Zapfens

Spannend ist, dass das Wassertrinken in München fast schon eine politische Geste ist. Überall in der Innenstadt findet man öffentliche Trinkbrunnen. Ob am Rindermarkt, beim Fischbrunnen am Marienplatz oder im Englischen Garten – man kann seine Flasche überall kostenlos auffüllen. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch ein Statement gegen den Plastikwahn. Im Sommer sieht man oft Trauben von Menschen an den Brunnen stehen. Es ist ein vertrautes Geräusch: das Plätschern des Wassers auf den Stein, das Zischen, wenn die Flasche voll wird. Die Brunnen sind meist aus massivem Stein oder Metall, oft mit kleinen Verzierungen, die an die lange Tradition der Wasserversorgung erinnern. Es hat fast etwas Meditatives, dort kurz innezuhalten, während um einen herum der Trubel der Kaufingerstraße tobt.

In vielen Münchner Restaurants ist es inzwischen auch kein Fauxpas mehr, nach einer Karaffe Leitungswasser zu fragen. Zwar drucksen manche Wirte noch herum, weil sie lieber die teure Gourmet-Quelle verkaufen wollen, aber der Trend geht eindeutig zum ehrlichen Leitungswasser. Oft wird es mit ein paar Scheiben Zitrone oder Minze aufgepeppt, was dem Ganzen einen schicken Anstrich gibt. Aber eigentlich braucht es das gar nicht. Die Qualität ist so hoch, dass jeder Zusatz den feinen Eigengeschmack eher stört. Wenn man im Biergarten sitzt und zwischen den Halben mal ein Glas Wasser trinkt, merkt man, wie gut das tut. Es neutralisiert den Gaumen und erfrischt auf eine Weise, die ein zuckriger Softdrink niemals schaffen würde.

Die Technik hinter dem Genuss

Damit das Wasser in der gewohnten Qualität aus dem Hahn kommt, betreiben die Stadtwerke einen enormen Aufwand. Das Verteilnetz ist riesig und wird ständig gewartet. Interessant ist dabei die Tatsache, dass das Gefälle vom Mangfalltal bis nach München ausreicht, um das Wasser ohne große Pumpen fließen zu lassen. Es nutzt also die Schwerkraft. Das ist ökologisch sinnvoll und spart Energie. In den Hochbehältern, wie etwa im Forstenrieder Park, lagert das Wasser in riesigen Kammern. Dort ist es stockfinster und kühl. Diese Stille in den Behältern ist fast ehrfurchtgebietend, wenn man bedenkt, dass dort Millionen Liter Trinkwasser darauf warten, die Stadt zu versorgen. Die Temperatur bleibt konstant bei etwa 10 Grad, was dafür sorgt, dass es auch im Sommer herrlich erfrischend aus der Leitung kommt.

In alten Häusern in Haidhausen oder im Westend kann es natürlich vorkommen, dass die Leitungen im Haus nicht mehr die neuesten sind. Wer unsicher ist, lässt das Wasser einfach kurz laufen, bis es richtig kalt wird. Dann kann man sicher sein, dass man kein Standwasser trinkt. Die SWM bieten sogar Tests an, falls man Angst vor Blei in uralten Rohren hat, was aber in München kaum noch ein Thema ist. Es ist eben diese Sicherheit, die das Trinken so entspannt macht. Man muss sich keine Gedanken über Rückstände oder Keime machen. Das Vertrauen in das städtische Wasser ist hier so tief verwurzelt wie der Glaube an die bayerische Gemütlichkeit. Es gehört einfach zum Lebensgefühl dazu, sich am Morgen erst einmal ein großes Glas direkt unter den Hahn zu halten.

Nachhaltigkeit zum Nulltarif

Man darf den ökologischen Aspekt nicht unterschätzen. Jede Flasche Wasser, die nicht produziert, transportiert und recycelt werden muss, ist ein Gewinn für die Umwelt. Wenn man bedenkt, dass Mineralwasser oft hunderte Kilometer quer durch Europa gekarrt wird, nur um dann in einer Plastikflasche im Regal zu landen, wirkt das angesichts der Qualität des Münchner Leitungswassers fast schon absurd. Wer auf Leitungswasser umsteigt, spart nicht nur Geld, sondern handelt auch verdammt vernünftig. Es ist einer dieser seltenen Fälle, in denen die günstigste Option auch die qualitativ beste ist. In München ist Wasser kein Luxusgut, das teuer vermarktet werden muss, sondern ein Grundrecht, das in exzellenter Form vorliegt.

Oft hört man das Argument, Sprudelwasser sei erfrischender. Dafür gibt es für ein paar Euro Wassersprudler für die Küche. Mit dem Münchner Wasser funktioniert das hervorragend, da die Kohlensäure die Mineralien geschmacklich noch einmal anders betont. Ein selbst gesprudeltes Wasser aus dem Mangfalltal schlägt jedes Discounter-Prickelwasser um Längen. Es ist frischer, es ist regionaler und man produziert keinen Müll. Wer durch die Münchner Viertel spaziert und sieht, wie die Leute ihre Glaskaraffen auf den Balkontischen stehen haben, merkt: Das Wasser ist hier Kulturgut. Es ist die Basis für das berühmte Münchner Bier, aber es glänzt eben auch ganz ohne Hopfen und Malz. Es ist das stille Fundament, auf dem die Stadt steht.

Ein kleiner Geheimtipp für Genießer

Wenn du mal etwas ganz Besonderes machen willst, dann fahr raus zum Taubenberg. Dort gibt es Wanderwege, die an den Schutzgebieten der Wasserversorgung vorbeiführen. Es ist eine idyllische Hügellandschaft, in der die Zeit langsamer zu ticken scheint. Dort oben zu stehen und zu wissen, dass unter den eigenen Füßen gerade das Wasser für den nächsten Kaffee am Gärtnerplatz gefiltert wird, gibt einem eine ganz neue Perspektive auf das, was aus dem Hahn kommt. Es ist eben nicht nur H2O, sondern ein Stück bayerische Natur. Man riecht dort den Wald, hört das ferne Läuten von Kuhglocken und spürt die Kühle, die aus dem Boden aufsteigt. Diese Verbindung zur Herkunft macht den Genuss zu Hause viel bewusster.

Wieder zurück in der Stadt, schmeckt das Wasser nach so einem Ausflug gleich noch ein bisschen besser. Es hat diese ganz leichte Erdigkeit, eine Frische, die man fast schon als "sauber" riechen kann. Es ist kein klinisch totes Wasser, sondern eines, das lebt. Und wenn man abends nach einer langen Tour durch die Kneipen der Stadt nach Hause kommt, gibt es nichts Besseres als diesen einen, langen Schluck aus der Leitung. Er rettet einem den nächsten Morgen und erinnert einen daran, dass München in vielen Dingen einfach verdammt viel Glück hat. Das Wasser ist das heimliche Herz der Stadt, leise fließend, verlässlich und von einer Qualität, die man anderswo vergeblich sucht. Es ist eben echtes Münchner Lebenselixier.

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