Dortmund

Dortmund bei Nacht: Die besten Fotospots für Skyline und Industrie-Illumination

Wenn die Sonne im Westen hinter den Fördertürmen verschwindet, kramt Dortmund sein schönstes Licht heraus. Zwischen rostigem Industriecharme und moderner City-Skyline warten Motive, die jedes Stativ erzittern lassen.

Dortmund  |  Aktivitäten & Erlebnisse
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Zwischenablage

Wer nach Dortmund kommt, sucht oft zuerst nach dem großen U. Das Wahrzeichen der ehemaligen Unionsbrauerei thront über der Stadt und dient als fixer Orientierungspunkt für jeden Fotografen. In der Nacht flimmern die Videokunst-Installationen von Adolf Winkelmann über die Dachfassade, was die Belichtung manchmal zu einer echten Geduldsprobe macht. Man steht da unten auf dem Vorplatz, das Stativ fest im Asphalt verankert, und wartet auf den Moment, in dem die fliegenden Bilder nicht gerade alles überstrahlen. Ein guter Spot für die totale Ansicht ist die Brücke am Hauptbahnhof oder direkt die gegenüberliegende Straßenseite an der Brinkhoffstraße. Dort fängt man die Dynamik der vorbeiziehenden Autos mit ein, was schöne Lichtzieher im Vordergrund ergibt.

Richtig spannend wird es aber erst, wenn man ein bisschen Distanz gewinnt. Die Dachterrasse des U selbst ist zwar nett, aber man kann das Gebäude dann eben nicht mit aufs Bild nehmen. Deshalb lohnt sich der Weg zum Parkhaus am Westentor. Klingt banal, ist aber ein Klassiker unter den lokalen Nachtschwärmern. Von den oberen Parkdecks aus hat man eine freie Sichtachse auf das beleuchtete Wahrzeichen und die dahinterliegende Innenstadt. Es riecht dort oft nach altem Beton und ein bisschen nach Abgasen, aber die Perspektive rechtfertigt den Aufenthalt in der zugigen Parkhausluft allemal. Wer Glück hat, erwischt eine klare Nacht, in der die Konturen der Reinoldikirche im Hintergrund scharf gegen den dunklen Himmel abschneiden.

Ein weiterer Ort für den weiten Blick ist die Hohensyburg im Süden. Das ist zwar ein Stück zu fahren, aber der Ausblick über das Ruhrtal und das angrenzende Hagen hat was für sich. Hier oben ist es nachts oft mucksmäuschenstill, abgesehen vom fernen Rauschen der Autobahn. Man blickt hinunter auf das Lichtermeer des Hengsteysees und das Koepchenwerk, das nachts dezent angestrahlt wird. Es ist kein klassischer Skyline-Spot für Hochhäuser, sondern eher etwas für die weite Landschaftsfotografie, wo das Wasser des Sees die künstlichen Lichter der Industrie spiegelt. Ein Fernglas oder ein ordentliches Teleobjektiv sollte man hier definitiv im Gepäck haben.

Kurz & Kompakt
  • Beste Zeit: Die Blaue Stunde beginnt im Winter oft schon gegen 16:30 Uhr, im Sommer erst nach 21:00 Uhr. Für Industriebauten ist die Zeit direkt nach Sonnenuntergang ideal, um noch Zeichnung im Himmel zu haben.
  • Ausrüstung: Ein stabiles Stativ ist unverzichtbar. Ein Weitwinkelobjektiv (16-35mm) hilft bei den massiven Industrieanlagen, während ein lichtstarkes 50mm-Objektiv Details in dunklen Hallen einfängt.
  • Anreise: Viele Spots wie Phoenix-West oder der Hafen sind gut mit der U-Bahn erreichbar. Für den Deusenberg oder die Hohensyburg empfiehlt sich ein eigenes Auto oder das Fahrrad, da die Taktung der Busse nachts nachlässt.
  • Sicherheit: Die Industrieareale sind nachts oft einsam. Es empfiehlt sich, mindestens zu zweit unterwegs zu sein, besonders in abgelegeneren Ecken der Kokerei Hansa oder im Hafengebiet.

Industriekultur in Neon: Phoenix-West

Wenn es einen Ort gibt, der die Transformation Dortmunds perfekt zusammenfasst, dann ist es das Areal Phoenix-West in Hörde. Früher wurde hier Eisen geschmolzen, heute spazieren IT-Experten und Nachtfotografen über das Gelände. Das Highlight ist ohne Frage der alte Hochofenkomplex. Sobald die Dämmerung einsetzt, werden die massiven Stahlgerüste in ein tiefes Blau und giftiges Grün getaucht. Es wirkt fast ein bisschen surreal, wie ein Set aus einem Science-Fiction-Film. Man läuft über die breiten Wege und hört das eigene Echo an den Blechwänden widerhallen. Es ist diese spezielle Mischung aus morbider Industrieruine und moderner Lichtinstallation, die den Reiz ausmacht.

Ein besonders beliebter Standort ist der Skywalk, eine alte Gasleitung, die heute als Aussichtsweg dient. Leider ist der Zugang meist nur im Rahmen von Führungen möglich, was für Langzeitbelichtungen eher unpraktisch ist. Aber keine Sorge, von unten ist die Sicht fast noch besser. Man kann sich direkt unter die gewaltigen Rohre stellen und mit Weitwinkel arbeiten. Die Linienführung der alten Leitungen lenkt den Blick des Betrachters automatisch zum illuminierten Hochofen. Wichtig ist hier, auf die Farbtemperatur zu achten. Das künstliche Licht beißt sich manchmal mit dem restlichen Umgebungslicht, was den Bildern aber auch einen gewissen Kick geben kann. Es ist dort oft windig, also sollte das Stativ wirklich stabil stehen, damit nichts verwackelt, wenn eine Böe durch die Stahlträger pfeift.

Nicht weit vom Hochofen entfernt liegt die Phoenix-Halle, heute bekannt als Warsteiner Music Hall. Die Fassade ist modern und bietet interessante geometrische Formen, die nachts gut zur Geltung kommen. Aber das wahre Schätzchen ist das Viadukt der ehemaligen Hympendahlbrücke. Die Backsteinbögen werden von unten angestrahlt und bilden einen warmen Kontrast zum kalten Stahl des Hochofens. Man kann hier wunderbar mit Symmetrien spielen. Wenn man sich mittig unter einen der Bögen stellt, entstehen fast sakrale Ansichten von profaner Industriearchitektur. Es ist erstaunlich, wie viel Ruhe dieser Ort ausstrahlt, obwohl er mitten im Strukturwandel-Trubel liegt.

Der Phoenix-See: Kitsch oder Kunst?

Vom rauen Phoenix-West ist es nur ein Katzensprung zum Phoenix-See. Hier zeigt sich Dortmund von seiner geleckten Seite. Wo früher das Stahlwerk Hermannshütte stand, plätschert heute Wasser gegen schicke Villenwände. Nachts verwandelt sich der See in eine glitzernde Kulisse. Die Uferpromenade ist gut beleuchtet, was das Fotografieren einfach macht, aber auch die Herausforderung birgt, nicht in puren Kitsch abzudriften. Die Thomas-Birne, ein Relikt aus der Stahlzeit, steht am Südufer und ist nachts ein Muss. Das Denkmal wird markant beleuchtet und erinnert an die feurige Vergangenheit des Ortes. Es ist ein schöner Kontrast zu den glatten Glasfassaden der Bürogebäude im Hintergrund.

Spannend ist dabei, dass man vom Hügel an der Kulturinsel einen fantastischen Rundumblick hat. Von dort oben sieht man die Lichterketten, die sich um das gesamte Seebecken ziehen. In einer windstillen Nacht spiegelt sich alles im Wasser, was fast schon ein bisschen zu perfekt aussieht. Wer es lieber etwas dynamischer mag, sollte sich an die Westseite des Sees begeben. Dort spiegeln sich die Lichter der Gastronomiebetriebe und sorgen für bunte Farbtupfer im dunklen Wasser. Man trifft hier eigentlich immer auf andere Leute, Jogger mit Stirnlampen oder Paare, die noch ein letztes Bier trinken. Die Atmosphäre ist entspannt, fast schon maritim, was man im tiefsten Ruhrpott gar nicht unbedingt erwartet hätte.

Ein kleiner Geheimtipp am See ist der Bereich hinter den Bahngleisen, wo die alten Mauern der Fabrik noch teilweise stehen. Hier ist die Beleuchtung spärlicher, was mehr Raum für Schatten und Konturen lässt. Man kann dort mit Taschenlampen arbeiten und Lightpainting ausprobieren, ohne dass ständig jemand durch das Bild läuft. Die alten Backsteine saugen das Licht förmlich auf und geben den Fotos eine Textur, die den neuen Betonbauten am See abgeht. Es riecht dort nach feuchtem Gras und Erde, ein krasser Gegensatz zur steril wirkenden Promenade ein paar hundert Meter weiter.

Hansa-Kokerei: Rost trifft Rampe

Die Kokerei Hansa in Huckarde ist für viele der heilige Gral der Industriefotografie in Dortmund. Während Phoenix-West eher poliert wirkt, hat Hansa noch diesen echten, dreckigen Charme. Nachts wird das Gelände teilweise beleuchtet, aber viele Ecken bleiben im Halbdunkeln. Das macht die Sache knifflig, aber auch lohnenswert. Die Kompressorenhalle mit ihren riesigen Maschinen ist ein technisches Kunstwerk für sich. Wenn das Licht durch die großen Fenster fällt, entstehen Schattenwürfe, die jedem Noir-Film zur Ehre gereichen würden. Man muss sich hier Zeit lassen und die Details suchen: rostige Ventile, alte Messinstrumente oder die gewaltigen Schwungräder.

Besonders fotogen ist die sogenannte Sortieranlage. Die Architektur der Förderbänder, die sich wie riesige Schlangen durch das Gelände ziehen, bietet Linienführungen ohne Ende. Nachts wirken diese Konstruktionen wie Skelette urzeitlicher Wesen. Da das Licht hier oft spärlich ist, kommt man um sehr lange Belichtungszeiten nicht herum. Ein Fernauslöser ist Pflicht, um auch das letzte Quäntchen Schärfe aus dem Sensor zu kitzeln. Es knackt und knirscht ab und zu im Gebälk der alten Anlage, was einem nachts schon mal eine Gänsehaut bescheren kann. Aber genau dieses Gefühl von Vergänglichkeit macht die Bilder am Ende so stark.

In der direkten Nachbarschaft der Kokerei liegt der Deusenberg. Dieser ehemalige Müllberg ist heute ein begrünter Aussichtspunkt und bietet einen der besten Fernblicke auf das gesamte Industrie-Ensemble der Kokerei und das angrenzende Hafengebiet. Der Aufstieg ist nachts ein bisschen mühsam, da die Wege nicht durchgehend beleuchtet sind. Oben angekommen wird man aber mit einem Panorama belohnt, das die Weite des Ruhrgebiets spürbar macht. Man sieht die fernen Lichter der Autobahnen, die blinkenden Warnleuchten der Windräder und natürlich die hell erleuchtete Kokerei direkt zu Füßen. Es ist ein Ort zum Durchatmen und um die Kamera einfach mal für zehn Minuten beiseite zu stellen.

Der Hafen: Kranballett am Kanal

Dortmund hat einen der größten Kanalhäfen Europas, und das sieht man besonders nachts. Das Hafengebiet ist rau und ehrlich. Hier wird noch gearbeitet, was bedeutet, dass man oft mit LKW-Verkehr und geschäftigem Treiben rechnen muss. Der markante Hafenturm mit seiner großen Uhr ist ein klassisches Motiv. Er steht wie ein Leuchtturm am Ende des Hafenbeckens und spiegelt sich im dunklen Wasser des Kanals. Die Speichergebäude drumherum haben diese typische rote Backsteinoptik, die nachts unter den Natriumdampflampen fast orange leuchtet. Es ist ein warmes, schweres Licht, das die Szenerie dominiert.

Interessant sind auch die Containerterminals. Die riesigen Kräne wirken nachts wie stählerne Giraffen, die über den bunten Metallboxen wachen. Man kommt zwar nicht überall direkt ran, weil vieles abgesperrt ist, aber von den öffentlichen Brücken und Wegen aus hat man oft einen guten Winkel. Die Spiegelungen der Containerfarben im Hafenwasser geben den Bildern eine moderne, fast abstrakte Note. Es riecht hier nach Diesel und Algen, eine Mischung, die man so schnell nicht vergisst. Man sollte im Hafen allerdings etwas vorsichtiger sein und sein Equipment nicht unbedingt unbeaufsichtigt lassen, da die Gegend nachts ziemlich einsam sein kann.

Ein Spaziergang entlang des Kanalkais bietet immer wieder neue Perspektiven. Mal ist es ein altes Binnenschiff, das im fahlen Licht der Laternen liegt, mal die modernen Glasbauten der IT-Firmen, die sich hier angesiedelt haben. Dieser Mix aus alt und neu ist typisch für Dortmund. Man kann hier wunderbar mit verschiedenen Brennweiten experimentieren. Ein Weitwinkel fängt die gesamte Breite des Hafenbeckens ein, während ein Teleobjektiv die Details der Verladekräne herausarbeitet. Wer Glück hat, erwischt einen Kahn, der gerade abgelegt hat, und kann die Heckwellen im langen Verschluss der Kamera glattbügeln.

Tipps für die nächtliche Fotopirsch

Dortmund ist nachts grundsätzlich gut zu erkunden, aber ein paar Dinge sollte man auf dem Schirm haben. Das Wetter im Pott kann tückisch sein. Oft schlägt der Himmel innerhalb von Minuten um, und aus einer klaren Sternennacht wird eine neblige Suppe. Wobei Nebel für Industriefotografie gar nicht mal das Schlechteste ist, da er die Lichtkegel der Scheinwerfer so richtig schön betont. Man sollte sich also nicht abschrecken lassen, wenn es mal etwas grauer aussieht. Warme Kleidung ist Pflicht, denn der Wind pfeift auf den Halden und zwischen den Hochöfen ordentlich. Nichts ist schlimmer als zitternde Hände, wenn man gerade den Fokus manuell feinjustieren will.

Bei der Wahl der Wochentage gibt es auch Unterschiede. Unter der Woche sind die Industrieanlagen oft noch belebt, was mehr Licht in den Fenstern und vielleicht sogar arbeitende Menschen bedeutet. Am Wochenende ist es ruhiger, was das Fotografieren entspannter macht, aber die Szenerie manchmal etwas lebloser wirken lässt. Wer das volle Lichtprogramm will, sollte schauen, ob gerade besondere Events wie die Extraschicht oder andere Lichtfestivals anstehen. Dann werden viele Gebäude zusätzlich farbig angestrahlt, was Dortmund in ein echtes Farbenmeer verwandelt. Dann ist es allerdings auch deutlich voller an den bekannten Spots, und man muss sich den Platz für das Stativ mit vielen anderen teilen.

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