Bremen

Schlafen auf dem Wasser: Die coolsten Hotelschiffe an der Weserkante

Wer in Bremen übernachtet, muss nicht zwangsläufig zwischen vier starren Wänden an Land verweilen. Die Weser bietet eine maritime Schlafstube, die vom historischen Dreimaster bis zum Designer-Hausboot reicht. Hier schaukelt man sanft in den Schlaf, während draußen der Fluss leise gegen den Rumpf gluckst.

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Zwischenablage

Wenn die Sonne hinter den Speichern von Woltmershausen versinkt, verwandelt sich die Bremer Schlachte in eine Lichtermeile. Das Kopfsteinpflaster glänzt, die Biergärten leeren sich langsam, und genau hier, direkt an der Kante, warten die schwimmenden Herbergen. Es ist dieses ganz eigene Gefühl, wenn man über die Gangway geht und der Boden unter den Füßen ganz leicht nachgibt. Man lässt den Trubel der Stadt hinter sich, obwohl man eigentlich mittendrin ist. Die Luft riecht hier nach Flusswasser, Algen und gelegentlich nach dem Malz der nahen Brauerei.

Ein echtes Urgestein am Anleger ist die Perle Bremen. Sie wirkt fast ein bisschen unscheinbar zwischen den größeren Ausflugsdampfern, aber genau das macht ihren Reiz aus. Wer hier eincheckt, wohnt in einer der zwei Kabinen, die so gemütlich eingerichtet sind, dass man fast vergisst, auf einem Schiff zu sein. Nur der Blick aus dem Bullauge erinnert einen daran: Dort ragen die Spitzen des St. Petri Doms in den Himmel, und die Lichter der Uferpromenade spiegeln sich im dunklen Wasser. Man ist hier so nah am Schnoorviertel, dass man morgens fast den Duft der frischen Backwaren aus den kleinen Gassen riechen kann. Spannend ist dabei, dass man trotz der zentralen Lage eine erstaunliche Ruhe genießt, sobald die Tür zur Kabine ins Schloss fällt.

Ein paar Schritte weiter liegt ein Schiff, das wohl jeder Deutsche schon einmal im Fernsehen gesehen hat, zumindest unbewusst. Die Alexander von Humboldt mit ihren charakteristischen grünen Segeln ist das Werbegesicht einer bekannten Brauerei. Heute ist die 1906 gebaute Dreimast-Barque ein fest verankertes Hotel-Restaurant. In den Kojen spürt man die Geschichte des Stahls und des Holzes. Es knarrt hier und da, der Raum ist effizient genutzt, eben wie es auf hoher See früher üblich war. Wenn man abends an Deck sitzt und ein kühles Blondes genießt, weht einem der Geist der großen weiten Welt um die Nase. Die Bordküche serviert regionale Spezialitäten, und wer Glück hat, erwischt einen Platz auf der Terrasse, während die Weser gemächlich vorbeizieht. Es ist kein steriles Hotelzimmer, sondern ein lebendiges Stück Seefahrtsgeschichte, in dem man sich für eine Nacht wie ein Kapitän auf Landgang fühlt.

Kurz & Kompakt
  • Beste Reisezeit: Von April bis Oktober ist die Atmosphäre am schönsten, da man die Außenbereiche der Schiffe und Hausboote optimal nutzen kann.
  • Anreise-Tipp: Die zentralen Schiffe an der Schlachte sind perfekt mit der Straßenbahn erreichbar; für die Außenstandorte wie Lankenauer Höft oder Wieltsee ist das Fahrrad (Weser-Radweg) oder das Auto die bessere Wahl.
  • Gezeiten beachten: Die Weser ist tideabhängig. Der Zugang über die Gangways kann je nach Wasserstand steiler oder flacher ausfallen – ein Blick in den Gezeitenkalender schadet nicht.
  • Platzmanagement: Auf Schiffen (besonders auf der Alexander von Humboldt oder der Weser) ist der Stauraum begrenzt; Reisetaschen sind praktischer als sperrige Hartschalenkoffer.

Industrieromantik und Design: Das Lankenauer Höft

Wer es moderner mag und wem der Trubel der Innenstadt ein wenig zu viel ist, der sollte den Weg flussabwärts antreten. Am Lankenauer Höft zeigt sich Bremen von seiner rauen, aber herzlichen Seite. Hier, wo früher Hafenarbeiter schufteten und heute Kräne die Kulisse dominieren, ist eine moderne Hausbootanlage entstanden. Es ist ein Kontrastprogramm: Auf der einen Seite die Industrieanlagen, auf der anderen die weite Weser und spektakuläre Sonnenuntergänge, die den Himmel in ein tiefes Orange tauchen.

Die 19 schwimmenden Häuser sind in verschiedene Kategorien unterteilt, wobei die LUV-Hausboote besonders bei Familien punkten. Man hat hier richtig Platz, zwei Schlafkabinen und sogar eine Dachterrasse. Wenn man dort oben mit einem Kaffee sitzt, hat man einen Logenplatz für das Schauspiel der vorbeiziehenden Binnenschiffe. Noch eine Schippe drauf legen die LEE-Modelle. Diese sind eher kleine schwimmende Wellness-Tempel. Dass man mitten im Bremer Hafen in einer Infrarotkabine mit Panoramablick schwitzen kann, während draußen vielleicht ein Nieselregen peitscht, hat schon eine ganz eigene Qualität. Der elektrische Kamin sorgt im Winter für eine Behaglichkeit, die man auf einem Boot so nicht unbedingt erwartet. Es ist ein bisschen so, als hätte jemand ein schickes Loft einfach auf Pontons gesetzt und in den Fluss geschoben.

Man erreicht das Lankenauer Höft in etwa 15 Minuten vom Zentrum aus, am besten mit dem Auto oder dem Rad. Die Atmosphäre dort ist entspannt, fast ein bisschen wie im Urlaub an der Küste. Ab Frühjahr 2024 ergänzen ein Restaurant und eine Bar das Angebot vor Ort, sodass man das Deck eigentlich gar nicht mehr verlassen muss, um gut versorgt zu sein. Es ist die perfekte Ecke für alle, die das maritime Bremen ohne den Trubel der Schlachte erleben wollen.

Abenteuer für Gruppen und Nostalgiker

Direkt vor der Jugendherberge an der Schlachte liegt ein ganz besonderer Hingucker: Die Weser. Dieser Nachbau eines historischen Raddampfers ist komplett aus Holz gefertigt und verströmt einen wunderbaren Duft nach Natur und Teer. Es ist kein Luxushotel, sondern ein Gästeschiff, das vor allem für Gruppen und Familien konzipiert wurde. Wer hier schläft, sucht das Gemeinschaftserlebnis. Die Etagenbetten in den Kajüten erinnern an Klassenfahrten und Abenteuer. Man teilt sich den Raum, man teilt sich die Waschgelegenheiten, aber man teilt vor allem dieses unvergleichliche Gefühl, wenn das Schiff bei jeder größeren Welle eines vorbeifahrenden Dampfers leise ächzt und schwankt. Morgens gibt es Frühstück in der Jugendherberge, und man ist sofort mitten im Geschehen.

Ein weiteres Schmuckstück ist das Küstenmotorschiff Aventura. Baujahr 1938 – dieses Schiff hat viel gesehen, war sogar im Kriegseinsatz und hat später als Schulschiff gedient. Heute liegt es friedlich am Anleger 5. Es ist die Basis einer Segelschule, bietet aber eben auch Kajüten für Übernachtungsgäste an. Wer hier absteigt, bekommt kein standardisiertes Erlebnis, sondern authentisches Flair. Die Kabinen sind funktional, charmant und atmen den Geist vergangener Jahrzehnte. Es ist der ideale Ort für Leute, die nicht nur ein Bett suchen, sondern eine Geschichte dazu hören wollen. Dass man direkt nebenan in die Bars der Schlachte stolpern kann, ist ein angenehmer Nebeneffekt dieser Lage.

Rückzug ins Grüne: Die Marina Wieltsee

Manchmal muss man die Stadtgrenzen ein Stück hinter sich lassen, um die totale Ruhe zu finden. Etwa 15 Kilometer südlich von Bremen liegt die Marina Wieltsee in Weyhe. Hier, in einer ehemaligen Kiesgrube mit direktem Weseranschluss, herrscht eine ganz andere Energie. Keine Kräne, kein Kopfsteinpflaster, dafür viel Schilf, Wasserhühner und das sanfte Plätschern des Sees.

Das Hausboot Sonja ist hier der Star. Auf 40 Quadratmetern bietet es mehr Komfort als so manche Stadtwohnung. Die Panoramafenster ziehen die Natur förmlich ins Innere. Besonders toll ist die Ausstattung: Ein eigenes Kajak gehört dazu, ebenso wie Wasserhängematten. Man kann also morgens direkt vom Schlafzimmer ins kühle Nass springen oder eine Runde paddeln, bevor die erste Tasse Tee auf der Dachterrasse serviert wird. Die Marina Wieltsee ist ein Naturparadies, das vor allem Radwanderer anzieht, da der Weser-Radweg praktisch direkt am Steg vorbeiführt.

Neben der Sonja gibt es noch weitere Hausboote wie die Gabi, Claudia, Seeblick und Emma. Alle folgen einem ähnlichen Konzept: Viel Licht, moderne Küchen und großzügige Terrassen. Es ist die luxuriöse Art des Campings auf dem Wasser. Man ist unabhängig, kann sich selbst versorgen und genießt eine Privatsphäre, die auf den Schiffen direkt in der Stadt baubedingt oft etwas kürzer kommt. Wenn abends die Grillen zirpen und der Blick über den Wieltsee schweift, fühlt sich Bremen ganz weit weg an, obwohl man in 20 Minuten wieder mitten auf dem Marktplatz stehen könnte.

Praktische Tipps für die Nacht auf dem Fluss

Wer auf einem Schiff übernachtet, sollte ein paar Dinge beachten, die im Hotel an Land keine Rolle spielen. Die Gezeiten sind in Bremen ein großes Thema. Die Weser ist ein Tidenfluss, was bedeutet, dass der Wasserstand um mehrere Meter steigt und fällt. Das beeinflusst den Neigungswinkel der Gangways. Wer also nicht ganz gut zu Fuß ist, sollte das bei der Planung berücksichtigen. Auch Hunde sind auf vielen Schiffen willkommen, aber eine kurze Vorabfrage erspart Stress beim Check-in.

Die beste Reisezeit ist definitiv zwischen April und Oktober. Zwar sind die modernen Hausboote gut isoliert und beheizt, aber das echte maritime Gefühl stellt sich erst ein, wenn man die Abendsonne an Deck genießen kann. Da die Kapazitäten auf den Schiffen naturgemäß begrenzt sind – eine Perle Bremen hat eben nur zwei Kabinen – ist eine frühzeitige Buchung absolut ratsam. Wer spontan kommt, muss oft mit dem Trockendock, sprich einem normalen Hotelzimmer, vorliebnehmen.

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